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Lippische Landes-Zeitung , 11.01.2018 :

Ein vielfacher Mörder aus Detmold

Geschichte: Mit einer Ausstellung, Vorträgen und Veranstaltungen erinnern das Landesarchiv NRW und das Stadtarchiv an die Opfer im Warschauer Ghetto vor 75 Jahren / Verantwortlich für die Niederschlagung des Aufstands war der Detmolder Jürgen Stroop

Von Sven Koch

Detmold. Der Aufstand im jüdischen Ghetto von Warschau beginnt am 19. April 1943. Am 16. Mai gilt er als beendet. Der SS- und Polizeiführer Jürgen Stroop führt das Kommando und schickt das Fernschreiben ab: "Das ehemalige jüdische Wohnviertel Warschau besteht nicht mehr. Mit dem Sprengen der Warschauer Synagoge wurde die Großaktion um 20.15 Uhr beendet." Die Männer von Stroop, dem ehemaligen Katasteramtsgehilfen aus Detmold, haben 56.000 Menschen deportiert oder erschossen.

"Wir stehen in Detmold in einer besonderen Verantwortung, an die Geschehnisse und die Opfer zu erinnern", sagt Stadtarchivleiterin Dr. Bärbel Sunderbrink. Bei ihr liegt die Federführung für die Konzeption einer Ausstellung und das Begleitprogramm, die zusammen mit dem NRW-Landesarchiv veranstaltet wird. Sie wird am Dienstag, 16. Januar, im Landesarchiv an der Willi-Hofmann-Straße eröffnet. In der Schau, so Sunderbrink, werden Stelen an die 32 bekannten Opfer des Aufstandes erinnern, die aus Detmold stammen.

Die Ausstellung, Vorträge sowie am 19. April eine Fahrt nach Warschau stehen im Kontext der Reihe "Erinnern und Gedenken" an die Opfer des Nationalsozialismus vor dem Hintergrund des Jahrestages der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 1945. Die Tatsache, dass Jürgen Stroop ein Detmolder sei, verpflichte dazu, den Fokus in diesem Jahr auf die Niederschlagung des Aufstandes im Warschauer Ghetto zu legen, so die Archivarin.

Durch Stroops Taten sei der Name der Stadt auf unrühmliche Weise weltbekannt geworden. An die Ergebnisse erinnerten Gedenkstätten in Polen, Israel und den USA. Um den Aufstand geht es auch in dem Film "Der Pianist" von Roman Polanski, der im Ausstellungsprogramm zu sehen ist.

In dem Emmy-prämierten US-Fernsehfilm "Uprising" von 2001 geht es ebenfalls um den Aufstand in Warschau - darin spielt Jon Voight, mehrfacher Oscar-Preisträger und Vater von Hollywood-Star Angelina Jolie, die Rolle von Jürgen Stroop. In der deutsch-israelischen Produktion "Sie sind frei, Dr. Korczak" aus dem Jahr 1973 wird Stroop von Heinz Lieven dargestellt. Diese beiden Filme gibt es aber nicht zu sehen.

Jürgen Stroop wurde 1896 als Josef Stroop in Detmold geboren. 1943 erhielt er den Auftrag von Heinrich Himmler, den Aufstand in Warschau niederzuschlagen. Sein Bericht über die Zerstörung des Ghettos gehöre zu den grausamsten Zeugnissen eines NS-Verbrechens. 17.000 Juden wurden im Ghetto ermordet, 7.000 in Treblinka und 42.000 ins KZ Majdanek bei Lublin gebracht. Stroop erhielt dafür das Eiserne Kreuz. Er wurde 1952 in Polen hingerichtet.

Programm

Die Ausstellung "Detmold und das Warschauer Ghetto - Opfer und Täter" dauert vom 16. Januar bis zum 27. April. Zur Eröffnung am Dienstag um 18 Uhr geben Heike Fiedler und Dr. Bärbel Sunderbrink eine Einführung. Es werden auch Texte gelesen. Am Samstag, 27. Januar, findet die Gedenkveranstaltung für NS-Opfer ab 10.30 Uhr im Fechenbach-Berufskolleg statt. Am Montag, 29. Januar, hält ab 19.30 Uhr Dr. Andrea Löw vom Institut für Zeitgeschichte einen Vortrag über das Untergrund-Archiv des Ghettos. Der Film "Der Pianist" ist am 11. Februar ab 11.30 Uhr in der Filmwelt zu sehen. Am Montag, 16. April, referiert Dr. Bärbel Sunderbrink ab 19.30 Uhr über "Ein Mörder aus Detmold - Jürgen Stroop".

