www.hiergeblieben.de

2 Veranstaltungen - Nachrichten , 13.01.2020 :

Tages-Chronologie von Montag, 13. Januar 2020

_______________________________________________


Veranstaltungskalender:



- Montag, 13. Januar 2020 um 19.30 Uhr -


Plenum von "Bielefeld stellt sich quer - Bündnis gegen Rechts"


Veranstaltungsort:

Jüdische Kultusgemeinde Bielefeld
Detmolder Straße 107
33604 Bielefeld

www.juedische-gemeinde-bielefeld.de


Auf der Tagesordnung steht noch einmal die Nachbereitung der Proteste gegen die von der Neonazi-Partei "Die Rechte" durchgeführten Demonstration "Freiheit für Ursula Haverbeck!" am 9. November 2019 in Bielefeld.


Folgende Tagesordnung schlagen wir euch vor:

1. Begrüßung von Vorstellung der Arbeit der Jüdischen Kultusgemeinde durch Frau Michelsohn
2. Bericht über den Nachbesprechungstermin mit der Polizei Bielefeld (Aktionen am 9. November 2019)
3. Planungen / Aktivitäten für das laufende Jahr
4. Aktuelles / Termine


Weitere Informationen unter: www.bielefeldstelltsichquer.wordpress.com


---------------------------------------------------------


- Montag, 13. Januar 2020 um 20.00 Uhr -


Wach bleiben! - Keine Abschiebungen aus Lippe nach Afghanistan!


- Informationen unter: www.wachbleiben.info


Veranstaltungsort:

Versöhnungskirche
Martin-Luther-Straße 39
32756 Detmold


Regelmäßig treffen Attentate und Anschläge in Afghanistan die Zivilbevölkerung und machen dieses Land zu einem der gefährlichsten Aufenthaltsorte der Welt. UN-Sonderbeauftragter Tadamichi Yamamoto spricht von mehr als 100.000 zivilen Opfern in den letzten zehn Jahren. Laut UNICEF-Bericht fordert das tödliche Kriegsgebiet zunehmend Opfer bei den Kindern - sie leiden unter Gewalt, Verstümmelung und den Folgen von Naturkatastrophen, Armut und Unterentwicklung. An Perspektive und Familiengründung ist für Rückkehrer kaum zu denken. Trotzdem ist ein weiterer Abschiebeflug für Dienstag, 14. Januar 2020 geplant.

Aus diesem Anlass wird in der Versöhnungskirche Detmold zu einer Mahnwache eingeladen. Es wird eingeladen zum Friedensgebet und anschließendem Beisammensein.

Das Projekt "BeStärkt - Beratung und Unterstützung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen" der Flüchtlingshilfe Lippe e.V. wird seine Arbeit vorstellen.

www.fluechtlingshilfe-lippe.de


"Wach bleiben!" veranstaltet ein Trägerbündnis aus der Kirchengemeinde Detmold West, der Lippischen Landeskirche, der Flüchtlingshilfe Lippe e.V., der Initiative Fluchtpunkt und dem Afghanischen Kulturverein in Detmold.


Aktuelle Informationen werden unter www.wachbleiben.info zur Verfügung gestellt. Hier kann sich auch in eine Liste für weitere Termine eintragen werden.

_______________________________________________


Pressespiegel überregional:


MiGAZIN, 13.01.2020:
Erlasse ohne Wirkung / Nachfahren NS-Verfolgter: Bislang nur wenige Einbürgerungen

Jüdische Allgemeine Online, 13.01.2020:
Stutthof-Prozess / US-Zeuge zieht Nebenklage-Antrag zurück

Jüdische Allgemeine Online, 13.01.2020:
Zentralrat der Juden / Abraham Lehrer warnt vor Antisemitismus in kirchlichen Gruppen

Blick nach Rechts, 13.01.2020:
Solidarität mit bedrohtem SPD-Bürgermeister

Welt Online, 13.01.2020:
Urteil wegen Volksverhetzung gegen AfD-Politiker bestätigt

die tageszeitung Online, 13.01.2020:
Radikale Rechte gegen Verfassungsschutz / AfD klagt gegen Beobachtung

Der Tagesspiegel Online, 13.01.2020:
Ermittlungserfolg zur Neuköllner Anschlagsserie / Polizei entschlüsselt Todesliste von Berliner Neonazis

Rundfunk Berlin-Brandenburg, 13.01.2020:
Neue Erkenntnisse zu Neuköllner Anschlagsserie / Berliner Politikerin schon 2013 auf rechtsextremer "Feindesliste"

Süddeutsche Zeitung Online, 13.01.2020:
Finnentrop / Unbekannte werfen Steine auf Moschee: Staatsschutz ermittelt

Jüdische Allgemeine Online, 13.01.2020:
Sachsen / Hitler-Imitator bei Biker-Treffen - Polizist zückt amüsiert das Handy

Jüdische Allgemeine Online, 13.01.2020:
Frankfurt (Main) / Universität verurteilt "Babycaust"-Kampagne

_______________________________________________


www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Montag, 13. Januar 2020


Ab 11. Januar 2020 setzt die KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica, Rundgänge zu den Lebens- und Arbeitsorten der Häftlinge der Außenlager des KZ Neuengamme an der Porta Westfalica, fort.

Am 20. Januar 2020 referiert Autor und Journalist Armin H. Flesch im Ernst-Lohmeyer-Haus, auf Einladung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Herford, zur Thematik "Die Erben der Arisierung".

Am 25. Januar 2020 lädt die Volkshochschule Lippe-West in Zusammenarbeit mit der Stadt Lage zu einer Begehung des jüdischen Friedhofes in Lage mit den Erläuterungen von Dipl.-Ing. Margarete Wißmann ein.

Am 23. Januar 2020 redet Margarete Wißmann über: "Geschichte jüdischen Lebens in Deutschland vor der Zeit der Industrialisierung" in Detmold - Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V.

Am 2. Dezember 2019 bezifferte die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen (17/8039), die Anzahl von "Reichsbürgern" und "Selbstverwaltern" im Kreis Minden-Lübbecke mit 81 - hiervon 20 in Porta Westfalica.

