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Nachrichten , 12.09.2018 :

Tages-Chronologie von Mittwoch, 12. September 2018

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www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Mittwoch, 12. September 2018


Am 12. September 2018 gab Ministerin Ina Scharrenbach bekannt - dass die 22 Jüdischen Gemeinden für Renovierungen / Neubauten bis zum Jahr 2028 44 Millionen Euro von der NRW-Landesregierung erhalten.

Am 12. September 2018 unterstütze die CDU-Fraktion des Niedersächsischen Landtags in einer "Aktuellen Stunde" im großen und ganzen die Errichtung des geplanten Dokumentations- und Lernort am Bückeberg.

Am 30. August 2018 erörterte der Schulausschuss des Landkreis Hameln-Pyrmont (mit Sachstandsbericht) den geplanten Dokumentations- und Lernort Bückeberg - sowie die Situation in der Gemeinde Emmerthal.

Am 17. August 2018 beriet der Kulturausschuss des Niedersächsischen Landtags nach Unterrichtung durch die Landesregierung eine Unterstützung des "Dokumentations- und Lernort am Bückeberg in Emmerthal".

Am 27. Juni 2018 beschloss der Bundestags-Haushaltsausschuss, die als - Dokumentationszentrum sowie Lernort - geplante Erinnerungsstätte am Bückeberg, mit 725.000 Euro aus Bundesmitteln zu unterstützen.

Am 13. März 2018 stimmte der Kreistag im Landkreis Hameln-Pyrmont, mit Mehrheit, für den zukünftigen Dokumentations- und Lernort Bückeberg - die Fraktionen von CDU und "AfD" votierten gegen das Projekt.

Am 27. Februar 2018 empfahl der Ausschuss für Finanzen und Wirtschaft Kreisausschuss und Kreistag des Landkreis Hameln-Pyrmont, den Aufbau "Dokumentations- und Lernort Bückeberg gemeinnützige GmbH".

Am 22. Februar 2018 stimmten CDU / FWE im Rat der Gemeinde Emmerthal für den Antrag von der "AfD" zu dem zukünftigen Lern- und Erinnerungsort Bückeberg eine Befragung der Einwohnenden - abzuhalten.

Am 30. Januar 2018 stimmten CDU / FWE im Fachausschuss der Gemeinde Emmerthal für den Antrag der "AfD" - zum künftigen Lern- und Erinnerungsort Bückeberg eine Befragung der Einwohnenden abzuhalten.

Am 28. Dezember 2017, stellte Bernhard Gelderblom, der Leiter des Konzeptionsprojekts "Dokumentation Bückeberg", einen Entwurf eines Informationssystem der "Reichserntedankfeste", auf dem Bückeberg vor.

Am 14. September 2018 liest Marion Meier (im Haus Münsterberg) in Detmold aus ihrem Buch: "Im Teuto versteckt und überlebt: Dr. Sommers Bielefelder Jahre als Martin Goldstein 1927 - 1947" (Verlag: tao.de).

Am 15. September 2018 findet in der Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933 - 1945 unter dem Tiel "Fußball im Nationalsozialismus - mehr als nur ein Spiel" das 10. Wissenschaftliche Symposium statt.

Am 4. September 2018 ist Daniel Carl - der Vorsitzende des völkischen-nationalistischen "Kreisverbandes Nienburg-Schaumburg" der Partei "Alternative für Deutschland" - von allen seinen Ämtern zurückgetreten.

Am 10. November 2018 wird eine Demonstration "Freiheit für Ursula Haverbeck: Geburtstagsdemo am 10. November in Bielefeld!", zum 90. Geburtstag (8. November 1928) der (inhaftierten) Antisemitin beworben.

Am 3. September 2018 verlautbarten Neonazis im Internet, dass die am 12. September 2018 terminierte Berufungsverhandlung gegen Ursula Haverbeck-Wetzel am Landgericht Hamburg aufgehoben worden sei.

In der vierten Augustwoche kündigte Neonazi Thorsten Heise an, in seiner Zeitschrift: "Volk in Bewegung - Der Reichsbote" künftig der Holocaust-Leugnerin "Ursula Haverbeck eine Stimme aus der Haft zu geben".

In der vierten Augustwoche kündigte der "Reichsbürger" Rigolf Hennig, in der Postille "Volk in Bewegung - Der Reichsbote", eine künftige Zusammenarbeit von "Volk in Bewegung" mit der "Stimme des Volkes" an.

Am 10. Mai 2018 demonstrierten, im Bielefelder Ortsteil Quelle, 450 Neonazis gegen die Inhaftierung der rechtskräftig verurteilten Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel ("Freiheit für Ursula Haverbeck!").

Am 7. Mai 2018 wurde die rechtskräftig verurteilte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel in Vlotho verhaftet und in die JVA Bielefeld-Brackwede gebracht, da sie die Haftstrafe zum 2. Mai 2018 nicht antrat.

Am 6. Mai 2018 erwirkte die Staatsanwaltschaft Verden einen Haftbefehl, gegen Ursula Haverbeck-Wetzel, da sie, nach Rechtskraft eines Urteils - der Aufforderung zum Haftantritt am 2. Mai 2018 nicht gefolgt war.