Bildunterschrift: Ein Detmolder: 1943 war Stroop für die Vernichtung des Warschauer Ghettos verantwortlich.

Bildunterschrift: Weltbekannte Aufnahme: Das Bild des Jungen, der sich mit erhobenen Händen ergibt, stammt aus dem "Stroop-Bericht", der die Verbrechen an den Juden im Warschauer Ghetto dokumentiert.

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- Dienstag, 16. Januar 2018 um 18.00 Uhr -


Eröffnung der Ausstellung: "Detmold und das Warschauer Ghetto - Opfer und Täter"


Veranstaltungsort:

Landesarchiv NRW
Abteilung Ostwestfalen-Lippe
Willi-Hofmann-Straße 2
32756 Detmold


Ausstellungsdauer: Vom 16. Januar bis zum 27. April 2018; montags von 08.00 bis 19.00 Uhr, dienstags bis donnerstags von 08.00 bis 16.00 Uhr und freitags von 08.00 bis 13.00 Uhr.


Begrüßung:

- Dr. Johannes Burkardt, Leiter der Abteilung Ostwestfalen-Lippe des Landesarchivs NRW

- Grußwort: Rainer Heller, Bürgermeister der Stadt Detmold


Einführung:

- Heike Fiedler M.A., Archivpädagogin der Abteilung Ostwestfalen-Lippe des Landesarchivs NRW

- Dr. Bärbel Sunderbrink, Leiterin des Stadtarchivs Detmold


Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit. Seit 1996 wird bundesweit dieses Ereignisses gedacht. Auch das Landesarchiv NRW - Abteilung Ostwestfalen-Lippe und das Stadtarchiv Detmold beteiligen sich regelmäßig mit Veranstaltungen und Ausstellungen daran.

In diesem Jahr erinnern wir an die Niederschlagung des Aufstandes im Warschauer Ghetto vor 75 Jahren. Aus Ostwestfalen-Lippe und auch aus Detmold wurde eine nicht geringe Zahl jüdischer Menschen nach Warschau deportiert. Nur ein Mann aus der Region überlebte.

Verantwortlich für die brutale Zerstörung des Ghettos und die Tötung tausender Menschen war ein Detmolder, Jürgen Stroop. Durch seine Taten wurde der Name der Stadt auf unrühmliche Weise vielerorts in der Welt bekannt.

Jürgen Stroop wurde durch ein polnisches Gericht zum Tode verurteilt und 1952 hingerichtet. An seine Taten erinnern Museen und Gedenkstätten in den USA, Polen und Israel.

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- Montag, 16. April 2018 um 19.30 Uhr -


Vortrag von Dr. Bärbel Sunderbrink, Stadtarchiv Detmold: Ein Mörder aus Detmold - Jürgen Stroop und das Warschauer Ghetto


Veranstaltungsort:

Landesarchiv NRW
Abteilung Ostwestfalen-Lippe
Willi-Hofmann-Straße 2
32756 Detmold


NS-Täter kamen aus allen Schichten, Milieus und Religionen. Die Frage, was sie zu ihren verbrecherischen Handlungen bewogen hat, ist schwer zu beantworten.

In ihrem Vortrag zeichnet Bärbel Sunderbrink den Lebensweg von Jürgen Stroop nach, der in Detmold geboren ist und hier seine prägende Zeit erlebt hat. Der Katasterbeamte machte in der SS Karriere. Im April 1943 erhielt Stroop von Heinrich Himmler den Befehl, den Aufstand im Warschauer Ghetto niederzuschlagen. Sein Bericht über die Zerstörung des Ghettos gehört zu den grausamsten Zeugnissen eines NS-Verbrechers.


Veranstaltung in Kooperation mit dem Stadtarchiv Detmold im Rahmen der Ausstellung "Detmold und das Warschauer Ghetto - Opfer und Täter" vom 16. Januar bis zum 27. April 2018 im Landesarchiv NRW - Abteilung Ostwestfalen-Lippe.


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