Am 28. April 2016 versuchten 28 "Reichsbürger" die Abgabe des am 28. Januar 2016 zwangsversteigerten Hauses von "Reichsbürger" Wolfgang Spier (Porta Westfalica) an den Eigentümer, erfolglos zu verhindern.

Am 4. Februar 2016 verkündete das Amtsgericht Minden, dass ein Bielefelder Makler den Zuschlag für ein am 28. Januar 2016 zwangsversteigertes Haus ("Reichsbürger" Wolfgang Spier, Porta Westfalica) erlangt.

Am 28. Januar 2016 wurde ein Haus des "Reichsbürger" Wolfgang Spier (Porta Westfalica) im Amtsgericht Minden zwangsversteigert, im Anschluss daran griff "Rechtsbeistand" Detlef Spaniol einen Journalisten an.

Am 17. November 2019 trug Marcel Dehnen, aus Nordhemmern, Interims-Trainer von SuS Wulferdingsen, beim Fußball-Heimspiel gegen TuS Victoria Dehme eine Mütze, mit Totenkopf, Stahlhelm, Eisernes Kreuz.

Sowohl am 4. August 2012, wie auch am 3. August 2013, war Marcel Dehnen (Hille-Nordhemmern), jeweils Teilnehmer am neonazistischen "Trauermarsch" beziehungsweise dem "Marsch der Ehre" in Bad Nenndorf.

Am 5. Mai 2019 riefen Fußballspieler der ersten Mannschaft des TuS Holzhausen / Porta, nach einem Sieg gegen TuS Bad Oeynhausen II, mehrfach im Chor "Sieg Heil", bei der Aufstiegsfeier in der Vereinskabine.

Am 13. Januar 2020 fand in der "Versöhnungskirche" in Detmold eine - Mahnwache gegen Abschiebungen nach Afghanistan vom Bündnis "Wach bleiben! - Keine Abschiebungen aus Lippe nach Afghanistan!" statt.

Am 21. November 2019 wurde Muntari Adam (völlig überraschend) durch die Ausländerbehörde (des Kreis Lippe) aus Blomberg-Cappel nach Ghana abgeschoben - das er vor siebzehn Jahren zuletzt gesehen hat.


www.gedenkstaette-porta.de

www.arminhflesch.de

www.lage.de/media/custom/2517_1783_1.PDF?1578325719

www.gfcjz-lippe.de

www.landtag.nrw.de/Dokumentenservice/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD17-8039.pdf

www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD17-7784.pdf

www.minden-luebbecke.de/Service/Integration/NRWeltoffen/

www.mobile-beratung-owl.de

www.wachbleiben.info

www.fluechtlingshilfe-lippe.de

www.kirche-cappel-istrup.de

www.lippische-landeskirche.de

_______________________________________________


Artikel-Einträge in der Datenbank:


Neue Westfälische - Zeitung für das Lübbecker Land, 13.01.2020:
Rundgänge zu KZ-Außenlager

Neue Westfälische - Bad Oeynhausener Kurier, 13.01.2020:
Rundgänge durch die KZ-Gedenkstätten

Mindener Tageblatt, 13.01.2020:
Das Grauen wird greifbar

Westfalen-Blatt / Löhner Zeitung, 13.01.2020:
Autoren lesen in Herford

Westfalen-Blatt / Herforder Kreisblatt, 13.01.2020:
Firmen und ihre NS-Historie

Lippische Landes-Zeitung, 13.01.2020:
Geschichte des jüdischen Friedhofs

Lippische Landes-Zeitung, 13.01.2020:
Jüdische Geschichte

Mindener Tageblatt Online, 13.01.2020:
Reichsbürger sollen keine Waffen besitzen

Neue Westfälische - Zeitung für das Lübbecker Land, 13.01.2020:
Mehr als 20 Reichsbürger leben im Lübbecker Land

Radio Westfalica, 13.01.2020:
Trainer nach "Nazi-Mützen-Skandal" suspendiert

Neue Westfälische - Bad Oeynhausener Kurier, 13.01.2020:
Wulferdingsen suspendiert Trainer

Neue Westfälische - Bad Oeynhausener Kurier, 13.01.2020:
Lokalsport: SuS trennt sich vom Trainer

Radio Lippe, 13.01.2020:
Mahnwache gegen Abschiebungen nach Afghanistan

Lippische Landes-Zeitung, 13.01.2020:
Mahnwache und Andacht

Lippische Landes-Zeitung, 13.01.2020:
Unterstützung für Muntari wächst weiter

Lippische Landes-Zeitung, 13.01.2020:
Unterstützung für Ghanaer

_______________________________________________


Neue Westfälische - Zeitung für das Lübbecker Land, 13.01.2020:

Rundgänge zu KZ-Außenlager

Kreis Minden-Lübbecke (nw). Die KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica bietet seit 2018 regelmäßig Rundgänge zu den Lebens- und Arbeitsorten der Häftlinge der Außenlager des KZ Neuengamme an der Porta Westfalica an. Nach dem großen Interesse in den vergangen beiden Jahren hat der Verein nun weitere Termine für Rundgänge im Frühjahr 2020 festgelegt.

Die Führungen sind kostenlos, eine Spende ist erwünscht. Um Anmeldung wird gebeten.

Die Anmeldung kann über die Webseite des Vereins www.gedenkstaette-porta.de oder per Mail an rundgaenge@gedenkstaette-porta.de erfolgen. Die Rundgänge finden an jedem zweiten Samstag statt, und zwar am 25. Januar, 8. Februar, 22. Februar, 14. März und 28. März. Die Rundgänge starten jeweils um 11 Uhr auf dem Parkplatz am Kaiserhof, Freiherr-vom-Stein-Straße 1, Porta Westfalica-Barkhausen.

_______________________________________________


Neue Westfälische - Bad Oeynhausener Kurier, 13.01.2020:

Rundgänge durch die KZ-Gedenkstätten

Verein bietet alle 14 Tage Führungen zu den Lagern in Porta Westfalica an

Kreis Minden-Lübbecke (nw). Die KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica bietet seit 2018 regelmäßig Rundgänge zu den Lebens- und Arbeitsorten der Häftlinge der Außenlager des KZ Neuengamme an der Porta Westfalica an. Nach dem großen Interesse in den vergangen beiden Jahren hat der Verein nun weitere Termine für Rundgänge im Frühjahr 2020 festgelegt.

