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Aller Zeitung Online , 02.08.2008 :

Bad Nenndorf: 300 Menschen protestieren gegen Neonazi-Aufmarsch

02.08.2008 - 18.50 Uhr

Rund 300 Menschen haben am Samstag gegen einen Neonazi-Aufzug in Bad Nenndorf (Kreis Schaumburg) protestiert. "Es ist soweit alles friedlich verlaufen, von beiden Seiten", sagte ein Polizeisprecher.

Seinen Angaben zufolge hatten sich in der Kurstadt "knapp über 400" Rechtsextremisten versammelt. Das waren deutlich mehr als die Behörden erwartet hatten. Das Ziel der Neonazis in Bad Nenndorf war das "Wincklerbad", das nach dem Zweiten Weltkrieg der britischen Armee als Militärgefängnis diente.

Die Polizei hatte erklärt, alles daran setzen zu wollen, dass Neonazis und Gegendemonstranten nicht aufeinandertreffen. "Ich denke, das haben wir auf jeden Fall erreicht", sagte der Polizeisprecher nach dem Ende der Kundgebungen. Bereits zum dritten Mal in Folge hatten Rechtsextreme einen Aufzug in Bad Nenndorf angemeldet.

Etwa 400 Teilnehmer der Gegendemonstration zogen in einem "Trauermarsch" vom Bahnhof zum Wincklerbad. Nach einer Zwischenkundgebung ging der Aufzug zurück zum Bahnhof, wo die Veranstaltung gegen 15.40 Uhr beendet wurde.

Bereits zwei Stunden vorher wurde vom linken Spektrum gegen den Aufzug demonstriert. Rund 250 Teilnehmer starteten am Bahnhof, führten am Jüdischen Mahnmal eine Kundgebung durch und beendeten danach ihre Veranstaltung. Ein Teil der Teilnehmer verblieb zu einer Mahnwache am Mahnmal.

70 Gewaltbereite reisten aus Nordrhein-Westfalen an

Die Polizei hatte im Vorfeld Erkenntnisse über etwa 70 gewaltbereite Autonome Nationalisten des rechten Spektrums aus Nordrhein-Westfalen, die bereits an anderen Veranstaltungsorten für massive Probleme gesorgt haben. Da auch nicht auszuschließen war, dass seitens der Gegendemo Störungen erfolgen, hatte sich die Polizei darauf vorbereitet.

Erklärtes Ziel des Einsatzleites, Kriminaldirektor Thorsten Walter, war es, beide Veranstaltungen störungsfrei und friedlich durchführen zu lassen und das Alltagsleben in Bad Nenndorf möglichst wenig zu beeinträchtigen.

"Unser Ziel haben wir uneingeschränkt erreicht", erklärt Thorsten Walter. Im Wesentlichen führt der Einsatzleiter das Ergebnis auch auf die deutliche Ansage der Polizei an die Veranstaltungsleiter zurück, dass Störungen konsequent unterbunden und verfolgt werden. Zu diesem Zweck wurden die 400 rechtsextremen Demonstrationsteilnehmer bei der Abfahrt von der Polizei begleitet.

Unter dem Strich musste die Polizei keine Personen in Gewahrsam nehmen. Insgesamt wurden 16 Ermittlungsverfahren wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz und das Waffengesetz eingeleitet.


az@madsack.de

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