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Frankfurter Rundschau , 02.02.2021 :

Braune Vordenker vor Gericht

Prozess gegen "Thule-Seminar" beginnt im März

Von Joachim F. Tornau

Ein seit Jahren schwelendes Strafverfahren gegen das Führungstrio des rechtsextremen "Thule-Seminars" soll endlich in eine Gerichtsverhandlung münden. Nach derzeitiger Planung soll der Prozess wegen des Vorwurfs der gemeinschaftlichen Volksverhetzung am 23. März beginnen, teilte das Amtsgericht im nordhessischen Fritzlar am Montag auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mit. Bereits vor fast zweieinhalb Jahren hatte die Kasseler Staatsanwaltschaft Anklage gegen Pierre Krebs aus Bad Emstal, den 74-jährigen Gründer und Leiter der braunen Ideenschmiede, sowie die Vorstandsmitglieder Gudrun Schwarz, 71, aus Bad Wildungen und Burkhart Weecke, 70, aus Horn-Bad Meinberg erhoben.

Das Amtsgericht hatte die Anklage jedoch zunächst nicht zulassen wollen, weil es keinen hinreichenden Tatverdacht sah. In dem Verfahren geht es um einen Taschenkalender, den das "Thule-Seminar" für das Jahr 2016 veröffentlichte und der schon im Juli 2016 als jugendgefährdend indiziert wurde. In dem Kalender wurde zum Rachefeldzug gegen die angeblich durch Masseneinwanderung und Multikulturalismus angestrebte "Ausrottung der Deutschen" aufgerufen. Zahlreiche NS-Funktionäre, SS-Offiziere und "Rassenforscher" waren mit ihren Geburtstagen eingetragen. Die Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg wurde bestritten und selbst Adolf Hitler zum Märtyrer stilisiert.

Das in Nordhessen ansässige "Thule-Seminar" ist ein 1980 gegründeter eingetragener Verein, der mit Publikationen und Veranstaltungen für einen intellektuell verbrämten Rechtsextremismus und Rassismus wirbt.

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Frankfurter Rundschau Online, 17.05.2020:

Rechte Vordenker müssen vor Gericht

17.05.2021 - 17.53 Uhr

Von Joachim F. Tornau

Staatsanwaltschaft erzwingt Verhandlung gegen "Thule-Seminar".

Das Führungstrio des rechtsextremen "Thule-Seminars" muss sich nun doch wegen gemeinschaftlicher Volksverhetzung vor Gericht verantworten. Das Amtsgericht im nordhessischen Fritzlar hatte die Anklage gegen Pierre Krebs aus Bad Emstal, den 73-jährigen Gründer und Leiter der braunen Ideenschmiede, sowie die beiden Vorstandsmitglieder Gudrun Schwarz, 70, aus Bad Wildungen und Burkhart Weecke, 69, aus Horn-Bad Meinberg im November nicht zur Verhandlung zulassen wollen.

Auf Beschwerde der Staatsanwaltschaft wurde diese Entscheidung jetzt vom Kasseler Landgericht kassiert.

Anders als das Amtsgericht sehe man bei allen drei Angeklagten einen hinreichenden Tatverdacht, teilte ein Gerichtssprecher auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mit.

Damit muss die Verhandlung in Fritzlar geführt werden. Nach Angaben der zuständigen Amtsrichterin ist ein Termin allerdings noch nicht absehbar - auch weil die Angeklagten wegen ihres Alters zur Corona-Risikogruppe gehörten und daher besondere Vorsicht geboten sei.

Die drei Rentner bilden den Vorstand des eingetragenen Vereins "Thule-Seminar", der bereits seit dem Jahr 1980 mit Publikationen und Veranstaltungen für einen intellektuell verbrämten Rechtsextremismus und Rassismus wirbt. Das Verfahren gegen sie schwelt schon sehr lange: Es geht um einen Taschenkalender für das Jahr 2016, den sie veröffentlicht haben sollen.

Das nach dem rächenden Kriegsgott aus der römischen Mythologie benannte Werk "Mars Ultor" rief auf zum Rachefeldzug gegen die angeblich durch Masseneinwanderung und Multikulturalismus angestrebte "Ausrottung der Deutschen".

Flüchtlinge wurden als "tödliche Bedrohung des schon in akute Gefahr geratenen Erbgutes unseres Volkes" bezeichnet, Mitglieder der Bundesregierung als "Rassenverächter und Rassenvernichter".

Zahlreiche NS-Funktionäre, SS-Offiziere und "Rassenforscher" waren mit ihren jeweiligen Geburtstagen eingetragen. Die Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg wurde bestritten, die nationalsozialistische "Blut und Boden"-Ideologie gelobt und selbst Adolf Hitler zum Märtyrer stilisiert: Er habe sich, so war zu lesen, "im Dienste Deutschlands, ja letztlich wohl auch Europas, vollständig aufgerieben".

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Lippische Landes-Zeitung, 29.11.2019:

Richterin will nicht verhandeln

Staatsanwalt legt wegen Thule-Seminar Beschwerde gegen Amtsgericht ein

Kreis Lippe (an). Das Amtsgericht Fritzlar will das Hauptverfahren wegen Volksverhetzung gegen drei Mitglieder des umstrittenen Thule-Seminars nicht eröffnen. Doch die Staatsanwaltschaft Kassel nimmt das so nicht hin, sie hat sich an die Beschwerdestelle des Landgerichtes gewandt.