Am 12. November 2015 wurde die 87-jährige Ursula Haverbeck-Wetzel aus Vlotho, von einem Hamburger Amtsgericht wegen Volksverhetzung in zwei Fällen zu zehn Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt.

Am 12. September 2018 forderte Anke Unger, die Geschäftsführerin des DGB in OWL, für die gleichzeitige Mitgliedschaft in der "AfD" und DGB-Gewerkschaft, ein offizielles Verbot, einen Unvereinbarkeitsbeschluss.

Am 1. Mai 2018 erhielt Sebastian Landwehr - stellvertretender Kreissprecher des völkisch-nationalistischen "AfD"-"Kreisverbandes Minden-Lübbecke" - bei der DGB-1. Mai-Kundgebung in Minden einen Platzverweis.

Am 10. September 2018 beteiligten sich über 150 Menschen in Versmold an einer Mahnwache, und einem Demonstrationszug unter dem Leitspruch: "Die Würde des Menschen ist unantastbar - Versmold ist bunt".

Am 10. September 2018 haben am Abend nochmals etwa 600 Menschen unter dem Motto "Wir sind mehr - Aufstehen gegen rechte Hetze" vor dem Bielefelder Rathaus gegen Rassismus und Gewalt demonstriert.

Am 3. September 2018 haben am Abend schätzungsweise 600 Menschen unter dem Motto "Wir sind mehr - Aufstehen gegen rechte Hetze" vor dem Bielefelder Rathaus gegen Rassismus und Gewalt demonstriert.

Zum 1. Oktober 2018 ist die Mitgliedschaft des fraktionslosen Michael Hentschel, der am 26. August 2015 seinen Austritt aus der "AfD" bekannt gegeben hatte, in der CDU-Fraktion im Kreistag Lippe angekündigt.

Am 19. März 2018 stimmte Ernst-Ulrich Frank ("AfD") als einziger im Kreistag Lippe gegen die Entwicklung der Gedenkstätte Stalag 326, denn er habe "keine Lust mehr, ständig Schuld eingeredet zu bekommen".

Am 6. Mai 2017 veröffentlichte die "Lippische Landes-Zeitung" eine Zuschrift von Michael Hentschel, in der Michael Hentschel die Evangelische Kirche attackierte, da sie die "AfD" "unter Nazi-Generalverdacht" stelle.

Am 26. August 2015 gab der, am 25. Mai 2014 für die "AfD" in den Kreistag Lippe (Reserveliste) gewählte Michael Hentschel seinen Austritt aus der Partei bekannt - sein Mandat behalte er "als Fraktionsloser" bei.

Bis einschließlich zum 25. August 2015 bestand die "Gruppe" der "Alternative für Deutschland" ("AfD"), im Kreistag des Kreises Lippe aus den beiden Kreistagsmitglieder Michael Hentschel sowie Ernst-Ulrich Frank.

Am 25. Mai 2014 erreichte die "AfD" bei den Wahlen zum Kreistag des Kreises Lippe: 3,30 Prozent (4.861 Stimmen) und erlangte - über die Reserveliste - mit Michael Hentschel sowie Ernst-Ulrich Frank zwei Sitze.

Für den 12. September 2018 rief das "Aktionsbündnis Rheda-Wiedenbrück gegen rechten Hass" ab 17.00 Uhr zu einer Demonstration beziehungsweise "Friedensmarsch", und einer Kundgebung gegen Rechts auf.


www.gfcjz-lippe.de

www.kafka-detmold.de

www.geschichte-hameln.de

www.dokumentation-bueckeberg.de

www.initiativegedenkortbueckeberg.wordpress.com

www.wewelsburg.de

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www.bielefeldstelltsichquer.wordpress.com

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Artikel-Einträge in der Datenbank:


Lippe aktuell, 12.09.2018:
Auf den Spuren des Sexualaufklärers Dr. Sommer

Westfalen-Blatt / Westfälisches Volksblatt, 12.09.2018:
Fußball im Nationalsozialismus

Neue Westfälische - Paderborn Kreiszeitung, 12.09.2018:
Fußball im Nationalsozialismus

Deister- und Weserzeitung, 12.09.2018:
AfD-Vorsitzender Carl tritt zurück

Radio Gütersloh, 12.09.2018:
"AfD und Gewerkschaft gehen nicht zusammen"

Westfalen-Blatt, 12.09.2018:
"Gewerkschaft und AfD gehen nicht zusammen"

Westfalen-Blatt / Zeitung für Werther, 12.09.2018:
Erste Mahnwache an der Petri-Kirche

Westfalen-Blatt / Bielefelder Zeitung, 12.09.2018:
Montagsdemos werden fortgesetzt

Radio Lippe, 12.09.2018:
AfD - fraktionslos - CDU

Lippische Landes-Zeitung, 12.09.2018:
Ex-AfD-Mann tritt CDU bei

Gütersloher Volkszeitung / Die Glocke Online, 12.09.2018:
500 Bürger nehmen an Friedensmarsch teil

Radio Gütersloh, 12.09.2018:
Demonstration gegen Rechts in Rheda-Wiedenbrück um 17 Uhr

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Lippe aktuell, 12.09.2018:

Auf den Spuren des Sexualaufklärers Dr. Sommer

Marion Meier liest aus ihrem biographischen Werk über den Bravo-Sexualaufklärer

Detmold. Im Rahmen einer Lesung im Haus Münsterberg, Hornsche Straße 38, präsentiert die Bielefelder Journalistin Marion Meier am Freitag, 14. September, mit ihrem Buch "Im Teuto versteckt und überlebt" die Biographie des Sexualaufklärers "Dr. Jochen Sommer" aus der "Bravo".