In der etwa zweieinhalb Stunden dauernden Führung erhalten die Teilnehmenden durch hierfür speziell qualifizierte Gästeführer an den Orten des Geschehens fundierte und wissenschaftlich gesicherte Informationen über die drei Außenlager des KZ Neuengamme an der Porta Westfalica mit der Untertageverlagerung Dachs 1 im Jakobsberg. In diesen Lagern wurden KZ-Häftlinge unter grausamen Bedingungen zur Arbeit gezwungen und waren in erschütterndem Ausmaß Hunger, Krankheiten und Gewalt ausgesetzt.

Die Rundgänge führen vom Kaiserhof aus - hier befand sich das Männerlager - über die Weserbrücke zum Vorplatz der ehemaligen Untertageverlagerung Dachs 1 und zum Eingang des Stöhr 1, den ehemaligen Arbeitsorten der Häftlinge am Jakobsberg. Der Rundgang endet am Mahnmal am Grünen Markt in Hausberge.

Im Rahmen dieser Führungen kann das Innere der Anlage Dachs 1 nicht besichtigt werden. Für eine Führung in der Anlage ist ein hoher organisatorischer Aufwand nötig und es besteht eine Warteliste. Über die Webseite www.gedenkstaette-porta.de ist es jedoch möglich, sich für eine solche Führung auf die Warteliste setzen zu lassen. Da es ein Stück des Weges den Jakobsberg hinauf und wieder hinunter geht, sollten die Teilnehmenden trittsicher sein.

Die Führungen sind kostenlos, eine Spende ist erwünscht. Um Anmeldung wird gebeten. Die Anmeldung kann über die Webseite des Vereins www.gedenkstaette-porta.de oder per E-Mail an rundgaenge@gedenkstaette-porta.de erfolgen. Die Rundgänge finden an jedem zweiten Samstag statt, und zwar am 25. Januar, 8. Februar, 22. Februar, 14. März und 28. März. Die Rundgänge starten jeweils um 11 Uhr auf dem Parkplatz am Kaiserhof, Freiherr-vom-Stein-Straße 1, Porta Westfalica-Barkhausen.

Bildunterschrift: Besonders geschulte Gästeführer erläutern den Besucher-Gruppen die historischen Hintergründe der Konzentrations-Außenlager im Wiehengebirge bei Porta.

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 13.01.2020:

Das Grauen wird greifbar

Führungen, Vorträge, eine Tagung mit Historikern, die Planung des Dokumentationszentrums und ein Forschungsprojekt: Vor dem Gedenkstätten-Verein liegt viel Arbeit

Stefan Lyrath

Porta Westfalica. Es ist kalt an diesem Vormittag. Doch auch sonst würden Jörg Schwiers Zuhörer frösteln. Schwier, Gästeführer in Porta Westfalica und mit dem Thema NS-Zeit vertraut, steht vor dem Pferdestall am "Kaiserhof", im Jahr 1966 errichtet auf den Grundmauern des früheren Festsaales, der von März 1944 bis April 1945 ein Konzentrationslager war. Bis zu 1.500 Häftlinge wurden darin eingepfercht.

"Der Mensch war vollkommen egal", erklärt Jörg Schwier. "Tote wurden in Bahnwaggons verfrachtet und zurück nach Neuengamme gefahren." Deutsche Gründlichkeit. Das KZ im ehemaligen Hotel "Kaiserhof" war eines der etwa 85 Außenlager von Hamburg-Neuengamme. Gestorben sind allein hier in Barkhausen wohl bis zu 500 Menschen - in einem Zeitraum von zwölf Monaten.

"Keine Heizung, am Anfang ein Plumpsklo und keine Betten, völlig unzureichende Ernährung", zählt Gästeführer Jörg Schwier auf. Dazu Übergriffe durch Wachen und Kapos. "Nach einem Monat waren etwa 50 der ersten 150 Häftlinge gestorben."

Viele Todesopfer forderte die Zwangsarbeit im Jakobsstollen auf der anderen Weserseite, in den die Häftlinge mit einfachsten Mitteln neue Stollen für die unterirdische Rüstungsproduktion der Nazis treiben mussten. Wer all dies zum ersten Mal hört, reagiert meistens entsetzt: Mitten in Porta ist das passiert. Das Interesse an den Führungen des Vereins KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte ist groß, die nächste schon wieder ausgebucht.

"In den Medien ist dieser Teil der Geschichte sehr präsent, im Fernsehen gibt es regelmäßig neue Dokumentationen", erklärt Thomas Lange, der Geschäftsführer des Vereins. "Wir dokumentieren lokale NS-Geschichte an historischen Orten." Lange führt das anhaltend große Interesse auch darauf zurück, dass viele Menschen durch ihre Teilnahme ein Zeichen gegen den aufkommenden Rechtspopulismus setzen wollen.

Der Stollen selbst soll 2026 mit festen Öffnungszeiten an den Start gehen

Von Januar bis April 2019 haben bis zu 500 Menschen an den Rundgängen des Gedenkstätten-Vereins teilgenommen, die am Samstag wieder begonnen haben und zu mehreren Orten des Grauens führen. Noch größer ist das Interesse an Führungen durch den Jakobsstollen. Dafür gibt es eine Warteliste mit etwa 4.500 Namen. Und das, obwohl allein 2019 mehr als 3.000 Besucher (darunter Hunderte von Schülern) durch den unterirdischen Nazistollen geführt worden sind, alles auf ehrenamtlicher Basis.

"Es war ein erfolgreiches Jahr", fasst Thomas Lange zusammen. Dies gilt nicht nur für die Besucherzahlen, sondern auch finanziell: Für die Arbeit des Vereins hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe 80.000 Euro bewilligt (wir berichteten). Unterstützung kommt auch von heimischen Unternehmen. "Firmen haben uns im vergangenen Jahr mehr als 10.000 Euro gespendet", berichtet der Geschäftsführer. "Wir spüren großen Rückhalt."

Hinzu kommt Geld von Teilnehmern an Führungen. "Das beginnt bei fünf Euro, die Gästeführer in die Hand gedrückt bekommen, und endet bei 200 Euro, die manchmal noch Monate später zur Unterstützung unserer Arbeit überwiesen werden."

