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Blickpunkt Detmold , 23.12.1980 :

Ratsmehrheit für Vertragserfüllung / "Proteste" blieben im Rahmen - Unterschiedliche Meinungen

Detmold. Mit 35 gegen 12 Stimmen bei 3 Enthaltungen hob der Rat am Donnerstag seinen am 12. Juni d. J. bekundeten städtebaulichen Willen bezüglich der Randbebauung an der Nordseite der Hornschen Straße - bei Nutzung der Häuser Nr. 38, 40 und möglicherweise 42 - auf. Das Ergebnis der Abstimmun konnte kaum überraschen, allenfalls das Stimmenverhältnis.

Nur selten erlebt man bei Sitzungen des Rates, dass mehr Zuhörer Einlass begehren als auf der Empore Plätze vorhanden sind. Das Interesse der überwiegend jugendlichen Besucher galt allerdings wohl weniger den Stellungnahmen der Ratsfraktionen zum Haushalt '81, als vielmehr dem Ratsvotum über das Schicksal der ehemaligen Klingenberg-Gebäude. Auch ungewöhnlich die von der Zuschauertribüne herabhängenden Transparente mit Inschriften wie beispielsweise "Klingenberg bleibt Kommunikationszentrum".

Zu lautstarken Protesten der Jugendlichen kam es allerdings während der mit viel Engagement geführten Debatte nicht. Die Zuhörer artikulierten ihre Zustimmung oder ihr Mißfallen zu den Ausführungen der Diskussionsredner lediglich durch Beifall bzw. Zwischenrufe. Zu dieser "ruhigen" Atmosphäre mag wohl auch die Anwesenheit der Polizei beigetragen haben, die aber nicht in Aktion zu treten brauchte.

Vor Einstieg in die Aussprache gaben Stadtdirektor Dr. Kross und Bürgermeister Friedrich Vogt einen ausführlichen Sachstandsbericht; einmal über den vom Rat gebilligten Grundstückskaufvertrag zwischen dem Land NRW und der Landesentwicklungsgesellschaft als Sanierungsträgerin der Stadt vom 21. November 1978, der die Abräumverpflichtung beinhaltet, zum anderen über den vom Rat am 12. Juni 1980 bekundeten Willen nach Möglichkeit die Randbebauung und damit die Häuser zu erhalten.

Der Regierungspräsident seinerseits schloss in seinem Schreiben vom 12. November d. J. an die Stadt die vom Rat ins Auge gefasste evtl. Nutzung der Klingenberg-Gebäude aus und teilte mit, dass auf den Abbruch nicht verzichtet werden könne. Für die Aufhebung der Willensbekundung des Rates vom 12.06. plädierte aus städtebaulichen Gründen namens der CDU-Mehrheit Fraktionsvorsitzender Diether Kuhlmann. Dagegen wandte sich die FDP, als deren Sprecher Christian Weyert erklärte, dass man einem Abbruch nicht zustimmen werde, solange dafür keine zwingenden Gründe erkennbar wären.

Als "architektonische Perle" im Vergleich zu den vom RP geplanten nüchternen Zweckbauten bezeichnete Dr. Brauer (CDU) die Klingenberg-Gebäude und wollte den vom Rat am 12. Juni bekundeten Willen aufrechterhalten wissen.

Von einem gewissen Zwiespalt, in dem man sich durch zwei gegenteilige Beschlüsse befinde, sprach Ratsherr Dieter Dubbert, der sich aber - trotz aller Bedenken - im Einklang mit der Mehrheit seiner Fraktion gehalten sah, für die Vertragserfüllung gegenüber der Bezirksregierung zu stimmen. Dieser Fraktionsmeinung mochten sich jedoch die Ratsherren Brakemeier - man solle sich nicht der Chance einer zwischenzeitlichen Nutzung der Gebäude begeben - und Meierjohann nicht anschließen.

Nach erfolgter Abstimmung entrollten dann enttäuschte Zuschauer ein Transparent mit der sinnigen Aufschrift: "Der Stadtrat ist ein Hampelmann, und der RP, der zieht daran."


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