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Radio Gütersloh , 02.02.2021 :

Rechtsextreme in Reservisten-Gruppe in Bielefeld?

Eine Reservisten-Gruppe in Bielefeld wird offenbar seit Jahren von Rechtsextremen geführt. Das hat das Recherche Kollektiv Ostwestfalen aufgedeckt und weitere brisante Details offengelegt. Das Recherche Kollektiv recherchiert zu Themen wie Rassismus und Faschismus in unserer Region.

Die besagte Reservisten-Kameradschaft in Bielefeld ist im Verband der Reservisten der Bundeswehr organisiert. Zwei offenbar leitende Mitglieder der Gruppe aus Bielefeld sollen an einer rechtsextremistischen Demo in Berlin teilgenommen und auch entsprechende Inhalte in sozialen Netzwerken geteilt haben.

Das Recherche Kollektiv Ostwestfalen hat Fotos der Männer veröffentlicht, auf denen sie T-Shirts mit der Aufschrift "Division Ostwestfalen" tragen. Diese Shirts stammen aus einem Onlineshop, der von einem führenden Neonazi betrieben wird. Die Fotos sind offenbar bei der Demo entstanden.

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Recherche Kollektiv Ostwestfalen, 31.01.2021:

Neonazistische Umtriebe im Reservistenverband Kreisgruppe Bielefeld

Am 03.10.2020 nahmen rund 300 Neonazis in Berlin-Hohenschönhausen an einer Demo der neonazistischen Kleinstpartei "Der III. Weg" teil. Darunter auch eine Gruppe von drei Personen in einheitlichen Shirts mit dem Aufdruck "Division Ostwestfalen". Recherchen ergaben: bei den drei Personen handelt es sich um Heinz Kriegel, Michael Reinert und Dennis Seibert aus Bielefeld. Zwei von ihnen sind Reservisten der deutschen Bundeswehr - in leitender Position!

Seit 2019 ist Michael Reinert, Obergefreiter der Reserve, Vorsitzender der Bielefelder Reservistenkameradschaft RK 36 Alt-Bielefeld. Auch Heinz Kriegel ist dort aktiv. In den Jahren 2009 und 2010 war Heinz Kriegel selbst der Vorsitzende der RK 36. Die RK 36 Alt-Bielefeld ist organisiert im Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr. Die Reservisten haben in Deutschland eine besondere Scharnierfunktion. Sie sollen eine vermittelnde Position zwischen der Bundeswehr und der Bevölkerung einnehmen. Sie vertreten somit die Bundeswehr in der Öffentlichkeit, auch wenn sie selbst aktuell keine aktiven Soldaten sind. Der Reservistenverband wird zu einem großen Teil aus Steuermitteln finanziert. Als Reservist besteht immer die Möglichkeit, sich militärische Fähigkeiten zu erhalten und sich in diesen Bereichen auch fort- und weiterzubilden. Es finden regelmäßige Schießtrainings, Ausbildung in "waffenloser Selbstverteidigung" und andere Aktionen, wie von der RK 36 geplante Winter- und Sommerbiwaks, statt. Seit Beginn der Pandemie haben sich 16.000 Reservisten zum Corona-Einsatz gemeldet. Sie sollen bei Bedarf Amtshilfe leisten.

Die Bundeswehr und deren Reservistenverband vertreten nach eigener Satzung die freiheitliche-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland. Dabei schaffen Corpsgeist, übersteigerter Patriotismus und militärischer Gehorsam eine perfekte Grundlage für nationalistische und faschistische Ideologien in der Truppe. Exemplarisch stehen hierfür die Recherchen zu dem Hannibal-Komplex und Uniter, der Nordkreuz-Gruppe und die Enthüllungen zu den extrem rechten Strukturen in weiten Teilen der Eliteeinheit KSK. Immer wieder fliegen aktive oder ehemalige Soldaten auf, die Verbindungen in das extrem rechte Spektrum haben. In eigenen Chat-Gruppen werden Umsturzfantasien gehegt, Feindeslisten geführt und Bewaffnung organisiert. Massenweise Munition und Waffen sind in den letzten Jahren aus den Beständen der Bundeswehr verschwunden, während sich rechte Prepper-Gruppen auf den Tag X vorbereiten, an welchem die Kontrolle über Deutschland verloren geht und sie dann gemeinsam die Macht übernehmen. Dies beinhaltet auch ganz klar die Liquidierung von politischen Gegnerinnen, Gegnern und anderen missliebigen Personen. Immer wieder sind auch Reservisten in diesen Gruppen zentral aktiv!

