www.hiergeblieben.de

Nachrichten , 10.08.2018 :

Tages-Chronologie von Freitag, 10. August 2018

_______________________________________________


www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Freitag, 10. August 2018


Am 10. August 2018 veröffentlichte die "Lippische Landes-Zeitung" in der Serie "Jüdisches Leben in Lage" den vierten Artikel, Autorin Cordula Gröne berichtet über die Geschichte der beiden Synagoge in der Stadt.

Am 3. August 2018 veröffentlichte die "Lippische Landes-Zeitung" den dritten Artikel der Serie: "Jüdisches Leben in Lage" - Autorin Cordula Gröne berichtet zur Geschichte des jüdischen Friedhofs an der Flurstraße.

Am 27. Juli 2018 veröffentlichte die "Lippische Landes-Zeitung" einen zweiten Artikel der Serie: "Jüdisches Leben in Lage" - Autorin Cordula Gröne berichtet über jüdische Frauen, die große Hilfsbereitschaft zeigten.

In der Ausgabe 21. / 22. Juli 2018 begann die "Lippische Landes-Zeitung" mit dem Artikel "Der schwierige Prozess der Erinnerung", Cordula Gröne, mit der Publikation einer neuen Serie "Jüdisches Leben in Lage".

Am 14. März 2018 beriet der Ausschuss für Kultur und Tourismus der Stadt Lage den Antrag (vom 1. März 2015) " ... zur Benennung von Straßen, Plätzen oder Tweten mit Namen ehemals jüdischer Bürger Lages".

Am 22. Februar 2018 beschloss der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Lage, Straßen sowie Tweten, in (zukünftigen) Neubaugebieten - nach ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern zu benennen.

Am 5. Februar 2018 erstellte die Verwaltung der Stadt Lage die Beschlussvorlage zum: "Bürgerantrag vom 30.12.2017": "Benennung von Straßen, Plätzen oder Tweten mit Namen ehemals jüdischer Bürger Lages".

Am 30. Dezember 2017 erinnerte Claus-Hinrich Graß die Stadt Lage, an seinen Antrag " ... zur Benennung von Straßen, Plätzen oder Tweten mit Namen ehemals jüdischer Bürger Lages ... ": Datum: 1. März 2015.

Am 26. April 2017, in der Zeit innerhalb 13.45 und 17.00 Uhr wurden - auf dem jüdischen Friedhof in Lage - zwei Gedenktafeln gestohlen, laut Polizei Lippe " ... spricht vieles für einen klassischen Metalldiebstahl".

Am 9. November 2016 erinnerte Claus-Hinrich Graß die Stadt Lage - an seinen Antrag " ... zur Benennung von Straßen, Plätzen oder Tweten mit Namen ehemals jüdischer Bürger Lages ... ", Datum: 1. März 2015.

Am 1. März 2015 stellte Claus-Hinrich Graß einen Antrag, § 24 Gemeindeordnung, " ... zur Benennung von Straßen, Plätzen oder Tweten mit Namen ehemals jüdischer Bürger Lages ... " an den Rat der Stadt Lage.

Am 17. Juni 2016 wurde der ehemalige "SS-Unterscharführer" Reinhold Hanning vom Landgericht Detmold wegen Beihilfe zum Mord in Auschwitz in mindestens 170.000 Fällen zu 5 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

2003 erschien das Buch "Zur Geschichte der Juden in Lage" von Martin Hankemeier, in 2. veränderter und erheblich vervollständigter Auflage bei der "Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe".

Der "118. Deutscher Wandertag in Lippe-Detmold", 15. bis 20. August 2018 - wird von der Stadt Horn-Bad Meinberg mit dem NSDAP-Mitglied August Weweler, Dichter des ersten westfälischen SA-Liedes, beworben.