Schon jetzt steht fest, dass 2020 arbeitsreich wird. So müssen Gespräche mit Fachbehörden geführt werden, um zu klären, ob am Eingang zum Nazi-Stollen ein Gebäude errichtet werden darf. Geplant ist ein Dokumentationszentrum, dessen Bau 2023 beginnen soll. Der Stollen selbst, seit 2017 ein eingetragenes Besucherbergwerk, soll 2026 mit festen Öffnungszeiten an den Start gehen. Zur Zeit finden dort jährlich etwa 100 Führungen statt, verteilt über mehrere Wochenenden.

Im Oktober hat der Verein einen wissenschaftlichen Mitarbeiter eingestellt: Thomas Lange, der gleichzeitig Historiker ist. Er befasst sich mit einem begleitenden wissenschaftlichen Forschungsprojekt, muss zunächst Quellen sichten und Archive besuchen. "Das Forschungsprojekt soll sozusagen die Hausaufgaben erledigen, bevor die Gedenkstätte an den Start geht", so Lange. "Ziel ist es, Inhalte für eine Dauerausstellung, Online-Dokumentation und nicht zuletzt die Gedenkstätten-Pädagogik zu schaffen."

Vor 75 Jahren, im Mai 1945, ist der Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen. Im Juni lädt der Verein deshalb zu einer Historiker-Tagung im Bürgerhaus in Hausberge ein, an der namhafte Wissenschaftler teilnehmen. Parallel dazu wird das Gedenkstätten-Konzept für den Stollen vorgestellt. Erwartet werden dazu auch Angehörige früherer Häftlinge der drei Portaner KZ.

Bereits am Mittwoch, 12. Februar, beginnt eine Kinoreihe im Bürgerhaus. Gezeigt wird "Kästner und der kleine Dienstag". Voraussichtlich im März wird die Vortragsreihe fortgesetzt.

Bildunterschrift: Am Eingang zum Jakobsstollen ist ein Dokumentationszentrum geplant, dessen Bau 2023 beginnen soll. Zwangsarbeit forderte dort in der Zeit des Nationalsozialismus viele Todesopfer.

Bildunterschrift: Gästeführer Jörg Schwier vor dem Pferdestall am "Kaiserhof". Früher stand dort der Festsaal des Hotels, zur Nazi-Zeit ein KZ.

_______________________________________________


Westfalen-Blatt / Löhner Zeitung, 13.01.2020:

Autoren lesen in Herford

Löhne / Herford (LZ). Armin H. Flesch, freier Autor und Journalist, ist zu Gast bei der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Herford. Im Ernst-Lohmeyer-Haus wird er am Montag, 20. Januar, den Vortrag "Die Erben der Arisierung" halten. Beginn ist in den Räumen der Stiftbergstraße 3 um 19.30 Uhr. Er berichtet davon, wie Eigentümer mittelständischer Familienunternehmen mit der NS-Vergangenheit ihrer Firmen und Familien umgehen. Der Eintritt ist an diesem Abend frei.

Einen weiteren Vortragsabend bietet die Gesellschaft am Montag, 20. April, an. Professor Dr. Andreas Pangritz wird der Frage "Zwischen Partikularität und Universalisierung - wie geht das Christentum mit der Eigenständigkeit Israels um?" nachgehen. Ort der Veranstaltung ist ebenfalls das Ernst-Lohmeyer-Haus, Beginn auch hier um 19.30 Uhr.

Außerdem gibt es in der Reformierten Kirche in Vlotho, Lange Straße, einen Konzertabend mit Werken von Journalist und Schriftsteller Kurt Tucholsky. Beginn ist am Freitag, 3. April, um 19.30 Uhr mit der Musikerin Ursula Kurze, die mit ihren Vertonungen der Lyrik jüdischer Schriftsteller bereits Erfolg hatte.

_______________________________________________


Westfalen-Blatt / Herforder Kreisblatt, 13.01.2020:

Firmen und ihre NS-Historie

Herford (HK). Armin H. Flesch, freier Autor und Journalist, ist zu Gast bei der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Herford. Im Ernst-Lohmeyer-Haus wird er am kommenden Montag, 20. Januar, einen Vortrag unter dem Titel "Die Erben der Arisierung" halten. Beginn ist um 19.30 Uhr in den Räumen der Stiftbergstraße 3. Er berichtet davon, wie Eigentümer mittelständischer Familienunternehmen mit der NS-Vergangenheit ihrer Firmen und Familien umgehen. Der Eintritt ist frei.

Einen weiteren Vortragsabend bietet die Gesellschaft für Montag, 20. April, an. Professor Dr. Andreas Pangritz wird der Frage "Zwischen Partikularität und Universalisierung - wie geht das Christentum mit der Eigenständigkeit Israels um?" nachgehen. Ort der Veranstaltung ist ebenfalls das Ernst-Lohmeyer-Haus, Beginn auch hier um 19.30 Uhr.

Außerdem gibt es in der Reformierten Kirche in Vlotho, Lange Straße, einen Konzertabend mit Werken von Journalist und Schriftsteller Kurt Tucholsky. Beginn ist am Freitag, 3. April, um 19.30 Uhr mit der Musikerin Ursula Kurze, die mit ihren Vertonungen der Lyrik jüdischer Schriftsteller bereits Erfolg hatte.

_______________________________________________


Lippische Landes-Zeitung, 13.01.2020:

Geschichte des jüdischen Friedhofs

Lage (co). Anlässlich des Holocaust-Gedenktages wird am Samstag, 25. Januar, von 14 bis 16.35 Uhr eine Begehung des jüdischen Friedhofs seitens der Volkshochschule Lippe-West und der Stadt Lage angeboten. Erläuterungen wird Margarete Wißmann von der Verwaltung geben.

Treffpunkt ist der Eingang des jüdischen Friedhofs an der Flurstraße 9. Bei schlechtem Wetter findet nur eine kurze Besichtigung statt. Der Vortrag würde dann anschließend im Gemeindehaus der evangelisch-lutherischen Christusgemeinde in der Flurstraße 17 erfolgen. Männer werden gebeten, beim Besuch des Friedhofs eine Kopfbedeckung zu tragen. Eine Anmeldung (S1000LA) der kostenlosen Veranstaltung ist in der VHS Lippe-West unter Tel. (05232) 95500 möglich. Sie kann auch per Internet unter www.vhs-lw.de oder E-Mail info@vhs-lw.de erfolgen.