Wie berichtet, hatte die Staatsanwaltschaft Kassel gegen Dr. Pierre Krebs als Leiter der "Forschungs- und Lehrgemeinschaft für die indoeuropäische Kultur", aber auch gegen einen 68-jährigen Mann aus Horn und eine weitere Person ermittelt, Büros durchsucht und Material beschlagnahmt. Es geht insbesondere um die Ausgabe 2016 des Jahresplaners "Mars Ultor". Er beinhaltet nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Kassel "Passagen, welche zum Hass gegen Teile der Bevölkerung aufstacheln und die Menschenwürde von Personen beziehungsweise Personengruppen durch böswilliges Verächtlichmachen angreifen".

Das sieht die zuständige Richterin am Amtsgericht Fritzlar anders: Der Frankfurter Rundschau sagte sie, sie sehe keinen hinreichenden Tatverdacht, für die LZ war sie gestern nicht zu erreichen. Die Formensprache der Homepage des Thule-Seminars erinnert an die des Nationalsozialismus: Martialische Gestalten, Runen, Feuer.

Der Leiter des Thule-Seminars, Dr. Pierre Krebs, hatte bereits 2017 der LZ sein Weltbild erklärt: "Die Rassen sind rein biologisch Kinder der Schöpfung", und man dürfe sie nicht vermischen. Das sei ein Hauptgrund, warum die deutsche Flüchtlingspolitik so falsch sei.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel erklärte gestern der LZ, wie es nun weitergehen wird: "Die Beschwerdestelle beim Landgericht wird prüfen, ob es nach Aktenlage einen hinreichenden Tatverdacht gibt und ob es genügend Beweismittel zur Überführung gibt." Sollte die Beschwerdestelle sich der Sicht der Staatsanwaltschaft anschließen, müsste das Amtsgericht doch eine Hauptverhandlung wegen Volksverhetzung eröffnen.

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Frankfurter Rundschau, 23./24.11.2019:

Amtsgericht sieht keine Volksverhetzung

Anklage gegen "Thule-Seminar"-Vorstand abgelehnt / Staatsanwalt legt Beschwerde ein.

Von Carsten Otto und Joachim F. Tornau

In der nordhessischen Justiz herrscht Zwist, ob der Vorstand des rechtsextremen "Thule-Seminars" wegen Volksverhetzung vor Gericht gestellt werden soll. Das Amtsgericht in Fritzlar ließ die vor einem Jahr ergangene Anklage gegen das Führungstrio des 1980 gegründeten Vereins nicht zur Verhandlung zu. Sie sehe keinen hinreichenden Tatverdacht, sagte die zuständige Richterin der Frankfurter Rundschau. Die Staatsanwaltschaft in Kassel will das nicht akzeptieren und hat Beschwerde eingelegt, wie ein Sprecher am Freitag auf Anfrage mitteilte. Mit einer Entscheidung ist in den nächsten Monaten zu rechnen.

Das Verfahren gegen Pierre Krebs aus Bad Emstal, den 72-jährigen Gründer und Leiter der braunen Ideenschmiede, und zwei seiner Mitstreiter dreht sich um einen Taschenkalender, den das "Thule-Seminar" für das Jahr 2016 veröffentlichte. Das nach dem rächenden Kriegsgott aus der römischen Mythologie benannte Werk "Mars Ultor" ruft auf zum Rachefeldzug gegen die angeblich durch Masseneinwanderung und Multikulturalismus angestrebte "Ausrottung der Deutschen" und wurde bereits im Juli 2016 als jugendgefährdend indiziert.

Zahlreiche NS-Funktionäre, SS-Offiziere und "Rassenforscher" sind mit ihren Geburtstagen eingetragen. Die Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg wird bestritten, die nationalsozialistische "Blut und Boden"-Ideologie gelobt und selbst Adolf Hitler zum Märtyrer stilisiert: Er habe sich, so heißt es, "im Dienste Deutschlands, ja letztlich wohl auch Europas, vollständig aufgerieben".

Ob das nicht vielleicht doch den Verdacht der Volksverhetzung begründen könnte, muss nun das Landgericht in Kassel entscheiden. Schließt es sich der Sicht der Staatsanwaltschaft an, ist das Amtsgericht in Fritzlar zur Verhandlung gezwungen.

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Blick nach Rechts, 25.03.2019:

Rechtsextreme Ideenschmiede

Von Andrea Röpke

Wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung erhebt die Staatsanwaltschaft Kassel gegen drei Vorstandsmitglieder des "Thule-Seminars" Anklage vor dem Amtsgericht in Fritzlar.

Der 1980 gegründete, hessische Verein "Thule-Seminar, Forschungs- und Lehrgemeinschaft für die indoeuropäische Kultur e.V." versteht sich als ideologische Ideenschmiede und wird von Pierre Krebs geleitet. Seit den 1980er Jahren findet dort die von den "Identitären" verwendete Codierung "Ethnopluralismus" Verwendung. Die "Lippische Landes-Zeitung" zitiert aus einem Gespräch mit Krebs wie folgt: "Die Rassen sind rein biologisch Kinder der Schöpfung", man dürfe sie nicht vermischen.

