www.hiergeblieben.de

2 Veranstaltungen - Nachrichten , 11.10.2017 :

Tages-Chronologie von Mittwoch, 11. Oktober 2017

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Veranstaltungskalender:



- Mittwoch, 11. Oktober 2017 um 19.00 Uhr -


Vortrag von Bernd J. Wagner: Entrechtung - Deportation - "Wiedergutmachung"?

- Jüdisches Leben in Bielefeld unterm Hakenkreuz und in der Nachkriegszeit


Veranstaltungsort:

Volkshochschule Bielefeld
Historischer Saal
Ravensberger Park 1
33607 Bielefeld

www.vhs-bielefeld.de


Der Referent: Bernd J. Wagner, Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld.


Eine Veranstaltung der Volkshochschule Bielefeld in Kooperation mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft e.V. - Arbeitsgemeinschaft Bielefeld, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V. Bielefeld und der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld im Rahmen der Ausstellung "Leben nach dem Überleben - Überlebende des Holocaust und ihre Familien in Israel" vom 10. Oktober bis zum 20. November 2017 in der Volkshochschule Bielefeld.


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- Mittwoch, 11. Oktober 2017 um 19.00 Uhr -


Vortrag von Noah Sow: Offen für alle? Akademische Ausgrenzung und Gegenstrategien


- www.noahsow.de


Veranstaltungsort:

Universität Bielefeld
Universitätsstraße 25
Hörsaal 1
33615 Bielefeld

www.uni-bielefeld.de


Deutschland schneidet unter den OECD-Ländern besonders schlecht ab bei der gerechten Verteilung von Bildungszugängen. Noah Sows Vortrag erörtert, wie es dazu kommt.

Ihre Empfehlungen für Öffnungsprozesse an Universitäten und Hochschulen geben konkrete Anhaltspunkte für ausgeglichenere Teilhabe.

Als bildende Künstlerin verbindet Noah Sow Popularkultur und Widerstand in multimedialen Installationen.


Ein anschließendes Kolloquium of Color für interessierte People of Color wird direkt danach im Raum C2-136 im Universitätshauptgebäudes stattfinden.


Noah Sow ist Künstlerin, Aktivistin, Autorin, und Medienschaffende. Ihr Buch und Hörbuch "Deutschland Schwarz Weiß", wurde seit seinem Erscheinen zum Standard in der Lehre und Diskussion über strukturellen Rassismus in Deutschland.


Eine Veranstaltung in Kooperation der Fachschaften Sozialwissenschaften / Politikwissenschaft und Soziologie mit dem Feministisches Referat und der Anti-Rassismus-AG an der Universität Bielefeld.

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www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Mittwoch, 11. Oktober 2017


Am 21. September 2016 erschien im Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, das Buch "Hitlers erster Feind - Der Kampf des Konrad Heiden" von Stefan Aust (Lesung war in Bad Oeynhausen, am 9. Oktober 2017).

Am 1. September 2017 besuchte Igor Kasseev (mit Ehefrau Tatjana Kasseev) das Grab seines Großvaters Iwan Kasseev - der im "Stalag 326 (VI K) Senne" interniert war - auf dem Friedhof in Harsewinkel-Greffen.

Am 14. Oktober 2017 lädt der Förderverein Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) Senne e.V. zu einem Vortrag von Christoph Schwarz über "Geraubte Kinder - vergessene Opfer", als eine NS-Opfer-Gruppe, ein.

Am 8. Oktober 2017 hielt Eckehard Tschacher von der "Ortsgruppe Sennestadt" im revanchistischen "Bund der Vertriebenen", beim "Erntedankfest", im "Sennestadthaus", eine rassistische Rede gegen Geflüchtete.

Am 10. Oktober 2017 verkündete der "AfD"-Landtagsabgeordnete Frank Neppe ( Märkischer Kreis) seinen Austritt aus der (extrem rechten) Partei "Alternative für Deutschland" sowie Düsseldorfer Landtagsfraktion.

Am 6. Oktober 2017 wählte die Fraktion der "AfD" im NRW-Landtag Markus Wagner aus Bad Oeynhausen, einstiger Bundesvorsitzender der Partei: "Rechtsstaatlicher Offensive", zum neuen Fraktionsvorsitzenden.

Am 26. September 2017 erklärte der Abgeordnete Markus Wagner (Bad Oeynhausen) seine Bereitschaft - Fraktionsvorsitzender der "Alternative für Deutschland" - im Landtag von Nordrhein-Westfalen, zu werden.

