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Westfalen-Blatt / Bünder Zeitung , 05.12.2017 :

Unbekannte "benennen" Bahnhofstraße um

Plastikschilder mit "Adolf-Hitler Str." und Infotafeln aufgeklebt

Von Daniel Salmon

Bünde (BZ). Unbekannte haben vermutlich in der Nacht auf vergangenen Montag mehrere Straßenschilder der Bünder Bahnhofstraße überklebt - und zwar mit blauen Plastikschildern, auf denen die Bezeichnung "Adolf-Hitler Str." prangt.

Darunter waren laminierte Papierblätter mit einem Info-Text zum Diktator angebracht worden. Der Wortlaut: "Adolf Hitler war ein deutscher Massenmörder und zwischen 1933 und 1945 als Führer des Dritten Reichs maßgeblich an der Ermordung von 13 Millionen Menschen beteiligt." Bereits Montagmittag war ein Schild an der Ecke Bahnhofsstraße / Wasserbreite wieder entfernt worden und in einem darunter liegenden Mülleimer gelandet.

Die Bahnhofstraße hatte in der Zeit des nationalsozialistischen Regimes von 1933 bis 1945 zwischenzeitlich die Bezeichnung "Adolf-Hitler-Straße" getragen, war aber wieder umbenannt worden.

Nach Angaben aus dem Bünder Rathaus sollen mehrere Straßenschilder im Innenstadtbereich betroffen gewesen sein. Die der Stadt bekannt gewordenen Beklebungen seien von Mitarbeitern des Bauhofs entfernt worden. Eine Abstimmung mit der Polizei in der Sache sei erfolgt.

"Man konnte die Schilder leicht entfernen. Substanzieller Schaden dürfte nicht entstanden sein", so Uwe Maser, Sprecher der Herforder Kreispolizeibehörde. Gleichwohl sollen Informationen zu dem Fall an den Bielefelder Staatsschutz weitergeleitet werden.

Möglicherweise könnte es sich bei Klebeaktion um eine Reaktion auf die gescheiterte Umbenennung der Lettow-Vorbeck-Straße handeln. Wie berichtet, hatten die Bünder Grünen und die SPD-Fraktion einen entsprechenden Antrag an den Verkehrsausschuss gestellt. Wegen der Gegenstimmen von FDP, UWG und CDU bleibt es aber bei der Benennung nach dem historisch umstrittenen Reichswehrgeneral.

Stattdessen einigten sich die Politiker darauf, Infotafeln zur Person Paul von Lettow-Vorbecks und seinen Verbrechen während der deutschen Kolonialherrschaft an den ihm gewidmeten Straßenschildern anzubringen. "Man kann vermuten, dass die Aktion damit zusammenhängt. Aber ich weiß nicht, was damit bezweckt werden soll", sagte Bündes Bürgermeister Wolfgang Koch.

Stefanie Janßen, Fraktionssprecherin der Grünen und eine der Antragstellerinnen für die letztlich gescheiterte Umbenennung der Lettow-Vorbeck-Straße, hat zumindest eine Vermutung: "Ich würde die Aktion als Hinweis an Teile der Bünder Politik interpretieren, die eine Umbenennung nicht wollten. Ich hätte Leserbriefe oder Unterstützung in der Verkehrsausschusssitzung aber als zielführender empfunden."

Kommentar

Es darf angezweifelt werden, dass eine solche Aktion der richtige Weg ist, um auf die gescheiterte Umbenennung der Lettow-Vorbeck-Straße hinzuweisen. Natürlich erregt so etwas Aufsehen. Aber in unserer Demokratie gibt es andere Mittel und Wege, sich einzubringen. Schließlich steht es jedem Bürger laut NRW-Gemeindeordnung frei, sich mit Anregungen an den Stadtrat zu wenden.

Daniel Salmon

Bildunterschrift: Mehrere Schilder der Bahnhofstraße waren von Unbekannten überklebt und zudem mit Hinweistafeln versehen worden. Dieses war bereits am Montagmittag in einem Mülleimer am Straßenrand gelandet.

Bildunterschrift: Die Schilder waren mit Paketband angebracht worden.


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