Der vom "Thule-Seminar" herausgegebene Jahresplaner "Mars Ultor", benannt nach einem römischen Kriegsgott, steht seit Mai 2016 auf dem Index für jugendgefährdende Schriften. 600 bis 700 Stück davon sollen vertrieben worden sein. Der Kalender enthalte "Passagen, welche zum Hass gegen Teile der Bevölkerung aufstacheln und die Menschenwürde von Personen bzw. Personengruppen durch böswilliges Verächtlichmachen angreifen", erklärte die Staatsanwaltschaft. Laut "Frankfurter Rundschau" sind die Geburtstage zahlreicher NS-Funktionäre, SS-Offiziere und "Rassenforscher" in dem Kalender eingetragen. Die Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg werde bestritten, die nationalsozialistische "Blut und Boden"-Ideologie gelobt und selbst Adolf Hitler zum Märtyrer stilisiert, heißt es. Das Amtsgericht Fritzlar hat über die Zulassung der Klage wegen Volksverhetzung noch nicht entschieden. Bereits 2017 wurden vier Objekte in Kassel, Bad Emstal, Bad Wildungen und Horn-Bad Meinberg durchsucht.

"Sich die kulturelle Macht sichern"

Pierre Krebs ist für August dieses Jahres als Redner einer Tagung in Guthmannshausen bei dem rechtsextremen Verein "Gedächtnisstätte" eingeplant, sein Thema laut Einladung: "Haben die weißen Völker noch eine Zukunft?" Seit den 1980er Jahren wurde der ehemalige Dozent der Kasseler Volkshochschule in den Vereinsakten der rassistischen "Artgemeinschaft - Germanischen Glaubensgemeinschaft wesensgemäßer Daseinsgestaltung" als Mitglied geführt. Er referierte auch vor Mitgliedern der paramilitärischen und 1994 verbotenen "Wiking-Jugend" über die "Kulturrevolution". 1982 hatte Krebs erklärt: "Man kann nämlich keinen politischen Apparat umstürzen, ohne sich zuvor die kulturelle Macht gesichert zu haben ( … ). Man muss zunächst die Zustimmung des Volkes gewinnen: Man muss zunächst auf die Ideen, die Sitten, die Denkweise, den Bedeutungsinhalt der Werte, die Künste, die Erziehung einwirken."

Recherchen der "Lippischen Landes-Zeitung" zufolge ist neben Krebs auch der stellvertretende Vorsitzende des "Thule-Seminars", Burkhart Weecke aus Horn-Bad Meinberg in Ostwestfalen betroffen. Weecke besuchte Anfang April 2017 ein Treffen mit etwa 60 Teilnehmern beim ehemaligen "Einheitsführer Hermannsland" der 2009 verbotenen "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ) in Berlebeck bei Detmold. Szenekenner aus der Region beschreiben ihn als Stammgast dort. Der völkische Verleger trat mehrfach bei den "Externstein Vortragstagen" des "Forschungskreises Externsteine" mit einem Büchertisch auf.

Mitangeklagt ist zudem die Versandhändlerin Gudrun Schwarz aus dem hessischen Bad Wildungen. Dort befand sich auch das "Sekretariat" des "Thule-Seminars". Angeschlossen dort ist der Verlag "Ahnenrad der Moderne". Im Juli 2014 hatte Schwarz, Jahrgang 1949, das Buch "Ende der Wanderschaft" des Antisemiten Horst Mahler an einen der Erben des Darmstädter Pharmakonzern Merck versandt.

Bildunterschrift: Vorstandsmitglieder des "Thule-Seminars" müssen möglicherweise vor Gericht (Screenshot).

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Lippische Landes-Zeitung, 13.03.2019:

Anklage wegen Volksverhetzung

Prozess - Drei Mitglieder des Thule-Seminars müssen sich demnächst vor Gericht verantworten - darunter ist ein Lipper

Kreis Lippe (an). Wegen Volksverhetzung hat die Staatsanwaltschaft Kassel vor dem Amtsgericht Fritzlar Anklage gegen drei Mitglieder des in Kassel ansässigen Vereins Thule-Seminar, Forschungs- und Lehrgemeinschaft für die indoeuropäische Kultur e.V., erhoben. Einer der Beschuldigten ist ein 68-Jähriger aus Horn-Bad Meinberg.

Bereits im Mai 2017 hatte die Staatsanwaltschaft vier Objekte in Kassel, Bad Emstal, Bad Wildungen und in Horn-Bad Meinberg durchsuchen lassen (die LZ berichtete). Anlass war damals der vom Thule-Seminar herausgegebene Jahresplaner mit dem "Mars Ultor" gewesen, der bereits seit Mai 2016 auf dem Index für jugendgefährdende Schriften steht.

Der Jahresplaner aus dem Jahr 2016 beinhaltet nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Kassel "Passagen, welche zum Hass gegen Teile der Bevölkerung aufstacheln und die Menschenwürde von Personen beziehungsweise Personengruppen durch böswilliges Verächtlichmachen angreifen", heißt es in einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft. Die betreffende Ausgabe des Terminplaners soll mit einer Auflage von 1.000 Stück produziert worden sein. Hiervon sollen circa 600 bis 700 Exemplare verkauft oder verteilt worden sein.

Beim Amtsgericht Fritzlar liegt die Anklage vor, wie eine Nachfrage der LZ ergab. Für die Eröffnung des Hauptverfahren stehe derzeit jedoch noch kein Termin fest.

Die Formensprache der Homepage des Thule-Seminars erinnert an die des Nationalsozialismus: Martialische Gestalten, Runen, Feuer. Der Leiter des Thule-Seminars, Dr. Pierre Krebs, bewegt sich in der rechten Szene und ließ sich 2013 an der Seite von Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck und des mehrfach vorbestraften Neonazi Meinolf Schönborn ablichten.

Der erklärte Dr. Krebs sein Weltbild 2017 in knappen Worten: "Die Rassen sind rein biologisch Kinder der Schöpfung", und man dürfe sie nicht vermischen. Das sei ein Hauptgrund, warum die deutsche Flüchtlingspolitik so falsch sei.