Am 16. Mai 2017 wählte die künftige Fraktion der (extrem rechten) Partei "Alternative für Deutschland" im NRW-Landtag Markus Wagner (aus Bad Oeynhausen) zum einen von drei stellvertretenden Vorsitzenden.

Am 14. Mai 2017 wurden über die Landesliste die "AfD"-Kandidaten Markus Wagner aus Bad Oeynhausen (Platz 4 der Landesliste), Thomas Röckemann aus Minden (Listenplatz 16), in den Landtag NRW gewählt.

Am 11. Oktober 2017 berichtete das "Haller Kreisblatt", die Staatsanwaltschaft Bielefeld habe die Anklage gegen die Ex-"AfD"-Kandidatin Sylvia Lillge beim Schöffengericht revidiert - und beim Strafrichter erhoben.

Seit dem 3. August 2017 lag eine Anklage der Staatsanwaltschaft Bielefeld - wegen Wählertäuschung - im Vorfeld der NRW-Landtagswahl, gegen "AfD"-Direktkandidatin Sylvia Lillge beim Amtsgericht Bielefeld vor.

Am 13. April 2017 bestätigte der Landeswahlausschuss den Beschluss (Kreiswahlausschuss Gütersloh vom 30. März 2017), "AfD"-Kandidatin Sylvia Lillge - nicht zur NRW-Landtagswahl am 14. Mai 2017 zuzulassen.

Am 3. April 2017 leitete die Staatsanwaltschaft Bielefeld ein Verfahren wegen Verdachts der Fälschung von Wahlunterlagen und Urkundenfälschung gegen die "AfD"-Direktkandidatin Sylvia Lillge, Wahlkreis 94, ein.

Am 30. März 2017 hat der Kreiswahlausschuss Gütersloh - die "AfD"-Direktkandidatin Sylvia Lillge - für die NRW-Landtagswahl (14. Mai 2017), wegen Verdachts der Fälschung von Wahlunterlagen nicht zugelassen.

Am 9. Dezember 2016 wurde Sylvia Lillge aus Versmold im Kreis Gütersloh als Beisitzerin in den Vorstand, des - extrem rechten - "Bezirksverbands Detmold" der Partei "Alternative für Deutschland", hineingewählt.

Am 25. November 2016 sprachen in Paderborn (Kundgebung "Wahlkampfauftakt Landtagswahl NRW") für den "AfD"-Kreisverband: Günter Koch, Karl-Heinz Tegethoff, Markus Rosche sowie Julian Hermneuwöhner.

Am 25. November 2016 fand in Paderborn eine Kundgebung mit 57 teilnehmenden Personen des extrem rechten "AfD"-"Kreisverband Paderborn" - unter dem Motto: "Wahlkampfauftakt Landtagswahl NRW" statt.


www.stalag326.de

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Artikel-Einträge in der Datenbank:


Neue Westfälische - Bad Oeynhausen, 11.10.2017:
Stefan Aust spürt Hitlers Feind nach

Westfalen-Blatt / Bad Oeynhausener Zeitung, 11.10.2017:
Portrait eines Hitler-Biographen

Westfalen-Blatt / Zeitung für Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück, Rietberg und Harsewinkel, 11.10.2017:
Opa wurde in Greffen beerdigt

Westfalen-Blatt / Zeitung für Schloß Holte-Stukenbrock, 11.10.2017:
"Geraubte Kinder - vergessene Opfer"

Neue Westfälische - Bielefeld Süd, 11.10.2017:
Gedanken zur Heimat

Neue Westfälische, 11.10.2017:
Nächster Politiker der AfD verlässt Fraktion

Haller Kreisblatt Online, 11.10.2017:
Neue Anklage gegen AfD-Politikerin Sylvia Lillge

Neue Westfälische Online, 11.10.2017:
Prozess um Trillerpfeife eingestellt

Radio Hochstift, 11.10.2017:
Trillerpfeifen-Verfahren eingestellt

WDR-Nachrichten aus Westfalen-Lippe, 11.10.2017:
Paderborner Trillerpfeifen-Prozess eingestellt

WDR-Nachrichten aus Westfalen-Lippe, 11.10.2017:
Amtsgericht Paderborn: Urteil im Trillerpfeifen-Prozess erwartet

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Neue Westfälische - Bad Oeynhausen, 11.10.2017:

Stefan Aust spürt Hitlers Feind nach

Auf Einladung der Volkshochschule: Der ehemalige Spiegel-Chefredakteur liest aus seinem Buch und berichtet den 70 Zuhörern in der Aula der Realschule Nord über das Wirken des Journalisten Konrad Heiden

Von Nicole Bliesener

Bad Oeynhausen. Er habe selbst kaum etwas über Konrad Heiden gewusst, als er zum Geburtstag dessen Hitler-Biografie geschenkt bekam, gesteht Stefan Aust den etwa 70 Zuhörern in der Aula der Realschule Nord. Das änderte sich. Aust recherchierte. Die Erinnerung an den Kampf des Hitler-Gegners der allerersten Stunde hat Stefan Aust zum Thema eines Buches gemacht, das im Herbst 2016 erschienen ist.