_______________________________________________


Lippische Landes-Zeitung, 13.01.2020:

Jüdische Geschichte

Detmold (sew). Margarete Wißmann beschäftigt sich seit längerem mit jüdischer Kultur und jüdischem Leben. Die Mitarbeiterin der Stadt Lage machte vor zehn Jahren den jüdischen Friedhof an der Flurstraße in der Zuckerstadt der Öffentlichkeit wieder bekannter. In einer Veranstaltung am Donnerstag, 23. Januar, geht es um "Vertreibung, Duldung und das Privileg der Niederlassung - eine Skizze jüdischen Lebens vor dem Zeitalter der Industrialisierung".

Dass es überhaupt noch Zeugnisse dieser Zeit gibt, ist auch Wissmann zu verdanken. Sie veranlasste laut Mitteilung beispielsweise, dass vergrabene jüdische Grabsteine gehoben und wieder aufgestellt wurden. Auch die Übersetzung aller 140 Grabsteine in Lage sei von ihr initiiert worden.

Gehe man in der Geschichte weiter zurück, so stelle man fest, dass die Menschen jüdischen Glaubens einer ständig wandelnden Akzeptanz ausgesetzt gewesen seien. Begriffe wie Schutzjude, Kammerknecht, Hofjude, Geleitbrief, Judenordnung sollen in einem Vortrag verständlich erklärt werden. Veranstalter ist die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.

Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr, im Haus Münsterberg, Hornsche Str. 38, in Detmold.

_______________________________________________


Mindener Tageblatt Online, 13.01.2020:

Reichsbürger sollen keine Waffen besitzen

13.01.2020 - 21.13 Uhr

Stefan Koch und Frank Hartmann

Minden / Lübbecke. Mit einer Kleinen Anfrage hatte sich die Mindener SPD-Landtagsabgeordnete Christina Weng über die Zahl der den Ermittlungsbehörden bekannten Reichsbürger und Selbstverwalter im Kreis Minden-Lübbecke im vergangenen Jahr informiert. Demnach waren von den NRW-weit etwa 3.200 Anhängern dieser Bewegungen 81 im Mühlenkreis ansässig - mit 20 die meisten in Porta Westfalica sowie in Minden (18) und Bad Oeynhausen (9) wie aus der schriftlichen Antwort der Landesregierung hervorging. "Ich werde das Problem weiter im Auge behalten, weil es mir nicht einleuchtet, dass es immer noch bekannte Personen aus der rechtsextremen Szene gibt, die Waffen besitzen", erklärte Weng gestern auf MT-Anfrage.

Im Kreisgebiet wohnt mehr als nur der eine, wegen zahlreicher bis heute verschwundener Waffen polizeibekannte Reichsbürger aus Stemwede, der keiner sein will, obwohl er diverse der für diese Personengruppe typischen Thesen vertritt. Unter anderem, dass Deutschland noch besetzt sei und das Recht der Alliierten gelte. Auch verweigert er Richtern die Anerkennung, es sei denn, sie können ihm beweisen, dass sie tatsächlich für ein Gericht tätig sind und nicht für eine Firma.

Die Zahlen, die Weng erhalten hatte, stammten vom August vergangenen Jahres und bezogen sich auf Personen, die die Existenz der Bundesrepublik Deutschland und deren Rechtssystem ablehnen und demokratisch gewählten Repräsentanten die Legitimation absprechen. Im Lübbecker Land leben die meisten von ihnen in Espelkamp (6), gefolgt von Hüllhorst, Pr. Oldendorf und Stemwede (jeweils 4), sowie Rahden (3) und Lübbecke (2).

Auch zu Wengs Nachfragen nach Waffenbesitz von Reichsbürgern enthielt die Antwort des NRW-Innenministeriums Informationen. Demzufolge ist der Kreispolizeibehörde ein Reichsbürger bekannt, der über eine waffenrechtliche Erlaubnis in Form eines Kleinen Waffenscheins verfügt. Seit 2016 wurden drei Verfahren zum Widerruf der waffenrechtlichen Erlaubnis im Mühlenkreis eingeleitet und fünf davon bestandskräftig widerrufen.

Aufgefallen waren Reichsbürger beispielsweise in der Pr. Oldendorfer Nachbarkommune Bad Essen, wo sie im Januar 2017 mit Flugblättern für sich warben, die sie anonym verteilt hatten. Auf dem Flugblatt riefen die Verfasser unter anderem dazu auf, einen "Staatsangehörigkeitsausweis" zu beantragen. Diesen für 25 Euro auszustellen boten die Reichsbürger an. "Der Bundespersonalausweis oder der deutsche Reisepass sind kein Nachweis über den Besitz der deutschen Staatsangehörigkeit. Sie begründen lediglich die Vermutung, dass der Ausweisinhaber die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt", so die Argumentation.

Zu einem gravierenden Vorfall war es in Bad Essen ein Jahr zuvor gekommen. Im Februar 2016 war ein Gerichtsvollzieher von einem Reichsbürger mit einem Baseballschläger angegriffen worden. Bei der folgenden Gerichtsverhandlung wurde der Mann zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Auch dessen Ehefrau ist seitdem wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte vorbestraft.

Wie ein langjähriger Beobachter der extremen rechten Szene auf MT-Anfrage erklärte, sei im Raum Ostwestfalen-Lippe von einer Zahl von 470 bis 490 Reichsbürgern auszugehen - das prominenteste Mitglied sei die zur Zeit inhaftierte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck.

Keineswegs handele sich bei Reichsbürgern und so genannten Selbstverwalter um harmlose Spinner. "Bei vielen ist eine Affinität zu Waffen feststellen."