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Frankfurter Rundschau, 17.01.2019:

Verfahren gegen braune Ideenschmiede

Vorstand des "Thule-Seminars" wegen Volksverhetzung angeklagt

Von Joachim F. Tornau

Die gesamte Führungsspitze des rechtsextremen Kasseler "Thule-Seminars" soll sich nach dem Willen der Staatsanwaltschaft vor Gericht verantworten. Man habe "Klage gegen drei für die Herausgabe eines Jahresplaners Verantwortliche wegen des Tatverdachts der gemeinschaftlichen Volksverhetzung erhoben", teilte die Anklagebehörde in Kassel am Mittwoch auf FR-Anfrage mit. Konkret handelt es sich um Pierre Krebs, 72 Jahre alt, aus Bad Emstal, den Gründer und Leiter der braunen Ideenschmiede, sowie seine beiden Mitstreiter Gudrun Schwarz, 69, aus Bad Wildungen und Burkhart Weecke, 68, aus Horn-Bad Meinberg.

Die drei Rentner bilden den Vorstand des eingetragenen Vereins, der bereits seit 1980 mit Publikationen und Veranstaltungen für einen intellektuell verbrämten Rechtsextremismus und Rassismus wirbt.

Vorgeworfen wird ihnen von der Staatsanwaltschaft die Veröffentlichung des Taschenkalenders "Mars Ultor 2016". Der Kalender enthalte "Passagen, welche zum Hass gegen Teile der Bevölkerung aufstacheln und die Menschenwürde von Personen bzw. Personengruppen durch böswilliges Verächtlichmachen angreifen", erklärte die Behörde.

Der nach dem rächenden Kriegsgott aus der römischen Mythologie benannte Planer ruft auf zum Rachefeldzug gegen die angeblich durch Masseneinwanderung und Multikulturalismus angestrebte "Ausrottung der Deutschen" und wurde bereits im Juli 2016 als jugendgefährdend indiziert. Zahlreiche NS-Funktionäre, SS-Offiziere und "Rassenforscher" sind mit ihren Geburtstagen eingetragen. Die Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg wird bestritten, die nationalsozialistische "Blut und Boden"-Ideologie gelobt und selbst Adolf Hitler zum Märtyrer stilisiert.

Verhandelt werden soll am Amtsgericht in Fritzlar. Das Gericht hat über die Zulassung der Anklage aber noch nicht entschieden.

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Hessisches Ministerium des Innern und für Sport, 26.07.2018:

Verfassungsschutz in Hessen - Bericht 2017 - "Thule-Seminar e.V." (Seiten 52 und 53)

Das 1980 von dem Rechtsextremisten Dr. Pierre Krebs gegründete Thule Seminar e.V. mit Sitz in Kassel versteht sich als "Forschungs- und Lehrgemeinschaft für die indoeuropäische Kultur" und will eine "geistig-geschichtliche Ideenschmiede für eine künftige Neuordnung aller europäischen Völker unter besonderer Berücksichtigung ihres biokulturellen und heidnisch-religiösen Erbes" sein. Das Thule-Seminar e. V. betrieb - neben seiner umfangreichen Homepage - unter anderem den Eigenverlag Ahnenrad der Moderne und den Buch-und Kunstversanddienst Ariadne.

Das Thule-Seminar e.V. versteht sich als ideologische Denkschule mit elitärem Selbstverständnis und verbreitet vor allem in Publikationen und im Internet aggressive völkisch-rassistische Texte. Als Ideologe, Ideengeber und auch Vortragsredner versucht Krebs, Wirkung in rechtsextremistischen Kreisen zu erzielen. Bereits Anfang der 1980er Jahre verwendete er den gegenwärtig vor allem von der IB gebrauchten Begriff "Ethnopluralismus". "Für den Extremfall, daß Westeuropa hoffnungs- und heillos durch den mörderischen Globalismus und die rassische Durchmischung zur Auflösung gebracht wird", strebt Krebs das rein biologistisch-rassistische und an der nationalsozialistischen Ideologie orientierte Ziel an, jetzt ein "genetisches Reservoir zu schaffen". (Schreibweise wie im Original.)

Im Mai durchsuchte die Polizei im Rahmen eines von der Staatsanwaltschaft Kassel geführten Ermittlungsverfahrens wegen des Verdachts der Volksverhetzung Räumlichkeiten der in Hessen und Nordrhein-Westfahlen ansässigen drei Vorstandsmitglieder des Thule-Seminars e.V. Gegenstand der Ermittlungen war die Veröffentlichung "Mars Ultor 2016 - Leitthema Volksgemeinschaft. Der Taschenbuchplaner der Avantgarde".

Die Publikation war 2016 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) auf Anregung des BfV indiziert worden (Bundesanzeiger AT 29. Juli 2016 B 11). Der Taschenbuchkalender reize "an zahlreichen Stellen zum Rassenhass insbesondere gegenüber Flüchtlingen, Asylsuchenden und Menschen ausländischer Herkunft" an. Der Inhalt des Taschenbuchkalenders sei geeignet, Kinder und Jugendliche sozialethisch zu desorientieren. Außerdem verherrliche und verharmlose der Taschenbuchkalender den Nationalsozialismus. Adolf Hitler werde glorifiziert und rehabilitiert. Dieser habe sich, so der Text in "Mars Ultor 2016", "im Dienste Deutschlands, ja letztlich wohl auch Europas, vollständig aufgerieben".

