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1 Veranstaltung - Nachrichten , 11.08.2022 :

Tages-Chronologie von Donnerstag, 11. Juli 2022

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Veranstaltungskalender:



- Donnerstag, 11. August 2022 um 16.00 Uhr -


Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933 - 1945: Ausstellungseröffnung: Erinnern, Bewahren, Vermitteln - Die Gedenkstätte Wewelsburg im Miniaturformat


Veranstaltungsort:

Kreismuseum Wewelsburg
Burgwall 19
Sonderausstellungsraum
33142 Büren-Wewelsburg

www.wewelsburg.de


Ausstellungsdauer: Donnerstag, 11. August 2022 bis Sonntag, 11. September 2022; von 10.00 bis 17.00 (dienstags bis freitags) sowie von 10.00 bis 18.00 Uhr (samstags und sonntags).


Sonderausstellung in Kooperation mit der Universität Paderborn im Rahmen des 50-jährigen Jubiläums

Museumskoffer sind didaktische Medien, "Miniaturmuseen", in denen sich klassische Funktionen des Museums - das Sammeln, Bewahren, Archivieren, Dokumentieren und Vermitteln - auf kleinstem Raum zu einem Unterrichtsmedium "verdichten". Denkmäler, Kunstwerke, Religionen, künstlerische / religiöse Biografien, Kulturlandschaften und weitere kulturwissenschaftliche beziehungsweise interdisziplinäre Themenstellungen können sinnlich-narrativ und ästhetisch-anschaulich in einem Museumskoffer präsentiert werden. Begleitet von didaktischen Konzepten repräsentieren signifikante Objekte und Materialien in dem begrenzten Sammlungsraum die gewählten Themenstellungen und geben Anregungen für die pädagogische Praxis.

Lehramtsstudierende der Fächer Kunst und Religion werden kooperativ diese Museumskoffer erstellen und kuratorisch in dem Projekt begleiten. Durch die Mobilität des Mediums können Museumskoffer das entdeckende und forschende Lernen an verschiedenen Orten begleiten und sind somit vielfältig einsetzbar. Die verantwortungsvolle Auseinandersetzung mit der regionalen Wewelsburger NS- und KZ-Vergangenheit ist auf Grund des Verstummens von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie dem neuen Aufleben fremdenfeindlicher Motive und Mechanismen wie Antisemitismus, Rassismus und Rechtspopulismus immer noch aktuell. In dem Projekt "Die Wewelsburg - Kulturerbe hautnah" soll die Multifunktionalität und vor allem die Interdisziplinarität dieses Mediums genutzt werden, um bildungs- und erinnerungspolitisch die vielfältigen Geschichten der "Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933 - 1945" zu "erzählen" und in einer Ausstellung für die breite Öffentlichkeit, vor allem auch Schulen, sinnlich erfahrbar zu machen.


Organisatorinnen:

Dr. Larissa Eikermann, Universität Paderborn - Fakultät für Kulturwissenschaften.

Dr. Stephanie Lerke, Universität Paderborn - Historische Theologie (ev.).

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Pressespiegel überregional


Jüdische Allgemeine Online, 11.08.2022:
Antisemitismus / Verheerende Bilanz

Jüdische Allgemeine Online, 11.08.2022:
Energiekrise, Inflation, Corona / Zentralrat der Juden rechnet mit Zunahme von Antisemitismus

Jüdische Allgemeine Online, 11.08.2022:
documenta / "Meine kühnsten Albträume wurden übertroffen

MiGAZIN, 11.08.2022:
"Rassistische Polizeigewalt"? / Tödliche Schüsse auf 16-jährigen Mohammed D. aus Senegal löst Diskussionen aus

die tageszeitung Online , 11.08.2022:
Von Polizei erschossener Jugendlicher / Wieso starb Mouhamed D.?

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www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Donnerstag, 11. Juli 2022


Am 19. sowie am 26. August 2022 bietet Wolfgang Battermann - von der Gedenk- und Informationsstätte Alte Synagoge Petershagen -, jeweils eine Führung "Auf den Spuren jüdischen Lebens in Petershagen" an.

Vom 25. Juli bis zum 14. September 2022 ist die Ausstellung "LastSeen. Bilder der NS-Deportationen" der Arolsen Archives - aus Anlass des antisemitistischen Eklats bei der documenta fifteen, in Kassel zu sehen.