Am 16. Mai 2017 wurden in Horn-Bad Meinberg wegen des Verdachts der Volksverhetzung Wohnhaus und Geschäftsräume des stellvertretenden Vorsitzenden des "Thule-Seminars", Burkhard Weecke, durchsucht.

Am 2. August 2018 berichtete das "Westfalen-Blatt / Herforder Kreisblatt" über die Ängste vor Übergriffen, mit denen Matitjahu Kellig - Vorsitzender der "Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold", täglich leben muss.

Am 22. Februar 2018 verurteilte das Amtsgericht Bielefeld den Dortmunder Neonazi Sascha Marcel Krolzig, wegen Beleidigung sowie Volksverhetzung, zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten (ohne Bewährung).

Am 12. August 2018 gedenken die Felix-Fechenbach-Stiftung und die SPD Warburg, bei der Gedenkstätte im Kleinenberger Wald bei Scherfede, dem - von Nationalsozialisten 1933 ermordeten - Felix Fechenbach.

Am 7. August 1933 wurde der Journalist Felix Fechenbach - auf dem Transport in das Konzentrationslager Dachau - im Kleinenberger Wald (bei Scherfede) "auf der Flucht erschossen", nur Stunden später starb er.

Für den 11. August 2018, um 11.00 Uhr, "Alter Markt", ruft die "Seebrücke Herford", zu einer Kundgebung für das Asylrecht und die Menschenrechte, unter der Devise: "Stoppt das Sterben - nicht die Retter!" - auf.

Am 1. September 2018 ruft die "Antirassistische Initiative Bleiberecht für alle" ("ARIBA") zu der Teilnahme an einer Demonstration in Detmold gegen die Abschiebehaft, sowie die Abschiebehaftanstalt in Büren auf.

Am 8. August 2018 haben circa fünfzig Menschen in der Innenstadt von Paderborn mit einer Mahnwache - sowie einem Flashmob - auf die Situation von Geflüchteten im, und am Mittelmeer aufmerksam gemacht.

Am 8. August 2018 berichtete die Neue Westfälische - Paderborn Kreiszeitung über die Unterstützung von Martin Kolek für: "Sea-Watch e.V." - die sich der zivilen Seenotrettung von Geflüchteten verschrieben hat.


www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/k-l/1141-lage-nordrhein-westfalen

www.gfcjz-lippe.de

www.jg-hf-dt.de

www.mobile-beratung-owl.de

www.arbeitskreis-gegen-nazis.de

www.felix-fechenbach-stiftung.de

www.facebook.com/events/560838757682880/

www.gegenabschiebehaft.de - Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren e.V.

www.facebook.com/Hilfe-f%C3%BCr-Menschen-in-Abschiebehaft-eV-1437428186488593/

www.buerendemo.blogsport.de

www.jzo.de

www.sea-watch.org

www.aha-bueren.de

_______________________________________________


Artikel-Einträge in der Datenbank:


Lippische Landes-Zeitung, 10.08.2018:
Steinwürfe zerstörten die Rundfenster

Westfalen-Blatt, 10.08.2018:
Streit um Komponisten aus NS-Zeit

Lippische Landes-Zeitung, 10.08.2018:
Kommentar / Der Geist dahinter

Lippische Landes-Zeitung, 10.08.2018:
Komponist mit Nazi-Vergangenheit

Westfalen-Blatt / Warburger Kreisblatt, 10.08.2018:
Gedenken an Fechenbach

Neue Westfälische - Herforder Kreisanzeiger, 10.08.2018:
Kundgebung für sichere Fluchtwege

Neue Westfälische - Bielefelder Tageblatt, 10.08.2018:
Vortrag über Abschiebepraxis

Westfalen-Blatt / Westfälisches Volksblatt, 10.08.2018:
Flashmob macht auf Flüchtlingsnot aufmerksam

Neue Westfälische - Paderborn Kreiszeitung, 10.08.2018:
Flashmob als Symbol für Ertrinkende im Meer