Quelle: Verfassungsschutzbericht 2017.pdf (PDF / 8.07 MB)

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Lippische Landes-Zeitung, 19.07.2017:

Polizei durchsucht Geschäftshaus

Vorwurf Volksverhetzung: Ein Horn-Bad Meinberger Mitglied des rechtsgerichteten Thule-Seminars soll an dem Taschenkalender "Mars Ultor" beteiligt gewesen sein / Die Ausgabe 2016 steht bereits auf dem Index

Von Marianne Schwarzer

Kreis Lippe. Wegen des Verdachts auf Volksverhetzung hat die Polizei ein Wohn- und Geschäftshaus in Horn-Bad Meinberg durchsucht. Es geht um den Taschenbuchplaner "Mars Ultor" von 2016, der vom Thule-Seminar mit Sitz in Nordhessen herausgegeben wird und an dem ein Horn-Bad Meinberger Kleinverleger beteiligt sein soll.

Die Durchsuchung hatte die Staatsanwaltschaft Kassel veranlasst, wie Pressesprecher Oberstaatsanwalt Dr. Götz Wied auf Anfrage der LZ bestätigt: "Das Ermittlungsverfahren ist gegen drei Personen im Alter von 67 bis 70 Jahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung anhängig."

"In dem Verfahren wurden Mitte Mai Durchsuchungen in vier Objekten in Kassel, Bad Emstal, Bad Wildungen und in Horn-Bad Meinberg durchgeführt", bestätigt Dr. Wied. "Bei den Durchsuchungen wurden unter anderem zahlreiche Speichermedien sichergestellt." Auf welche Formulierungen in dem Taschenbuchplaner sich der Verdacht der Volksverhetzung gründet, konnte er nicht sagen. Fest steht allerdings, dass die Schrift bereits seit Mai 2016 auf dem Index für jugendgefährdende Schriften steht. Für die Urheber übrigens "ein klares Zeichen, dass sich dieses marode System nicht mehr anders zu helfen weiß als mit den Mitteln des Gesinnungsterrors", wie es auf der Internetseite des Thule-Seminars heißt.

Der Horn-Bad Meinberger war für die LZ telefonisch nicht erreichbar. Nach Auskunft des Detmolder Oberstaatsanwaltes Ralf Vetter ist er jedoch bisher nicht einschlägig aktenkundig geworden. Allerdings wird er von Beobachtern der lippischen Nazi-Szene zugeordnet. Während er also schweigt, nimmt Dr. Pierre Krebs Stellung zu den Vorwürfen. Der Franzose ist Kopf des Thule-Seminars. "Wir verstehen den Vorwurf überhaupt nicht", erklärte er der LZ gestern auf Nachfrage. Derzeit warte er auf Informationen seines Anwaltes, der Akteneinsicht beantragt habe.

Die Urheber fühlen sich verfolgt: "Inquisition gegen das Thule-Seminar" ist die jüngste Stellungnahme auf der Internetseite überschrieben: "Die Inquisitoren haben uns am 16. Mai - wie üblich frühmorgens - wegen Mars Ultor 2016 aus unseren Betten geholt", heißt es hier. "Die fadenscheinige Begründung: Verdacht auf Volksverhetzung (Haftandrohung: 3 Monate bis 5 Jahre). Wir, die sich für die Identität aller Völker der Welt, deren Bewahrung und Achtung einsetzen, werden als Volksverhetzer stigmatisiert!"

Die Tatsache, dass die Ermittler auch Datenträger einkassiert haben, beklagen die Betroffenen besonders: Bei den Hausdurchsuchungen sei "die Beschlagnahmung aller Computer einschließlich aller Datenträger" erfolgt, darüber hinaus sämtliche Exemplare der 2016-er Ausgabe des Taschenbuchkalenders. "Wir wissen nicht, wann wir die entwendeten Gegenstände zurückerhalten werden. Um die totale Lähmung unserer verlegerischen und auch privaten Aktivitäten zu beenden, sind wir gezwungen, neue Arbeitsmittel zu beschaffen", dazu ist ein Spendenkonto angegeben.

Die Beratungsstelle gegen Rechts für Ostwestfalen mit Sitz in Herford warnt ausdrücklich vor der Organisation: "Das Thule-Seminar ist einer der traditionsreichsten und wichtigsten Akteure der Neuen Rechten", sagt Frederik Clasmeier dazu auf Anfrage der LZ.

Das Thule-Seminar

Im Nordhessischen angesiedelt, versteht sich das Thule-Seminar als "Forschungs- und Lehrgemeinschaft für die indoeuropäische Kultur e.V.". Die Formensprache der Homepage erinnert an die des Nationalsozialismus: Martialische Gestalten, Runen, ein Adler und der markige Spruch "Europa erwache". Leiter Dr. Pierre Krebs bewegt sich in der rechten Szene und ließ sich 2013 an der Seite von Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck und des mehrfach vorbestraften Neonazi Meinolf Schönborn ablichten. Der LZ erklärte Dr. Krebs sein Weltbild in knappen Worten: "Die Rassen sind rein biologisch Kinder der Schöpfung", und man dürfe sie nicht vermischen. Das sei ein Hauptgrund, warum die deutsche Flüchtlingspolitik so falsch sei.

Bildunterschrift: Ist als jugendgefährdend eingestuft: Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft in Kassel birgt der Taschenkalender "Mars Ultor" auch volksverhetzende Elemente im strafrechtlichen Sinn. Darum wurde jetzt ein Geschäftshaus in Horn-Bad Meinberg durchsucht.

Bildunterschrift: Hausdurchsuchung: Dieses Geschäftshaus in der Mittelstraße in Horn war vor Kurzem Ziel der Fahnder.