Die Volkshochschule Bad Oeynhausen-Minden hatte Stefan Aust am Montagabend zu einer Lesung eingeladen. Moderiert wurde die Veranstaltung von NW-Redakteur Dirk Windmöller. Wobei sich der Abend weniger als Lesung denn als hochinteressanter Bericht über Leben, Arbeit und Wirkung von Konrad Heiden entpuppte.

Der 1901 in München geborene Konrad Heiden hat als Journalist in den 1930er Jahren Hitlers Aufstieg und den der NSDAP aus der Nähe miterlebt. Er arbeitete zunächst als Hilfsredakteur für den bayrischen Korrespondenten der Frankfurter Zeitung. Schnell entwickelte sich Heiden zu einen Spezialisten für die gerade aufkommende Nazi-Bewegung. Er berichtete von Versammlungen und Aufmärschen.

"Ihn zu lesen ist noch heute eine erhellende und faszinierende Erfahrung", sagt Aust. Fasziniert haben ihn die präzisen Beschreibungen und die Weitsicht in den Texten von Konrad Heiden - lange vor Hitlers Machtergreifung.

An Hand weniger Zitate macht Stefan Aust Konrad Heidens präzise Beschreibung der Lage in den frühen 30er Jahren deutlich: "Alles Unsinn, alles gelogen, und zwar dumm gelogen, und überhaupt alles so lächerlich, dass jeder, so meinte ich, das doch sofort einsehen müsse." Oder die Beschreibung des Publikums bei einer Hitler-Rede in München. "Stattdessen saßen die Zuhörer wie gebannt, und manchem stand eine Seligkeit auf dem Gesicht geschrieben, die mit dem Inhalt der Rede schon gar nichts mehr zu tun hatte, sondern das tiefe Wohlbehagen einer durch und durch umgewühlten und geschüttelten Seele widerspiegelte."

"Konrad Heiden konnte Steno", erzählt Stefan Aust. Er sei in der Lage gewesen, alles genau zu protokollieren. Die Texte habe Heiden später für seine Bücher verwendet. "Er musste erstaunlich wenig umschreiben", sagt Aust. So voller Weitsicht waren seine Beobachtungen gewesen. "Heiden hat von Anfang an auch die Lage in Deutschland beschrieben. Er hat aufgezeigt, aus welcher Situation heraus Hitler Fuß fassen konnte", so Aust.

Der Kampf gegen das Regime brachte Konrad Heiden in Lebensgefahr. Im März 1933 ging er zunächst ins Saarland, wenige Monate später flüchtete er in die Schweiz, dann ging er nach Frankreich. Im Juni 1940 emigrierte er schließlich in die USA.

Seine zweibändige Hitler-Biografie erschien bereits 1936 und 1937 in der Schweiz, gleichzeitig erschien die englische, amerikanische und französische Ausgabe.

Journalist und Autor

Stefan Aust, geboren 1946 als Sohn eines Landwirts in Stade, ist Herausgeber der Welt und der Welt am Sonntag.

Seine journalistische Karriere begann Aust 1966 bei der Zeitschrift Konkret und den St. Pauli Nachrichten. Ab 1970 arbeitete Aust beim NDR, von 1972 bis 1986 für das Fernsehmagazin Panorama.

Ab 1988 war Aust Chefredakteur von Spiegel TV und von 1994 bis 2008 Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Der Spiegel.

Von 2010 bis 2013 war er Gesellschafter und Geschäftsführer des Nachrichtensenders N24.

Er schrieb zahlreiche Bücher, darunter der internationale Bestseller "Der Baader Meinhof Komplex" und "Hitlers Menschenhändler. Das Schicksal der Austauschjuden" (2013, mit Thomas Ammann).

Bildunterschrift: Im Gespräch: NW-Redakteur Dirk Windmöller (l.) und der Journalist und Autor Stefan Aust. Der ehemalige Chefredakteur des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" las aus seinem aktuellen Buch "Hitlers erster Feind".