Nachdem gemeinsame Recherchen der Gruppe "Sachsen-Anhalt rechtsaussen" und der beiden Reporter Christian Schmidt und Sebastian Erb im Juni vergangenen Jahres eine Reservistengruppe aufdeckte, die sich bewaffnete und auf den "Rassenkrieg" vorbereiten wollte, versicherte der Präsident des Verbandes der Reservisten in einem Interview, das klar Maßnahmen ergriffen würden und Personen mit extrem rechter Gesinnung aus dem Verband ausgeschlossen würden. Insbesondere den Präsidenten und Vorsitzenden komme hier eine besondere Verantwortung zu, sie müssten sich klar zur Demokratie positionieren. Im Fall von Heinz Kriegel und Michael Reinert ist eindeutig belegt, dass sie keine Gesellschaft nach den Leitlinien der freiheitlich-demokratischen Grundordnung anstreben.

Extrem rechte und neonazistische Aktivitäten

Heinz "Charlie" Kriegel ist bei Facebook aktiv, ihm gefallen dort die NPD, verschiedener AfD-Verbände und die extrem rechte Bruderschaft Deutschland. Auch die mit Blood and Honour verbundene Rocker-Organisation Brigade 8 gefällt Kriegel. Er teilt dort seit Jahren offen extrem rechte, rassistische und klar regierungsfeindliche Inhalte. Seit 2019, also seit Beginn des Vorsitzes von Michael Reinert, gefallen Reinert diese Inhalte und er bekundet seinen Befall in Form von Likes und Kommentaren. Reinert ist mit einer langjährigen Freundin von Heinz Kriegel liiert, in deren Auto Kriegel, Reinert und Seibert auch am 03.10.2020 zu dem Neonazi-Aufmarsch nach Berlin reisten. Die uniformen Shirts mit dem Aufdruck Division Ostwestfalen stammen aus dem Label "Druck 18", welches von dem Neonazi-Kader Tommy Frenck betrieben wird. Tommy Frenck ist seit fast 20 Jahren in der neonazistischen Szene aktiv. Er führt das Gasthaus Goldener Löwe in Kloster Veßra, das als Treffpunkt der Neonazi-Szene dient. 2017 war Frenck Anmelder des neonazistischen Großevents "Rock gegen Überfremdung", an dem circa 6.000 Neonazis aus ganz Europa teilnahmen.

Im Oktober 2018 besuchte Heinz Kriegel mit zwei weiteren Personen eine "Kundgebung mit Programm" in Frencks "Gasthaus Goldener Löwe". Zu dem Programm gehörte ein Auftritt der neonazistischen Band Sleipnir. Die Band wird dem verbotenen Netzwerk Blood and Honour zugerechnet. Seit Beginn der Pandemie 2020 ist Kriegel den verschwörungsideologischen Protesten gegen die Corona-Maßnahmen zugetan. Er verbreitet entsprechende Inhalte auf Facebook und besuchte die Großdemonstrationen am 29.08.2020 in Berlin, sowie am 06.12.2020 in Düsseldorf. In Düsseldorf nahm Kriegel erneut im Shirt "Division Ostwestfalen" teil, Fotos und Videos zeigen ihn in wilder Diskussion mit Polizeibeamtinnen, Polizeibeamten nachdem diese eine klar erkennbare Großgruppe von Neonazis und Hooligans von der restlichen Veranstaltung abgetrennt hatten.

Biker-Clubs und die RK 36

Neben ehemaligen Soldaten gehören Biker zu dem sozialen Umfeld von Heinz Kriegel. Seit 2019 ist er Teil des MC Streunende Wölfe. Im Jahr 2015 bezog sich Kriegel bei Facebook noch auf den MC Nightmare Biker Germany, bei dem er mindestens seit 2013 aktiv war.

Auch auf Fotos der Nightmare Biker ist Kriegel bei Fotos von MC-eigenen Veranstaltungen zu sehen. Brisant daran ist besonders der Umstand, dass auch Michael Reinerts Vorgänger beim Vorsitz der Reservistenkameradschaft RK 36, Mario Wollny (Obergefreiter der Reserve), Teil des Nightmare Biker MC ist. Ein Pressefoto von der "Freundschaftsfahrt 2015" des Nightmare MC zeigt Kriegel und Wollny nebeneinander in Kutten des MC. Zu diesem Zeitpunkt teilte Kriegel schon eindeutig rassistische Inhalte auf Facebook. Es ist daher davon auszugehen, dass auch dem früheren Vorsitzenden Wollny die politische Orientierung seines Reservisten-Kameraden bekannt war. Und das sie für Wollny kein Problem, sondern sozialen Alltag darstellt. Wollny übernahm den Vorsitz der RK 26 Alt-Bielefeld im Jahr 2011 von Heinz Kriegel.

Er führte die Kameradschaft von 2011 bis 2018, dann übernahm Reinert. Wir haben es hier also mit einer Reservisten-Kameradschaft zu tun, in der seit 2009 durchgehend Personen den Vorsitz innehaben, die privat miteinander in Biker-Kontexten verbunden sind, selbst rassistische und demokratiefeindliche Inhalte verbreiten oder diese Verbreitung zumindest dulden. Ein Zustand, der nach Aussagen des Reservisten-Präsidenten unmöglich sein sollte!