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Lippische Landes-Zeitung, 19.07.2017:

Fahnder durchsuchen Geschäftsräume

Kreis Lippe. Wegen des Verdachts auf Volksverhetzung ist ein Geschäftshaus in Horn-Bad Meinberg durchsucht worden. Es gehört einem Mitglied des Thule-Seminars.

Seite 9

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Radio Lippe, 08.07.2017:

Ermittlungen wegen Volksverhetzung

Gegen einen Horn-Bad Meinberger wird wegen rechtsextremer Umtriebe ermittelt. Der Lipper im Rentenalter soll gemeinsam mit einer Frau und einem Mann das Führungstrio des rechtsgerichteten Thule-Seminars in Nordhessen sein, schreibt die Frankfurter Rundschau. Die Kasseler Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Volksverhetzung gegen den Lipper. Wohnhäuser und Geschäftsräume der drei Verdächtigen wurden bereits durchsucht.

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Blick nach Rechts, 07.07.2017:

Anreiz zum Rassenhass

Von Carsten Meyer / Joachim F. Tornau

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen das rechtsextreme "Thule-Seminar" wegen des Verdachts auf Volksverhetzung.

An Pathos mangelt es den rechtsextremen Vordenkern nicht. "Das System", schreibt der Vorstand des in Nordhessen ansässigen "Thule-Seminars" auf seiner Website, "kann uns verfolgen, festnehmen, fesseln. Unser Geist aber ist unbeugsam!". Von der "Inquisition" sehen sich die Köpfe der braunen Ideenschmiede verfolgt. Götz Wied, Sprecher der Kasseler Staatsanwaltschaft, übersetzt das in die nüchterne Sprache der Justiz: Man ermittle "gegen drei Personen im Alter von 67 bis 70 Jahren" wegen des Verdachts der Volksverhetzung.

Gemeint sind: Pierre Krebs aus Bad Emstal, Gründer und Leiter des "Thule-Seminars", sowie seine beiden Mitstreiter Gudrun Schwarz aus Bad Wildungen und Burkhart Weecke aus Horn-Bad Meinberg. Mitte Mai wurden ihre Wohnhäuser und Geschäftsräume durchsucht. Die drei rüstigen extremen Rechten bilden den Vorstand des eingetragenen Vereins, der bereits seit 1980 mit Publikationen und Veranstaltungen für einen intellektuell verbrämten Rechtsextremismus und Rassismus wirbt.

Aufruf zum Rachefeldzug

Modern will das "Thule-Seminar" sein und nach eigenem Bekunden "weder rechts noch links". Doch was es verbreitet, lässt sich kaum anders nennen als: ewig gestrig. Das unterstreicht auch die Veröffentlichung, die jetzt die Aufmerksamkeit der Strafverfolger erweckt hat. Es geht um einen Taschenkalender - oder "Taschenbuchplaner", wie ihn die neonazistischen Publizisten noch deutscher nennen - mit dem Titel "Mars Ultor 2016".

Der Name, der sich auf den rächenden Kriegsgott aus der römischen Mythologie bezieht, ist natürlich nicht grundlos gewählt: Der Kalender ruft auf zum Rachefeldzug gegen die angeblich durch Masseneinwanderung und Multikulturalismus angestrebte "Ausrottung der Deutschen". Es müssten "wehrhafte Bürgerkomitees" geschaffen werden, heißt es. "Wir sind im Krieg - mittendrin im 3. Weltkrieg!" Flüchtlinge werden als "Invasion", als "Heuschreckenplage", als "tödliche Bedrohung des schon in akute Gefahr geratenen Erbgutes unseres Volkes" bezeichnet. Mitglieder der Bundesregierung gelten als "Rassenverächter und Rassenvernichter".

"Tatbestand der Verherrlichung und Verharmlosung des Nationalsozialismus"

Vor einem Jahr wurde das hetzerische Machwerk deshalb als jugendgefährdend indiziert. Der Taschenbuchkalender reize zum Rassenhass an, befand die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien im Juli 2016.

Außerdem, so die Behörde, erfülle das Buch den "Tatbestand der Verherrlichung und Verharmlosung des Nationalsozialismus". Zahlreiche NS-Funktionäre, SS-Offiziere und "Rassenforscher" sind an ihren Geburtstagen im Kalender eingetragen. Die Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg wird bestritten, die nationalsozialistische "Blut-und-Boden"-Ideologie gelobt und selbst Adolf Hitler zum Märtyrer stilisiert: Er habe sich, so steht zu lesen, "im Dienste Deutschlands, ja letztlich wohl auch Europas, vollständig aufgerieben".

Bildunterschrift: Ermittlungen gegen das Führungstrio der braunen Ideenschmiede (Screenshot).

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Frankfurter Rundschau, 07.07.2017:

Anreiz zum Rassenhass

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen das rechtsextreme "Thule-Seminar" wegen Volksverhetzung.

Von Carsten Meyer und Joachim F. Tornau

An Pathos mangelt es den rechtsextremen Vordenkern nicht. "Das System", schreibt der Vorstand des in Nordhessen ansässigen "Thule-Seminars" auf seiner Website, "kann uns verfolgen, festnehmen, fesseln. Unser Geist aber ist unbeugsam!". Von der "Inquisition" sehen sich die Köpfe der braunen Ideenschmiede verfolgt. Götz Wied, Sprecher der Kasseler Staatsanwaltschaft, übersetzt das in die nüchterne Sprache der Justiz: Man ermittle "gegen drei Personen im Alter von 67 bis 70 Jahren" wegen des Verdachts der Volksverhetzung.