Für Generationen von Teenagern in der frühen Bundesrepublik ebnete er den Weg in eine weniger verklemmte, freiere Sexualität: "Dr. Sommer" wurde mit seiner Rubrik zu einem bedeutenden volksnahen Aufklärer mit einem nicht zu unterschätzenden Beitrag zu demokratischer Erziehung. Nach seinem Tod 2012 erhielt er in großen überregionalen Zeitungen würdigende Nachrufe.

Nur wenige aber kannten den Menschen hinter dem Pseudonym: Den Arzt, Psychologen und Religionslehrer und Religionslehrer Dr. Martin Goldstein, der im Bielefelder Westen geboren wurde, dort aufwuchs und der sich vor den Nazis im Teutoburger Wald verstecken musste, denn Goldstein war nach der Terminologie der braunen Machthaber "Halbjude".

Marion Meier hat sich in ihrem Buch auf die Spuren des berühmten Arztes und Psychologen begeben und erzählt von ihren Gesprächen mit dem Menschen hinter dem Pseudonym "Dr. Sommer". Martin Goldstein verdeutlicht in dieser Biographie, wie Verfolgung und Fremdenfeindlichkeit den Alltag einer deutschen Großstadt zur Nazi-Zeit prägten.

Die Lesung beginnt um 19.30 Uhr, Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf für 6 Euro in der Buchhandlung "Kafka & Co.", Krumme Straße 8.

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Westfalen-Blatt / Westfälisches Volksblatt, 12.09.2018:

Fußball im Nationalsozialismus

Fußball in Deutschland hat eine mehr als hundert Jahre alte Tradition. Diese wurde mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 zerschlagen. Zu diesem Thema findet am Samstag, 15. September, von 11 Uhr an eine öffentliche, zweistündige, kostenlose Führung "Fußball im Nationalsozialismus" in der Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg statt (geeignet für Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren). Von 14 bis 18.30 Uhr findet im Burgsaal der Wewelsburg ein Symposium mit dem Titel "Fußball im Nationalsozialismus - mehr als nur ein Spiel" statt. Unter anderem referiert Prof. Dr. Lorenz Peiffer über die Verfolgung der jüdischen Fußballvereine im Dritten Reich. Im Fokus steht dabei die "Sportgruppe 100" Schild Paderborn. Dr. Christine Walther beleuchtet unter dem Thema "Zwischen Blau und Weiß liegt Grau" die Geschichte des FC Schalke 04 im Nationalsozialismus. In der Abschlussdiskussion berichten Fanprojekt-Mitarbeiter und Fanbeauftragte von Schalke 04, Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt über Herausforderungen, sich mit der Vereinsgeschichte im Dritten Reich auseinanderzusetzen. Das Foto zeigt die Spielfelder des SV 13 Paderborn (links) und der DJK Paderborn (rechts) auf dem heutigen Maspernplatz aus den 20er Jahren.

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Neue Westfälische - Paderborn Kreiszeitung, 12.09.2018:

Fußball im Nationalsozialismus

Teilnahme kostenlos: Symposium im Kreismuseum Wewelsburg / Kostenlose öffentliche Führung "Fußball im Nationalsozialismus"

Kreis Paderborn. Fußball in Deutschland hat eine über hundert Jahre alte Tradition. Schon in den 1920er Jahren gab es eine große Vielfalt an Vereinen und Wettbewerben. Diese Tradition wurde mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 zerschlagen. Viele Sportvereine wurden verboten, Mitglieder und Fans ausgeschlossen.

Fußball musste sich der Politik und Ideologie des Nationalsozialismus unterordnen. Das wissenschaftliche Symposium des Kreismuseums Wewelsburg unter dem Titel "Fußball im Nationalsozialismus - mehr als nur ein Spiel" informiert über die Gleichschaltung im Fußball nach 1933 und das Schicksal jüdischer Fußballvereine.

Wie haben sich die Fußballvereine in der Zeit des Nationalsozialismus verhalten? Was ist mit den Fußballern passiert? Diskutiert wird auch, wie die Bundesligavereine in diesen Tagen mit ihrer NS-Vergangenheit umgehen. Einzelne Fußballclubs geben Einblicke in die Arbeit ihrer Fanbeauftragten und die Fanprojekte gegen Rechtsextremismus und Rassismus.

Das Symposium findet am Samstag, 15. September, zwischen 14 und 18.30 Uhr im Burgsaal der Wewelsburg statt. Die Veranstaltung ist kostenlos. Um Anmeldung wird unter Tel. (02955) 76220 gebeten.

Landrat Manfred Müller und der Vorsitzende des Fördervereins des Kreismuseums Wewelsburg, Heinz Köhler, Kreisdirektor a.D., eröffnen die Veranstaltung um 14 Uhr.