Die Bundeswehr hat ein Strukturproblem und ist mitverantwortlich dafür, dass sich Neonazis in ihren Reihen aufhalten können und dort auch wohl fühlen. Nachdem wir am 06.12.2020 via Twitter erneut auf Kriegel und die RK 36 hingewiesen haben, meldete sich der Reservisten-Verband ebenfalls via Twitter mit der Nachricht: "Wir prüfen."

Michael Reinert wird im Januar 2021 erneut als Vorsitzender der RK 36 im Reservisten Report der Kreisgruppe Bielefeld geführt. In den einleitenden Worten und auch auf der Homepage der Kreisgruppe Bielefeld finden sich keine Aussagen zu einer (aktuellen) Auseinandersetzung mit extrem Rechten, keinerlei Distanzierung. Der Kreisvorstand ruft zur Einheit auf: "Pflegt bitte den Kontakt zu den Kameraden und Freunden über WhatsApp, E-Mail oder Telefon."

Die RK 36 Alt-Bielefeld wird seit 2009 durchgehend von Personen geführt, die entweder selbst Neonazi-Demos und -Konzerte besuchen extrem Rechte Ideologie verbreiten (Kriegel und Reinert) oder aber diese zumindest klar dulden - sowohl privat als auch in der Reserve. Über zwölf Jahre konnte in der Reservekameradschaft eine solche Ideologie gepflegt werden. Wir fordern daher die zuständigen Behörden auf, umgehend zu handeln und die RK 36 Alt-Bielefeld aufzulösen! Neonazis und ihre Sympathisanten, die auf Staatskosten militärisch ausgebildet werden und denen die Reservisten-Strukturen als Vernetzungsstruktur dienen, können nicht hingenommen werden!

Bildunterschrift: 03.10.2020, v.l.n.r.: Seibert, Kriegel und Reinert in Berlin beim Aufmarsch III. Weg.

Bildunterschrift: 03.10.2020: Heinz Kriegel.

Bildunterschrift: 03.10.2020: Michael Reinert.

Bildunterschrift: Militärische Ausbildung an Waffen und Kampftechnik bei der Kreisgruppe Bielefeld.

Bildunterschrift: Screenshots von Heinz "Charlie" Kriegels Facebook-Profil. Dem RK 36-Vorsitzenden Michael Reinert gefallen seine Beiträge!

Bildunterschrift: 19.09.2018: Heinz Kriegel möchte gern früher zu Tommy Frencks Neonazi-Konzert anreisen.

Bildunterschrift: 06.12.2020: Kriegel auf der Querdenken-Demo in Düsseldorf.

Bildunterschrift: 06.12.2020: Kriegel in Diskussion mit der Polizei.

Bildunterschrift: Zweite Reihe, erste und zweite Person von links: Kriegel und Wollny, Freundschaftsausfahrt 2015 des Nightmare Biker MC.

Bildunterschrift: Die RK 36 im August 2016 im Tal am Eggebach, rot umrandet, v.l.n.r.: Wollny, Reinert, oben Kriegel.


Quellen:

www.tommyfrenck.de/2018/09/04/terminhinweis-kloster-vessra-27-10-2018-europaeischer-traum-gemeinsam-fuer-ein-europa-der-vaterlaender/#comment-2356

www.twitter.com/RechercheKolle1/status/1335592681829969928

www.twitter.com/RechercheKolle1/status/1315049347726352391

hwww.flying-death-mc.de/14nmbno03.jpg

www.nw.de/lokal/bielefeld/mitte/20529832_Biker-nehmen-spastisch-gelaehmten-Christopher-mit-auf-Tour.html

www.archiv.reservistenverband.de/Regional/3035354100/Angebote_und_Termine?menu=6002&newsid=4064&g2=1&gliederung=3035354100

www.reservistenverband.de/wp-content/uploads/2019/08/2021-01-01_ReservistenReport_Jan-Dez_2021-1.pdf

www.facebook.com/heinz.kriegel


Weiterführende Links:

www.taz.de/Reservisten-Praesident-zu-Rechtsradikalen/!5691190/

www.lsa-rechtsaussen.net/sieg-heil-herr-hauptmann-rechte-prepper-in-der-bundeswehr/

www.imi-online.de/2019/07/09/der-hannibal-komplex-2/

www.spiegel.de/politik/deutschland/rechtsextreme-im-ksk-die-mauer-des-schweigens-broeckelt-a-06c33e4f-d93c-4116-976e-9774ad9fea9d

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Am 3. Oktober 2020 nahmen Heinz Kriegel, Michael Reinert, Dennis Seibert aus Bielefeld, in einheitlichen Shirts ("Division Ostwestfalen"), bei der "Der III. Weg"-Demonstration "Ein Volk will Zukunft" in Berlin teil.

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www.rkowl.blackblogs.org/2021/01/31/neonazistische-umtriebe-im-reservistenverband-kreisgruppe-bielefeld

www.twitter.com/recherchekolle1


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