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Westfalen-Blatt / Zeitung für Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück, Rietberg und Harsewinkel , 29.11.2018 :

Bürger wollen "Wilhalm" erhalten

Stadt ist im Gespräch mit Käufer Udo Hemmelgarn - Dieser hegt Neubaupläne

Harsewinkel (wes). Der Gasthof Wilhalm mitten im Herzen von Harsewinkel ist verkauft. Diese Nachricht, und die, dass Familie Koriath an den Immobilienunternehmer und AfD-Bundestagsabgeordneten Udo Hemmelgarn verkauft hat, ist nicht mehr neu. Dass die Bürger sich vermehrt Sorgen machen, um dass, was nun dort entstehen soll, damit gehen sie nun an die Öffentlichkeit.

Allen voran Friedhelm Schmitz und Svenja Grandek. "Die Gastwirtschaft aus dem Jahre 1788 ist seit langer Zeit ein Treffpunkt vieler Harsewinkeler Bürger, aber auch vieler Harsewinkeler Vereine", weiß Schmitz im Gespräch mit dieser Zeitung zu berichten. Die Harsewinkeler schätzten die gutbürgerliche Küche ebenso wie den kommunikativen Austausch mit Freunden und Bekannten "an der Theke".

Dass Hedemarie und Achim Koriath aus Altersgründen die westfälische Gastwirtschaft, die sie seit 1966 ohne Unterbrechung führen, schließen und verkaufen, ist für Schmitz und Grandek nachvollziehbar.

Neben den Räumlichkeiten im Haupthaus ist besonders auch die alte Scheune mit ihrem Fachwerkcharme als Veranstaltungsraum für Feiern und Zusammenkünfte beliebt. "So werden hier Feste unterschiedlicher Art wie Geburtstage, Taufen, Hochzeiten, aber auch Firmenevents und Karneval gefeiert", so Schmitz.

Darüber hinaus zeichnet sich dieses Traditionshaus durch wirtschaftliche Verbundenheit mit den Unternehmen der Stadt Harsewinkel aus. Der Käufer, Udo Hemmelgarn, plant an dieser Stelle einen Neubau. Ein großer Komplex inmitten der Innenstadt, der sich wirtschaftlich lohnt.

Fachwerkhäuser prägten als Wohnimmobilien, aber auch als Gewerbeimmobilien, vor vielen Jahren in Harsewinkel jede Straße. Durch vorgenommene Planungen und Neubauten sind von diesen Gebäuden nur noch einige wenige erhalten. Insgesamt sieben Immobilien, davon drei im kirchlichen Besitz, stehen in der Denkmalliste Harsewinkels für den Stadtbereich. "Das nunmehr älteste Gebäude der Stadt, der Gasthof Wilhalm, sollte alleine schon aus diesem Grund erhalten bleiben", wünschen sich Schmitz und Grandek. Gerne auch als Gaststätte.

Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide versicherte auf Nachfrage, dass Gespräche zwischen Stadt und Käufer laufen. Die Stadt bemüht sich um eine Ausgleichsfläche, die sie Hemmelgarn bieten kann, um dort seine Baupläne verwirklichen zu können.

Bildunterschrift: Friedhelm Schmitz.

Bildunterschrift: Die Gaststätte "Wilhalm" ist verkauft. Die Stadt bemüht sich, eine Fläche für den Käufer zu finden, damit er seine Neubaupläne umsetzen kann und an dieser Stelle die Schankwirtschaft bleibt.

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Gütersloher Volkszeitung / Die Glocke Online, 28.11.2018:

"Gasthof gehört unter Denkmalschutz"

28.11.2018 - 06.31 Uhr

Harsewinkel (jau). Im Gästebuch des Gasthofs Wilhalm sind viele Prominente verewigt: Ilja Richter ist einst mit Mutter und Hunden angereist. Gottlieb Wendehals hat ebenso wie Fußballer Berti Vogts oder zuletzt Moderatorin Tamina Kallert im ältesten Gasthof der Stadt eingecheckt.

Und auch viele Harsewinkeler gehen in dem urigen Gasthof ein und aus. "Für viele ist es eine Tragödie, dass es hier nicht weitergehen soll", sagt die Harsewinkelerin Svenja Grandek. Zwei Generationen kämpfen für eine Sache: Als die 36-jährige Lehrerin und der 77-jährige Poalbürger Friedhelm (Frico) Schmitz gehört haben, dass das 1788 errichtete Gasthaus an Udo Hemmelgarn verkauft worden ist und zunächst im Raum stand, dass das alte Gebäude abgerissen werden soll ("Die Glocke" berichtete exklusiv am 16. Oktober), haben sich die beiden Harsewinkeler zusammengetan. Ihr Ziel: Sie wünschen sich, dass der Gasthof Wilhalm unter Denkmalschutz gestellt wird und das Gebäude erhalten bleibt.

Gasthaus mindestens bis Ende März geöffnet

Fest steht: Die Wirtsleute Hedemarie und Achim Koriath, die den Betrieb an der Dr.-Pieke-Straße seit 50 Jahren führen, werden den Gasthof noch mindestens bis Ende 2018, voraussichtlich aber bis Ende März 2019 weiterführen. Dann ist aus Altersgründen und aus Mangel an Nachfolgern Schluss. Udo Hemmelgarn, der für die AfD im Bundestag sitzt, wollte den Komplex zuerst abreißen lassen und dort einen Neubau realisieren. Dann hat sich allerdings die Stadt eingeschaltet, die das Gebäude erhalten möchte - ebenso wie die Politik. "Wir sind in positiven Gesprächen", sagte Udo Hemmelgarn auf Anfrage der "Glocke". Eine Entscheidung gebe es bisher noch nicht. "Angedacht ist ein Grundstückstausch. Die Stadt muss schauen, ob sie uns etwas Vergleichbares anbieten kann. Dabei begeben wir uns jedoch nicht unter Zeitdruck, denn das ist immer negativ. Und wir haben Zeit: Die Koriaths werden das Gebäude frühestens am 31. März übergeben."

Lange Tradition geht zu Ende

Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide (SPD) äußerte sich am Dienstag nicht zum Stand der Verhandlungen. Frico Schmitz und Svenja Grandek bedauern, dass durch die Schließung der Gaststätte, des Hotels, des Saals und der Scheune eine lange Tradition zu Ende geht. Insgesamt gibt es laut Frico Schmitz im Zentrum Harsewinkels auch nur noch sieben Immobilien, davon drei in kirchlichem Besitz, die in der Denkmalliste der Stadt verzeichnet sind. "Ein Abbruch würde Harsewinkel um ein weiteres schützenswertes Gebäude ärmer machen", betont Friedhelm Schmitz. Und weiter sagt der Harsewinkeler Poalbürger: "Das Gebäude gehört unter Denkmalschutz, das ist keine Frage." Und Svenja Grandek wünscht sich, dass künftig auch die Gastwirtschaft erhalten bleibt - "ein Ort für alle Generationen", für den sich jetzt zwei Generationen einsetzen.

Ein Interview mit Andreas Harneke von der Denkmalbehörde der Stadt lesen Sie in der Mittwochsausgabe der "Glocke".

