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2 Veranstaltungen - Nachrichten , 11.02.2020 :

Tages-Chronologie von Dienstag, 11. Februar 2020

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Veranstaltungskalender:



- Dienstag, 11. Februar 2020 um 19.00 Uhr -


Gespräch mit der Zeitzeugin Dr. Eva Umlauf: "Die Nummer auf deinem Unterarm ist blau wie deine Augen"


Veranstaltungsort:

Lalu im Hefehof
Hefehof 2
31785 Hameln


Eine Anmeldung ist für diese Veranstaltung erforderlich: manz@vhs-hameln-pyrmont.de


Begrüßung und Einführung:

Lena Specht, Volkshochschule Hameln-Pyrmont

Lina Berends, Konrad-Adenauer-Stiftung


"Vergessen Sie das Kind, es wird nicht leben." Mit diesen Worten wird Eva Umlaufs Mutter Anfang 1945 in Auschwitz konfrontiert. Aber die Prognose wird sich als falsch erweisen. Ihre Tochter ist mit zwei Jahren eine der Jüngsten im Lager, ist abgemagert und todkrank, doch sie überlebt. Später wird sie sich nicht an diese Zeit erinnern können, und dennoch schlummert das Erbe ihrer Vergangenheit unter der Oberfläche und prägt ihren gesamten Lebensweg.

2011 sprach Eva Umlauf bei der Gedenkfeier in Auschwitz, seither engagiert sie sich als Zeitzeugin.


Eine Veranstaltung der Volkshochschule Hameln-Pyrmont in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung - Politisches Bildungsforum Niedersachsen.

www.vhs-hameln-pyrmont.de


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- Dienstag, 11. Februar 2020 um 20.00 Uhr -


Wach bleiben! - Keine Abschiebungen aus Lippe nach Afghanistan!


- Informationen unter: www.wachbleiben.info


Veranstaltungsort:

Versöhnungskirche
Martin-Luther-Straße 39
32756 Detmold


Regelmäßig treffen Attentate und Anschläge in Afghanistan die Zivilbevölkerung und machen dieses Land zu einem der gefährlichsten Aufenthaltsorte der Welt. Trotzdem finden weiterhin Abschiebungen von Deutschland nach Afghanistan statt. Eine Studie von Friederike Stahlmann des Max-Planck-Instituts zeigt nun, wie stark Abgeschobene von Gewalt und Übergriffen in Afghanistan betroffen sind: Der Vorwurf der "Verwestlichung" setze sie zusätzlich der Gefahr von Misshandlungen und der Verfolgung durch die Taliban aus. Aus Angst verweigern oft Familien die Unterstützung oder brechen den Kontakt ab. Die Folgen sind ein Leben in Angst, Perspektivlosigkeit und Ausgrenzung oder der Entschluss zur erneuten Flucht.

Trotz der erschreckenden Sachlage gibt es Hinweise für einen weiteren Abschiebeflug für den 12. Februar 2020. Aus diesem Anlass wird zu einer Mahnwache eingeladen. Es wird eingeladen zum Friedensgebet und anschließendem Beisammensein mit einem kleinen Abendessen. Danach wird Frank Gockel von der Flüchtlingshilfe Lippe e.V. über die Situation der Rückkehrer nach Afghanistan berichten.


Zu der Mahnwache laden neben der der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Detmold-West, die Lippische Landeskirche, der Afghanische Kulturverein Lippe e.V., die Flüchtlingshilfe Lippe e.V. und die Initiative Fluchtpunkt ein.

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Pressespiegel überregional:


Jüdische Allgemeine Online, 11.02.2020:
Las Vegas / Synagoge im Visier

Belltower.News, 11.02.2020:
Rechtsextremer "Tag der Ehre" in Budapest / "Unser Feind heißt Rothschild und Goldman und Sachs"

Blick nach Rechts, 11.02.2020:
Nationalistischer Kongress in Rom

MiGAZIN, 11.02.2020:
"Asoziale" / Bundestag berät über Anerkennung weiterer NS-Opfergruppen

Belltower.News, 11.02.2020:
Illegaler Waffenbesitz / Wie kommt die rechtsextreme Szene an Waffen?