_______________________________________________


Lippische Landes-Zeitung, 10.08.2018:

Steinwürfe zerstörten die Rundfenster

Jüdisches Leben in Lage (4): Die Israelitische Gemeinde nutzte ab 1874 ein stattliches Gebäude in der Friedrichstraße als Synagoge / Nebenan stand die jüdische Schule

Von Cordula Gröne

Lage. "Die erste nachweisbare Synagoge in Lage befand sich bis 1874 in einem hinteren Anbau Lange Straße 87", schreibt Gustav Glitt vom Ortsverein Lage des Lippischen Heimatbundes in seiner Broschüre "Stadtrundgang" zur Geschichte der Juden in Lage. Ein erster Hinweis darauf soll aus dem Jahr 1739 stammen. Die Gemeinde sei vermutlich 1860 gegründet worden.

In einem Schreiben an die Lagenser Juden fordern die Vorsteher aus Detmold diese in dieser Zeit auf, ihren finanziellen Verpflichtungen in der Armenfürsorge nachzukommen. Anschließend wurde die Synagoge wohl aufgegeben, weil der Neubau in der Friedrichstraße / Ecke Schulstraße genutzt werden konnte. Heute befindet sich dort das Modehaus Brand.

Die alte Synagoge stand auf der Hausrückseite, weil Synagogen bis Anfang des 19. Jahrhunderts nicht direkt an der Straße gebaut werden durften. Der Grund: Sie sollten nicht mit christlichen Kirchen konkurrieren. Nach der Bauzeichnung der Synagoge in Enger, die nach dem Vorbild der Lagenser Synagoge gebaut wurde, wird der zentrale Raum rund 58 Quadratmeter groß gewesen sein. Die Frauen trafen sich auf der Empore, die durch ein Gitter vom Hauptraum getrennt war, die Männer unten. Der Thoraschrein mit den Rollen der fünf Bücher Mose, Sinnbild für die Bundeslade im Tempel, stand auf einem Pult, flankiert von zwei Kerzenleuchtern.

Doch die Jüdische Gemeinde wurde größer, so dass die alten Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten und für Gottesdienste und Zusammenkünfte eine neue Synagoge gefunden werden musste. Das stattliche Gebäude stand ab 1874 mit der jüdischen Schule in der Friedrichstraße 22 auf einem Grundstück. Es wurde mit vielen Gästen und Vertretern aus anderen Konfessionen eingeweiht. Über der Eingangstür stand: "Das ist ein Bethaus für alle Völker." Auf der Empore war Platz für 30 bis 40 Frauen. Im Thoraschrein wurden mindestens sechs Thorarollen aufbewahrt. Unten konnten 60 Männer und Jungen beten. Die Gemeinde soll vom konservativen Judentum geprägt gewesen sein.

1739 wurden erstmals jüdische Lehrer in Lage erwähnt. Seit 1862 unterrichteten diese im jüdischen Schulgebäude in der Friedrichstraße 22. Im Gebäude wohnten auch die jeweiligen Lehrer oder die Familien, denen die Synagoge anvertraut war. Im Keller befand sich die Mikwe, ein Becken für das rituelle Tauchbad der Juden.

Mit den nagte am Gebäude der Zahn der Zeit, es wurde renovierungsbedürftig. 1923 hatten Unbekannte die Rundfenster durch Steinwürfe zerstört. Dies ist auf Fotos aus dem Jahr 1937 zu sehen. Die Jüdische Gemeinde schloss sich 1928 der Detmolder Gemeinde an und feierte die Gottesdienste von da an in der Nachbarstadt. Vermutet wird als Grund, dass es nicht mehr die notwendigen zehn männlichen Mitglieder gab und die Unterhaltung der Synagoge zu teuer geworden war. Die alten Thorarollen wurden auf dem jüdischen Friedhof feierlich bestattet, die neueren nach Detmold gebracht.