Bildunterschrift: Wünschen sich, dass der Gasthof Wilhalm - das älteste Gasthaus der Stadt - erhalten bleibt und das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt wird: die Harsewinkeler Poalbürger Svenja Grandek (36) und Friedhelm Schmitz (77).

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Neue Westfälische - Gütersloher Zeitung, 28.11.2018:

Poahlbürger trauern um ihren Wilhalm

Gaststätte: Alteingesessene Harsewinkeler und Stammgäste fordern neue Nutzungskonzepte für den Erhalt des Traditionshauses / Dabei ist derzeit völlig offen, ob das Gebäude-Ensemble überhaupt bleibt

Von Burkhard Hoeltzenbein

Harsewinkel. Seitdem die Kunde vom Verkauf und damit auch dem Schließen des Gasthofes Wilhalm im Juni kommenden Jahres in der Stadt rund ist, mehren sich die Stimmen jener, die Harsewinkels ältestes Gebäude unbedingt erhalten wollen.

Wie berichtet, hat der Harsewinkeler Immobilienunternehmer und AfD-Bundestagsabgeordnete Udo Hemmelgarn dem Gastronomen-Ehepaar Achim und Hedemarie Koriath die altehrwürdige Schenke an der Dr.-Pieke-Straße abgekauft. Nun will die Stadt Hemmelgarn ein Grundstück als Ersatz für das Wilhalm-Areal an der Dr.-Pieke-Straße zur Verfügung stellen, auf dem der seine Investitionspläne umsetzen könnte. "Es gibt noch keinen neuen Sachstand, wir sind auf der Suche nach einem entsprechenden Grundstück", bestätigte Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide gestern auf Anfrage der Neuen Westfälischen.

Zu jenen, die das historische Gebäude mit seinen Nebenanbauten erhalten wollen und den nach wie vor im Raum stehenden möglichen Abriss unbedingt verhindern wollen, gehören Friedhelm "Frico" Schmitz und Svenja Grandek. "Im Sinne des Heimatgedankens muss es ein Anliegen der Stadt sein, das Kulturgut dieser letzten typisch münsterländischen Gaststube zu würdigen", erklären die Beiden.

Standort würde durch den Erwerb sein Gesicht behalten

Durch den von ihnen geforderten Erwerb der Gebäude mit dem Haupthaus, der Scheune mit ihrem Fachwerkcharme und des Grundstücks durch die Stadt würde der Standort sein Gesicht behalten. Sie schlagen vor, ein tragfähiges Nutzungskonzept für die Immobilie zu erarbeiten, bei dem die Bürger sowie gesellschaftliche Gruppen einbezogen werden sollten. "Wünschenswert ist unter anderem eine gut geführte Gastronomie", sagen sie. Der Gasthof würde mit einem neuen Konzept eine Attraktion der Stadt bleiben. Sie verweisen auf Nachbarstädte, in denen derartige Relikte vergangener Zeiten restauriert worden seien.

Der 77-jährige Poahlbürger Friedhelm Schmitz, der seit seinen Jugendtagen bei Wilhalm gerne sein Bierchen am Tresen trinkt, früher hier kegelte und heute noch gerne mit Freunden Doppelkopf kloppt, verweist auf 52 Jahre, die Achim und Hedemarie Koriath die westfälische Gaststube seit 1966 führen.

"Das Haus gehört unter Denkmalschutz"

"Das Haus gehört unter Denkmalschutz", meint Friedhelm Schmitz. Das sieht auch die 37-jährige Ur-Harsewinkelerin Svenja Grandek so. Von der eigenen Hochzeit über Taufen bis zum Beerdigungskaffee ist ihr Familienleben zu fröhlichen wie zu traurigen Anlässen mit der Gastwirtschaft aus dem Jahre 1788 verbandelt. "Es ist ein Treffpunkt vieler Bürger, aber auch Vereine", verweist sie auf die soziale Komponente. So sei "Wilhalm" das Vereinslokal des Bürgerschützen- und Heimatvereins, der Ehrengarde, des Gartenbauvereins, des Kulturkreises, des Verkehrsvereins und einer Tanzschule. Zudem bilde er den gesellschaftlichen Mittelpunkt für etliche Stammtischgruppen. Grandek nennt beispielhaft den "Treppchen-Club", der sich hier seit 40 Jahren wöchentlich treffe.

"Außerdem zieht es die Leute nach Weinfest, Weihnachtsmarkt oder Lichterabend in das Haus, um den Abend gemütlich ausklingen zu lassen", ergänzt Schmitz. Das Ambiente ziehe Menschen ab 30 aufwärts bis ins hohe Alter an.

Neben Poalbürgern schätzten auch prominente Gäste das urige Ambiente und die Kneipenkultur. "Sogar Gastronomen aus dem Umland kommen hierher", weiß Grandek.

Bei vielen Harsewinkelern ist Wehmut spürbar

Sie sorgt sich, dass durch die Schließung viele Traditionen zu Ende gehen könnten. Bei vielen Harsewinkelern sei Wehmut spürbar. "Es kommt immer wieder die gleiche Frage auf, wo man dann abends hingehen soll", sagt Grandek.

Zudem würde mit dem Abbruch des Hauses wieder etwas von Harsewinkels ursprünglichem Gesicht verloren gehen. "Fachwerkhäuser prägten vor vielen Jahren jede Straße", erinnert Schmitz. Von diesen seien nur wenige im Ort erhalten. Nur sieben Immobilien, davon drei im Kirchenbesitz, stünden in der Denkmalliste im Stadtbereich.

Die Frage, die die beiden Streiter für den "Wilhalm" aufwerfen, lautet: "Haben wir nicht eine Verpflichtung, dieses 230 Jahre alte Gebäude zu erhalten?" Ein Abbruch würde Harsewinkel um eine weitere Attraktion, um ein wertvolles Angebot und um ein schützenswertes Gebäude ärmer machen.

Achim Koriath will zu Spekulationen um die Verhandlungen der Stadt im Hintergrund aus nachvollziehbaren Gründen gar nichts sagen. Nur eines stellt der Gastwirt fest: "Seit wir an die Öffentlichkeit gegangen sind, rennen uns die Gäste noch mehr die Bude ein." Den Abschied auf Raten wollen viele Harsewinkeler wohl richtig auskosten.

Bildunterschrift: Stammgäste: Svenja Grandek und Friedhelm "Frico" Schmitz sorgen sich um die Zukunft des Gasthofs Wilhalm.

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Frontal 21, 27.11.2018:

Reichsbürger undercover

27.11.2018 - 21.48 Uhr

"Die BRD gibt es nicht!"

Reichsbürger, die Deutschland als Staat nicht anerkennen: 19.000 soll es geben, manche davon bewaffnet und gewaltbereit. Ein ZDF-Team hat sich unter vermeintliche Reichsbürger gemischt.

Der Verfassungsschutz beobachtet die stetig wachsende Szene intensiv. In den letzten zwölf Monaten wuchs sie um fast 3.000 Personen. Doch Einblicke bekommt man kaum. Jetzt ist es einem Team von ZDF und "Correctiv" gelungen, an einem Seminar teilzunehmen, das sich an Reichsbürger wendet. Ein Erlebnisbericht der Frontal 21-Reporter.