Am 13. April 2021 wurde beim OLG Stuttgart der Prozess gegen die terroristische Vereinigung "Gruppe S.", auch gegen die Akteure Thomas Niemann (einer der Haupttäter) und Markus Krüper aus Minden eröffnet.

Am 4. November 2020 hat die Bundesanwaltschaft vor dem Staatsschutzsenat des OLG Stuttgart Anklage, gegen "elf mutmaßliche Mitglieder" - so wie "einen mutmaßlichen Unterstützer" der "Gruppe S.", erhoben.

Am 13. Juli 2020 wurde der am 14. Februar 2020 in Porta Westfalica - wegen mutmaßlicher Unterstützung der terroristischen Vereinigung "Gruppe S." - verhaftete Ulf Rösener tot in der JVA Dortmund aufgefunden.

Am 14. Februar 2020 wurden zwölf Neonazis der in Alfdorf gegründeten "Gruppe S." beziehungsweise "Der harte Kern", dabei Thomas Niemann, Markus Krüper, Minden; Ulf Rösener aus Porta Westfalica, verhaftet.


www.synagoge-petershagen.de

www.facebook.com/synagoge.petershagen

www.arolsen-archives.org

www.gedenkstaette-porta.de

www.prozessbeobachtung.org

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Artikel-Einträge in der Datenbank:


Mindener Tageblatt, 11.08.2022:
Auf den Spuren jüdischen Lebens

Mindener Tageblatt, 11.08.2022:
Documenta statt Dachs I

Mindener Tageblatt, 11.08.2022:
"Dann bin ich dran"

Neue Westfälische - Zeitung für das Lübbecker Land, 11.08.2022:
"Dann bin ich dran"

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Mindener Tageblatt, 11.08.2022:

Auf den Spuren jüdischen Lebens

Führungen im Ensemble an der Goebenstraße in Petershagen

Petershagen (mt/hy). Zwei Führungen auf den Spuren jüdischen Lebens in Petershagen bietet im August Wolfgang Battermann an. Treffpunkt ist am Freitag, 19. August, und am Freitag, 26. August, jeweils um 18 Uhr die Alte Synagoge Petershagen, Goebenstraße 5 und 7.

Die Führungen dauern etwa anderthalb Stunden; die Teilnahme kostet drei Euro und erfordert einen 3G-Nachweis. Um Anmeldung wird gebeten bei Bianca Krumme, Telefon (0571) 83744-58, Mail bianca.krumme@kk-ekvw.de.

Bis heute bestehen in Petershagen die klassischen Elemente einer kleinen jüdischen Landgemeinde - und das ist einzigartig in Norddeutschland. Die Synagoge stammt aus den Jahren 1845 und 1846, die jüdische Schule und die Mikwe, das jüdische Ritualbad, wurden 1796 errichtet. Außerdem gibt es noch einige frühere jüdische Wohnhäuser. Aus dem jüdischen Friedhof ist eine Gedenkstätte geworden; 36 Stolpersteine erinnern an Menschen, die im Nationalsozialismus ermordet wurden, und das Informations- und Dokumentationszentrum vermittelt Wissen über fast 500 Jahre jüdische Orts- und Regionalgeschichte.

Die Führungen sind Teil des Begleitprogramms zu einer Ausstellung in der Offenen Kirche St. Simeonis in Minden: Noch bis zum 1. September macht die Ausstellung "Nichts war vergeblich" aufmerksam auf die Biografien von 18 Frauen, die im Nationalsozialismus auf unterschiedliche Weise Widerstand geleistet haben.

Bildunterschrift: Zwei Führungen auf den Spuren jüdischen Lebens in Petershagen bietet Wolfgang Battermann an.

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Mindener Tageblatt, 11.08.2022:

Documenta statt Dachs I

Per Lkw touren die Arolsen Archives durch Deutschland und zeigen Fotos von Menschen kurz vor der Deportation / Aus aktuellem Anlass steht der Wagen nun in Kassel und kommt erst 2023 nach Porta

Thomas Lieske

Porta Westfalica / Kassel. Eigentlich wäre der graue Oldtimer-Lkw demnächst in Porta Westfalica vorgerollt. Doch als die Antisemitismus-Debatte bei der Documenta in Kassel aufkam, entschied sich die Arolsen Archives spontan zu einem Schlenker auf ihrer Deutschland-Tour. Kassel statt Porta Westfalica. Und das nicht ohne Grund.