Der Abriss

Die Synagoge ging 1938 in den Besitz der Stadt über. Sie soll sehr heruntergekommen gewesen sein, als noch im selben Jahr mit dem Abriss begonnen wurde. Das Gotteshaus konnte also nicht mehr der Pogromnacht am 9. November 1938 zum Opfer fallen. In der Lippischen Staatszeitung stand am 27. Oktober 1938: "Damit verschwindet schon in nächster Zeit ein hässlicher Fleck aus dem Stadtbilde, womit gleichzeitig der Gedanke an das einstmalige Vorhandensein von Juden in unserer Stadt ausgelöscht wird." Zunächst entstand auf dem Eckgrundstück eine kleine Grünanlage. Das Grundstück wurde bebaut und beherbergt später heute das Modegeschäft Brand. (co)

Bildunterschrift: Die jüdische Synagoge in der Friedrichstraße: Im Jahr 1937 waren die Fenster bereits beschädigt, Gottesdienste fanden nicht mehr statt.

Im nächsten Teil geht es um den weiteren Lebensweg jüdischer Bürger.

_______________________________________________


Westfalen-Blatt, 10.08.2018:

Streit um Komponisten aus NS-Zeit

Horn-Bad Meinberg wirbt mit Lied von August Weweler

Horn-Bad Meinberg (WB/ca). In einer Broschüre zum Deutschen Wandertag (15. - 20. August in Detmold) hat Horn Bad-Meinberg ein Lied des Detmolder Komponisten August Weweler abgedruckt. Weweler war NSDAP-Mitglied, Ortsgruppenleiter des "Kampfbunds für deutsche Kultur" und hatte ein Lobgedicht auf Adolf Hitler geschrieben.

Die kommentarlose Veröffentlichung des Weweler-Liedes wird von Prof. Matitjahu Kellig (69), dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold, kritisiert. "Die NS-Vergangenheit dieses Mannes müsste in Lippe bekannt sein", sagte der in vielen Ländern auftretende Pianist gestern. In den 80er Jahren war die Weweler-Straße vor dem Detmolder Kreishaus wegen der NS-Verbundenheit des Musikers in Felix-Fechenbach-Straße umbenannt worden. Musikprofessor Matitjahu Kellig sagte, den Menschen müsse gesagt werden, "wer wer war".

August Weweler hatte in seinem Gedicht "Adolf Hitler", das 1933 unter anderem im "Lippischen Kurier" abgedruckt worden war, Hitler als von Gott gesandt dargestellt und ihn als zweiten Befreier nach Hermann, dem Cherusker, bezeichnet.

Das jetzt in der Werbebroschüre abgedruckte Werk ist ein Loblied auf den lippischen Ort Meinberg mit unverfänglichem Text. Bürgermeister Stefan Rother (parteilos) sagte gestern, er könne die Kritik nicht verstehen. "Wir haben nicht so viele Lieder über Bad Meinberg, und der Text enthält keine bedenklichen Passagen." Dass August Weweler der Nazi-Ideologie verfallen sei, sei nicht richtig gewesen, "aber das ist ja damals vielen so gegangen".

Der jüdische Pianist Matitjahu Kellig ist wachsam, weil er "einen zunehmenden Antisemitismus" sieht. So hatte ihn Sascha Krolzig von der Partei "Die Rechte" (sie hatte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck für das EU-Parlament aufgestellt) im Internet angegangen und war dafür im Februar wegen Volksverhetzung zu sechs Monaten Haft verurteilt worden.

Bildunterschrift: Ein Loblied auf den Ort Meinberg: Weweler schrieb nicht nur solche unverfänglichen Lieder, sondern unterstützte das NS-Regime.

_______________________________________________


Lippische Landes-Zeitung, 10.08.2018:

Kommentar / Der Geist dahinter

Von Cordula Gröne

Mit einem Lied auf den Lippen lässt sich’s gut wandern, heißt es. Wenn dann von Lippes grünen Fluren geschwärmt wird, kann daran doch nichts verkehrt sein, oder? Der Name des Komponisten August Weweler ruft allerdings bei einigen Menschen schlimme Erinnerungen wach.

