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Neue Westfälische - Kreiszeitung für Warburg , 14.04.2020 :

Kriegsende im Warburger Land

Der Buchautor Heiko Bewermeyer hat die Tage der Eroberung und der amerikanischen Besatzung in seinem Buch "Warburg Stunde Null" beschrieben

Hermann Ludwig

Warburg. Vor 75 Jahren wurde in der Osterzeit im Warburger Land das Kriegsende eingeleitet. Die in Richtung Paderborn vorrückenden US-Amerikaner stießen dabei immer wieder auf Widerstand, der den Vormarsch aber nicht aufhalten konnte. Der Buchautor Heiko Bewermeyer hat die Tage der Eroberung und der amerikanischen Besatzung in seinem Buch "Warburg Stunde Null" näher beschrieben. Dabei schildert er familiäre Erinnerungen, nutzt zudem historische Quellen.

Heiko Bewermeyer war erst fünf Jahre alt, als die amerikanischen Soldaten in der Hansestadt auftauchten. Als die GI in die Stadt eindrangen, hatte sich die Familie im Keller des Hauses in der damaligen Menner Straße versteckt. "Ausgangspunkt ist ein Erlebnis am 31. März 1945, als die amerikanischen Truppen Warburg besetzten und zwei bewaffnete Soldaten meine Familie und mich im Keller des Hauses durchsuchten. Obwohl ein Kind von wenig mehr als fünf Jahren habe ich das Dramatische und Umstürzende dieses Tages gefühlt und meine Stunde Null gut im Gedächtnis", schreibt Heiko Bewermeyer in seinem Buch.

Der Feind war von Westen, aus Richtung Scherfede-Ossendorf erwartet worden

Der deutsche Widerstand gegen die 9. US-Panzerdivision auf ihrem Vormarsch nach Warburg war gering, härtere Gegenwehr wurde von den Amerikanern umgangen. Dem Armee-Korps in Detmold wurde am 31. März 1945 gemeldet, in den Straßen von Warburg werde mit den eingedrungenen amerikanischen Panzern gekämpft. Die Panzer des Combat-Command A unter Oberst Harrolds erreichten zügig die Warburger Innenstadt, wo Rittmeister Pankow hier mit zwei Kompanien und dem örtlichen Volkssturm zur Verteidigung bereitstand. Der Feind war von Westen, aus Richtung Scherfede-Ossendorf erwartet worden. Zur Überraschung näherte er sich aber von Süden. Über die Diemelbrücke an der Kasseler Straße, die nicht gesprengt worden war und nicht verteidigt wurde, gelangten die Panzer in die Neustadt. Nur vereinzelt gab es Gegenwehr, der Warburger Kampfkommandant geriet in Gefangenschaft. Mehrere deutsche Soldaten und auch Zivilisten kamen zu Tode, einige Häuser wurden zerstört. Am Nachmittag des 31. März 1945 brach der letzte Widerstand zusammen, und die Stadt Warburg kapitulierte.

"Am folgenden Tag, 1. April 1945, Ostersonntag, war Warburg ein Heerlager von Soldaten, Panzern, Lastwagenkolonnen und allen möglichen Militärfahrzeugen. Militär kampierte im Freien, zum Teil an Feuern. Transportflugzeuge zogen vorbei. Die Häuser waren teilweise leergeräumt oder beschlagnahmt und besetzt. Möbelstücke und vielerlei Utensilien lagen und standen herum. Es brannten Akten und das Inventar von Gebäuden", skizziert Bewermeyer in seinem Buch die folgenden Ereignisse. Nach der Eroberung und Besetzung von Warburg erteilte die US-Army mittels Anschlägen ihre Befehle. Abzuliefern waren Munition, Waffen, Embleme des Nazistaates und anderes. Ausgehsperren legten fest, wann die Einwohner ihre Häuser nicht verlassen durften. Verwaltungen, Post, Eisenbahn, Schulen, wie überhaupt alle öffentlichen Dienste standen still, teilweise auch der Straßenverkehr. Viele Betriebe und Geschäfte blieben stundenweise oder ganz geschlossen.

In der Folgezeit wurde der Großvater des Autoren, Franz König, zu einer entscheidenden Schaltstelle der weiteren Entwicklung. Franz König gehörte zur Warburger Verwaltungsspitze. Franz König wird auch zur wichtigen Figur in den jungen Jahren des späteren Professors für Neurologie und Psychiatrie der Uni Köln, Bewermeyers Vater war in den Kriegswirren gefallen. Die amerikanischen Eroberer machen den Beamten Franz König am Karsamstag 1945 zusammen mit Robert Peters zum Bürgermeister. Wichtige Quelle für Bewermeyer bei seinem Buch-Projekt war das Pfarrarchiv, das Bewermeyer als "außergewöhnliches Zeitzeugnis" einordnet. Dechant Wilhelm Kramer, Verfasser der Chronik, war ein Freund seines Opas, erklärt Bewermeyer. Der geistliche Herr war im Ort anerkannt.

Militärisch war die Lage im Warburger Land damals schnell geklärt

Militärisch war die Lage im Warburger Land damals schnell geklärt, obwohl Warburg eigentlich ein Bollwerk der Verteidigung werden sollte. Es kam nur zu punktuellen Kämpfen, vor allem in der Neustadt, so dass die Stadt am Ende glimpflich davon kam. Die Amerikaner rückten nun extrem schnell nach Norden und Nordosten vor. Nach der Einnahme von Warburg am Ostersamstag schoben sie ihre Linie bereits am folgenden Tag bis Scherfede, Willebadessen, Peckelsheim, Eissen, Großen- und Lütgeneder vor.

Als dann am Mittwoch, 4. April, weitere amerikanische Truppen von Paderborn her das Eggegebirge überqueren, unterstützen sie die im Süden von Warburg her vorstoßenden Truppen, und so sind bereits am Donnerstag, 5. April, Bad Driburg, Nieheim und Brakel eingenommen. Immer wieder ist von Abwehrlinien die Rede, die gebildet werden sollen: eine Diemel-Linie, eine Eggekamm-Linie und besonders eine Weserlinie. Aber diese Linien sind schon überrannt, ehe sie überhaupt entstehen, den Quellen zufolge wurden in jenen Tagen insbesondere junge Soldaten an die Verteidigungslinien entsandt.

Info

Das Buch Heiko Bewermeyers über die Kriegswirren ist in einer Auflage von 500 Exemplaren erschienen und im Buchhandel zum Preis von 24,90 Euro erhältlich. Heiko Bewermeyer, "Warburg Stunde Null. Kriegsende am 31. März", 159 Seiten, ISBN 978-3-89710-823-3.

Bildunterschrift: Heiko Bewermeyer hat sich in seinem Buch "Warburg Stunde Null" mit dem Kriegsende vor 75 Jahren in Warburg auseinandergesetzt. Dabei spielt für ihn der ehemalige Dechant Wilhelm Kramer (1889 - 1954 ) eine zentrale Rolle.

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https://landesarchive.isb-ka.de/kommunalarchive/stadtarchiv-warburg

www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/u-z/2039-warburg-nordrhein-westfalen


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