Danach gibt Dietrich Schulze-Marmeling aus Münster einen Überblick über den deutschen Fußball in der NS-Zeit. Welche Vereine und Fußballer profitierten von der Gleichschaltung? Welche Clubs und Funktionsträger verweigerten die Diskriminierung jüdischer Spieler?

Lorenz Peiffer aus Hannover referiert über die Verfolgung der jüdischen Fußballvereine im Dritten Reich. Im Fokus steht dabei die "Sportgruppe 100" Schild Paderborn.

Christine Walther aus Gelsenkirchen beleuchtet unter dem Thema "Zwischen Blau und Weiß liegt Grau - Warum es auf Schalke keinen Fritz-Szepan-Weg gibt", die vielschichtige Geschichte des FC Schalke 04 im Nationalsozialismus.

Matthias Thoma aus Frankfurt untersucht die Geschichte des Traditionsvereins Eintracht Frankfurt während der Jahre 1933 - 1945.

In der Abschlussdiskussion werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fanprojekte und Fanbeauftragte der Vereine FC Schalke 04, Borussia Dortmund 09 und Eintracht Frankfurt über die Herausforderungen berichten, sich mit der eigenen Vereinsgeschichte im Dritten Reich auseinanderzusetzen.

Das Symposium wird in Kooperation mit dem Förderverein Kreismuseum Wewelsburg durchgeführt.

Zum Einstieg in das Thema findet am Samstag, 15. September, um 11 Uhr eine öffentliche Themenführung "Fußball im Nationalsozialismus" in der Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933 - 1945 statt. Die rund zweistündige Führung ist für Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren geeignet. Die Teilnahme ist kostenlos.

Bildunterschrift: Blick in die Geschichte: Gegen den Widerstand des Bürgermeisters und der Stadtverwaltung gründete sich am 31. Januar 1934 mit der "Sportgruppe 100" des "Schild Paderborn" ein jüdischer Sportverein. Das Foto zeigt die Mannschaft bei einem Spiel in Bochum.

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Deister- und Weserzeitung, 12.09.2018:

AfD-Vorsitzender Carl tritt zurück

Landkreis Schaumburg. Daniel Carl, Kreisverbandsvorsitzender der AfD in Schaumburg, ist vergangene Woche Dienstag überraschend von allen seinen Ämtern zurückgetreten. Gegenüber dieser Redaktion nannte er dafür "persönliche Gründe", die er nicht weiter kommentieren wolle.

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Radio Gütersloh, 12.09.2018:

"AfD und Gewerkschaft gehen nicht zusammen"

Für den Deutschen Gewerkschaftsbund in Bielefeld gehen Gewerkschaft und AFD nicht zusammen. Geschäftsführerin Anke Unger fordert eine Ausschlussregelung - ähnlich wie sie schon für Mitglieder der NPD und Republikaner gilt.

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Westfalen-Blatt, 12.09.2018:

"Gewerkschaft und AfD gehen nicht zusammen"

DBG-Chefin Anke Unger für Ausschlussregelung

Von Bernhard Hertlein

Bielefeld (WB). Kann man gleichzeitig Mitglied der Partei Alternative für Deutschland (AfD) und einer DGB-Gewerkschaft sein? Anke Unger (37), Geschäftsführerin des Deutschen Gewerkschaftsbundes in OWL, sagt "Nein". Sie fordert ein offizielles Verbot.

Bislang gilt ein Unvereinbarkeitsbeschluss, auf den sich eine Gewerkschaft im Falle eines Ausschlussverfahrens berufen könnte, nur für Mitglieder der NPD und der Republikaner. "Ein erweiterter Beschluss könnte zunächst auf den Bundeskongressen der größten Einzelgewerkschaften IG Metall und ver.di im kommenden Frühjahr getroffen werden", erklärte Unger gestern beim Besuch des Westfalen-Blattes.

"Unsere Wertvorstellungen unterscheiden sich fundamental von denen der AfD", sagte die Chefin des DGB in der Region. Am 1. Mai 2018 war es während der Kundgebung in Minden zu einem Zwischenfall gekommen. Nach einem verbalen Streit mit zwei anwesenden AfD-Mitgliedern, darunter Sebastian Landwehr, stellvertretender Kreissprecher der AfD Minden-Lübbecke, hatte der DGB als Veranstalter von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht und einen Platzverweis erteilt, berichtet Unger. Bei den Betriebsratswahlen in diesem Frühjahr traten vereinzelt AfD-Mitglieder an. Der Erfolg war mäßig. Doch das könnte sich natürlich ändern.

Unger sieht unter anderem bei den Themen Arbeitszeitverkürzung und Mindestlohn fundamentale Gegensätze zwischen DGB und AfD. Aber erst die Ausgrenzung von Arbeitnehmern, die aus anderen Ländern eingereist sind, schließe jedwede Zusammenarbeit und sogar gemeinsame Diskussionsrunden aus.

Was die Entwicklung in der Region betrifft, so erwartet die DGB-Chefin bald harte Auseinandersetzungen mit dem Onlinehändler Amazon. Dieser baut gerade ein Logistikzentrum im interkommunalen Gewerbegebiet Aurea in Oelde an der Grenze zu Rheda-Wiedenbrück. Das neue Lager soll einmal 3.000 Arbeitnehmer beschäftigen. Unger fordert, dass sie nach dem höheren Einzelhandelstarif und nicht als Logistikmitarbeiter bezahlt werden.