Drei Tage lang treffen sich im Juli rund ein Dutzend Reichsbürger zum "Intensivseminar" in einem Hotel am Walensee. "Überleben im Unrechtsstaat", so der Titel des Seminars. Veranstaltet von Mathias Weidner, eine in der Reichsbürger-Szene prominente Stimme. Was die Teilnehmer nicht wissen: am Seminar nehmen auch zwei Investigativ-Journalisten von "Correctiv" und ZDF teil. Sie haben sich unter falschem Namen angemeldet. Während des Seminars machen sie verdeckt Bildaufnahmen und verfassen Gesprächsprotokolle.

Zweifel am Holocaust

Am Walensee wird die ganze Palette von Reichsbürger-Verschwörungstheorien aufgetischt. Seminarleiter Weidner erklärt zum Beispiel, die BRD handle nicht als eigenständiger Staat, sondern stehe unter Fremdverwaltung der Alliierten. Letztlich würden einige "superreiche" Familien die Welt besitzen und eine geheime Weltregierung halte alle Fäden in den Händen.

"Maurer aus Dachau haben erzählt, dass sie diese angeblichen Vergasungskammern erst nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut haben."
Matthias Weidner, Leiter des Seminars der Reichsbürger

Und weiter: Deutschland habe mit dem Zweiten Weltkrieg nichts zu tun - dahinter steckten Firmen. Weidner bezweifelt den Holocaust - macht das fest an der Existenz der Gaskammern. "Maurer aus Dachau haben erzählt, dass sie diese angeblichen Vergasungskammern erst nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut haben. Und die Häftlingskleidung, die in Schulbüchern als Sträflingskleidung der jüdischen KZ-Insassen abgedruckt ist - wurde in Wahrheit von deutschen Soldaten getragen."

Referent aus der Schweiz

Am zweiten Tag wird im Reichsbürger-Seminar ein Referent aus der Schweiz vorgestellt: Michael Räumelt, ein deutscher Unternehmensberater, der in Graubünden lebt. Räumelt ist auch Vorstandsmitglied und Pressesprecher der SVP-Sektion Viamala. Der Unternehmensberater referiert am Walensee über "bewährte und praktizierte Möglichkeiten der Vermögenssicherung für Einzelne / Familien / Selbständige / Unternehmer im Ausland".

Räumelt macht aber auch andere, umstrittene Aussagen zum Thema Kindeswegnahme, ein Anliegen, das Reichsbürger oft beschäftigt. "In Deutschland werden pro Tag über 100 Kinder ihren Eltern weggenommen. Wenn ich das hochrechne, ist die Dunkelziffer meines Erachtens höher als 80.000 im Jahr, schätze sogar wir gehen in die 100.000 rein." Diese Kinder würden dann teilweise von gleichgeschlechtlichen Paaren adoptiert werden, so Räumelt. Hinzu komme, dass mit diesen Kindern "Rituale" gemacht würden.

"Keine Verschwörungstheorie"

Journalisten des Schweizer Fernsehens konfrontieren Räumelt später mit seinen Aussagen. Der Unternehmensberater steht zu dem, was er erzählt hat und wehrt sich. "Es ist eigentlich skandalös, dass man es als Verschwörungstheorie betrachtet, wenn man ein Herz für Kinder hat und sich für betroffene Eltern einsetzt. Ich glaube nicht, dass es verwerflich ist, wenn man sich für das Wohl dieser Kinder wie auch der Eltern einsetzt und dementsprechend recherchiert."

"Während meiner Zeit, es waren maximal zwei Stunden an einem Samstagvormittag, ist mir in dieser Diskussionsrunde bei diesen Unternehmern definitiv nichts aufgefallen, was irgendwo in Richtung Reichsbürger hätte hinführen können."
Michael Räumelt, ein deutscher Unternehmensberater

Dass er auf einem Reichsbürger-Seminar gesprochen hat, das dementiert Räumelt: "Hätte ich das gewusst, wäre ich dort gar nicht erst erschienen." Er habe vor Unternehmern referiert. "Während meiner Zeit, es waren maximal zwei Stunden an einem Samstagvormittag, ist mir in dieser Diskussionsrunde bei diesen Unternehmern definitiv nichts aufgefallen, was irgendwo in Richtung Reichsbürger hätte hinführen können." Er distanziere sich im Übrigen in aller Form von Reichsbürger-Ideologie und Holocaust-Leugnung.

Seminarleiter Matthias Weidner hingegen ist nicht bereit, Fragen zu beantworten. Er teilt schriftlich mit, eine Befragung zur "sogenannten Reichsbürgerbewegung" könne nicht stattfinden.

Reichsbürger weichen in die Schweiz aus

Dass sich deutsche Reichsbürger in der Schweiz treffen, ist kein Zufall. Man stört sich an den strengen Kontrollen durch die Polizei in Deutschland, ist unter anderem im Seminar am Walensee zu hören. So lautet einer der Programmpunkte auch: "Freiheit bewahren trotz Überwachung". Die Reichsbürger-Bewegung wird vom deutschen Verfassungsschutz als Bedrohung eingestuft. Die deutsche Polizei geht oft hart gegen Reichsbürger vor.

"Wir stellen immer wieder fest, dass tatsächlich Ausweichmanöver stattfinden. Dort, wo der Repressionsdruck am höchsten ist, versucht man natürlich letztlich auszuweichen."
Burkhard Körner, Präsident des Verfassungsschutzes in Bayern

Die Repression in Deutschland führt offenbar dazu, dass die Szene nun teilweise in die Schweiz ausweicht. Burkhard Körner, Präsident des Verfassungsschutzes in Bayern, erklärt: "Wir stellen immer wieder fest, dass tatsächlich Ausweichmanöver stattfinden. Dort, wo der Repressionsdruck am höchsten ist, versucht man natürlich letztlich auszuweichen. Beispielsweise haben auch massive Strafverfahren in Österreich dazu geführt, dass die dortige Szene abgeschmolzen ist. Man muss jetzt sehr genau hinschauen, ob Personen aus der österreichischen Szene nach Deutschland oder in die Schweiz gehen."

Hunderte sind bewaffnet

Laut der Bundesregierung gibt es in Deutschland 19.000 Reichsbürger und Selbstverwalter. Ihre Zahl stieg in den letzten Jahren rasant an. Hunderte Reichsbürger sind in Deutschland bewaffnet. Im Oktober 2016 erschoss ein Reichsbürger in Bayern einen Polizisten und verletzte zwei weitere. Eine Spezialeinheit wollte seine Waffen beschlagnahmen. Alleine in Bayern, ein Reichsbürger-Hotspot in Deutschland, sind laut Behörden 4.200 Reichsbürger aktiv. Bis Ende September sammelten Beamte hier 700 Waffen in der Szene ein.

"Wir sind immer wieder mit gewalttätigen Aktionen bei Vollstreckungsmaßnahmen konfrontiert."
Burkhard Körner, Präsident des Verfassungsschutzes in Bayern

Burkhard Körner warnt: "Die Gefährlichkeit der Szene ist noch immer gegeben. Wir stellen immer wieder fest, dass diese Staatsverdrossenheit, die Reichsbürger sehr häufig haben, sehr schnell in Hass umschlagen kann. Wir sind immer wieder mit gewalttätigen Aktionen bei Vollstreckungsmaßnahmen konfrontiert", sagt Körner. Und weiter: "Der Staat muss ganz klar Flagge zeigen und vor allem - das ist das Allerwichtigste - er muss die Voraussetzungen schaffen, dass der Waffenbesitz innerhalb der Reichsbürger-Szene bekämpft werden kann." Das Phänomen dürfe nicht unterschätzt werden und es sei wichtig, die Szene von Anfang an zu kontrollieren und wenn nötig polizeilich einzuschreiten.