Welt Online, 11.02.2020:
Alternative Plattformen / Wo sich Rechtsextreme ohne Facebook im Netz radikalisieren

Süddeutsche Zeitung Online, 11.02.2020:
Reaktion auf Antisemitismus: SPD fordert Bannmeile um die Synagoge

Blick nach Rechts, 11.02.2020:
Geschichtsrevisionisten Hand in Hand

Blick nach Rechts, 11.02.2020:
AfD: Umschreibung der Geschichte

Welt Online, 11.02.2020:
Höcke nimmt Einladung zu Pegida-Demonstration an

Jüdische Allgemeine Online, 11.02.2020:
Thüringen / "Definitiv ein Dammbruch"

MiGAZIN, 11.02.2020:
Nebenan / Sie ist wieder da!

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www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Dienstag, 11. Februar 2020


Am 15. März 2020 findet in der Petrikirche Minden ein Festakt zum 60-jährigen Jubiläum der "Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Minden e.V." sowie auch zur "Woche der Geschwisterlichkeit" statt.

Von 1938 bis 1945 versah der in Möllenbeck geborene Friedrich Kölling in Hessisch Oldendorf im Stab des Ortsgruppenleiters der NSDAP das Amt des "Schulungsleiters", ab 1944 auch das des "Presseamtsleiters".

Am 17. Februar 2020 findet in der Gedenk-, Dokumentations- und Begegnungsstätte Zellentrakt, Herford eine Führung der Ausstellung "Aktion Reinhardt. Sie kamen ins Ghetto und gingen ins Unbekannte" statt.

Am 11. Februar 2020 berichtete Christian Althoff ("Westfalen-Blatt") über das "Judensau"-Relief - eine 93 Zentimeter hohe Sandsteinfigur im Eingangsbereich der Evangelisch-lutherische St.-Marien-Kirche, Lemgo.

Am 23. Februar 2020 gibt es eine Führung durch das "Museum Wäschefabrik" in Bielefeld, mit Vorführung der Filmpräsentation zur tragischen Geschichte des jüdischen Unternehmers Hugo Juhl und seiner Familie.

Für den 11. Februar 2020 war, ab 19.00 Uhr, ein "Offener Stammtisch" der völkisch-nationalistischen "AfD Bad Salzuflen" in dem "Wirtshaus Lohhof", Wasserfuhr 57 in 32108 Bad Salzuflen-Schötmar angekündigt.

Am 25. Februar 2020 ist eine Veranstaltung "Die erfolgreiche Integration der Russlanddeutschen" mit Udo Hemmelgarn sowie Anton Friesen der völkisch-nationalistischen "AfD" im "Bürgerhaus Lage" angekündigt.

Am 11. Februar 2020 bewarb der "Bezirksverband Detmold / OWL" der "AfD" eine Veranstaltung mit Anton Friesen, Udo Hemmelgarn, "Die erfolgreiche Integration der Russlanddeutschen", 25. Februar 2020, Lage.


www.gcjz-minden.de

www.jkgminden.wixsite.com/startseite

www.geschichte-hessisch-oldendorf.de/vom-geist-des-heimatforschers.html

www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/k-l/1181-lemgo-nordrhein-westfalen

www.zellentrakt.de

www.atelier-ostbahnhof.de

www.gcjz-hm.de

www.museum-waeschefabrik.de

www.mobile-beratung-owl.de

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Artikel-Einträge in der Datenbank:


Mindener Tageblatt, 11.02.2020:
Im Zeichen der Aufklärung

Deister- und Weserzeitung, 11.02.2020:
Keine symbolische Aberkennung

Neue Westfälische - Herforder Kreisanzeiger, 11.02.2020:
Führung im Zellentrakt

Westfalen-Blatt, 11.02.2020:
"Wir verstecken die Schande nicht"

Neue Westfälische - Bielefelder Tageblatt, 11.02.2020:
Führung durch das Museum Wäschefabrik

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Mindener Tageblatt, 11.02.2020:

Im Zeichen der Aufklärung

Konzerte, Vorträge und ein Geburtstag - das Frühjahrsprogramm der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit

Minden (mt/dc). Auch nach der Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag im Januar hat die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) Minden wieder viel vor. Hier kommt ihr Frühjahrsprogramm:

Februar

Die Ausstellung "Weltreligionen - Weltfrieden - Weltethos" ist ab sofort bis Freitag, 28. Februar, dienstags bis samstags von 11 bis 17 Uhr, in der Offenen Kirche St. Simeonis zu sehen. Am Beispiel unter anderem des Judentums und Christentums erläutert sie das "Projekt Weltethos". Veranstalter ist das Katholische Bildungswerk Minden.