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Westfalen-Blatt / Bad Oeynhausener Zeitung, 11.10.2017:

Portrait eines Hitler-Biographen

Publizist Stefan Aust stellt eigenes Buch über Konrad Heiden vor

Von Gabriela Peschke

Bad Oeynhausen (WB). Er beschreibt ihn als minutiösen Beobachter nationalsozialistischer Machenschaften, als Intimkenner des Hitler-Regimes: Stefan Aust legt mit seinem Buch "Hitlers erster Feind" über den Publizisten Konrad Heiden einen neuen Blick auf Hinter- und Untergründe des Dritten Reiches frei. Am Montag hat der Herausgeber von "Welt" und "Welt am Sonntag" Auszüge daraus in der Aula des Schulzentrums Nord vorgestellt.

Konrad Heiden sei lange in Vergessenheit geraten, sagte Stefan Aust gleich zu Beginn. Warum? Weil es "namhaftere" Hitler-Biographen gebe. Doch dieser engagierte Publizist, der nach Austs Recherchen mit journalistischem Spürsinn oft hautnah an den Ereignissen des Nationalsozialismus dran war, habe glasklar und eindringlich die Zeichen der Zeit gedeutet, vieles vorhergesehen und, unter anderem als Journalist der "Frankfurter Zeitung", seinen Beobachtungen eine Stimme verliehen. Viel später, als Konrad Heiden vor den Nationalsozialisten in die USA floh, verdichtete dieser seine redaktionellen Arbeiten zu einem Buch: "Das Zeitalter der Verantwortungslosigkeit", eine viel beachtete Hitler-Biographie in zwei Bänden, erschien 1936/37 in der Schweiz.

"Dieses Buch bekam ich zu meinem 60. Geburtstag geschenkt. Erst Jahre später habe ich es gelesen - aber komplett in einer Nacht", erläuterte Stefan Aust auf die Frage, wie er mit Konrad Heiden in Berührung gekommen sei. Die Faszination über dessen schriftstellerisches Werk war Stefan Aust auch am Montagabend anzumerken. Begeistert beschrieb er, wie er es sich zur Aufgabe gemacht habe, diesen "Zeitzeugen" und "ersten Feind Hitlers" mit einem eigenen Buch wieder mehr ins Licht der öffentlichen Wahrnehmung zu holen.

Das Publikum lauschte aufmerksam seinen Ausführungen. Da saßen Schüler des zehnten Jahrgangs der Realschule Nord genauso wie ältere Besucher. "Uns verbindet vielleicht alle das gleiche Interesse, nämlich wie solche Machtverhältnisse wie im Dritten Reich überhaupt zustande kommen konnten", vermutete Abudim Tihic. Der gebürtige Bosnier war mit seiner Frau zu der Lesung gekommen, "weil man als Ausländer besonders wachsam ist und aus der deutschen Vergangenheit lernen will".

"Er beschrieb politische Ereignisse mit einer abgeklärten, Distanz."
Stefan Aust über Konrad Heiden

Nicht umsonst heißt Austs Buch "Hitlers erster Feind". Denn der junge Sozialdemokrat Konrad Heiden sei seit Beginn seiner journalistischen Laufbahn kritisch gegenüber den Nationalsozialisten eingestellt gewesen, wie der Autor erläuterte. "Er beschrieb politische Ereignisse mit einer abgeklärten, bisweilen "coolen" Distanz, die uns in der Rückschau das Grauen erahnen lässt", sagte Aust. Er zitierte Heidens Charakterisierung des Nationalsozialismus als "Taumel ohne Rausch, Marsch ohne Ziel".

Heiden sei "bewusst Journalist und eben nicht Historiker" gewesen, das mache seine Beobachtungen so unmittelbar und "spannend", bekräftige Aust. "Und ich habe dann versucht, seine Geschichte mit meinen Worten wiederzugeben", ergänzte er. Diese nivellierte Distanz in den Ausführungen Heidens, der den Röhm-Putsch mit den Worten beschrieben habe "So sieht es aus, wenn Hitler das Personal wechselt", sie fasziniert den gestandenen Journalisten Stefan Aust noch immer, das trat deutlich hervor.

Doch da meldete sich eine Stimme aus dem Publikum zu Wort: Wie weit denn die Aufgaben eines "guten Journalisten" gingen? Von Stefan Aust gab es eine klare Antwort. Er zitierte den Herausgeber des "Spiegel", Rudolf Augstein, mit dessen Maxime: "Schreiben, was ist" und plädierte für Tatsachen-Journalismus.