Misstrauen gegenüber dem Staat

Die Staatsverweigerer, die in Deutschland, Österreich und in der Schweiz als Reichsbürger auftreten, erkennen weder staatliche Strukturen noch Justiz oder Gesetze an. In Deutschland, Österreich und der Schweiz versuchen Staatsverweigerer vor allem, die Arbeit von Justiz und Behörden durch Störaktionen zu behindern. Die Reichsbürger-Szene ist sehr heterogen und zersplittert.

Die Bewegung zeichnet ein tiefes Misstrauen gegenüber dem Staat aus. Der Staat ist laut Reichsbürger-Ideologie eine private Firma, die den Interessen einer "kriminellen" Elite dient. Reichsbürger verweigern deswegen oft die Bezahlung von Steuern, Gebühren und Schulden. Dies führt dann eventuell zu Pfändungen, Ersatzfreiheitsstrafen und Zwangsräumungen.

Das wichtigste Papier für die Reichsbürger ist der so genannte "Staatsangehörigkeitsausweis". Nur er garantiere die Freiheit, so Matthias Weidner in seinem Seminar. Aber nicht nur Weidner hängt sein Herz an den heutzutage völlig unwichtigen Ausweis. Auch Bundestagsabgeordnete der AfD interessieren sich für die Bedeutung des Staatsangehörigkeitsausweises. Besonders der Abgeordnete Udo Hemmelgarn. Er will in einer Kleinen Anfrage sogar wissen, welche Mitglieder der Bundesregierung einen Staatsangehörigkeitsausweis besitzen.

"Man kann diese so genannten alternativen Wissenskongresse sowohl als AfD-nah als auch zugleich als Reichsbürger-affin bezeichnen, dort treten Verschwörungstheoretiker aller Couleur auf, und da gibt es deutlich inhaltliche Schnittmengen."
Alexander Häusler, Neonazismus-Forscher

AfD-Mann Hemmelgarn war bis 2017 Vorstand im "Verein zur Förderung des politischen Dialogs". Der organisiert den so genannten "Alternativen Wissenskongress". In diesem Jahr fand der Kongress im Sauerland statt. Als Hemmelgarn noch Vereinsvorstand war, traten dort Referenten auf, die bei Reichsbürgern gut ankommen. Im Bezirksvorstand der AfD in Detmold wurde Hemmelgarn 2016 für sein Engagement in dem Verein und seine Nähe zur Reichsbürger-Bewegung kritisiert. Beobachter der Szene, wie der Neonazismus-Forscher Alexander Häusler schätzen das ähnlich ein. Häusler glaubt: "Bei Herrn Hemmelgarn kann man schon davon ausgehen, dass es inhaltlich signifikante Schnittstellen zur Weltanschauung der Reichsbürger gibt. Man kann diese so genannten alternativen Wissenskongresse sowohl als AfD-nah als auch als Reichsbürger-affin bezeichnen, dort treten Verschwörungstheoretiker aller Couleur auf, und da gibt es deutlich inhaltliche Schnittmengen."

Frontal 21 gegenüber dementiert Hemmelgarn jede Verbindung zu Reichsbürgern und behauptet, fest auf dem Boden des Grundgesetzes zu stehen. "Die Veranstaltung als "reichsbürgernah" zu bezeichnen ist totaler Humbug und nichts als eine bösartige Diffamierung. ( … ) Ich halte die Bezeichnung meiner Person als Reichsbürger deshalb nicht für gerechtfertigt."

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Rundblick Unna Online, 11.11.2018:

Polizeiaufgebot in Fröndenberg für "Alternativen Wissenskongress 2018"

Seltsam viel Polizei am heutigen Sonntagmorgen (11.11.) in Fröndenberg, insbesondere im Bahnhofsbereich. Der Grund: eine Veranstaltung mit AfD-Nähe mit zwei kurzfristig angemeldeten linken Gegenveranstaltungen.

Wie uns die Polizeileitstelle Unna auf Anfrage am Vormittag mitteilte, begleiten die Einsatzkräfte den "Alternativen Wissenskongress 2018". Als Gastgeber tritt der AfD-nahe "Verein zur Förderung des politischen Dialogs" auf.

Die Veranstaltung findet im Stiftsgebäude statt. Gegendemonstranten (Antifa, Die Partei) sammelten sich am Bahnhofsgelände.

In ihrer Einladung kritisieren die Veranstalter den "übergriffigen Staat, Zensur, Vertuschung, Steuerverschwendung, Medienlügen und Angriffskriege". Dazu müsse man sich austauschen und vernetzen.

Der genaue Ort der Veranstaltung wurde in der Einladung nicht genannt, großräumig als "Raum Unna / Dortmund" umschrieben. Daher auch wurden die Gegenveranstaltungen - laut Auskunft der Unnaer Polizeisprecherin Vera Howanietz sind es zwei - sehr kurzfristig angemeldet. Veranstaltungsort dafür war der Bahnhofsbereich, von dort aus zogen die circa 50 meist jugendlichen Teilnehmern unter Pfiffen zum Stiftsviertel hoch. Die Polizei schirmte sie vom Veranstaltungsort ab.

Bis zum Mittag verlief alles friedlich.

Bezüglich der genauen Einsatzstärke gab die Unnaer Polizei, wie bei Demonstrationen üblich, keine Auskunft.

Der "Alternative Wissenskongress 2018" ist seit 2014 bereits der vierte seiner Art. Die Veranstaltung habe sich im Lauf der Jahre "zu einem festen Event insbesondere für AfD-Rechtsaußen und für verschwörungstheoretisch veranlagte Naturen aus dem näheren und weiteren Umfeld der Partei entwickelt", heißt es auf kritischen Medienblogs wie "Blick nach Rechts".

Im Vorfeld seiner Gründung 2014 hätten eigentlich die 5 Bezirksverbände der NRW-AfD ihren ersten "Wissenskongress" aufziehen wollen. Doch in der Partei sei Kritik laut geworden, so dass die AfD-Bezirke als Veranstalter verschwanden.

"Stattdessen übernahm der neue Verein die Vorbereitung. Zwar führten dort nach wie vor jene Funktionäre Regie, die schon vorher im Namen der Partei "alternatives Wissen" produzieren wollten. Aber fortan war das Quartett mit Ingo Schumacher und Udo Hemmelgarn, den damaligen Chefs der Bezirksverbände Köln und Ostwestfalen, sowie Nic Vogel und Sebastian Schulze, den stellvertretenden Sprechern der AfD-Bezirke Düsseldorf und Südwestfalen, quasi ohne Parteilogo unterwegs", heißt es auf bnr.de.

Mindestens drei von ihnen seien auch diesmal dabei: der inzwischen zum Bundestagsabgeordneten gewählte Hemmelgarn, dessen Anschrift als Büroadresse des Vereins diene, Schumacher als Pressesprecher sowie Sebastian Schulze, der den Vorständen des AfD-Mittelstandsforums auf Bundes- und auf Landesebene angehöre.