Die Mitgliederversammlung der GCJZ findet am Mittwoch, 12. Februar, um 18 Uhr in der Synagoge Minden, Kampstraße 6, statt.

Auf den Jugendaustausch mit Israel im Mai und Juni bereiten sich die Teilnehmer von Freitag, 14., bis Sonntag, 16. Februar, vor. Das Thema ist dabei "Die Geschichte des Nahost-Konflikts - Alles nur nicht einfach". Veranstaltungsort ist die Begegnungsstätte Schloss Gollwitz.

Einen Vortrag zum "Liberalen Islam - eine unbequeme Alternative" gibt es am Mittwoch, 26. Februar. Von 18 bis 20.30 Uhr ist Rabeya Müller, Liberal-Islamischer Bund e.V., in der Offenen Kirche St. Simeonis zu Gast. Diese ist auch Veranstalter. Der Eintritt ist frei.

März

Die GCJZ Minden wird 60 Jahre alt. Aus diesem Anlass und wegen der Woche der Geschwisterlichkeit gibt es am Sonntag, 15. März, um 16 Uhr einen Festakt in der Petrikirche. Das Thema dazu lautet "Tu Deinen Mund auf für die Anderen". Janne Möhring und das Jugendsinfonieorchester des Ratsgymnasiums sorgen für Musik. Im Anschluss lädt die GCJZ Minden zur Jubiläumsfeier in den Gemeindesaal der Petrikirche ein.

Aus Anlass des 60-jährigen Bestehens bietet die GCJZ für Erstklässler das Puppentheaterstück "Koscher Maschine" von der Theatergruppe Bubales an, das diese sich im Saal der Toleranz in der Synagoge anschauen können. Interessierte Grundschulen melden sich dafür per E-Mail an schriftfuehrung@gcjz-minden.de an.

"Die Juden sollt ihr nicht grüßen - Christlicher Antisemitismus und die Folgen" ist das Thema eines Vortrags am Mittwoch, 18. März, um 19.30 Uhr im Haus am Dom. Peter Hertel spricht auf Einladung des Katholischen Bildungswerks Minden. Der Eintritt ist frei.

April

"Kirche trifft Synagoge - musikalische Begegnung und lebendige Geschichte" heißt ein Konzert am Sonntag, 26. April, um 15 Uhr in der Offenen Kirche St. Simeonis. Semjon Kalinowsky (Viola) und Konrad Kata (Orgel) präsentieren jüdische Synagogalmusik. Veranstalter ist die Offene Kirche St. Simeonis in Kooperation mit der GCJZ Minden und der Jüdischen Kultusgemeinde Minden. Der Eintritt ist frei.

Mai / Juni

Im Mai und Juni nehmen Jugendliche aus dem Kreis Minden-Lübbecke an einem Austausch mit Israel teil. Sie verbringen Zeit mit Jugendlichen einer High School aus Israel. Die Koordinierung erfolgt über die teilnehmenden Schulen, Veranstalter ist die GCJZ Minden. Interessierte können sich wegen der Anmeldung an die jeweiligen Oberstufenleiter wenden.

Die Ausstellung "Jesus im Koran - Wege zum Dialog" wird am Mittwoch, 3. Juni, um 17.30 Uhr in der Offenen Kirche St. Simeonis eröffnet. Gezeigt werden Bilder von Aziz El Khiar und Texte aus Koran und Bibel. Die Ausstellung ist bis Samstag, 18. Juli - immer dienstags bis samstags von 11 bis 17 Uhr -, geöffnet. Führungen können unter Telefon (0571) 9341968 oder per E-Mail an andreasbruegmann@gmx.de vereinbart werden. Veranstalter ist die Offene Kirche St. Simeonis. Der Eintritt ist frei.

Zu einem Grillfest lädt die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit am Sonntag, 21. Juni, um 13 Uhr alle Mitglieder in den Innenhof der Synagoge ein. Wer teilnehmen möchte, meldet sich per E-Mail an schriftfuehrung@gcjz-minden.de an.

Bildunterschrift: Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit lädt für Mindener Grundschulen das jüdische Puppentheater Bubales ein.