Während des Bundestagswahlkampfes 2017 versuchten die Gewerkschaften, das Rententhema in den Vordergrund zu schieben. Daher begrüßt Unger die vorläufige Stabilisierung und neu angefachte Diskussion zwischen CDU / CSU und SPD über das Standardrentenniveau. Berechnungen des DGB ergäben, dass eine Anhebung von derzeit 48,1 auf 51 Prozent durch eine Anhebung des Beitrages zur Rentenversicherung von derzeit 18,6 auf 21 Prozent finanziert werden könne.

Eine Steuererhöhung, die einige Gegner ins Feld führten, müsse es nicht geben. Wohl aber sollten Zusatzleistungen wie die Mütterrente aus dem Bundesetat bestritten werden. Unger forderte, im Rahmen einer Rentenstrukturreform auch Selbstständige und Beamte in die gesetzliche Versicherung einzubinden. Das jetzige Niveau von 48 Prozent sorge dafür, dass Geringverdiener selbst dann, wenn sie ein Leben arbeiteten, im Alter auf zusätzliche Hilfen wie Wohngeld angewiesen seien. Unger begrüßte die von der Großen Koalition geplanten Verbesserungen bei der Betriebsrente.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund zählt in Ostwestfalen-Lippe nach Angaben Ungers 150.000 Mitglieder. Die Zahl sei, auch im Vergleich mit anderen Regionen, "erfreulich stabil".

Bildunterschrift: DGB-Geschäftsführerin Anke Unger.

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Westfalen-Blatt / Zeitung für Werther, 12.09.2018:

Erste Mahnwache an der Petri-Kirche

150 Versmolder bekennen sich zu einer bunten Stadt

Von Ulrike von Brevern

Versmold (WB). "Es tat so gut, so viele Menschen hinter sich zu haben!" zog Pfarrerin Anja Keppler am Montagabend ein äußerst zufriedenes und gleichzeitig erleichtertes Fazit der ersten Mahnwache unter dem Motto "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Versmold ist bunt" an der Petri-Kirche.

Bis zu 150 Menschen und damit deutlich mehr als von den Veranstaltern erwartet beteiligten sich im Rahmen der Mahnwache an einem spontanen Zug. Der Unterstützerkreis Asyl der Kirchen, unterstützt vom DRK und dem Haus der Familie laden in den nächsten Wochen regelmäßig montags um 19 Uhr zur Mahnwache an der Petri-Kirche ein. An vier zentralen Standorten in Versmold machen die Initiatoren zudem mit Bannern auf ihr Anliegen aufmerksam.

Entstanden ist die Idee als Reaktion auf die Ereignisse in Chemnitz, berichtet DRK-Vorsitzende Ursula Engelking. Dabei war es Zufall, dass die Veranstaltung auf den Jahrestag der Einrichtung der Flüchtlingsunterkunft in Versmold fiel, die Stadt und Unterstützerkreis vor drei Jahren richtig forderte. "Die Stimmung in unserem Land wird immer schwieriger", hielt Pfarrerin Keppler fest und sprach von einem "Knoten im Bauch", der sich spätestens angesichts der Bilder aus Chemnitz und der Reaktionen darauf bei vielen Menschen bemerkbar mache. Die Aufforderung beim monatlichen Friedensgebet vor einer Woche, "genau jetzt" etwas zu tun, "hat vielen von uns aus dem Herzen gesprochen".

Dass rechte Parolen auch in Versmold keineswegs der Vergangenheit angehören, beschrieb Touristenführer Karl-Heinz Galling und nannte als Beispiel entsprechende Schmierereien im Versmolder Bruch. Teilnehmer der Demonstration betrachteten mit Abscheu, dass nationalistisches Gedankengut zunehmend offen verbreitet werde. "Man fragt sich am Frühstückstisch schon, ist das noch unser Land?", bekannte Keppler.

"Wir wollten nicht gegen etwas protestieren, sondern für etwas", begründete Engelking für die Initiatoren die Wahl des Demonstrationsmottos und verwies auf den 70. Geburtstag des Grundgesetzes in diesem Jahr. "Mit dem ersten Artikel des Grundgesetzes weiß man wofür und womit man argumentieren kann." Galling betonte die Bedeutung des Rechtsstaats.

Manch Demonstrationsteilnehmer wünschte sich indes mehr politische Konfrontation. So bezweifelte SPD-Ratsfrau Melanie Märlander, dass Argumente "diese Leute" erreichten. Andererseits gab es Befürchtungen, dass durch die Mahnwache "Rechte erst gerufen" würden. "Dann ist das Unheimliche nicht mehr heimlich", konterte Keppler und warb für Dialog an den Rändern.

Auf Anregung von Versmolds ehemaligem Bürgermeister Thorsten Klute, der in den ersten Reihen mitlief, kam die Mahnwache angesichts der vielen Teilnehmer in Bewegung. Negative Reaktionen registrierten die Teilnehmer nicht, von den Gästen der Eisdiele neben dem Schweinebrunnen erhielten sie spontanen Applaus.