Oberflächlich betrachtet können die beiden Strophen keinem weh tun. August Weweler hat mit dem Text keine Nazi-Tiraden verbreitet. Er hat jedoch auch das Marschlied "Auf, deutsche Brüder" für den Gau Westfalen-Lippe der NSDAP mit reichlich Germanentümelei geschrieben und sogar Hitler in einem Gedicht verherrlicht.

Sollten also seine Lieder heute noch gesungen werden? Auf keinen Fall, wenn sie nationalistisches Gedankengut beinhalten. Das Meinberg-Lied ist zwar harmlos, doch vertrat der Mensch Weweler öffentlich eine bestimmte Ideologie, die nicht akzeptabel ist. Die Idee, ein Werk von ihm abzudrucken, ohne auf seine Vergangenheit hinzuweisen, ist instinktlos.

cgroene@lz.de

_______________________________________________


Lippische Landes-Zeitung, 10.08.2018:

Komponist mit Nazi-Vergangenheit

Wander-Flyer: Das Stadtmarketing veröffentlicht eine Broschüre mit Touren-Angeboten / Abgebildet ist auch ein Liedtext von August Weweler, der sich "alter Kämpfer der nationalsozialistischen Bewegung" nannte

Von Cordula Gröne

Horn-Bad Meinberg. Tausende von Besuchern werden zum 118. Deutschen Wandertag in Lippe erwartet. Mit einem Wander- und Kulturprogramm beteiligt sich die Stadt Horn-Bad Meinberg. Auf dem Flyer dazu ist auch ein Lied des Detmolder Komponisten August Weweler (1868 - 1952) abgebildet. Er war seit 1932 Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) und leitete von 1933 bis 1934 eine Ortsgruppe des "Kampfbunds für deutsche Kultur".

"Hoch Meinberg immerdar" heißt das Lied des Komponisten, abgedruckt sind die Noten und ersten beiden Strophen. Es entstand ursprünglich als Lied für eine Singstimme mit Klavierbegleitung im Sommer 1934. Inhaltlich handelt es sich um eine Hommage an den Kurort. "In Lippes grünen Fluren, da liegt ein kleiner Ort, den könnt ihr nicht vergessen", heißt es da. Weiter geht es um "uralte Bäume" in einem "wundervollen Park".

Einer, der sich bestens mit August Weweler auskennt, ist der Münsteraner Dr. Lukas Speckmann. Er hat vor vielen Jahren als Musikwissenschaftler seine Doktorarbeit über den Musiklehrer und Komponisten geschrieben. Um seine Einschätzung gebeten, erläutert der heutige Zeitungsredakteur gegenüber der LZ, dass Weweler als Mensch und Musiker ein Außenseiter gewesen sei. "Er hat versucht, vom Erfolg der Nazis zu profitieren und sich einspannen zu lassen. Aber seine Wirkung war gering." Speckmann will Weweler nicht entschuldigen. Dieser habe sich die NS-Kulturideologie zu eigen gemacht und versucht, damit Werbung für sich zu machen - allerdings recht erfolglos. "Ein lippischer Chefideologe war er nicht."