Und so widmete sich dieser Abend nicht nur einer bemerkenswerten Publikation, sondern streifte auch den Diskurs über Macht und Möglichkeiten des Journalismus. Stefan Aust jedenfalls bereicherte das Publikum mit eloquenten Ausführungen zu einem Publizisten, der ohne ihn weiter dem Vergessen preis gegeben wäre.

Bildunterschrift: Der Journalist und Publizist Stefan Aust liest auf Einladung der Volkshochschule Bad Oeynhausen aus seinem jüngstem Buch "Hitlers erster Feind - der Kampf des Konrad Heiden" und erläutert Einzelheiten zur Entstehungsgeschichte des Werks.

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Westfalen-Blatt / Zeitung für Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück, Rietberg und Harsewinkel, 11.10.2017:

Opa wurde in Greffen beerdigt

Stadtarchiv hilft Igor Kasseev aus Russland, der das Grab seines Großvaters gesucht hat

Harsewinkel (WB). Lange Jahre mit Recherchen an vielen Stellen hat Igor Kasseev aus der 500 Kilometer südöstlich von Moskau gelegenen Region Pensa gebraucht, bis er den Sterbeort und das Grab seines Großvaters Iwan Kasseev ausfindig gemacht hatte. Die umfangreichen Quellen des International Tracing Service des Internationalen Roten Kreuzes in Arolsen brachten ihn auf die Spur, dass Iwan Kasseev zu den Kriegsgefangenen des großen Lagers 326 (VI K) in Stukenbrock gehört hatte und in Greffen auf dem Friedhof beerdigt ist.

Nun konnte er zusammen mit seiner Frau Tatjana und begleitet von Hilla Westerhelweg, Mitarbeiterin der Gedenkstätte Stalag 326, an das Grab des Großvaters treten, den er nie kennengelernt hat. Zuvor wurde er im Rathaus von Bürgermeisterin Amsbeck-Dopheide begrüßt, die daran erinnerte, dass der Besuch am Antikriegstag, dem 1. September, stattfinde, und die Verpflichtung der internationalen Politik zum Erhalt des Friedens betonte.

In einer Gedenkminute verneigten sie sich vor dem Großvater und anderen Kriegsgefangenen

Zugleich sprach sie dem Gast aus Russland, der seinen Großvater nie kennengelernt hat, ihr Mitgefühl aus und bat ihn, ihre Grüße der betagten Mutter auszurichten, die nur zwei Jahre alt war, als ihr Vater in den Krieg ziehen musste. Stadtarchivar Eckhard Möller hatte im Kleinen Sitzungssaal des Rathauses Dokumente zu den sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern bereitgelegt. Besonders wichtig war es für Igor Kasseev, die Sterbeurkunde seines Großvaters in den Händen halten zu können. Seine Fragen nach den Todesumständen konnten ihm nicht beantwortet werden, weil sich über Kriegsgefangene nur wenige Dokumente im Stadtarchiv finden lassen.

Nach dem Besuch im Rathaus fuhr das Ehepaar Kasseev zusammen mit dem Stadtarchivar und Hilla Westerhelweg zum Friedhof nach Greffen. Sichtlich bewegt traten Igor und Tatjana Kasseev an das Grab des Großvaters und schmückten es mit Blumen. In einer Gedenkminute verneigten sie sich vor dem Großvater und den 14 anderen sowjetischen Kriegsgefangenen, die hier Zwangsarbeit leisteten und jung starben, ohne ihre Heimat wiederzusehen.

Bildunterschrift: Gemeinsame Suche beendet (sitzend von links): Tatjana Kasseev und Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide; (stehend von links) Hilla Westerhelweg, Eckhard Möller und Igor Kasseev.

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Westfalen-Blatt / Zeitung für Schloß Holte-Stukenbrock, 11.10.2017:

"Geraubte Kinder - vergessene Opfer"

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Die Gedenkstätte Stalag 326 (VI K) Senne bietet einen öffentlichen Vortrag "Geraubte Kinder - vergessene Opfer" an. Christoph Schwarz beschäftigt sich mit dem Thema Kinder und Jugendliche als Opfer-Gruppe im nationalsozialistischen KZ-System. Die Aspekte jugendlicher Kriegsgefangenschaft und die Beraubung der Identität durch Zwangsgermanisierung sind bisher wenig bekannte Themen in Vermittlung und Forschung. Der Vortrag findet am Samstag, 14. Oktober, um 14.30 Uhr in der Gedenkstätte statt. Anmeldung ist nicht notwendig. Treffpunkt ist 14 Uhr am Eingang des Polizeiausbildungsinstituts, Lippstädter Weg 26.

