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Westfalen-Blatt , 12.08.2017 :

Kein Heimspiel

AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel sieht überall Verfall

Von Dietmar Kemper

Gütersloh (WB). Ein Heimspiel war das für die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel nicht wirklich. Beim Auftakt des Bundestagswahlkampfes in NRW füllte sich der Berliner Platz in Gütersloh nur spärlich - und die Gegenseite brachte Weidel mächtig in Rage.

Die Gegendemonstranten von SPD, Gewerkschaften und der Organisation Pulse of Europe nannte die in Gütersloh geborene Weidel "eine Schande, einen Witz". Sie benützten Trillerpfeifen, weil sie nicht in der Lage seien, Argumente in Worte zu fassen. Weidel, neben Alexander Gauland das Gesicht der AfD im Bundestagswahlkampf: "Da hinten steht die Bildungsmisere der Bundesrepublik Deutschland."

Vor etwa 80 eigenen Anhängern - die Gegenseite war mindestens genauso groß - folgten am Freitag die bekannten Vorwürfe. Die Bundesregierung in Person von Angela Merkel treffe einsame Entscheidungen auf Kosten der Bürger und breche dabei deutsches und europäisches Recht. "Wir erleben ei­nen Verfall der Ordnung, der Rechtsordnung, der Prinzipien", behauptete Weidel und steuerte auf das Lieblingsthema der Partei, die Flüchtlingspolitik, zu. Merkel habe es zugelassen, "dass jeder Hinz und Kunz in unser Land kommen kann". Asyl brauche eine Obergrenze, die Probleme der Welt ließen sich nicht in Deutschland lösen. Es sei ein Skandal, "Leute ohne Papiere in unser Land zu lassen und sie dann mit der Begründung nicht abzuschieben, weil sie keine Papiere haben". Weidel forderte ein Einwanderungsgesetz nach kanadischem Vorbild, um sicherzustellen, dass Fachkräfte ins Land kommen.

Untergangsphantasien beschwor die 38-Jährige auch beim Thema Geld. Null- und sogar Negativzinsen fürs Ersparte gebe es schon, und jetzt solle den Bürgern auch noch das Recht, Bargeld zu verwenden, beschnitten werden. "Die AfD steht für eine uneingeschränkte Bargeldnutzung der Bürger", betonte Weidel, die in Harsewinkel aufwuchs und in Versmold das Gymnasium besuchte.

Zuvor hatte Udo Hemmelgarn, Sprecher der AfD im Regierungsbezirk Detmold und Bundestagskandidat, die "Mainstream-Medien" kritisiert, die angeblich nur noch interessengelenkt und nicht mehr sauber informierten - ein Stereotyp, das immer wieder im Wahlkampf bemüht wurde.

Vor ausländischen Zuhörern am Rande des Platzes verwies der 58-Jährige "auf die gut funktionierenden Smartphones der Flüchtlinge", die aber gleichzeitig keine Papiere dabei hätten. Mit Blick auf Migranten sprach er von einem "Einfall". Die überschaubare Gruppe auf dem Berliner Platz forderte er bei fiesem Nieselregen auf: "Holen Sie sich den Rechtsstaat zurück."

Bildunterschrift: Alice Weidel konzentrierte sich auf das Flüchtlingsthema und warf der Bundesregierung vor, ohne Not auf eine effektive Sicherung der Grenzen zu verzichten.

Bildunterschrift: Jusos hatten sich ein Wortspiel ausgedacht.

12./13.08.2017

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