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Deister- und Weserzeitung, 11.02.2020:

Keine symbolische Aberkennung

Diskussion über Ehrenbürgerschaft von Chronist mit Nazi-Geschichte / Debatte in Hessisch Oldendorf steht aus

Von Cornelia Kurth

In Hessisch Oldendorf und dem Rintelner Ortsteil Möllenbeck ist Friedrich Kölling einst mit der Ehrenbürgerschaft ausgezeichnet worden. In Hessisch Oldendorf wurde 1985 noch eine Straße nach ihm benannt. Als Anerkennung für seine Verdienste um die Heimatforschung. Seine Nazi-Geschichte fiel dabei unter den Tisch. Bis der pensionierte Gymnasiallehrer Erik Hoffmann aus Rumbeck die dunkle Vergangenheit Köllings ans Tageslicht beförderte, die Dewezet darüber berichtete und damit eine öffentliche Debatte anstieß - die in Möllenbeck schon wieder ihr Ende gefunden hat.

Möllenbeck / Hessisch Oldendorf. Dass politische Grundsatzdiskussionen in einem kleinen Ortsrat stattfinden, kommt nicht allzu oft vor. In Möllenbeck aber führte kein Weg darum herum. Wie geht man mit der neuen Erkenntnis um, dass ein im Jahr 1970 zum Ehrenbürger des Dorfes ernannter Lehrer und Historiker ein eingefleischter Nazi war?

Es handelt sich dabei um den 1894 in Möllenbeck geborenen Grundschullehrer Friedrich Kölling, der später in Hessisch Oldendorf lebte und unterrichtete. Auf Grund seiner Verdienste um die Heimatforschung war er in beiden Orten mit der Ehrenbürgerschaft ausgezeichnet worden. Dass er ein glühender Vertreter rassistischer Blut- und Boden-Ideologie gewesen war, dürfte an beiden Orten bekannt gewesen sein, stand aber der Verleihung der Ehrenbürgerschaft damals nicht im Weg (wir berichteten).

Im Ortsrat kam nun auf die Tagesordnung, ob man Friedrich Kölling die Ehrenbürgerschaft nachträglich absprechen solle und was mit den noch vorhandenen Exemplaren der Dorfchronik zu geschehen habe. "Er hat schon harte Sprüche rausgekloppt", meinte Ortsbürgermeister Thorsten Frühmark (CDU) und zitierte eine beispielhafte Äußerung Köllings: "Unsere lebende Generation hat die Pflicht, im Sinne unseres großen Führers volksfremdes Wesen, das unser Volkstum überlagert, hinwegzuräumen."

Das sei krasser, als er es sich hätte vorstellen können, sagt Frühmark, und nicht viel anders erging es den anderen Ortsratsmitgliedern, zumal da Museumsleiter Dr. Stefan Meyer noch einmal dargelegte, wie leidenschaftlich Kölling damals in Vorträgen und zahllosen Veröffentlichungen zur Verbreitung der menschenverachtenden Ideologie der NSDAP beitrug. Es konnte gar nicht anders kommen, als dass sich die Frage aufdrängte, warum der damalige Ortsrat Köllings politischen Hintergrund offensichtlich nicht zur Kenntnis genommen hatte.

"Wenn wir uns jetzt dazu verhalten, soll es nicht so aussehen, als wolle man die damalige Ortsratsentscheidung in Frage stellen", so Frühmark. Anthony Lee (CDU) betonte, es sei eine andere Zeit gewesen, in der sehr viele ehemalige Nazis wie selbstverständlich in ihren Ämtern weiterarbeiteten.

Reinhold Kölling (SPD - nicht mit Friedrich Kölling verwandt) bestätigte, die Ortsratsmitglieder seien ohne Fehl und Tadel gewesen. Die Ehrenbürgerschaft habe den Verdiensten rund um die Dorfchronik gegolten. Dennis Winter (SPD) meinte, ihm und andere, die Mitte dreißig sind, seien weder Kölling noch der damalige Ortsrat bekannt und das Thema habe daher keinerlei Präsenz für die Jüngeren.

Das Anliegen, den Ortsrat von 1970 nicht zu kritisieren, führte zu einer nicht untypischen Diskussion, die Zuhörern vor Augen führen konnte, warum der Auseinandersetzung mit lokalen Nazi-Vergangenheiten oft aus dem Weg gegangen und diese auch jetzt noch immer wieder als ein "Zuviel" betrachtet wird. Während Frühmark und Reinhold Kölling betonten, das Thema dürfe nicht in Vergessenheit geraten, warnten Lee und Winter davor, es "hochkochen" zu lassen.