Bildunterschrift: Polizei schirmte die Gegendemonstranten im Umfeld des Stiftsgebäudes von der Veranstaltung ab.

Bildunterschrift: Polizei im Bereich von Tirpitz-Straße in Richtung Stiftsviertel.

Bildunterschrift: Einladung und Programmablauf.

Bildunterschrift: Blick auf die Demonstranten unter Polizeiabschirmung.

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Blick nach Rechts, 08.11.2018:

Alternative "Fakten"

Von Rainer Roeser

AfD-Politiker organisieren unter dem Label eines "Vereins zur Förderung des politischen Dialogs" ihren vierten "Wissenskongress".

Die AfD bemüht sich um eine seriösere Optik. Nicht zuletzt die drohende Beobachtung durch den Verfassungsschutz sorgt für Druck von außen. Doch es gibt Gegenkräfte zu denen, die sich gemäßigt geben wollen. Vor allem im Rechtsaußen-Flügel rund um Björn Höcke. Doch das Biedermann-Image beschädigen auch jene Teile der AfD, die nicht zwingend den ideologischen Vorgaben des Thüringers folgen, dafür aber ein Faible für Verschwörungstheoretisches haben. Am kommenden Sonntag lädt der AfD-nahe "Verein zur Förderung des politischen Dialogs" zu seinem mittlerweile schon vierten "Alternativen Wissenskongress" ein.

Parteilogo versteckt

Entstanden ist der Verein vor rund vier Jahren. Damals hatten eigentlich die fünf Bezirksverbände der nordrhein-westfälischen AfD ihren ersten "Wissenskongress" aufziehen wollen. Doch in der Partei wurde Kritik laut. Die AfD-Bezirke verschwanden als Veranstalter. Stattdessen übernahm der neue Verein die Vorbereitung. Zwar führten dort nach wie vor jene Funktionäre Regie, die schon vorher im Namen der Partei "Alternatives Wissen" produzieren wollten. Aber fortan war das Quartett mit Ingo Schumacher und Udo Hemmelgarn, den damaligen Chefs der Bezirksverbände Köln und Ostwestfalen, sowie Nic Vogel und Sebastian Schulze, den stellvertretenden Sprechern der AfD-Bezirke Düsseldorf und Südwestfalen, quasi ohne Parteilogo unterwegs (Blick nach Rechts berichtete am 19.02.2016, 23.03.2015, 18.03.2015 und 23.09.2015).

Mindestens drei von ihnen sind auch diesmal mit von der Partie: der zum Bundestagsabgeordneten aufgestiegene Hemmelgarn, dessen Anschrift als Büroadresse des Vereins dient, Schumacher als Pressesprecher des "Wissenskongresses" sowie Schulze, der mittlerweile aus seinem Bezirksvorstand ausgeschieden ist, dafür aber den Vorständen des AfD-Mittelstandsforums auf Bundes- und auf Landesebene angehört. Ob auch Vogel, der inzwischen seine Brötchen als AfD-Landtagsabgeordneter in Düsseldorf verdient, wieder mitwirkt, ist nicht bekannt. Transparenz in eigener Sache ist nicht die Stärke des Vereins, der von sich behauptet, den politischen Dialog fördern zu wollen.

Wenn ein Gehirnwäsche-Forscher zum Experten wird

Fast schon logisch wirkt es daher, dass auch um den Veranstaltungsort ein Geheimnis gemacht wird. Irgendwo im "Raum Dortmund / Unna" soll die vierte Auflage des Kongresses stattfinden, der sich im Lauf der Jahre zu einem festen Event insbesondere für AfD-Rechtsaußen und für verschwörungstheoretisch veranlagte Naturen aus dem näheren und weiteren Umfeld der Partei entwickelt hat. Gedacht ist er vor allem für alle, "die sich alternativ zu den Massenmedien informieren wollen".

Für die entsprechenden "alternativen Fakten" sorgten bereits in der Vergangenheit Referenten, mit denen sich seriös gebende AfDler vermutlich nur ungern öffentlich zeigen würden. Da luden die Organisatoren des Kongresses etwa den Gründer eines "Instituts für politische Gehirnwäsche-Forschung und Befreiungs-Psychologie" ein. Willkommen - und von den Veranstaltern als "Quelle des Wissens rund um die Souveränitätsbewegung" angepriesen - war auch ein Referent, der zuweilen zu berichten weiß, "dass es sich bei den angeblichen Staaten nur um Vereine handelt, die sich aber Staat nennen dürfen und eben keine Staaten sind".

"Multiplikatoren für eine bessere Zukunft"

Angekündigt wurde zudem für den "Wissenskongress" 2016 eine Videobotschaft eines rechten Filmemachers, der sich noch wenige Jahre zuvor für eine "revolutionäre Neuordnung" Deutschlands und die "Abschaffung des Parteienstaates" zur "Herstellung wirklicher Volksherrschaft" ausgesprochen hatte (Blick nach Rechts berichtete am 06.10.2016).

Dieses Mal wollen die Organisatoren nicht nur Vorträge anbieten, sondern auch "praktische Tipps vermitteln, wie jeder Einzelne ein Multiplikator für eine bessere Zukunft werden kann". Solche Hinweise werden am kommenden Sonntag unter anderem von Rico Albrecht von der "Wissensmanufaktur" erwartet. Über ihre Arbeit berichten zudem Vertreter des rechten Medienkanals "Eingeschenkt.tv".

"Friedensfahrten" nach Russland

Referieren wird auch der Münchener Christian Jung, der sich ebenfalls mit Videos sowie mit seinem im Kopp-Verlag erschienenen Buch "Der Links-Staat" in der Szene einen Namen gemacht hat. In einem Workshop soll es darum gehen, wie man "Freunde und Bekannte schnell und wirkungsvoll zu den alternativen Medien lotsen" kann. Über die Organisation rechter Demonstrationen berichten Myriam Kern ("Die Stimme von Kandel") und Leyla Bilge, Standardrednerin zahlreicher rechter Demos und "Frauenmarsch"-Organisatorin in Berlin (Blick nach Rechts berichtete am 05.10.2018 und 15.02.2018).

Zum Auftakt des Programms spricht Rainer Rothfuß über seine "Friedensfahrten" nach Russland. Der ehemalige Universitätsprofessor, früher CSU-Mitglied, hat sich im Sommer der AfD angeschlossen. Das NDR-Magazin "Zapp" berichtete Ende letzten Jahres über Rothfuß, er trete heute vor allem auf bekannten verschwörungsideologischen Kanälen wie "NuoViso", "KenFM" oder "KlagemauerTV" auf.

"Brandrede" zum Abschluss

Am Ende des achtstündigen Kongresses steht nicht weniger als eine "Brandrede" auf dem Programm, wie die Organisatoren vollmundig versprechen. Erwartet wird Eberhard Hamer, Autor im Kopp-Verlag und ein "Urgestein der alternativen Medien". Für gewöhnlich klagt er bei seinen Auftritten über einen "Weltgeldbetrug". Diesmal will er sich dem "Tiefen Staat" widmen. Mit seiner Rede schließt sich ein Kreis: Hamer stand bereits 2015 beim allerersten "Alternativen Wissenskongress" am Mikrofon und feierte dort Pegida als "ersten anständigen Aufstand des Mittelstands".