Gemeint sind: Pierre Krebs aus Bad Emstal, Gründer und Leiter des "Thule-Seminars", sowie seine beiden Mitstreiter Gudrun Schwarz aus Bad Wildungen und Burkhart Weecke aus Horn-Bad Meinberg. Mitte Mai wurden ihre Wohnhäuser und Geschäftsräume durchsucht. Die drei rüstigen Rechtsextremen bilden den Vorstand des eingetragenen Vereins, der bereits seit 1980 mit Publikationen und Veranstaltungen für einen intellektuell verbrämten Rechtsextremismus und Rassismus wirbt.

Modern will das "Thule-Seminar" sein und nach eigenem Bekunden "weder rechts noch links". Doch was es verbreitet, lässt sich kaum anders nennen als ewiggestrig. Das unterstreicht auch die Veröffentlichung, die jetzt die Aufmerksamkeit der Strafverfolger erweckt hat. Es geht um einen Taschenkalender - oder "Taschenbuchplaner", wie ihn die neonazistischen Publizisten noch deutscher nennen - mit dem Titel "Mars Ultor 2016". Der Name, der sich auf den rächenden Kriegsgott der römischen Mythologie bezieht, ist natürlich nicht grundlos gewählt: Der Kalender ruft auf zum Rachefeldzug gegen die angeblich durch Masseneinwanderung und Multikulturalismus angestrebte "Ausrottung der Deutschen". Es müssten "wehrhafte Bürgerkomitees" geschaffen werden, heißt es. "Wir sind im Krieg - mittendrin im 3. Weltkrieg!"

Flüchtlinge werden als "Invasion", als "Heuschreckenplage", als "tödliche Bedrohung des schon in akute Gefahr geratenen Erbgutes unseres Volkes" bezeichnet. Mitglieder der Bundesregierung gelten als "Rassenverächter und Rassenvernichter". Vor einem Jahr wurde das hetzerische Machwerk deshalb als jugendgefährdend indiziert. Der Taschenkalender reize zum Rassenhass an, befand die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien im Juli 2016.

Außerdem, so die Behörde, erfülle das Buch den "Tatbestand der Verherrlichung und Verharmlosung des Nationalsozialismus". Zahlreiche NS-Funktionäre, SS-Offiziere und "Rassenforscher" sind an ihren Geburtstagen im Kalender eingetragen. Die Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg wird bestritten, die nationalsozialistische "Blut und Boden"-Ideologie gelobt und selbst Adolf Hitler zum Märtyrer stilisiert: Er habe sich, so steht zu lesen, "im Dienste Deutschlands, ja letztlich wohl auch Europas, vollständig aufgerieben".

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Blick nach Rechts, 22.08.2016:

"Thule-Seminar" weiter im Kampf

Kassel. Das rechtsextreme "Thule-Seminar" sieht sich wegen der Indizierung einer Schrift dem "Gesinnungsterror" der Bundesrepublik ausgesetzt.

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indizierte Ende Juli die "Thule-Seminar"-Veröffentlichung "Mars Ultor 2016", Eigenbezeichnung: "Der Taschenbuchplaner der Avantgarde". "Das ist ein klares Zeichen, dass dieses marode, volksfeindliche System sich nicht mehr anders zu helfen weiß als mit den Mitteln des Gesinnungsterrors", so das Statement zur Indizierung seitens der rechtsextremen Vereinigung. Der Leiter des "Thule-Seminars", Pierre Krebs (Jg. 1946) aus Kassel, werde demnächst seine "Abwehrschrift" zu dem Fall "als Kampfschrift" veröffentlichen. "Der Kampf geht unvermindert weiter. Sieg dem Licht!", heißt es.

Der Gründer und Vorsitzende des als Verein eingetragenen "Thule-Seminars" gilt als Anhänger der rassistischen "Artgemeinschaft". Ebenfalls im Vorstand sitzen der rechtsextreme Verleger Burkhart Weecke aus Horn-Bad Meinberg (Kreis Lippe) und Gudrun Schwarz (Jg. 1949) aus dem nordhessischen Bad Wildungen. Das Sekretariat des "Seminars" befindet sich in der Kleinstadt Bad Wildungen (Kreis Waldeck-Frankenberg), ebenso die Auslieferung des daran angeschlossenen Verlags Ahnenrad der Moderne und des Buchversands Ariadne.

Zuletzt erschien im "Ahnenrad"-Verlag Krebs’ Werk "Was tun? Ein Vademecum der Reconquista", zu dem Jonathan Stumpf (Pseudonym: "Johannes Scharf") einen Beitrag beisteuerte. Stumpf referierte im vergangenen Jahr bei der "Tafelrunde der freien Geister" des "Thule-Seminars". Das Buch, das auch über andere rechtsextreme Versandhändler erhältlich ist, biete "eine Handreichung und einen Weckruf aus rechter Sicht". "Nach einer Bestandaufnahme der ethnischen Bedrohung folgen strategische Vorschläge zur Rettung unseres Volkstums und Rassenpools durch eine deutsch-europäische Avantgarde."

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Blick nach Rechts, 14.01.2014:

HDJ-Ableger weiter aktiv?

Von Andrea Röpke

In Detmold-Berlebeck finden auch nach dem Verbot der "Heimattreuen Deutschen Jugend" im Jahr 2009 immer noch einschlägige Kindertreffen statt.