Denn in dem grauen Lastwagen werden ganz bestimmte Fotos ausgestellt. Private Fotos von Menschen kurz vor ihrer Deportation durch die Nazis. "#LastSeen" nennt sich deshalb diese Mini-Ausstellung mit ausdrucksstarken Bildern, die berühren sollen. Die deutlich machen sollen, wie diese darauf abgebildeten Menschen kurz nach der Aufnahme aus ihrem bis dahin unbeschwerten Leben gerissen wurden. "Aus Anlass des antisemitistischen Eklats rund um die Documenta hat der Lkw, der zur Zeit durch Deutschland tourt, seine Route kurzfristig geändert, um in Kassel ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen", erklären die Verantwortlichen um Archiv-Direktorin Floriane Azoulay. Konkret geht es dem Archiv, das sich als weltweite Aufklärungsorganisation und Archiv für Opfer der Deportation versteht, um die als antisemitisch eingestuften Banner sowie von einigen Gästen kritisierten ausgestellten Kunstwerke.

Und wie ist nun die Verbindung zwischen der Fotoausstellung und der Kritik an diesen Kunstwerken gemeint? Die Fotos würden die abgebildeten Menschen kurz vor einer dramatischen Lebenswendung zeigen. An einem Punkt, an dem aus Hass (der Nazis gegen die Juden) Taten werden (Deportation). Antisemitismus, in welcher Form auch immer, müsse immer bekämpft werden. Azoulay forderte dazu auf, auch die Frage des strukturellen Antisemitismus und seiner Verharmlosung in kulturellen Institutionen in den Blick zu rücken und dieses Problem aktiv anzugehen.

Das Archiv möchte sensibilisieren. Porta Westfalica sei als Ort für eine solche Ausstellung durch seine Vergangenheit mit dem Nazi-Stollen Dachs I im Jakobsberg genau richtig. Dort mussten unzählige Zwangsarbeiter ihre Arbeit unter schlimmsten Bedingungen verrichten, die im Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme in Barkhausen festgehalten wurden. Etliche Zeitzeugen-Berichte haben bisher schon einen Eindruck davon vermittelt, wie grausam diese Zeiten damals waren.

Archiv sucht an Ausstellungsorten nach weiteren Fotos.

Die Fotoausstellung ist Teil einer Initiative der Arolsen Archives zusammen mit vier Partnern, bei der es um die Suche nach bisher unbekannten Fotos von NS-Deportationen und ein tieferes Verständnis der Bilder geht. Bisher sind rund 550 Fotos von NS-Deportationen aus knapp 60 Orten bekannt. Ziel von "#LastSeen" ist es, diese Bilder virtuell zusammenzuführen, weitere Fotos zu finden und Hintergründe zu recherchieren, um den Verfolgten ihre Namen und Geschichten zurückzugeben. Der Lastwagen macht auf die Initiative aufmerksam und bittet Freiwillige, sich an der Suche vor Ort zu beteiligen. Erste Ergebnisse werden Ende 2022 in einem digitalen Bildatlas veröffentlicht. Ergänzend dazu wird für Schülerinnen und Schüler ein interaktives Lernspiel angeboten.

All das hätte das Team gern schon in diesem Jahr in Porta - und dann später auch in Petershagen - präsentiert. Daraus wird nun nichts mehr, wie Sprecherin Dr. Anke Münster auf MT-Anfrage mitteilt. Vermutlich im kommenden Jahr werde der Lastwagen mit den besonderen Fotos dann in Porta Westfalica vorrollen.

Der Autor ist erreichbar unter Telefon (0571) 882267 oder Thomas.Lieske@MT.de.

Bildunterschrift: Mit diesem Lkw wollen die Arolsen Archives auch nach Porta Westfalica kommen. Der Halt verzögert sich allerdings wegen des Zwischenstopps auf der Documenta bis ins kommende Jahr.

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Mindener Tageblatt, 11.08.2022:

"Dann bin ich dran"

Am letzten Prozesstag vor der Sommerpause geht es im Verfahren um die rechtsterroristische Vereinigung "Gruppe S." auch darum, dass ein Mindener in abgehörten Telefonaten seine Festnahme ahnte

Stuttgart / Minden. "Dann holen sie mich. Dann bin ich dran". Als Thomas N. aus Minden am 12. Februar 2020 mit seinem alten Freund Tony E. telefonierte, ahnte er wohl, was passieren könnte: Zwei Tage später, an einem Freitagmorgen um sechs Uhr, holte ihn die Polizei tatsächlich. Von da an war er Beschuldigter in einem Verfahren, bei dem es darum geht, dass eine terroristische Gruppe gegründet worden sein soll - im Haus von Thomas N., bei einem Treffen mit Tony E. und zehn weiteren Personen. Die meisten von ihnen stehen derzeit in Stuttgart vor Gericht.