"Die Veranstalter waren bei der Auswahl der Referenten nicht gut beraten. Unter den Referenten scheinen sich Verschwörungstheoretiker und Wirrköpfe zu befinden", sagte Parteisprecher Bernd Lucke, als vor vier Jahren die Planungen für den ersten "Alternativen Wissenskongress" in der AfD bekannt wurden. "Die Veranstalter sollten ihr Konzept überdenken", empfahl er ihnen. Das taten sie nicht. Heute sind sie Bundestagsabgeordnete, Landtagsabgeordnete, machen Karriere beim AfD-Mittelstand oder führen Parteibezirke, die größer sind als mancher Landesverband. Und Lucke, der die Organisatoren für nicht gut beraten hielt? Er ist Vergangenheit.

Bildunterschrift: AfDler mit Faible für Verschwörungstheoretisches (Screenshot).

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Neue Westfälische, 22.10.2018:

AfD - in eigener Sache

Mietpreisbremse: Udo Hemmelgarn aus Harsewinkel wettert im Bundestag dagegen und verschweigt, dass er selbst Wohnungen vermietet

Von Matthias Bungeroth

Berlin / Harsewinkel. Udo Hemmelgarn ist in seinem Element. Der 59-jährige Bundestagsabgeordnete aus Harsewinkel übernimmt mit Elan das Rednerpult des Deutschen Bundestages. Der AfD-Politiker ergreift in der Debatte um eine Verschärfung der Mietpreisbremse das Wort. Und es soll ein eindeutiges Plädoyer werden, das der Volksvertreter der Alternative für Deutschland an diesem Tage hält.

Erst zwei Tage vor der Debatte hat Hemmelgarn gegenüber der Neuen Westfälischen betont, er gehe weiter seinen Immobiliengeschäften nach. "Ich erkenne darin kein Problem", sagte er. "Das lässt sich gut miteinander vereinbaren, mein politischer Auftrag leidet nicht darunter."

Und so holt Hemmelgarn in einer rund dreieinhalbminütigen Rede zum großen Rundumschlag aus. Deutschland sei "im Rettungswahn", befindet der Gütersloher Kreisvorsitzende und Sprecher des Bezirksverbandes Detmold / Ostwestfalen seiner Partei. Das betreffe die EU, den Euro, die Banken, Griechenland, die Flüchtlinge und das Klima.

Udo Hemmelgarn baut jährlich 10 bis 20 Wohnungen

Nun sei von der Regierung der nächste Feind ausgemacht, gegen den es Rettung bedürfe. "Es ist der böse Vermieter, obwohl es sich dabei zu 60 Prozent um private Kleinvermieter handelt." Doch diese hätten ihre Miete "in den letzten Jahren vielfach nicht erhöht".

Was Hemmelgarn in diesem Moment den Zuhörern und den Bürgerinnen und Bürgern draußen im Land verschweigt: Er zählt selbst zu denen, die er gerade als "Kleinvermieter" bezeichnet hat.

Denn Hemmelgarn ist seit vielen Jahren in Eigenregie und in Kooperation mit anderen Firmen in seiner Heimat im Immobiliengeschäft tätig, baut jedes Jahr 10 bis 20 Wohnungen, wie er gegenüber der Neuen Westfälischen ebenfalls noch in dieser Woche bestätigte.

Ergo kommt Hemmelgarn in seiner Rede zu dem Schluss, dass eine Verschärfung der Mietpreisbremse dem Mietmarkt "den nächsten Stoß versetzen" werde. Vielmehr werde ein solcher Schritt die Neigung von Kleinvermietern, in den Mietwohnungsbau zu investieren, weiter verringern.

Die Folge sei eine Konzentration auf die großen Wohnungsgesellschaften in diesem Bereich. Diese würden sich ihre Mieter nach der jeweiligen Solvenz der Mieter aussuchen. "Kleinliche und peinliche Förderprogramme werden an der Wohnungsmisere nichts ändern", schlussfolgert Hemmelgarn.

Abschaffung der Grund- und Grunderwerbssteuer

Damit sei das Ziel, noch in dieser Legislaturperiode rund 1,5 Millionen Neubauwohnungen zu schaffen, nicht erreichbar. Wie das geht, weiß Hemmelgarn indessen. Er fordert "die Abschaffung der Grund- und Grunderwerbssteuer, bei voller Kompensation durch den Bund".

Man müsse hier "sachgerecht und ohne ideologische Scheuklappen" vorgehen, unterstreicht der AfD-Politiker. Deshalb gehen seine Forderungen noch weiter. Er wünscht sich "für finanzschwächere Mieter eine sofortige und kräftige Erhöhung des Wohngeldes und eine Erweiterung des Empfängerkreises".

Und natürlich weiß Hemmelgarn auch, wie die ideologiefreien Forderungen finanziert werden sollen: "Durch ein Ende des Rettungswahns".

Da sind sie dann wieder, die klassischen Feindbilder der AfD: EU, Euro, Flüchtlinge, Banken, Griechenland und - das Klima. Politik kann wirklich einfach sein. Man muss nur die Alternativen sehen. Und die eigenen Interessen zurückstellen.

Der Immobilienbesitzer aus dem Kreis Gütersloh

Mit 21 Jahren machte sich Udo Hemmelgarn mit einer Kneipe in Harsewinkel selbstständig.

Gerade erst hat der AfD-Bundestagsabgeordnete in der Stadt einen Gasthof gekauft. Was mit dem Gebäude geschieht ist noch unklar, einen Gasthof wolle er aber nicht betreiben.

Bereits 2007 kaufte er dort ein Hotel mit Restaurant in Harsewinkel. Seitdem hat mehrmals der Pächter gewechselt.

Mit anderen Investoren baut er außerdem ein Mehrfamilienhaus mit Sozialstation. Die Wohngemeinschaft für hilfebedürftige Senioren soll von der Diakonie betrieben werden.

Auf der Abgeordneten-Seite des Bundestages ist über die Höhe von seinen Nebeneinkünften nichts zu lesen. Der AfD-Abgeordnete betonte gegenüber unserer Zeitung, das entspreche den Vorgaben der Transparenzpflicht: "Ich gebe alles an, was ich muss."

Bildunterschrift: Im Deutschen Bundestag: Udo Theodor Hemmelgarn (AfD) spricht über die Wohnungspolitik.

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Westfalen-Blatt Online, 17.10.2018:

Traditionshaus Wilhalm geht in den Besitz von Udo Hemmelgarn über

AfD-Politiker kauft Gasthof

Harsewinkel (WB/wow). Harsewinkels älteste Gaststätte ist verkauft worden. Der Gasthof Wilhalm an der Brockhäger Straße ist nun im Besitz von Udo Hemmelgarn (59), Bundestagsabgeordneter und Bezirksvorsitzender der AfD, und einem Partner. Der bisherige Eigentümer Achim Koriath will sich Mitte 2019 aus der Gastronomie endgültig zurückziehen.

Mehr als 50 Jahre lang hatte Achim Koriath zusammen mit seiner Ehefrau Hedemarie den Gasthof Wilhalm erfolgreich geführt und zu einer der besten Restaurant-Adressen der Stadt gemacht. Aus Altersgründen hatten sich die Eheleute jetzt dazu entschlossen, den gutbürgerlichen Gastronomiebetrieb zu veräußern. "Wir sind beide 75 Jahre alt und finden auch keinen geeigneten Nachfolger." Trotzdem wollen sie die Gaststätte mindestens noch einige Monate lang weiterführen.

