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Westfalen-Blatt / Warburger Kreisblatt , 25.07.2019 :

"Stunde Null" aufgearbeitet

Professor Heiko Bewermeyer veröffentlicht Buch über das Kriegsende

Von Jürgen Vahle

Warburg (WB). Über die Kriegs-, Nazi- und Nachkriegszeit in Warburg ist schon viel geschrieben worden. Professor Heiko Bewermeyer hat jetzt im Bonifatius-Verlag eine neue Publikation veröffentlicht, in der er auf neue, fundierte und zugleich sehr persönliche Weise das Kriegsende am 31. März 1945 beschreibt.

Heiko Bewermeyer (78) ist Professor für Neurologie und Psychiatrie. Er leitete neurologische Kliniken, zuletzt die des städtischen Krankenhauses Merheim in Köln, und blieb danach weiter medizinisch tätig. Er berät beispielsweise seit vier Jahren das Helios-Klinikum in Warburg.

Der Mediziner hat schon eine ganze Reihe Publikationen vorgelegt, vorwiegend neurologische Artikel und Lehrbücher. Allerdings gibt es auch Veröffentlichungen, in denen er Warburgs Geschichte und Geschichten aufarbeitet. Kein Wunder: Warburg ist seine Heimatstadt.

Heiko Bewermeyer ist in Warburg aufgewachsen, hat Volksschule und Marianum in Warburg besucht und besitzt ein Haus an der Papenheimer Straße. Genau dieses Gebäude spielt für die Entstehung seines neuen Buches "Warburg Stunde Null. Kriegsende am 31. März 1945" eine Rolle, denn dieses Haus gehörte einst seinem Großvater Franz König. Er war zur Nazi-Zeit Spitzenbeamter der Stadt Warburg, allerdings alles andere als ein bekennender Nazi, wie Bewermeyer beschreibt: Er habe Parteiabzeichen nur dann offen getragen, wenn er dazu ermahnt worden sei. Nach Kriegsende 1945 - der berühmten Stunde Null - wurde Franz König von den amerikanischen Besatzern damit beauftragt, die Notlage der Bevölkerung zu lindern und geordnete Verhältnisse wieder herzustellen.

Der Biografie seines Großvaters stellt der Autor die Lebensläufe und das Wirken zweier weiterer wichtiger Menschen aus dieser Zeit gegenüber: NSDAP-Bürgermeister Otto Schlötel, der von 1933 bis 1945 in Warburg regierte, sowie Wilhelm Kramer, Dechant der Neustadt-Pfarrei und standhafter Gegner des Nazi-Regimes.

Professor Bewermeyer arbeitet in seinem Buch heraus, wie die NSDAP Schlötel von Minden aus ins katholisch geprägte Warburg entsendete, um vor Ort das Gedankengut der Nazis zu implementieren und deren Ziele umzusetzen. Bis 1933 waren die Warburger zumeist Anhänger der christlichen Zentrumspartei. Die NSDAP konnte kaum Fuß fassen. Mit Schlötel änderte sich das. In der Folgezeit wurden auch in Warburg Juden und Andersdenkende verfolgt, deportiert und ermordet, Vereine aufgelöst, die Presse gleichgeschaltet.

Der Autor beschreibt die Nazi-Zeit in Warburg, die militärischen Aktionen bis zur Besetzung der Stadt und die Biografien der drei Akteure in dieser Zeitspanne.

Der große Wert der neuen Publikation liegt darin, dass Professor Bewermeyer Quellen für eine breite Öffentlichkeit erschlossen hat, die so nicht ohne Weiteres zugänglich sind: So die Pfarrchronik, Aussagen von Nazi-Opfern in einem Spruchkammerverfahren und Interviews mit Zeitzeugen - zum Teil erstmals publizierte Dokumente. All dies ergibt ein Mosaik des Geschehens - und erklärt zudem, warum die Besatzer mit der Stadt nach Kriegsende relativ glimpflich umgingen.

Das Buch ist in einer Auflage von 500 Exemplaren erschienen und im Buchhandel zum Preis von 24,90 Euro erhältlich. Heiko Bewermeyer, "Warburg Stunde Null. Kriegsende am 31. März", 159 Seiten, ISBN 978-3-89710-823-3.

Bildunterschrift: Diesen Anblick kennt Heiko Bewermeyer zur Genüge. Der 78-jährige Professor für Neurologie und Psychiatrie hat sein Abitur am Marianum abgelegt. Jetzt hat er eine neue Publikation über Warburg vor und am Ende des Zweiten Weltkriegs vorgelegt.

Bildunterschrift: Diese neue Publikation arbeitet das Kriegsende in Warburg auf.


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