Am letzten Prozesstag vor der Sommerpause wurde eines der vielen abgehörten Telefongespräche des Mindeners vorgespielt. N. hatte Verdacht geschöpft - bei dem Treffen in seinem Haus am Samstag vorher war irgendwas schief gelaufen. Ein Auto mit einer Panne vor seiner Haustür habe dort viel zu lange gestanden, viele Stunden - obwohl es einen Pannendienst ganz in der Nähe gebe. Tatsächlich war es eine fingierte Panne - die Polizei beobachtete von dort das Geschehen rund um N.’s Haus an der Kutenhauser Straße.

Das ermittelnde Landeskriminalamt Baden-Württemberg hatte einen Informanten unter den Teilnehmern des Treffens. Wie genau die Behörden die Zusammenkunft in dem Mindener Haus verfolgten, darüber wollen die damaligen Ermittler vor Gericht bisher nicht reden. Es sei beobachtet, aber nicht abgehört worden, heißt es bisher. Immerhin wurden unterschiedliche Perspektiven eingestanden - was dafürspreche, dass auch in benachbarten Wohnhäusern Beamte postiert waren.

Nach der Sommerpause wird es eine der spannendsten Fragen sein, ob die von der Polizei erstellten Aufnahmen des Mindener Treffens doch noch öffentlich gemacht werden. Bisher werden sie behördlich zurückgehalten. Verteidiger der Angeklagten drängen darauf. Sie wollen Belege dafür, dass ihre These stimmt: In Minden hätten sich zwar Menschen mit einem ähnlichen, rechten Weltbild getroffen. Die aber hätten sich teilweise gar nicht gekannt - von einer terroristischen Gruppe könne deshalb nicht die Rede sein. Und das, was im Haus von N. gesprochen wurde, sei sehr unkonkret gewesen. Anschläge auf Moscheen hätte vor allem ausgerechnet der Polizei-Informant ins Spiel gebracht.

In der Anklage des Generalbundesanwalts klingt das ganz anders. Da ist von konkreten Plänen die Rede, von Anschlägen auf Moscheen, bei denen muslimische Gläubige getötet oder verletzt werden sollten. Kopf der Gruppe sei Werner S. aus dem bayerischen Mickhausen, seine rechte Hand Tony E. Thomas N. habe seinem Anführer S. "Treue bis in den Tod" versprochen.

Weitreichende Vorwürfe - doch auf welcher Grundlage wurden sie so formuliert? Es gibt eine Vielzahl von Chat-Verläufen mit markigen Aussagen ("Die Zeichen stehen auf Krieg" - "Die werden alle bluten. Nur noch töten. Weg mit dem Dreck") - aber reichen die allein aus? Womöglich haben die Ermittler tatsächlich noch mehr Nachweise in der Hinterhand, als bisher öffentlich bekannt ist. Dass mit "dem Vogel" etwas nicht stimme, will Thomas N. gleich gewusst haben - er meinte den Polizei-Informanten. "Bei ihm hatte ich ein schlechtes Gefühl. Und ich habe mich noch nie getäuscht", so der Mindener am Telefon. Tatsächlich flog der "Vogel" kurz nach dem Mindener Treffen auf - wegen einer Panne der Polizei.

"Wir dürfen jetzt keine Fehler mehr machen", so N. am Telefon, "ruhig bleiben. Wir halten zusammen." Er und sein alter Freund E. verabredeten sich für den übernächsten Tag, um alles zu besprechen, was zu tun ist. Am übernächsten Tag kam die Polizei. Im September wird der Prozess in Stuttgart fortgesetzt.

Bildunterschrift: Angeklagte sitzen kurz vor Beginn des Prozesses gegen die rechtsterroristische Vereinigung "Gruppe S." in einem Saal im Oberlandesgericht Stuttgart-Stammheim. Die Angeklagten sollen Angriffe auf Moscheen geplant haben.

