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Neue Westfälische - Tageblatt für Schloß Holte-Stukenbrock , 10.10.2019 :

Bilder lassen Geschichte lebendig werden

70 Jahre Lagerkirche: Fotoausstellung über das Sozialwerk. Kirche ist zentraler Punkt gewesen

Von Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock. Mit einem Festgottesdienst hat die westfälische Kirche am Mittwoch das 70-jährige Bestehen der evangelischen Lagerkirche in Schloß Holte-Stukenbrock gefeiert. Die Predigt hielt Pia Winkler, Landespfarrerin für Polizeiseelsorge. Zuvor wurde eine Fotoausstellung zur Geschichte der evangelischen Lagerkirche im ehemaligen Mehrzweckgebäude des Sozialwerkes auf dem Gelände der Polizeischule eröffnet.

Das schlichte Gotteshaus war am 9. Oktober 1949 durch den damaligen westfälischen Präses Ernst Wilm (1901 - 1989) eingeweiht worden. Die Kirche diente den Bewohnerinnen und Bewohnern des damaligen "Sozialwerks Stukenbrock" als Ort der Gemeinschaft. Im ehemaligen Entlausungsgebäude, das später als Badehaus genutzt wurde, hängen in Erinnerung daran Fotos aus der Zeit, befestigt mit Wäscheklammern an Leinen.

Gertrud Riede erkennt die Lagerkirche sofort wieder. "Hier habe ich geheiratet, meine jüngere Tochter ist hier getauft worden", erzählt die aus Ostpreußen stammende 85-Jährige, die heute in Oerlinghausen lebt. Mit ihrer älteren Tochter und dessen Mann ist sie gekommen. Während der 16 Jahre im Sozialwerk hat Gertrud Riede ab 1962 in der Verwaltung des Evangelischen Johanneswerks gearbeitet. Zusammen mit der Mutter von Klaus Streck.

Er hatte viele Fotos für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. 1957 war Streck in der evangelischen Lagerkirche konfirmiert worden. Die Lagerkirche ist in der Erinnerung des pensionierten Lehrers das erste Gotteshaus, das er bewusst betreten hat. Jeden Sonntag besuchte er den Kindergottesdienst. "Für uns war das damals aufregend."

Ein anderes Dokument zeigt Karl Teichmann. Der Vater von Ludwig Teichmann hat als Zimmermann sowohl an den Baracken des Sozialwerks als auch an der Lagerkirche mitgebaut. Der Sohn ist im Sozialwerk geboren und hat noch lebhafte Erinnerungen an die Zeit dort. Seine erste: "Ich hatte mich mit dem Dreirad verfahren, auf Höhe der Lagerkirche hat man mich eingesammelt."

Viele solcher Geschichten können die Besucher erzählen. Den anschließenden Gottesdienst in der Lagerkirche stellte Pia Winkler unter das Thema Heimat. Heimat sei dort, betonte die Pfarrerin, "wo man sich aufgehoben und sicher fühlt". Von Ludwig Teichmann bekam Pia Winkler einen alten Holzstuhl überreicht. Aufgetaucht war er in einem alten Senner Bauernhaus. Noch heute ist auf der Rückseite die Kennzeichnung EV für Evangelisch zu erkennen.

Bildunterschrift: Erinnerungen: Auf den an Leinen hängenden alten Fotos erkennt Gertrud Riede (85) die Lagerkirche sofort wieder. Dort hat sie geheiratet. Ihre Tochter Brigitte Siek (67) begleitet sie.

Bildunterschrift: Geschenk: Landespfarrerin Pia Winkler bekommt von Ludwig Teichmann (l.) einen alten Holzstuhl überreicht. Oliver Nickel eröffnet die Ausstellung.

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Westfalen-Blatt / Zeitung für Schloß Holte-Stukenbrock, 05./06.10.2019:

Zeitzeugen berichten

70 Jahre Lagerkirche: Ausstellung, Gottesdienst, Theaterstück

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Zusammen mit der Evangelischen Kirche von Westfalen, vertreten durch das Landeskirchliche Archiv und die Landespfarrerin Pia Winkler, bietet die Gedenkstätte Stalag 326 Senne zum 70. Jahrestag der Einweihung der Evangelischen Lagerkirche in Stukenbrock-Senne mehrere Veranstaltungen an.

Am Mittwoch, 9. Oktober, wird die Fotoausstellung zur "Evangelischen Lagerkirche 1949 bis 2019" eröffnet. Treff zur Ausstellungseröffnung ist um 13.30 Uhr an der Pforte der Polizeischule am Lippstädter Weg 26. Die Bilder sind in der ehemaligen "Entlausung", einem späteren Multifunktionsgebäude mit Theater, Wäscherei und Badehaus, zu sehen. Die Ausstellung kann vor den Veranstaltungen besucht werden oder nach Terminabsprache. Der Gottesdienst mit Zeitzeugen aus dem Sozialwerk beginnt um 16 Uhr in der Lagerkirche.

In diesem Zusammenhang zeigt die Gedenkstätte am Donnerstag und am Samstag, 10. und 12. Oktober, jeweils ab 19 Uhr in der ehemaligen Entlausung das Theaterstück "Im Herzen ein Nest aus Stacheldraht". Anmeldung bis Montag, 7. Oktober, per E-Mail unter m.wibe@stalag326.de. Treffpunkt ist jeweils um 18.30 Uhr an der Pforte der Polizeischule am Lippstädter Weg 26.

Das Theaterstück basiert auf dem Buch "Ich hatte nichts gegen Deutsche, nur gegen Faschisten. Die Lebensgeschichte des Ferdinand Matuszek" von Friedhelm Schäffer und Oliver Nickel. Michael Grunert (Spiel) und Regina Berges (Text und Regie) inszenieren im Auftrag des Fördervereins der Gedenkstätte (ehemals Dokumentationsstätte) Stalag 326 VI K Senne das Theaterstück, das ein Leben zwischen sichtbaren und unsichtbaren Zäunen erzählt.

www.ferdinandmatuszek.com

www.stalag326.de

Bildunterschrift: Wolfgang Günther, Pfarrerin Pia Winkler und Oliver Nickel laden ein zum 70. Geburtstag der Lagerkirche.

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Vom 9. bis 12. Oktober 2019 bietet der Förderverein Gedenkstätte Stalag 326 (VI K) Senne e.V. mehrere Veranstaltungen, zum 70. Jahrestag der Einweihung der Evangelischen Lagerkirche in Stukenbrock-Senne.

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www.stalag326.de


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