Viele Demonstrationsteilnehmer, zu denen auch Vertreter aus Kultur und Politik gehörten, zeigten sich froh darüber, endlich Gelegenheit zu haben, sich gemeinsam zu einem bunten Versmold bekennen zu können. "Ich bin von der Unterstützung vollkommen überwältigt", zog Dagmar Kölkebeck vom Haus der Familie am Ende eine Bilanz. "Da bekommt man schon eine positive Gänsehaut."

Bildunterschrift: Mehr als 150 Menschen beteiligten sich am Montagabend in Versmold an einem Demonstrationszug, den der Unterstützerkreis Asyl der beiden Kirchen gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz und dem Haus der Familie initiiert hatte.

Bildunterschrift: Zum Abschluss stellt eine Frau Kerzen am Engel hinter der Petri-Kirche ab.

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Westfalen-Blatt / Bielefelder Zeitung, 12.09.2018:

Montagsdemos werden fortgesetzt

Organisatorinnen kündigen acht Kundgebungen an - Küster: "Nazi-Marsch ignorieren"

Von Hans-Heinrich Sellmann

Bielefeld (WB). Die "Wir sind mehr"-Kundgebungen sollen fortgesetzt werden. Das hat Jutta Küster, die gemeinsam mit Murisa Adilovic und Jutta Geisler zum Organisationsteam gehört, gestern auf Anfrage bestätigt.

An den beiden bisherigen Montagsdemonstrationen auf dem Rathausvorplatz hatten sich erst mehr als 500 und dann etwa 600 Menschen beteiligt. Unter dem Motto "Wir sind mehr - Bielefeld steht auf gegen rechte Hetze" haben bereits verschiedene Akteure der Stadtgesellschaft das Wort ergriffen, unter anderen Anja Böllhoff (Bürgerstiftung), Ratsmitglied Michael Gugat, Dechant Klaus Fussy und Ex-Fußballprofi Uwe Fuchs. Vorgestern hatten J.P. Fair, Bianca Shomburg und Björn Diewald für die musikalische Begleitung gesorgt.

Die Organisatorinnen haben bei der Polizei weitere acht Veranstaltungen bis einschließlich Montag, 5. November, angemeldet. Der Abschlusstermin ist mit Bedacht gewählt. "Nicht nur hat die AfD einen Oberbürgermeister-Kandidaten angekündigt, Neonazis haben für den 10. November einen "Solidaritätsmarsch" für Ursula Haverbeck angemeldet", sagt Jutta Küster. Die Holocaust-Leugnerin Haverbeck sitzt zur Zeit in der Justizvollzugsanstalt Brackwede, am 8. November wird sie 90 Jahre alt.

Küster und ihre Mitstreiterinnen wollen die weiteren "Wir sind mehr"-Kundgebungen nutzen, um zu sensibilisieren und sich zu engagieren, "damit Rechtsradikale und Nazis in der demokratischen Gesellschaft in der Minderheit bleiben". Obwohl das Bielefelder "Bündnis gegen Rechts" bereits eine Gegendemonstration angemeldet hat, setzt Jutta Küster auf eine andere Herangehensweise. Ihr Ziel sei es, den "Solidaritätsmarsch" zu ignorieren. "Wir dürfen den Rechten nicht die Möglichkeit geben, sich zu präsentieren." Sie wisse, dass dieser andere Weg nicht "von heute auf morgen" durchzusetzen sei. "Dafür müssen wir einen langen Atem haben."

Nachdem die Kundgebung am Montag um eine halbe Stunde nach hinten verschoben wurde, um mehr Berufstätigen eine Teilnahme zu ermöglichen, soll es künftig beim 17.30-Uhr-Termin bleiben. Angemeldet ist ein Zeitraum von 60 Minuten.

Bildunterschrift: 600 Teilnehmer waren am Montag auf den Rathausvorplatz zur "Wir sind mehr"-Kundgebung gekommen.

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Radio Lippe, 12.09.2018:

AfD - fraktionslos - CDU

Ein ehemaliger AfD-Mann wechselt in die CDU-Kreistagsfraktion - und sorgt damit für erhöhten Diskussionsbedarf. Michael Hentschel wird ab Oktober für die Christdemokraten im höchsten politischen Gremium in Lippe sitzen. Zuletzt war er drei Jahre lang fraktionsloser Abgeordneter, die AfD hatte er schon vor über drei Jahren verlassen. Die SPD sprach gegenüber Radio Lippe von einem möglichen Rechtsruck, die CDU sagte uns, davon könne keine Rede sein. Hentschel habe mit der heutigen AfD nichts zu tun.

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Lippische Landes-Zeitung, 12.09.2018:

Ex-AfD-Mann tritt CDU bei

Kreistag: Michael Hentschel ist jetzt Mitglied der christdemokratischen Fraktion / Die SPD fürchtet einen Rechtsruck

Von Martin Hostert

Kreis Lippe. Michael Hentschel wird zum 1. Oktober die CDU-Kreistagsfraktion verstärken. Der 54-Jährige war seit seinem Austritt aus der AfD im August 2015 drei Jahre lang fraktionsloser Abgeordneter. Die SPD sieht das äußerst kritisch, die CDU freut sich.