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Neue Westfälische - Zeitung für das Lübbecker Land, 11.08.2022:

"Dann bin ich dran"

Im Prozess gegen die "Gruppe S." geht es auch darum, dass ein Mindener seine Festnahme ahnt

Stuttgart / Kreis Minden-Lübbecke. "Dann holen sie mich. Dann bin ich dran." Als Thomas N. aus Minden am 12. Februar 2020 mit seinem alten Freund Tony E. telefonierte, ahnte er wohl, was passieren könnte: zwei Tage später, an einem Freitagmorgen um sechs Uhr holte ihn die Polizei tatsächlich. Von da an war er Beschuldigter in einem Verfahren, bei dem es darum geht, dass eine terroristische Gruppe gegründet worden sein soll - im Haus von Thomas N., bei einem Treffen mit Tony E. und zehn weiteren Personen. Die meisten von ihnen stehen derzeit in Stuttgart vor Gericht.

Am letzten Prozesstag vor der Sommerpause wurde eines der vielen abgehörten Telefongespräche des Mindeners vorgespielt. N. hatte Verdacht geschöpft - bei dem Treffen in seinem Haus am Samstag vorher war irgendwas schief gelaufen. Ein Auto mit einer Panne vor seiner Haustür habe dort viel zu lange gestanden, viele Stunden - obwohl es einen Pannendienst ganz in der Nähe gebe. Tatsächlich war es eine fingierte Panne - die Polizei beobachtete von dort das Geschehen rund um N.’s Haus an der Kutenhauser Straße.

Das ermittelnde Landeskriminalamt Baden-Württemberg hatte einen Informanten unter den Teilnehmern des Treffens. Wie genau die Behörden die Zusammenkunft in dem Mindener Haus verfolgten, darüber wollen die damaligen Ermittler vor Gericht bisher nicht reden. Es sei beobachtet, aber nicht abgehört worden, heißt es bisher. Immerhin wurden unterschiedliche Perspektiven eingestanden - was dafür spräche, dass auch in benachbarten Wohnhäusern Beamte postiert waren.

Nach der Sommerpause wird es eine der spannendsten Fragen sein, ob die von der Polizei erstellten Aufnahmen des Mindener Treffens doch noch öffentlich gemacht werden. Bisher werden sie behördlich zurückgehalten. Verteidiger der Angeklagten drängen darauf. Sie wollen Belege dafür, dass ihre These stimmt: in Minden hätten sich zwar Menschen mit einem ähnlichen, rechten Weltbild getroffen. Die aber hätten sich teilweise gar nicht gekannt - von einer terroristischen Gruppe könne deshalb nicht die Rede sein. Und das, was im Haus von N. gesprochen wurde, sei sehr unkonkret gewesen. Anschläge auf Moscheen hätte vor allem ausgerechnet der Polizei-Informant ins Spiel gebracht.

In der Anklage des Generalbundesanwalts klingt das ganz anders. Da ist von konkreten Plänen die Rede, von Anschlägen auf Moscheen, bei denen muslimische Gläubige getötet oder verletzt werden sollten. Kopf der Gruppe sei Werner S. aus dem bayerischen Mickhausen, seine rechte Hand Tony E. Thomas N. habe seinem Anführer S. "Treue bis in den Tod" versprochen.

Weitreichende Vorwürfe - doch auf welcher Grundlage wurden sie so formuliert? Es gibt eine Vielzahl von Chat-Verläufen mit markigen Aussagen ("die Zeichen stehen auf Krieg" - "Die werden alle bluten. Nur noch töten. Weg mit dem Dreck") - aber reichen die allein aus? Womöglich haben die Ermittler tatsächlich noch mehr Nachweise in der Hinterhand, als bisher öffentlich bekannt ist. Dass mit "dem Vogel" dem etwas nicht stimme, will Thomas N. gleich gewusst haben - er meinte den Polizei-Informanten. "Bei ihm hatte ich ein schlechtes Gefühl. Und ich habe mich noch nie getäuscht", so der Mindener am Telefon. Tatsächlich flog der "Vogel" kurz nach dem Mindener Treffen auf - wegen einer Panne der Polizei.

"Wir dürfen jetzt keine Fehler mehr machen", so N. am Telefon, "ruhig bleiben. Wir halten zusammen." Er und sein alter Freund E. verabredeten sich für den übernächsten Tag, um alles zu besprechen, was zu tun ist. Am übernächsten Tag kam die Polizei.

Bildunterschrift: Angeklagte sitzen kurz vor Beginn des Prozesses gegen die rechtsterroristische Vereinigung "Gruppe S." in einem Saal im Oberlandesgericht Stuttgart-Stammheim. Die Angeklagten sollen Angriffe auf Moscheen geplant haben.

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