Auch zwei in Minden lebende Reichsbürger waren bereits zum Problem geworden, wie ein Bericht eines Polizeibeamten im Ausschuss für Bürgerdienste, Sicherheit und Feuerschutz im vergangenen Jahr ergab. Weitere Details wurden bislang von der Mindener Polizei nicht bekannt gegeben. Ende April 2016 hatten 60 Beamte ein von Reichsbürgern illegal besetztes Haus in Porta Westfalica-Hausberge ausgehoben und den rund 30 Personen einen Platzverweis erteilt. Wie der Rechtsextremismus-Experte festgestellt hat, ließ sich ein Teil der Mitglieder im benachbarten Landkreis Schaumburg nieder. Andere waren in die fünf neuen Bundesländer abgewandert.

Bildunterschrift: In Hausberge räumt die Polizei das Haus am Kiekenbrink.

_______________________________________________


Neue Westfälische - Zeitung für das Lübbecker Land, 13.01.2020:

Mehr als 20 Reichsbürger leben im Lübbecker Land

Die Behörden reagieren auf die Selbstverwalter und entziehen ihnen die waffenrechtlichen Erlaubnisse

Lübbecker Land (fha). Mit einer Kleinen Anfrage hat sich die Mindener SPD-Landtagsabgeordnete Christina Weng über die Zahl der den Ermittlungsbehörden bekannten Reichsbürger und Selbstverwalter im Kreis Minden-Lübbecke informiert. Demnach sind von den NRW-weit etwa 3.200 Anhängern dieser Bewegungen 81 im Mühlenkreis ansässig - mit 20 die meisten in Porta Westfalica sowie in Minden (18) und Bad Oeynhausen (9) geht aus der schriftlichen Antwort der Landesregierung hervor.

Doch auch im Lübbecker Land wohnt mehr als der eine, wegen zahlreicher bis heute verschwundener Waffen polizeibekannte Reichsbürger D. aus Stemwede, der keiner sein will, obwohl er diverse der für diese Personengruppe typischen Thesen vertritt. Unter anderem, dass Deutschland noch besetzt sei und das Recht der Alliierten gelte. Auch verweigert er Richtern die Anerkennung, es sei denn, sie können ihm beweisen, dass sie tatsächlich für ein Gericht tätig sind und nicht für eine Firma.

Die Zahlen, die Weng erhalten hat, stammen vom August vergangenen Jahres und beziehen sich auf Personen, die die Existenz der Bundesrepublik Deutschland und deren Rechtssystem ablehnen und demokratisch gewählten Repräsentanten die Legitimation absprechen. Die meisten von ihnen leben in Espelkamp (6), gefolgt von Hüllhorst, Pr. Oldendorf und Stemwede (jeweils 4), sowie Rahden (3) und Lübbecke (2).

Auch zu Wengs Nachfragen nach Waffenbesitz von Reichsbürgern enthält die Antwort des NRW-Innenministeriums Antworten. Demzufolge ist der Kreispolizeibehörde ein Reichsbürger bekannt, der über eine waffenrechtliche Erlaubnis in Form eines Kleinen Waffenscheins verfügt. Seit 2016 wurden drei Verfahren zum Widerruf der waffenrechtlichen Erlaubnis im Mühlenkreis eingeleitet und fünf bestandskräftig widerrufen.

Aufgefallen waren Reichsbürger beispielsweise in der Pr. Oldendorfer Nachbarkommune Bad Essen, wo sie im Januar 2017 mit Flugblättern für sich warben, die sie anonym verteilt hatten. Auf dem Flugblatt riefen die Verfasser unter anderem dazu auf, einen "Staatsangehörigkeitsausweis" zu beantragen. Diesen für 25 Euro auszustellen boten die Reichsbürger an. "Der Bundespersonalausweis oder der deutsche Reisepass sind kein Nachweis über den Besitz der deutschen Staatsangehörigkeit. Sie begründen lediglich die Vermutung, dass der Ausweisinhaber die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt", so die Argumentation.

Zu einem gravierenden Vorfall war es in Bad Essen ein Jahr zuvor gekommen. Im Februar 2016 war ein Gerichtsvollzieher von einem Reichsbürger mit einem Baseballschläger angegriffen worden. Bei der folgenden Gerichtsverhandlung wurde der Mann zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Auch dessen Ehefrau ist seitdem wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte vorbestraft.

Bildunterschrift: In Bad Essen verteilten Reichsbürger 2017 Flugblätter.

Bildunterschrift: Im Juni 2017 stellte die Polizei in einem Haus in Stemwede Munition bei einem mutmaßlichen Reichsbürger sicher.

_______________________________________________


Radio Westfalica, 13.01.2020:

Trainer nach "Nazi-Mützen-Skandal" suspendiert

Im so genannten "Nazi-Mützen-Skandal" hat der Bad Oeynhausener Fußballverein SuS Wulferdingsen Konsequenzen gezogen. Die Neue Westfälische schreibt, dass der Verein den Trainer der zweiten Mannschaft suspendiert hat. Bisher war Marcel Dehnen nur beurlaubt. Ausgeschlossen aus dem Verein wird es aber nicht. Dehnen bekommt eine Art Bewährung, er soll zeigen, dass er sich vom Rechtsextremismus distanziert.

Im November hatte er bei einem Spiel eine Mütze mit Symbolen der rechtsextremen Szene getragen. Als Bilder davon im Internet landeten, sagte der Coach, er habe sich dabei nichts gedacht.

_______________________________________________


Neue Westfälische - Bad Oeynhausener Kurier, 13.01.2020:

Wulferdingsen suspendiert Trainer

Fußball: Verein zieht Konsequenzen im Nazi-Mützen-Skandal, schließt Marcel Dehnen aber nicht aus

Von Jürgen Krüger

Bad Oeynhausen. Bislang war Marcel Dehnen nur beurlaubt. Doch mit einem einstimmig gefassten, doppelten Vorstandsbeschluss hat der SuS Wulferdingsen den Trainer der 2. Fußballmannschaft nun suspendiert. Gleichzeitig räumt der Verein dem Hiller eine Art Bewährung ein und eröffnet ihm die Perspektive auf eine Rückkehr. "Jeder hat eine zweite Chance verdient", sagt SuS-Geschäftsführer Marc Osterhage.