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Neue Westfälische - Bielefeld Süd, 11.10.2017:

Gedanken zur Heimat

Tradition: Zum 45. Mal richtet der Bund der Vertriebenen ein Erntedankfest aus / Vorsitzender Tschacher: Deutsche Flüchtlingspolitik gefährdet unseren Wohlstand

Von Carolin Riethmüller

Sennestadt. Am Samstagnachmittag drehte sich im Sennestadthaus alles um die Ernte - und Schlesien. Der Bund der Vertriebenen feierte sein alljährliches Erntedankfest mit Kaffee und Kuchen, herbstlichen Liedern, Gedichten wie Ribbeck auf Ribbeck im Havelland und einer Verlosung. Die Preise waren von Sennestädter Geschäften gespendet worden.

Rund 70 Gäste hörten der Ansprache von Pfarrer Volker Gravemeier zu, in der es vor allem um Nachhaltigkeit ging. "Unsere Überlegungen und Taten müssen sich daran messen lassen, wie verträglich sie für folgende Generationen sind." Eckehard Tschacher, Vorsitzender des Bunds für Vertriebene in Sennestadt, hielt zunächst eine Rede über die Bedeutung der Landwirtschaft als Welternährer, dann aber mehr und mehr ein zur politischen Lage des Landes. "Wir Vertriebenen haben im Nachkriegsdeutschland entscheidend dazu beigetragen, dass in kurzer Zeit das deutsche Wirtschaftswunder durch Fleiß und Loyalität zu Volk und Vaterland geschafft wurde. Das darf nicht durch Leichtsinn und Unkenntnis der Politiker aufs Spiel gesetzt werden", so Tschacher. "Illegale Asylanten aus anderen Kulturen wollen sich nicht integrieren, sie missbrauchen unsere Willkommenskultur, das zeigen die vielen Attentate, die in unseren christlichen Ländern von Andersgläubigen rücksichtslos verübt wurden." Eckehard Tschacher machte die extremen Salafisten dafür verantwortlich.

Relativ abrupt kam der Wechsel zu Kaffee und Kuchen und zum Höhepunkt des Erntedankfestes: der traditionelle Auftritt des Volkstanzkreises Halle, der 13 Tänze unter anderem aus Schottland, Amerika und Ostwestfalen präsentierte und traditionell mit Erntegaben einrückte.

Bildunterschrift: In Trachten: Der Volkstanzkreis Halle präsentiert traditionelle Tänze aus verschiedenen Ländern.

Kommentar / Bitte mehr Verständnis

Carolin Riethmüller

Das Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg solle nicht durch "Unkenntnis von Politikern aufs Spiel gesetzt" werden, denn: "Illegale Asylanten aus anderen Kulturen wollen sich nicht integrieren." Das sagte Sennestadts Vertriebenensprecher Eckehard Tschacher beim Erntedankfest.

Von einem Menschen, der selbst Krieg, Heimatverlust und Ablehnung erlebt hat, würde ich mir mehr Verständnis für die Geflüchteten wünschen, anstelle der Sorge, dass sie der Wirtschaft schaden. Zumal auch damals keiner erwartet hat, dass Millionen Vertriebene ohne Arbeit und Zuhause gut für die Wirtschaft sein würden. Dennoch hätten sie "entscheidend" dazu beigetragen, so Tschacher. Klar ist, dass die großen kulturellen Unterschiede heute mehr Vermittlung erfordern, damit Integration gelingt. Die Vertriebenen könnten dabei helfen.

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Neue Westfälische, 11.10.2017:

Nächster Politiker der AfD verlässt Fraktion

Düsseldorf (dpa). Die AfD verliert immer mehr Mandatsträger, die mit dem Kurs der Führung unzufrieden sind. Mit einem verbitterten Brief an Parteimitglieder verabschiedete sich jetzt der NRW-Landtagsabgeordnete Frank Neppe aus Fraktion und Partei. In dem Brief beklagt er, dass einige Funktionäre die AfD mit ihren Äußerungen "immer weiter in die rechte Ecke bugsieren". Linksextreme fühlten sich durch derartige Äußerungen zudem legitimiert, AfD-Politiker zu bedrohen. Neppe beklagte, die Partei habe ihm nach einem Angriff auf sein Haus "keinerlei Hilfe angeboten".

"Ich bin nicht mehr bereit, für solche "Parteifreunde" und "Führungskräfte" meinen Kopf hinzuhalten", schreibt Neppe. Sein Abgeordnetenmandat werde er nicht aufgeben. Unklar sei, ob er gemeinsam mit den anderen ausgetretenen Fraktionsmitgliedern zusammenarbeitet.