Das sei so mit Udo Hemmelgarn abgesprochen. Was dann mit dem historischen Gebäude geschieht, ist ungewiss. Immerhin reicht die Geschichte des Hauses bis in das Jahr 1788, in dem damals die Pferde und Kutschen der Reisenden untergebracht wurden. Der Gasthof Wilhalm, von der Familie Horstmann gegründet, war früher auch Gerichtsstätte und Poststation. Nach dem Zweiten Weltkrieg quartierten sich die Briten als Besatzungsmacht dort ein.

Auch die Stadt hat sich eingeschaltet

Inzwischen hat sich auch die Stadt Harsewinkel eingeschaltet. Der Kommune sei es wichtig, die Immobilie in ihrer Struktur zu erhalten. Dem will sich Hemmelgarn wohl nicht verschließen. Nach seinen Angaben gibt es mehrere Optionen. Ursprünglich hatten die neuen Eigentümer vor, das Haus abzureißen und an gleicher Stelle neu zu bauen. Das scheint nach den ersten Gesprächen mit der Stadt Harsewinkel allerdings vom Tisch zu sein. Man sei in einem guten Dialog und arbeite an einer Lösung, ließ Hemmelgarn verlauten. Selbst Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide stünde derzeit in engen Kontakt mit den Beteiligten.

Der AfD-Mann Udo Hemmelgarn, Kreisvorsitzender und Sprecher des Bezirksverbundes Detmold / Ostwestfalen, ist seit vergangenem Jahr Mitglied des Deutschen Bundestages. Er arbeitet seit mehreren Jahren nicht nur als Immobilienmakler, sondern auch als selbstständiger Kaufmann und baut im Durchschnitt jährlich bis zu 20 Wohnungen.

Das Gasthaus Wilhalm ist dem Vernehmen nach nicht die einzige Immobilie des Politikers, sondern dem Harsewinkeler soll auch das Hotel Amadis an der Münsterstraße gehören.

Bildunterschrift: 50 Jahre lang haben die Eheleute Achim und Hedemarie Koriath die alte Gaststätte Wilhalm geführt. Jetzt haben sie das Traditionshaus verkauft und wollen sich aus Altersgründen im nächsten Jahr zurückziehen. Das Foto stammt von 2011.

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Neue Westfälische Online, 17.10.2018:

AfD-Politiker kauft Traditions-Gaststätte in Harsewinkel

17.10.2018 - 12.10 Uhr

Der Harsewinkeler Geschäftsmann und AfD-Bundestagsabgeordnete hat die Traditionsgaststätte Wilhalm übernommen

Harsewinkel. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Udo Hemmelgarn hat den Gasthof Wilhalm gekauft. Der 59-jährige Harsewinkeler bestätigte den Kauf. Er habe die Immobilie, das älteste Gasthaus der Stadt, gemeinsam mit seinem Partner Waldemar Schell erworben. Die weitere Nutzung sei noch unklar.

Er sei mit der Stadt und mit Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide über den weiteren Fortgang im Gespräch, sagte Hemmelgarn. Als jemand, der sich auch in seiner Partei und über sein Mandat für den Begriff Heimat einsetze, sei er durchaus interessiert, das historische Gebäude zu erhalten. Sicher das sei aber nicht. Möglicherweise komme auch ein Grundstückstausch mit der Stadt in Betracht. "Auf keinen Fall aber habe ich vor, dort einen Gasthof zu betreiben", sagte Hemmelgarn. Kegelbahn und Saal seien ohnehin nicht zu erhalten, allenfalls der Kerngasthof.

Hemmelgarn ist seit 2017 im Bundestag

Der AfD-Mann, Kreisvorsitzender und Sprecher des Bezirksverbandes Detmold / Ostwestfalen, sitzt seit 2017 im Bundestag, geht aber weiter seinen Immobiliengeschäften nach. "Ich erkenne darin kein Problem", sagte er. "Das lässt sich gut miteinander vereinbaren, mein politischer Auftrag leidet nicht darunter." Als selbstständiger Kaufmann und Immobilienmakler baue er im Schnitt zehn bis 20 Wohnungen pro Jahr. Teils wickele er diese Käufe als selbstständiger Geschäftsmann mit eigenem Namen ab, teils über Beteiligungen an Personengesellschaften, sprich Firmen. Auf der Seite des Deutschen Bundestages wird er als Obmann und als ordentliches Mitglied im Ausschuss für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen geführt.

Der Gasthof Wilhalm ist nicht die einzige Gastro-Immobilie, die nun ihm gehört. Hemmelgarn bestätigte, dass auch das Hotel Amadis an der Münsterstraße mit dem dazugehörigen Restaurant-Café Bella in seinem Besitz ist. 2007 habe er es gekauft. Der Rockpalast neben der ehemaligen Domgaststätte war seinerzeit abgerissen worden. In dem 21-Betten-Hotel haben seither mehrmals die Pächter gewechselt, aktuell versuchen die Eheleute Ayiz ihr Glück.

Hemmelgarn gehört auch ein großes Wohnprojekt

Ein weiteres großes Wohnprojekt hatte der AfD-Abgeordnete im Vorjahr eingestielt. Gemeinsam mit Alwin Berheide, einem ehemaligen Mitarbeiter, baut er mit der HuBer Bau GmbH ein Mehrfamilienhaus mit Sozialstation an der August-Claas-Straße 1. Hemmelgarn und Berheide haben das Projekt "Wohnresidenz Eichenhof" getauft. Im Erdgeschoss entstehe eine Wohngemeinschaft für hilfebedürftige Senioren, betrieben von der Diakonie. In beiden Obergeschossen und im Dachgeschoss werden zehn barrierefreie Wohnungen gebaut, von denen laut Hemmelgarn ein Großteil schon verkauft sei. Vermakelt würden sie vom Immobilienbüro Petra Käuper.

Den Sprung ins Geschäftsleben hatte Hemmelgarn schon mit 21 Jahren gewagt. Am 1. April 1981, übernahm er als Pächter die Kneipe "Kiekes rin" am Prozessionsweg und verschaffte ihr, wie Alteingesessene berichten, einigen Kultstatus. Zum 30. Geburtstag sollen ihm Stammgäste einen schwarzen Grabstein mit der Aufschrift "Hier ruht unsere Kohle" geschenkt haben. Als Hemmelgarn Mitte der 90er aus dem "Kiekes rin" ausstieg, soll er sein Geld gewinnbringend an der Börse und in Immobilien angelegt haben.

"Zu solchen Angaben bin ich nicht verpflichtet"

Mit seinen damaligen Partnern Manfred Wöstmann und Josef Fischer (HWF Bauplan GmbH) kaufte und verkaufte er Immobilien in großem Stil, später kam es auch zu Geschäften mit der h&w Hausverwaltung GmbH und weiteren Gesellschaften. Er besitze noch eine Reihe von Privatimmobilien, die vermietet seien, sagte Hemmelgarn gestern. Wie viele, wo und welche, das verrate er nicht.