Hintergrund ist der so genannte "Nazi-Mützen-Skandal". Marcel Dehnen hatte am Sonntag, 17. November, zunächst seine Mannschaft gegen den TuS Victoria Dehme II betreut und sich anschließend bereit erklärt, auch das Coaching beim Spiel der 1. Mannschaft gegen Dehme zu übernehmen. Dabei trug er eine Mütze, die Symbole aus der rechten Szene zeigen. Ein Foto davon landete beim Fußball-Portal "FuPa", wo es auffiel. Die Geschichte schlug hohe Wellen, wobei Marcel Dehnen damals erklärte, "sich nichts dabei gedacht zu haben". Er selber hat sich öffentlich nicht weiter dazu geäußert und möchte auch jetzt die Entscheidung seines Vereins nicht kommentieren. Bei der Sitzung am vergangenen Mittwoch war er mit dabei. "Er hat sich bei uns für die entstandene Situation und den Aufwand entschuldigt, den dieser Fall mit sich brachte. Er hat sich aber auch ausdrücklich vom Rechtsextremismus distanziert", teilt der Verein mit.

Dann bleibt allerdings die Frage offen, warum der Verein seinen Trainer dennoch suspendiert hat? "Wir möchten uns davon überzeugen, dass Marcel Dehnen seinen Worten auch Taten folgen lässt und sich auch im praktischen Alltag vom Rechtsextremismus distanziert. Deshalb haben wir ihn auch nicht aus dem Verein ausgeschlossen", heißt es weiter. Einen ultimativen Zeitraum gebe es für die praktische Bewährung aber nicht. Bei der Entscheidung, ihn im Verein zu belassen, habe es auch eine große Rolle gespielt, dass er sich in seiner Zeit als Trainer eher als Integrationsfaktor hervorgetan habe, "egal ob in der Zusammenarbeit mit Trainerkollegen oder Spielern mit Migrationshintergrund", heißt es weiter.

Bei der Sitzung des erweiterten Vorstandes, zu dem der Gesamtvorstand und der Ältestenrat gehört, war den Angaben zufolge neben Marcel Dehnen auch Thomas Schickentanz, Vorsitzender des Fußballkreises Minden, anwesend. Zuvor hatte sich der Verein bei der Mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus Herford Hilfe gesucht.

Kein Platz für Nazis

Der Fußballkreis Minden führt am Montag, 27. Januar, gemeinsam mit dem Kreis Minden-Lübbecke und der Initiative "NRWeltoffen" eine Informationsveranstaltung zum Thema "Kein Platz für Nazis! Was Vereine wissen müssen" durch. Beginn im großen Saal des Kreishauses Minden (Portastraße 13, Minden, Gebäude A) ist um 19 Uhr. "Da der FLVW Kreis 23 Minden diesem Thema eine sehr hohe Bedeutung beimisst, wird diese Veranstaltung zur Pflichtveranstaltung für alle kreisangehörigen Vereine erklärt. Es wäre begrüßenswert, wenn Vereinsvertreter aus dem Senioren- und Juniorenbereich an dieser Veranstaltung teilnehmen würden", sagt Kreisvorsitzender Thomas Schickentanz.

Bildunterschrift: Rechte Symbolik: Diese Mütze mit Stahlhelm, Totenkopf und Eisernem Kreuz sorgte für reichlich Gesprächsstoff.

Kommentar zum Nazi-Mützen-Skandal

Welche Kleidung Marcel Dehnen trägt, ist Privatsache, soweit er privat unterwegs ist. Das gilt auch für die Mütze, die keine strafrechtlich relevanten Inhalte zeigt, wohl aber ein "typisches Kleidungsstück eines Rechten" sein soll, wie ein Experte meint. Der vorliegende Fall ist aber nicht privat. Marcel Dehnen hat in offizieller und aktiver Funktion an einer öffentlichen Veranstaltung des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen (FLVW) teilgenommen. Und hier hat er sich an die ethischen Regeln des Verbandes zu halten. Sowohl der FLVW als auch der dem Verband angehörige Verein SuS Wulferdingsen distanzieren sich klar von Rechtsextremismus. Dadurch, dass sich Marcel Dehnen im Beisein von Thomas Schickentanz, als Vorsitzender des Fußballkreises Minden ein offizieller Vertreter des FVLW, ebenfalls klar vom Rechtsextremismus distanziert hat, ist der Fall erledigt. Die Art und Weise, wie der Verein SuS Wulferdingsen mit der Situation umgegangen ist, ist vorbildlich. Man darf nicht vergessen, dass die Vorstände von Sportvereinen in der Regel ehrenamtlich arbeiten. Sie müssen etliche Stunden zusätzlich aufbringen, um eine Lösung in einem derart brisanten Fall herbeizuführen. Die Wulferdingsener stellten sich ihrer Verantwortung, holten sich professionellen Rat, nahmen den übergeordneten Verband mit ins Boot und gönnten Marcel Dehnen ebenfalls das Wort. Die Entscheidung, ihm eine zweite Chance zu geben, sich im praktischen Alltag als nicht-rechtsextrem zu bewähren, verdient Respekt.

Aber noch etwas hat der Nazi-Mützen-Skandal gezeigt. Die Gesellschaft ist hellwach. Für Nazis ist es sehr schwer, unentdeckt in die Mitte der Gesellschaft vorzurücken. Und das ist eine gute Nachricht.

Jürgen Krüger

_______________________________________________


Neue Westfälische - Bad Oeynhausener Kurier, 13.01.2020:

Lokalsport: SuS trennt sich vom Trainer

Bad Oeynhausen. Der Verein SuS Wulferdingsen hat mit einem Doppelbeschluss einen Schlussstrich unter den so genannten "Nazi-Mützen-Skandal" gezogen.

_______________________________________________


Radio Lippe, 13.01.2020:

Mahnwache gegen Abschiebungen nach Afghanistan

In der Versöhnungskirche in Detmold gibt es heute Abend (13.01.2020) wieder eine Mahnwache gegen Abschiebungen nach Afghanistan. Hintergrund ist ein für Dienstag geplanter Abschiebeflug. Die Flüchtlingshilfe Lippe bleibt dabei: Afghanistan gehört zu den gefährlichsten Aufenthaltsorten der Welt. Regelmäßig würden Attentate und Anschläge dort die Zivilbevölkerung treffen, schreibt der Verein in einer Mitteilung. Mahnwache und Andacht beginnen um 20 Uhr.