Der Aderlass prominenter AfD-Vertreter hatte begonnen, als die bisherige Parteichefin Frauke Petry und ihr Ehemann, der damalige NRW-Landtagsfraktionschef Marcus Pretzell, der AfD den Rücken kehrten. Von sich aus trennte sich die Partei vom ehemaligen Vorsitzenden des Kreisverbandes Rhein-Sieg, Thomas Matzke - wegen "vorsätzlicher und erheblicher Verstöße gegen Ordnung und Satzung der Partei".

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Haller Kreisblatt Online, 11.10.2017:

Neue Anklage gegen AfD-Politikerin Sylvia Lillge

11.10.2017 - 04.59 Uhr

Von Nicole Donath

Kreis Gütersloh. Im Fall der AfD-Politikerin Sylvia Lillge, der in Verbindung mit der Landtagswahl Wählertäuschung vorgeworfen wird, hat die Staatsanwaltschaft Bielefeld ihre Anklage beim Schöffengericht jetzt zurückgenommen und stattdessen Anklage beim Strafrichter erhoben.

Der muss nun erneut über deren Zulassung entscheiden. Folgt er der Anklage, gibt es eine Hauptverhandlung - aller Voraussicht nach wird das aber erst Anfang 2018 der Fall sein.

Bildunterschrift: Sylvia Lillge.

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Neue Westfälische Online, 11.10.2017:

Prozess um Trillerpfeife eingestellt

11.10.2017 - 19.01 Uhr

Verfahren eingestellt: Richter Michael Vondey bricht Lanze für das Demonstrationsrecht wie auch für die körperliche Unversehrtheit und baut damit eine goldene Brücke

Von Jutta Steinmetz

Paderborn. Eine Demonstrantin muss sich vor dem Amtsgericht Paderborn verantworten, weil sie mit ihrer Trillerpfeife einen Polizeibeamten verletzt haben soll - das schreit ein bisschen nach dem Etikett "Justizposse". Doch wer am Mittwoch beim zweiten Verhandlungstag dabei war, als in Saal 200 um die Einstellung des Verfahrens gerungen wurde, der stellte fest, dass es da eben nicht nur um Recht behalten, sondern auch um Werte ging.

Dass die Linken-Politikerin und Stadträtin Ezgi Güyildar aus Essen am 25. November bei der Demonstration gegen die Alternative für Deutschland wie viele andere ihre rote Trillerpfeife eifrig benutzte, ist unstreitig und auf Pressefotos zu sehen. Ein Polizeibeamter hatte augenscheinlich das Getriller der jungen Frau als unangenehm empfunden und Anzeige erstattet. Er sei zwar nicht zum Arzt gegangen, habe aber tagelang "eine Art Druck" auf einem Ohr verspürt, sagte er vor fast drei Wochen am ersten Verhandlungstag vor dem Amtsgericht. Doch nach der Anhörung dreier Zeugen lag es für Richter Michael Vondey auf der Hand: Das ist kein Fall für die "strafrechtliche Keule".

Demonstrationsrecht und körperliche Unversehrtheit

Und genau dort knüpfte er gestern wieder an. Erneut sprach sich Vondey für eine Einstellung des Verfahrens wegen Geringfügigkeit aus, sprang aber Staatsanwalt Stegen zur Seite, der nicht so ganz leichten Herzens das Verfahren zu den Akten legen wollte. "Halten Sie es denn für möglich, dass das Getriller dem Polizeibeamten Schmerzen bereitet haben könnte", wollte Stegen von der Angeklagten wissen.

Ein paar Worte des Bedauerns zu finden, wäre schon hilfreich, ergänzte Richter Vondey, weil Ezgi Güyildar weiter schwieg, und ging dann selbst ins Grundsätzliche. "Die Versammlungsfreiheit ist ein hohes Gut. Aber das gilt auch für die körperliche Unversehrtheit." Es sei auch zu bedenken, dass Ezgi Güyildar davon profitiere, dass es Menschen gebe, die das Versammlungsrecht schützten, sagte Michael Vondey und baute damit für die Angeklagte und ihren Verteidiger eine goldene Brücke.

Denn so fand Ernesto Klengel doch noch die richtigen Worte, als er von Menschen sprach, die von ihrem Demonstrationsrecht und ihrer Meinungsfreiheit Gebrauch machen. "Sie haben nicht vor, Polizeibeamte zu verletzen", sagte er und traf damit das Anliegen des Staatsanwaltes Stegen im Kern. "Das wollte ich hören", sagte der Ankläger und stimmte jetzt der Einstellung des Verfahrens ebenso zu wie der Übernahme sämtlicher Kosten durch die Landeskasse.