Hentschel sagte der LZ gestern, er wolle die Fraktion in den kommenden Wochen und bei der Klausurtagung im Oktober besser kennenlernen , dann werde man auch sehen, ob er künftig in anderen Gremien mitarbeiten werde. Bislang ist er im Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus und Zukunftsfragen im ländlichen Raum aktiv. "Einzelkämpfer zu sein, ist nicht so schön und als liberal-konservativem Politiker liegt mir die CDU am nächsten." Ein mögliches neues Betätigungsfeld sieht er in der Schul- und Bildungspolitik. Hentschel hatte sich für eine Wiedereinführung des Abiturs nach 13 Jahren eingesetzt. Aus der AfD war er wegen der Einstellung der Partei zur Ukraine-Politik Putins und der Nähe zur Pegida-Bewegung ausgetreten. Auch die "unklaren Distanzierungen insbesondere ostdeutscher Parteifunktionäre gegenüber der NPD", hatte Hentschel damals als Gründe genannt. Heute sieht er die Entwicklung der einstigen Anti-Euro-Partei äußerst kritisch.

CDU-Fraktionschef Andreas Kasper berichtete, die Entscheidung zur Zusammenarbeit sei beiderseitig "lange gereift". Innerhalb der Fraktion rechne er das neue Mitglied eher zum wirtschaftsliberalen Flügel: "Das bereichert unsere Diskussionen." Hentschels AfD-Vergangenheit spiele keine Rolle mehr.

Für die Kreistagsmehrheit hat die Personalie zunächst keine großartigen Auswirkungen, allerdings hat die CDU (24 Sitze) nun ein Mandat mehr als die SPD. Dies wurmt den SPD-Vorsitzenden Henning Welslau. Er sieht den Wählerwillen missachtet. "Schließlich hat die CDU bei der Kreistagswahl vor drei Jahren nur 21 Sitze errungen." Traten kurz darauf zunächst die beiden Abgeordneten der Freien Wähler über - was direkte Auswirkungen auf die Verteilung der Sitze in der Landesverbands-Versammlung hatte -, folgt nun Andreas Hentschel. "Und das stößt unserer Fraktion schon sauer auf. Das ist keine Spiegelung des Wählerwillens." Hentschel könne er kaum beurteilen, dieser sei mit politischen Statements wenig in Erscheinung getreten. Die weitere Arbeit im Kreistag gelte es abzuwarten. Gleichwohl, so Welslau: "Wir fürchten, dass dies ein Rechtsruck in der lippischen CDU ist."

Bildunterschrift: Kreistagsmitglied: Michael Hentschel.

Kommentar / Partei-Austritt? Mandat zurück!

Martin Hostert findet, dass Fraktionswechsel den Wählerwillen missachten.

Die Sommerpause der Kreispolitik ist zu Ende. Einige Fachausschüsse haben wir hinter uns, und gestern sickerte dann eine durchaus spannende Personalie durch: Andreas Hentschel tritt der CDU bei. Andreas wer? Sie werden wahrscheinlich kurz stutzen. In den Ausschüssen und im Kreistag ist der 54-Jährige kaum in Erscheinung getreten - dass dies an seiner Einzelkämpfer-Rolle lag, wird er in Zukunft nachweisen können.

Ein konservativer Politiker, der der AfD vor Jahren den Rücken gekehrt hatte, ist nun bei der CDU. Dagegen ist nichts zu sagen, da haben wir genug Fälle von Leuten, die die andere Richtung eingeschlagen haben - und der CDU-Fraktionschef persönlich ordnet ihn ja eher dem liberalen Flügel zu. Die AfD-Vergangenheit Hentschels sollte also Vergangenheit bleiben. Aber: Der Parteiwechsel ist mit einem Mandat verbunden - und was daher durchaus in die Zukunft weist, sind die Mehrheits-Veränderungen im Kreistag. Die SPD, als stärkste Kraft gewählt, wäre bei Uneinigkeit nur Dank des Landrates Stimme überhaupt noch pari mit dem Partner CDU. Das reißt alte Wunden auf, die 2015 beim Überlaufen der Freien Wähler entstanden waren, und ärgert die SPD zu Recht. Konsequenz wäre, die gesetzlichen Regelungen zu ändern: Ein über die Liste gewählter Politiker hat sein Mandat zurückzugeben, tritt er aus der Partei aus, für die er angetreten war.

m.hostert@lz.de

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Gütersloher Volkszeitung / Die Glocke Online, 12.09.2018:

500 Bürger nehmen an Friedensmarsch teil

12.09.2018 - 21.41 Uhr

Rheda-Wiedenbrück (jahö). "Wir sind mehr", steht auf einem der Plakate geschrieben. Das beweisen 500 Bürger. Sie sind am Mittwoch zum Friedensmarsch gekommen, um gemeinsam ein Zeichen gegen rechte Hetze sowie Fremdenfeindlichkeit und für Toleranz sowie Vielfalt zu setzen.

Sportler, Kreative, Politiker, Geistliche, Jung und Alt - engagierte Menschen jeglicher Couleur sind dem Aufruf des "Aktionsbündnisses Rheda-Wiedenbrück gegen rechten Hass" gefolgt. "Einen so großen Zuspruch haben wir uns erhofft. Damit gerechnet haben wir nicht. Unsere Erwartungen wurden übertroffen, ich bin überwältigt", sagte Initiatorin Iris Hansel.

