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Westfalen-Blatt / Espelkamper Zeitung , 13.09.2017 :

AfD will Stadtverband gründen

Partei-Versammlung im Bürgerhaus - stille Gegendemonstration vor dem Gebäude

Espelkamp (fq). Stiller Protest draußen - Applaus im Gesellschaftsraum des Bürgerhauses. Während sich vor dem Gebäude etwa 100 Menschen getroffen haben, um gegen die Versammlung der Partei Alternative für Deutschland (AfD) still zu demonstrieren, hat die AfD am Montagabend ihre Wahlkampfveranstaltung ausgerichtet. Ihr Direktkandidat für die Bundestagswahl, Jürgen Sprick, sowie Eugen Schmidt, der bei der AfD das Netzwerk für Russlanddeutsche in NRW leitet, waren ebenso unter den Gästen wie Thomas Röckemann, Mitglied des Landtages.

Noch bevor die Versammlung losging, versammelten sich vor dem Bürgerhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite zahlreiche Bürger, die mit einer stillen Demonstration gegen die AfD-Versammlung protestierten. Mit Schildern wie "Gesicht zeigen für ein buntes Espelkamp" oder einfach "Schämt euch" machten sie ihre Position deutlich. Im Vorfeld hatten die Organisatoren der Demonstration die Aktion mit der Polizei abgesprochen, auf öffentliche Aufrufe zur Demonstration jedoch verzichtet.

Im Gesellschaftsraum erklärte währenddessen Burkhard Brauns, stellvertretender Sprecher der AfD im Kreis Minden-Lübbecke, dass man auf Grund der Wahlergebnisse der vergangenen Landtagswahl in Espelkamp tage. Die AfD erhielt in einem Wahlbezirk 23,5 Prozent der Zweit-Stimmen.

Jürgen Sprick kritisierte in seiner Rede Aussagen des Espelkamper SPD-Fraktionsvorsitzenden Reinhard Bösch. Der hatte sich nach der Landtagswahl Gedanken über das Abschneiden der AfD in der Stadt gemacht und einen Aufruf gestartet, um diesem Ergebnis zu begegnen.

Das Thema Flüchtlinge beschäftigte die AfD-Politiker besonders. Röckemann kritisierte den "Doppelpass" und sagte, dass eine Integration mit diesem nicht möglich sei. Eugen Schmidt lobte die Zeit unter Bundeskanzler Helmut Kohl und die Rückkehr der Russlanddeutschen in die Bundesrepublik. Angela Merkels Integrationspolitik nannte er "bösartig".

Die AfD kündigte an, dass es an der Zeit sei, nun Stadtverbände zu gründen. Dies, so Röckemann, solle in Espelkamp schon in absehbarer Zeit geschehen. Er ging noch weiter und erklärte mit Blick auf die 23,5 Prozent im Wahlbezirk Schule am Erlengrund, wenn sich die Partei gut aufstelle, werde sie in drei Jahren als stärkste Kraft in das Stadtparlament einziehen. Ehe nach einer Pause die Fragerunde begann, stellte sich noch der Espelkamper AfD-Politiker Dietrich Janzen vor. Er warf den "etablierten Parteien" "massives Versagen" vor.

Bildunterschrift: Jürgen Sprick, der Direktkandidat der AfD, ist einer der Redner im Gesellschaftsraum gewesen.

Bildunterschrift: Viele Bürger haben sich vor dem Bürgerhaus zur stillen Demonstration gegen die AfD-Veranstaltung versammelt.


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