Die kleinen Jungen tragen "Landser"-Mütze oder Holzgewehre, die Mädchen Blusen oder lange Röcke. Etwa 20 Kinder tummeln sich am zweiten Januarwochenende dieses Jahres auf dem Gelände des ehemaligen Anführers der HDJ-"Einheit Hermannsland" Gerd Ulrich. Trotz Verbotes der "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ) 2009 durch das Bundesinnenministerium finden in Detmold-Berlebeck immer noch einschlägige Kindertreffen statt. Rechte Eltern aus Osnabrück, Vechta, Stadthagen, Paderborn, Soest oder dem Kreis Lippe bringen ihren Nachwuchs bei dem ehemaligen HDJ-Führungskader vorbei. Auch völkische Familien aus Hessen und Brandenburg halten scheinbar den Kontakt.

Ziel der HDJ war es, eine soldatisch-geprägte nationale Jugend nach den Idealen des Dritten Reiches zu formen. Ulrich selbst wuchs in der 1994 verbotenen "Wiking-Jugend" heran. 2006 organisierte er das große Pfingstlager der HDJ in Fromhausen nahe der Externsteine mit. Im selben Jahr verteilten Mitglieder seiner "Einheit" Flugblätter in Briefkästen oder sprachen Pfadfinder an einem Infostand an. Im Herbst 2006 gab es dann ein "Kletterwochenende" bei Ulrich auf dem Anwesen, Seile wurden unter dem Dachfirst in sechs Metern Höhe drapiert. Zu dieser Zeit gehörte der Neonazi auch zum NPD-Ordnungsdienst und beteiligte sich an Aufmärschen oder dem "Pressefest" des Deutschen Stimme-Verlags.

Im Visier der Behörden geblieben

Bereits 2004 hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz in dem Geheimbericht "Gefahr eines bewaffneten Kampfes deutscher Rechtsextremisten" intern gewarnt, dass Ulrich gemeinsam mit Kameraden, zu denen auch Andreas Theißen, heute NPD-Chef in Westmecklenburg zählte, Wehrsportübungen ausübte. Die Gruppe spähte demnach Polizeiunterkünfte und eine Bundeswehrkaserne aus. Sie besorgten sich Sprengmittel, legten Erddepots an und planten Sprengübungen, heißt es.

Schon Mitte der 1990er Jahre hatte der MAD dafür gesorgt, dass die Generalbundesanwaltschaft (GBA) in Karlsruhe gegen Ulrichs Gruppe wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittelte. Die Ermittlungen wurden eingestellt, aber Ulrich 1999 wegen Sprengstoff-Verstoßes zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Ulrich blieb im Visier der Behörden. 2003 registrierte der Verfassungsschutz Treffen bei ihm zuhause in Detmold-Berlebeck. Dann wurde die "Einheit Hermannsland" gegründet und Ulrich einer der aktivsten Kader in der HDJ.

Konspirative Kerntruppe "IG Fahrt und Lager"

Im Mai 2009 prüfte die Bundesanwaltschaft erneut Waffenfunde im Umfeld von Ulrich. Diesmal waren unter anderem 10 Kilogramm Schwarzpulver in einem Erdloch auf dem Grundstück eines nahen HDJ-Aktivisten gefunden worden, auf dessen Gelände 2006 auch das große Pfingstlager mit rund hundert Kindern von der HDJ stattgefunden hatte. Bundeskriminalamt und Landeskriminalamt in Nordrhein-Westfalen bewerteten die Aufbewahrung von Zündmitteln und Munition als nicht sachgemäß und kamen zu dem Schluss, es handele sich nicht um eine politisch motivierte Tat. Der Prüfvorgang wurde 2010 eingestellt. Kurz zuvor war die HDJ wegen ihrer Verfassungsfeindlichkeit und aggressiv-kämpferischen Haltung verboten worden.

Seit 2009 fanden immer wieder Kindertreffen statt (Blick nach Rechts berichtete). Unter denen, die mit ihrem Nachwuchs nach Detmold-Berlebeck fahren, sind unter anderem Christian Fischer aus Vechta sowie Matthias Ries aus Osnabrück. Beide nahmen wie auch Ulrich bereits an Zusammenkünften der "Artgemeinschaft - Germanische Glaubensgemeinschaft" teil und gelten als Aktivisten der konspirativen Kerntruppe "IG Fahrt und Lager" der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten. Gegen die "IG Fahrt und Lager" ermittelten die Behörden in Osnabrück wegen einer möglichen Fortführung der HDJ. Auch einer der ehemaligen Neonazi-Anmelder der Bad Nenndorf-Aufmärsche, Kristoff Huxhold aus dem Landkreis Schaumburg, hält scheinbar Kontakt nach Berlebeck. Ein ebenso enger Draht besteht nach Meinung von Szenekennern aus der Region auch zu dem Verleger Burkhart Weecke, dem stellvertretenden Vorsitzenden des völkischen "Thule-Seminars" aus Horn-Bad Meinberg.

Bildunterschrift: Kindertreffen am vergangenen Wochenende bei ehemaligen HDJ-Führungskader.

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Am 23. März 2021 ist beim Amtsgericht Fritzlar der Volksverhetzungs-Prozess gegen Pierre Krebs, Gudrun Schwarz sowie Burkhart Weecke, 70, Horn-Bad Meinberg, dem Vorstand des "Thule-Seminars", terminiert.

Am 16. Mai 2017 wurden in Horn-Bad Meinberg wegen des Verdachts der Volksverhetzung Wohnhaus und Geschäftsräume des stellvertretenden Vorsitzenden des "Thule-Seminars", Burkhard Weecke, durchsucht.

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