_______________________________________________


Lippische Landes-Zeitung, 13.01.2020:

Mahnwache und Andacht

Detmold (sk). Eine Mahnwache unter dem Thema "Afghanistan ist nicht sicher" findet am heutigen Montag um 20 Uhr in der Versöhnungskirche in der Martin-Luther-Straße 39 statt. Es wird eingeladen zum Friedensgebet und anschließendem Beisammensein. Das Projekt "BeStärkt - Beratung und Unterstützung von unbegleitet minderjährigen Flüchtlingen im Kreis Lippe" wird seine Arbeit vorstellen. Die Mahnwache veranstaltet ein Bündnis von Kirchengemeinde Detmold-West, Lippischer Landeskirche, Flüchtlingshilfe Lippe, Initiative Fluchtpunkt und dem Afghanischen Kulturverein.

_______________________________________________


Lippische Landes-Zeitung, 13.01.2020:

Unterstützung für Muntari wächst weiter

Die Unterschriftenaktion, die die Kirchengemeinde Cappel für den abgeschobenen Ghanaer Muntari Adam gestartet hat, zieht immer größere Kreise / Dem jungen Mann geht es derweil in seinem Herkunftsland schlecht

Marianne Schwarzer

Kreis Lippe. Das Schicksal des Ghanaers Muntari Adam, der kurz vor Weihnachten zurück in sein Herkunftsland abgeschoben worden ist, bewegt immer noch Menschen weit über die Kirchengemeinde Cappel hinaus. "Die Anfragen reißen nicht ab", sagt Pastorin Iris Beverung, "die Resonanz auf unsere Unterschriftensammlung ist überwältigend".

Wie berichtet, war Muntari Adam, der Heiligabend 2002 bei einem Massaker in seinem ghanaischen Herkunftsort Yendi eigenen Angaben zufolge seine ganze Familie verloren hat, nach einer jahrelangen Odyssee im Kirchenasyl in Cappel gelandet. Er wurde Teil der Evangelischen Gemeinde, fand für sich gefühlt eine neue Heimat.

Sein Asylantrag wurde abgelehnt, die Härtefallkommission hatte den Kreis Lippe dennoch ersucht, ihn hierzubehalten. Doch er wurde im Dezember abgeschoben. Das hatte einen erbitterten Protest der Landeskirche und der Flüchtlingshilfe nach sich gezogen. Die Kirchengemeinde Cappel hatte eine Unterschriftenaktion gestartet. Das Ziel: Die Ausländerbehörde zum Umdenken zu bewegen und Muntari die Rückkehr nach Deutschland zu ermöglichen.

"Es gab fast kein anderes Thema mehr", sagt Pfarrerin Iris Beverung. Resonanz komme aus allen Richtungen, unter anderem aus Bad Salzuflen, Detmold und Lemgo. "Es sind noch diverse Unterschriftenlisten unterwegs." Rund 1.500 Unterschriften seien bereits bei der Landeskirche - sei es in Cappel oder beim Flüchtlingsbeauftragten Pfarrer Dieter Bökemeier - eingetroffen. Unter anderem habe auch die SPD Blomberg eine komplette Unterschriftenliste eingereicht.

Bei der Kirchengemeinde sind auch Spenden eingegangen, um den mittellosen Muntari vor Ort in Ghana zu unterstützen - bisher etwas mehr als 1.100 Euro. Bis auf 50 Euro, den abgelehnte Asylbewerber bei ihrer Abschiebung bekommen, hatte er nichts für den Lebensunterhalt.

Kein Halt für Muntari in seiner Geburtsstadt

Er sei zunächst bei jemandem untergekommen, den er auf seiner Flucht in Libyen kennengelernt habe. Der habe zunächst für ihn alle Kosten übernommen, auch für die Medikamente, die er dringend brauchte. Auf Grund seines Zustandes sei er nicht in der Lage gewesen, sich in Ghana eine Arbeit zu suchen, erzählt Flüchtlingsbeauftragter Bökemeier, "und er ist es immer noch nicht, dazu geht es ihm einfach zu schlecht". Mittlerweile hat die Kirchengemeinde Muntari über Umwege einen Teil der Spenden zukommen lassen können, um ihn durch eine geringe finanzielle Sicherheit wenigstens ein bisschen zu stabilisieren.

"Es ist so toll, dass so viele Menschen helfen wollen", betont die Seelsorgerin. Sie werde immer wieder gefragt, wie lange denn die Unterschriftensammlung noch dauern solle, einen festen Termin könne sie aber noch nicht nennen. Die Landeskirche warte immer noch auf einen Termin für ein Spitzengespräch zwischen Landessuperintendent Dietmar Arends und Landrat Dr. Axel Lehmann. "Der Landrat hat ein hohes Interesse an dem Gespräch", heißt es bei der Pressestelle, das Vorzimmer werde sich alsbald um einen Termin bemühen.

Derweil ist Muntari in seinem Herkunftsort Yendi angekommen. Er habe vorübergehend Unterschlupf gefunden. "Aber es geht ihm körperlich und seelisch noch deutlich schlechter als in Deutschland vor seiner Abreise", sagt Dieter Bökemeier.

Yendi, der Ort seiner Geburt, bietet auch vor dem Hintergrund des Traumas dort keinen Halt für den jungen Ghanaer: "Er kennt dort niemanden mehr", die sozialen Bindungen von vor 17 Jahren seien verschwunden. Genau deshalb versuche die Landeskirche alles, damit Muntari zurück nach Lippe kehren kann.

Bildunterschrift: Der Königspalast im ghanaischen Yendi war 2002 Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen in deren Zug Muntaris Familie ermordet wurde. Dieter Bökemeier, Flüchtlingsbeauftragter der Landeskirche, hat den Ort schon mal besucht. "Dies ist ein traditionelles Viertel, der Rest der Stadt ist viel dichter bebaut", sagt er.

_______________________________________________


Lippische Landes-Zeitung, 13.01.2020:

Unterstützung für Ghanaer

Kreis Lippe. Die Kirchengemeinde Cappel sammelt Unterschriften für den abgeschobenen Muntari Adam.

Seite 8

_______________________________________________


zurück