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Lippische Landes-Zeitung , 02.12.1980 :

Kompromissvorschlag für Gespräch zwischen Bürgermeister und Regierungspräsident / Stadt Detmold soll Klingenberg-Gebäude vom Land NRW "auf Zeit" zur Nutzung als Kultur- und Kommunikationszentrum mieten / Nach Auffassung vom Juso-Stadtverband ist sofortiger Abbruch nicht erforderlich

Detmold. Nach Bekanntwerden der Ausbaupläne des Regierungspräsidenten, insbesondere des voraussichtlichen Abbruchtermins für die Klingenbergschen Gebäude, haben sich die Jungsozialisten in der SPD, Stadtverband Detmold, unter Bezugnahme auf ihre Eingabe vom 12. August 1980 in einem erneuten Schreiben an den Bürgermeister der Stadt Detmold für die Aufnahme von Gesprächen zwischen Stadt und Regierungspräsident ausgesprochen. Ziel der Verhandlung sollte es sein, eine "sofortige Abräumung" der Grunfstücke zu vermeiden.

Nach Auffassung der Jusos rechtfertigen die Ausbaupläne des Landes bzw. der Bezirksregierung den Abruch der Gebäude Hornsche Straße 40/42 zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Argumentation der Antragsteller:

"Nach eigenen Angaben benötigt der RP diese Grundstücke erst in etwa fünfzehn Jahren für seine Erweiterungsbauten. Erfahrungsgemäß wird dieser Zeitraum eher länger als kürzer ausfallen. Bei der derzeitigen Finanzlage des Landes NRW, die sich in den nächsten Jahren kaum bessern wird, ist es fraglich, ob die Baumaßnahmen in dem geplanten Umfang überhaupt je realisiert werden.

Ein Abriß der Gebäude zum jetzigen Zeitpunkt würde erhebliche Kosten verursachen, wertvolle und sinnvoll verwendbare Bausubstanz vernichten und im Ergebnis – möglicherweise auf Dauer – lediglich einige zusätzliche Parkplätze schaffen.

Demgegenüber würde eine Verwendung der Gebäude als Kommunikations- und Kulturzentrum – wenn auch möglicherweise nur für etwa fünfzehn Jahre – einen dringenden Bedarf in Detmold decken. Ein Umbau zu diesem Zweck wäre zu vertretbaren Kosten möglich. Seitens der Stadt Detmold brauchten im wesentlichen nur die Heizungsanlage und die sanitären Anlagen erneuert bzw. ergänzt werden. Die gesamten Innenausbauten könnten von den an einer Nutzung interessierten Organisationen und Vereinen weitestgehend in Eigenleistung geschaffen werden. Zu prüfen wäre darüber hinaus, ob eine Förderung durch Landesmittel im Rahmen des Programms für kommunale Bürgerhäuser in Betracht kommt (50 prozentige Bezuschussung).

Wir fordern daher die Stadt Detmold auf, Verhandlungen mit dem RP aufzunehmen mit dem Ziel, einen Verzicht auf die sofortige Abräumung der betreffenden Grundstücke zu erreichen. Statt dessen sollten die Gebäude – wenn der RP sie schon nicht zurückübertragen will – für die Zeit bis zur Realisierung der Neubaupläne von der Stadt Detmold zur Nutzung als Kommunikations- und Kulturzentrum angemietet werden.

In diese Verhandlungen müsste die Stadt auch nicht mit leeren Händengehen. Bekanntlich wünscht der RP die Häuser Leopoldstraße 5 und 7 von der Stadt zu erwerben. Für diese Häuser hätte auch die Stadt Detmold sinnvolle Verwendungsmöglichkeiten (Stadtbücherei). Einer Veräußerung dieser Häuser sollte deshalb nur zugestimmt werden, wenn der RP seinerseits vorläufig auf den Abriss der Klingenberg-Gebäude verzichtet.

Wir meinen, dass ein Abriss der Gebäude bei der Bevölkerung, insbesondere bei den Jugendlichen in Detmold, auf wenig Verständnis stoßen würde, nicht zuletzt im Hinblick darauf, dass gleichzeitig Pläne für den Bau eines Bunkers für den RP bekanntgeworden sind, der Kosten in Millionenhöhe verursachen wird."


Detmold@lz-online.de

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