"Zu solchen Angaben bin ich nicht verpflichtet." In seinem Besitz war zwischenzeitlich auch die Immobilie mit der Stadtbücherei St. Lucia an Brentrups Garten. 2009 hatte er das Grundstück gekauft, 2010 verkaufte er es nach eigenen Angaben wieder. Benachbarte Häuser soll er dem Vernehmen nach erst in jüngeren Jahren wieder veräußert haben.

"Ich gebe alles an, was ich muss"

Auf der Abgeordneten-Seite des Deutschen Bundestages ist über die Höhe von Hemmelgarns Nebeneinkünften nichts zu lesen. Angegeben sind dort lediglich seine Beteiligungen an der Hemmelgarn & Schell GbR sowie an der HuBer Bau GmbH. Der AfD-Abgeordnete betonte gestern, das entspreche vollkommen den Regeln und Vorgaben der Transparenzpflicht. "Ich gebe alles an, was ich muss. Die Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung gehören nicht dazu." Lediglich ausgekehrte Anteile an seinen Gewinnen über die Beteiligungen müsse er ab einer bestimmten Höhe angeben, dafür gäbe es aktuell keine Voraussetzungen.

In Absprache mit Hemmelgarn will der bisherige Eigentümer Achim Koriath zusammen mit seiner Ehefrau Hedemarie den Restaurantbetrieb noch bis Mitte 2019 aufrecht erhalten. "Alle Zusagen zu Hochzeiten und Festen wie Karneval werden eingehalten", bekräftigt der 75-Jährige, der seit 52 Jahren hinter dem Tresen bei Wilhalm steht. Auch die Generalversammlung der Bürgerschützen am 6. April stehe fest im Kalender.

"Keine Falscherei"

Die Verkaufsgespräche mit dem Harsewinkeler Immobilieninvestor und dessen Kompagnon Schell seien einvernehmlich gelaufen. "Das war mit Herzblut, es gab keine Feilscherei", sagt Koriath, der den Kaufpreis nicht nennt. Es habe in der Vergangenheit schon öfter Anfragen von Interessenten gegeben, diesmal hätten Zeitpunkt, Verhandlungspartner und Preis gepasst.

"Als wir anfingen, war hier alles kaputt und wir hatten einen Haufen Schulden übernommen", denkt der Kult-Kneiper ans Jahr 1966 zurück. Mehr als eine Million Mark habe er in die Immobilie, in der Generationen von Harsewinkelern Freud- und Leidtermine teilten, gesteckt. Sollte das Haus der Abrissbirne zum Opfer fallen, wäre für ihn viel Wehmut dabei. "52 Jahre Wilhalm, 50 Jahre verheiratet", sinniert er über sein Leben als Wirt und Hotelier. Dass "Wilhalm" seit 70 Jahren seine Getränke am Ort bei Zumdiek beziehe, sei auch so eine Geschichte für sich.

Trost habe ihm ein alter Freund gespendet, der selbst bei Wilhalm alles vom Kegelaufstellen bis Hochzeit und Taufe im Leben gefeiert und erlebt habe. "Heribert Bruchhagen hat mich in meinem Entschluss bestärkt", dankt Koriath dem als Privatier in seiner Heimatstadt Harsewinkel lebenden Ex-Bundesliga-Manager. "Wir wissen ja nicht, ob uns der Herrgott noch 20 Jahre schenkt", sagt Achim. Hedemarie bekräftigt: "Wir wollen nicht bis zum letzten Tag hinter dem Tresen stehen."

Bildunterschrift: Kaufmann Udo Hemmelgarn.

Bildunterschrift: Noch bis April des kommenden Jahres wollen Achim und Hedemarie Koriath den Gasthof Wilhalm weiterführen.

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Gütersloher Volkszeitung / Die Glocke Online, 16.10.2018:

Der Gasthof Wilhalm ist verkauft

16.10.2018 - 04.01 Uhr

Harsewinkel (jau). Das älteste Gasthaus Harsewinkels, der Gasthof Wilhalm, ist verkauft. Das hat ein Poalbürger am Montag der "Glocke" mitgeteilt. Daraufhin sprach diese Zeitung mit Achim Koriath, der den gutbürgerlichen Gastronomiebetrieb seit 50 Jahren mit seiner Ehefrau Hedemarie führt.

"Ja, das stimmt, wir haben verkauft. An Udo Hemmelgarn", bestätigt der 75-Jährige. Mindestens noch bis Ende 2018 bleibt der Gasthof an der Dr.-Pieke-Straße, dessen Historie bis ins Jahr 1788 zurückgeht, geöffnet. "Eventuell führen wir den Betrieb auch noch im kommenden Jahr weiter. Das können wir entscheiden", so Achim Koriath. Er führt unter anderem die fehlende Nachfolge und das Alter - die Koriaths sind beide 75 - als Gründe für den Verkauf an. "Natürlich hätten wir es lieber gesehen, wenn das Gasthaus von einem Interessenten weitergeführt werden würde. Aber einen Nachfolger haben wir nicht gefunden", so der 75-Jährige. Ihm und seiner Frau habe die Gastronomie immer viel Spaß gemacht. "Wir sind aber mittlerweile längst im Rentenalter", so der Harsewinkeler.

Ursprünglicher Plan: Abriss und Neubau

Auch Udo Hemmelgarn bestätigte am Montagvormittag den Kauf des Gasthofs. "Ursprünglich habe ich an einen Abriss und einen Neubau gedacht. Allerdings bin ich in Gesprächen mit der Stadt: Der Politik und der Stadt ist es wichtig, dass das Gebäude erhalten bleibt. Und dem verschließe ich mich nicht. Es gibt auch andere Optionen", so Hemmelgarn. Und welche anderen Möglichkeiten sind das? "Zum Beispiel wäre es möglich, das Grundstück mit einem anderen in der Stadt zu tauschen. Aber das ist noch nicht abschließend geklärt. Wir arbeiten an einer Lösung, mit der auch die Stadt leben kann. In den nächsten zwei bis drei Wochen wissen wir sicherlich Näheres", machte Udo Hemmelgarn deutlich. Gerade der Ältestenrat verbinde dieses Gasthaus mit Heimat, so der Harsewinkeler Investor, der für die AfD im Bundestag sitzt.

Stadt führt Gespräche

Auch Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide teilt auf Nachfrage mit, dass die Stadt derzeit in Kontakt mit der Familie Koriath und dem neuen Investor sei: "Die Gespräche sind sehr offen. Ich bin zuversichtlich." Mehr - unter anderem dazu, was die Stadt dann an dieser Stelle plant - wollte Sabine Amsbeck-Dopheide nicht sagen. Der Poalbürger sprach im Hinblick auf den Gasthof Wilhalm von einem historischen Herzstück Harsewinkels. "Wenn das Gebäude abgerissen werden würde, würde mir das in der Seele weh tun", so der Informant.

Bildunterschrift: Das älteste Gasthaus Harsewinkels, der Gasthof Wilhalm von 1788, ist an Udo Hemmelgarn verkauft worden. Was mit dem Gebäude passiert - zuerst waren ein Abriss und ein Neubau geplant -, ist derzeit noch nicht klar. Mittlerweile hat sich auch die Stadt eingeschaltet, der der Erhalt des Gebäudes wichtig ist. Das Bild zeigt den Gasthof illuminiert beim Lichterabend.


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