Ja, es gebe Parteien, die auf dem Vormarsch seien und denen man sich mit allen rechtlichen Mitteln in den Weg stellen müsse, so Lee. Aber man solle nicht jeden Stein umdrehen und Unbescholtene mit in den Dreck ziehen. Er stimmte Dennis Winter zu, der meinte, wenn die Presse solche Dinge aufbausche, werde es dadurch "auch im Fußballstadion" wieder präsent. Man müsse sich nicht extra von solchen Nazi-Gedanken distanzieren, denn es sei eine Selbstverständlichkeit, dass man ihnen nicht zustimme.

So kam man zu dem Schluss - dafür hatte auch Stefan Meyer plädiert - Friedrich Kölling die Ehrenbürgerschaft, die überdies offiziell mit seinem Tod erloschen sei, nicht in einem symbolischen Akt nachträglich abzuerkennen. Die Dorfchronik werde nicht erneut aufgelegt, die restlichen drei Exemplare nicht mehr öffentlich verschenkt. Ein kleines Sparguthaben von 250 Euro, das sich aus dem Verkauf der Chronik angesammelt habe, soll dem Kinderschutzbund gespendet werden.

In Hessisch Oldendorf steht die Auseinandersetzung über die Ehrenbürgerschaft Friedrich Köllings und die nach ihm benannte Straße indes noch aus.

Bildunterschrift: Diskussion im Ortsrat: Soll Möllenbeck Friedrich Kölling die Ehrenbürgerschaft nachträglich aberkennen?

Bildunterschrift: Friedrich Kölling, hier an einem Mikrofon des Westdeutschen Rundfunks, hat sich um die Heimatforschung verdient gemacht, war aber auch ein glühender Anhänger des Nationalsozialismus.

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Neue Westfälische - Herforder Kreisanzeiger, 11.02.2020:

Führung im Zellentrakt

Kreis Herford. In der Gedenkstätte "Herforder Zellentrakt", Rathausplatz 1, wird am Montag, 17. Februar, um 16 Uhr eine Führung durch die Ausstellung "Aktion Reinhardt - Sie kamen ins Ghetto und gingen ins Unbekannte" angeboten. Außerdem ist die Installation "a place of murder and the sky is blue" der Künstlerin Raphaela Kula zu sehen. Die Ausstellung wurde von der Gedenkstätte Majdanek zum 70. Jahrestag der "Aktion Reinhardt" erstellt.

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Westfalen-Blatt, 11.02.2020:

"Wir verstecken die Schande nicht"

St. Marien in Lemgo ist eine von 22 deutschen Kirchen mit einer "Judensau"

Von Christian Althoff

Lemgo (WB). In der vergangenen Woche hat das Oberlandesgericht Naumburg entschieden, dass das im 13. Jahrhundert entstandene "Judensau"-Relief an der Stadtkirche von Wittenberg nicht entfernt werden muss - weil es heute mit einer Erklärtafel ein Mahnmal sei und keinen beleidigenden Charakter mehr habe.

"Dieses Urteil hat uns wieder daran erinnert, dass wir eine der wenigen Kirchen in Deutschland sind, die ebenfalls ein solches antisemitisches Relief haben", sagt Matthias Altevogt, Pfarrer der Evangelisch-lutherischen St.-Marien-Kirche in Lemgo. Bundesweit sind 22 "Judensau"-Darstellungen an oder in Kirchen bekannt, außerdem vier an Profanbauten. St. Marien (1320 geweiht) und der Kölner Dom sind die einzigen Kirchen in Nordrhein-Westfalen, bei denen die Existenz solcher Darstellungen bekannt ist.

Mittelalterliche "Judensau"-Bilder, -Reliefs und -Skulpturen stellen einen Menschen im intimen Kontakt mit einem Schwein dar - mit einem Tier, das nach den jüdischen Speisegesetzen als nicht koscher gilt. Prof. Dr. Hans-Walter Stork, Mittelalter-Kunsthistoriker, Theologe und Direktor der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek in Paderborn: "Wir finden diese Reliefs in mehreren europäischen Ländern. Die dargestellten Menschen sind klar als Juden zu erkennen: Entweder durch den konisch zulaufenden Hut, der der damaligen jüdischen Tracht entsprach, oder durch einen gelben Flecken auf der Brust." Juden hätten seit dem 13. Jahrhundert in mehreren Ländern Europas eine gelbe Markierung tragen müssen. "Das haben sich nicht erst die Nazis ausgedacht", sagt der Kunsthistoriker. Dass sich heute "Judensau"-Darstellungen fast nur noch in Kirchen fänden, liege daran, dass Kirchen sehr auf das Bewahren ausgerichtet seien.