Keine Absicht den Beamten zu verletzen

Eins aber stellte er nach der Verhandlung unmissverständlich klar. "Es geht nicht darum, Trillerpfeifen auf Demonstrationen zu verbieten", sagte Frank Stegen auf Anfrage der NW, "sondern darum, dass Menschen nicht verletzt werden". Dass der Fall Ezgi Güyildar vor Gericht gelandet war, hat seiner Meinung nach weniger mit dem Verfolgungseifer der Staatsanwaltschaft zu tun. "Mir waren die Gesamtumstände gar nicht bekannt", erklärte Stegen. Schließlich habe Ezgi Güyildar sich zu keinem Zeitpunkt geäußert, niemals habe sie den Sachverhalt aus ihrer Sicht geschildert.

Die 30-Jährige indes zeigte sich "froh, dass es vorbei ist". Sie will sich jetzt weiter auf ihr erstes juristisches Staatsexamen vorbereiten, "ohne als kriminell zu gelten, nur weil ich von meinem Demonstrationsrecht Gebrauch gemacht habe".

Bildunterschrift: Mit Pfeife: Ezgi Güyildar ist vorn auf diesem Foto vom 25. November zu sehen. Ebenso wie andere Demonstranten zeigte sie mit ihrer Trillerpfeife ihren Protest. Gestern nahm sie neben ihrem Verteidiger Ernesto Klengel im Amtsgericht Platz.

Bildunterschrift: Ezgi Güyildar mit Trillerpfeife vor dem Amtsgericht Paderborn.

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Radio Hochstift, 11.10.2017:

Trillerpfeifen-Verfahren eingestellt

Der Trillerpfeifen-Prozess vor dem Paderborner Amtsgericht ist ohne ein Urteil zu Ende gegangen. Das Verfahren gegen die junge Frau wurde heute wegen Geringfügigkeit ohne Auflagen eingestellt. Ein Polizist hat eine Linken-Politikerin aus Essen wegen Körperverletzung mit einer Trillerpfeife angezeigt. Sie soll ihm bei einer Anti-AfD-Demo in Paderborn direkt ins Ohr gepfiffen haben. Heute ließ sie über ihren Anwalt verkünden, sie habe niemanden verletzen wollen.

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WDR-Nachrichten aus Westfalen-Lippe, 11.10.2017:

Paderborner Trillerpfeifen-Prozess eingestellt

11.10.2017 - 16.36 Uhr

Das Amtsgericht Paderborn hat am Mittwoch (11.10.2017) das Verfahren um einen schmerzhaften Trillerpfeifen-Pfiff eingestellt.

Ein Polizist hatte eine Stadträtin aus Essen verklagt. Seiner Darstellung nach hatte sie ihm bei einer Demonstration gegen die Alternative für Deutschland aus nächster Nähe ins Ohr gepfiffen. Nach dem Vorfall vor etwa einem Jahr in Paderborn klagte der Beamte über tagelange Ohrenschmerzen.

Das Gericht konnte heute (11.10.2017) aber nicht mit endgültiger Sicherheit klären, ob die Linken-Politikerin wirklich so dicht neben dem Polizisten gestanden hatte. Die 30-Jährige musste sich wegen vorsätzlicher Körperverletzung verantworten.

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WDR-Nachrichten aus Westfalen-Lippe, 11.10.2017:

Amtsgericht Paderborn: Urteil im Trillerpfeifen-Prozess erwartet

11.10.2017 - 09.00 Uhr

Vor dem Amtsgericht Paderborn wird am Mittwoch (11.10.2017) das Urteil um einen schmerzhaften Pfiff mit einer Trillerpfeife erwartet.

Eine Stadträtin aus Essen soll bei einer Demonstration gegen die Alternative für Deutschland vor einem Jahr in Paderborn einem Polizisten ins Ohr gepfiffen haben. Der Polizist erstattete wegen tagelanger Ohrenschmerzen Anzeige. Ziemlich nah am Ohr des Polizisten soll die Stadträtin in die Trillerpfeife gepustet haben. Das sagte der Beamte am ersten Prozesstag aus.

Ein Parteigenosse der Linke-Politikerin bestritt das. Der Abstand zu dem Polizisten habe mindestens 1,5 Meter betragen. Um das zu beweisen, legte der Verteidiger ein Foto vor, das bei der Demo entstanden war. Am Mittwoch vernimmt das Gericht weitere Zeugen und will eine Entscheidung verkünden. Angeklagt ist die 30-Jährige wegen vorsätzlicher Körperverletzung.

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