Doppelstadt ist bunt und weltoffen

Vom Kirchplatz in Wiedenbrück waren die Männer, Frauen und Kinder geschlossen bis zum Rathausplatz in Rheda marschiert. Dort bekräftigten sie, was allein durch die Plakate weithin für jedermann sichtbar wurde: Die Doppelstadt ist bunt und weltoffen. "Gewalt hat in unserer Mitte keine Chance", stellte Mitorganisatorin Claudia Müller heraus. Der Schlüssel zu einem friedlichen Miteinander sei Aufklärung. "Das ist eine Aufgabe, die wir gemeinsam angehen müssen", betonte sie. Integration könne gut gelingen, sei aber keine Einbahnstraße. Vielmehr beruhe sie auf einem gegenseitigen Aufeinander zugehen.

Der Beweis für Müllers Worte folgte in Person von Imam Alammarin. Seit drei Jahren lebt der Syrer in der Doppelstadt, seit eineinhalb Jahren wohnt er bei einem Wiedenbrücker Ehepaar zur Miete. "Wir sind längst nicht mehr Mieter und Vermieter - wir sind Familie", hob er hervor. Um in der neuen Gesellschaft zügig Anschluss zu finden, habe er sich eingesetzt und sofort Deutsch gelernt. "Diese Stadt ist ein positives Beispiel für Integration. Ich hoffe, dass sie ihre Weltoffenheit auch künftig behält", sagte er. Denn so viel stehe fest: Gutes könne niemals aus Gewalt entstehen.

Gewalt und Verrohung deutschlandweit auf Vormarsch

Und doch sei sie ebenso wie Verrohung deutschlandweit auf dem Vormarsch, stellte Hans-Herman Heller-Jordan (Die Grünen) fest. "Das dürfen wir nicht zulassen, dagegen gilt es sich zu wehren", betonte er. Intoleranz sei der Nährboden zur Aufweichung der Demokratie.

Rechtsextremistische Ausschreitungen wie in Chemnitz erfordern Handeln. Das wissen die Teilnehmer des Marsches nur zu gut. "Demokratie ist verwundbar. Sie ist nicht selbstverständlich. Pauschale populistische Behauptungen, Provokation und Hetze gegen Fremde erfordern ein bewusstes engagiertes Entgegentreten", betonte Bürgermeister Theo Mettenborg.

Redner erhalten Applaus

"Die Frage darf doch nicht sein, wo jemand herkommt, sondern wo jemand hin will", stellte Patrick Büker (FDP) auf den Treppen vor dem Rathaus in Rheda heraus. In einem freien Land wie Deutschland könne man nicht verhindern, dass es Stimmen gebe, die gegen seine eigene Meinung sprächen. Aber man könne zeigen, dass der rechte Hass nichts mit der breiten Mitte der Gesellschaft zu tun habe.

Immer wieder begleitete kräftiger Zwischenapplaus die Worte der Redner. Auch Ulla Fallner, Vorsitzende der Bürgerinitiative Altstadt Rheda, war gekommen. Sie erinnerte sich an ihre Kindheit. "Ich kenne noch die Trümmer aus dem Zweiten Weltkrieg", betonte sie. Damals sei Fallner froh gewesen, wenn sie als Deutsche im Ausland nicht zu Unrecht mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht worden sei. Denn in ihrer Familie habe stets die Prämisse gegolten: Alle sind gleich. Daran halte sie noch heute fest.

Nicht nur das Aktionsbündnis war mit der privat organisierten Veranstaltung zufrieden. Auch die Polizei bestätigte, dass der Marsch "absolut friedlich" abgelaufen sei. Gegendemonstrationen hätten nicht stattgefunden.

Bildunterschrift: Über die Hauptstraße führte der Weg der Kundgebungsteilnehmer, die am Wiedenbrücker Kirchplatz gestartet waren. Die bunt gemischte Menge an Menschen marschierte zum Rathausplatz in Rheda. Gemeinsam traten sie am Mittwoch unter dem Motto "Wir sind mehr!" für eine weltoffene Haltung sowie gegen Hass und Gewalt ein.

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Radio Gütersloh, 12.09.2018:

Demonstration gegen Rechts in Rheda-Wiedenbrück um 17 Uhr

In Rheda-Wiedenbrück findet heute eine Demonstration für Demokratie, Toleranz, Vielfalt und Integration und gegen rechten Hass und Gewalt statt. Die Demo startet heute, am 12.09., um 17 Uhr mit einem Marsch vom historischen Rathaus in Wiedenbrück zum Rathausplatz in Rheda. Dort wird dann gegen halb 7 unter anderem Bürgermeister Theo Mettenborg sprechen.

Zur Demonstration aufgerufen hat das "Aktionsbündnis Rheda-Wiedenbrück gegen rechten Hass!". Das Aktionsbündnis hat sich letzte Woche nach den Ausschreitungen in Chemnitz gebildet. Die fünf Organisatorinnen Iris Hansel, Claudia Müller, Gisela Schmidt, Klaudia Ellebracht und Christine Spitzberg haben viel Zuspruch im Rheda-Wiedenbrücker Rathaus bekommen. Sie rufen zu einer "friedlichen Demo mit vielen bunten Plakaten" auf.

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