Die Ausgrenzung und Verächtlichmachung der Juden, auch durch die "Judensau"-Darstellungen, habe ihren Ursprung in der Vorstellung, Juden hätten den Messias, der einer von ihnen gewesen sei, nicht als solchen erkannt und ihn ans Kreuz geschlagen, sagt der Kunsthistoriker und Theologe. So findet sich in der Lemgoer Kirche St. Marien, die um 1526 lutherisch wurde, nicht nur ein "Judensau"-Relief, sondern an der Säule, die die Kanzel trägt, eine weitere antisemitische Darstellung. Pfarrer Matthias Altevogt: "Sie zeigt Jesus vor der Kreuzigung. Er ist an Händen und Füßen gefesselt und wird von zwei Juden ausgepeitscht. Dabei lag zu Lebzeiten Jesu die Gerichtsbarkeit alleine bei der römischen Besatzungsmacht. Juden waren für Bestrafungen überhaupt nicht zuständig."

Doch dieses Juden-Bild habe sich bis ins 20. Jahrhundert gehalten. "Noch bis 1950 wurde die so genannte Enterbungstheorie vertreten", sagt der Pfarrer von St. Marien. "Sie besagte, dass Gott die Juden als auserwähltes Volk für immer verworfen habe, weil sie Jesus getötet hätten, und die Kirche Christi damals an ihre Stelle getreten sei." Auch solche Vorstellungen hätten den Holocaust mit möglich gemacht.

Das Lemgoer "Judensau"-Relief befindet sich im Eingangsbereich der Kirche vor einer Halbsäule in etwa 1,90 Meter Höhe und ist damit deutlich sichtbarer als Darstellungen in manchen anderen Kirchen. Der 1977 gestorbene israelische Historiker Isaiah Shachar schreibt in seinem 1974 erschienenen Werk "The Judensau", das Lemgoer Relief gehöre zu den sechs ältesten noch vorhandenen. Es sei in seiner Darstellung einzigartig, denn bei den meisten Darstellungen würden Juden von einer Sau gesäugt. Die 93 Zentimeter hohe Sandsteinfigur in Lemgo zeige dagegen einen hockenden Juden, der ein Schwein umarme. Shachar bezeichnet die Darstellung als obszön. Liesel Kochsiek-Jakobfeuerborn, die seit Jahrzehnten Stadtführungen zum Thema "Jüdisches Leben" in Lemgo anbietet, wird deutlicher: "Die Skulptur zeigt Sodomie." Lange sei die "Judensau"-Darstellung in St. Marien kein Thema in Lemgo gewesen, aber in ihren Stadtführungen sei sie immer vorgekommen. "1995 hat sich die Kirche dann entschlossen, Erklärtafeln anzubringen."

Zur Diskussion in Wittenberg um eine Entfernung des Reliefs sagt Pfarrer Altevogt, in Bezug auf St. Marien halte er ein Entfernen für falsch. "Wir wollen die Schande nicht verstecken." Im Gegenteil: Er wolle mit dem Gemeindevorstand besprechen, ob man die beiden Reliefs und ihre Geschichte nicht noch deutlicher herausstelle.

Von den ehemals etwa 100 Lemgoer Juden haben drei den Holocaust überlebt.

Bildunterschrift: In St. Marien in Lemgo zeigt das "Judensau"-Relief einen Juden in enger Umarmung mit einem Schwein. Stadtführerin Liesel Kochsiek-Jakobfeuerborn, die Führungen zum Thema "Jüdisches Leben in Lemgo" anbietet, spricht von einer Sodomie-Darstellung. Ihre nächste Führung findet am 15. Februar um 14 Uhr statt, Treffpunkt ist am Turm von St. Marien.

Bildunterschrift: Der Lemgoer Pfarrer Matthias Altevogt mit dem 700 Jahre alten Relief, das die Auspeitschung Jesu durch zwei Juden zeigt.

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Neue Westfälische - Bielefelder Tageblatt, 11.02.2020:

Führung durch das Museum Wäschefabrik

Bielefeld. Eine Führung durch das Museum Wäschefabrik an der Viktoriastraße findet am Sonntag, 23. Februar, von 11 bis 12.30 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 7 Euro, ermäßigt 5 Euro.

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