Ludmilla Gutjahr, Geschäftsführerin der "GesUnd-Tourismus Horn-Bad Meinberg", hat den Text vor anderthalb Jahren auf dem Speicher der alten Kurverwaltung entdeckt. Das Original wird im Landesarchiv NRW in Detmold verwahrt. "Wir haben uns überhaupt nichts dabei gedacht. Wewelers Lieder werden noch überall gesungen, das gehört zum Standardrepertoire von Chören", weiß sie. So sang beim Chor-Fest 2016 in Stuttgart ein Teenie-Chor die "Abendruhe". Das Lied spielten die Musiker auch mal im Kurpark. Es sei eine schöne Hymne auf den Kurort. "Wir haben uns gefreut, dass es ein Lied von Bad Meinberg gibt." Es sei auch ins Liederheft aufgenommen worden, das das Team zusammengestellt habe. Dass Weweler Mitglied in der NSDAP war, ist der Geschäftsführerin erst seit Dienstag bekannt. "Das darf man auch nicht entschuldigen." Gutjahr findet an dem Abdruck nichts Verwerfliches, schließlich würden Wagners Opern auch noch gehört. Schon gar nicht sei damit eine böse Absicht verbunden.

In Detmold trug bis zum Jahr 1985 die Straße am Kreishaus den Namen August Wewelers. Sie wurde auf Initiative von Detmolder Jusos wegen dessen Nähe zum nationalsozialistischen Regime in Felix-Fechenbach-Straße umbenannt. Fechenbach war ein jüdischer Sozialdemokrat und Journalist des Detmolder Volksblattes, der 1933 von den Nazis ermordet wurde.

Dr. Wolfgang Bender, Archivar am Landesarchiv NRW in Detmold, weiß um die umstrittene Person August Wewelers. Das Archiv verwahre einen kleinen Nachlass des Komponisten. "Der Mensch war politisch nicht unumstritten." Die Zeilen entsprächen in ihren Formulierungen dem damaligen Zeitgeist, seien inhaltlich jedoch völlig harmlos und könnten doch so stehen, findet Dr. Bender. Norbert Arnold, Präsident des Lippischen Sängerbundes, erklärte auf Anfrage, dass das Lied Wewelers nicht mehr im Notenverzeichnis des Sängerbundes stehe. Es werde nicht mehr gesungen, weil es nicht mehr dem Zeitgeist entspreche. "Den Text zu singen, finde ich aber nicht verwerflich", so Arnold. Inhaltlich seien die Zeilen harmlos.

Die Vita von August Weweler

August Weweler wurde 1868 in Recke / Westfalen geboren. Er studierte zwei Jahre am Leipziger Konservatorium, brach das Studium aber ab. Zwei seiner Opern verhalfen ihm nicht zum gewünschten künstlerischen Erfolg. Besser erging es ihm in der Provinz. 1898 wurde er als Klavierspieler im Sommertheater Detmold verpflichtet. Er leitete den Oratorienverein, organisierte zwei Musikfeste und gründete 1916 ein Konservatorium für Musik, Theater und Redekunst mit. Die lippische Sturmabteilung (SA), eine paramilitärische Kampforganisation der NSDAP, verwendete das Schlusslied aus dem populären Festspiel "Hermann der Cherusker" als Marschlied für ihre Einheit. Weweler trat 1932 der NSDAP bei und leitete von 1933 bis 1934 eine Ortsgruppe des "Kampfbunds für deutsche Kultur". Nach Angaben von Dr. Lukas Speckmann hatten die Ortsgruppen eine Gleichschaltung des kulturellen Lebens zum Ziel. In Detmold fanden jedoch nur wenige Veranstaltungen statt. Weweler plagten weiter Geldsorgen, weswegen er von 1935 bis 1940 an der Essener Folkwangschule unterrichtete. Der Musiklehrer kehrte 1943 nach Detmold zurück und starb hier 1952. (co)

Bildunterschrift: Komponiert 1934: Auf dem Flyer der Tourist-Information Horn-Bad Meinberg sind Noten und Texte von August Weweler abgedruckt.

_______________________________________________


Westfalen-Blatt / Warburger Kreisblatt, 10.08.2018:

Gedenken an Fechenbach

Scherfede (WB). Die Felix-Fechenbach-Stiftung und der SPD-Ortsverein Warburg organisieren für Sonntag, 12. August, um 11 Uhr eine Gedenkveranstaltung für den früheren Journalisten, Pazifisten und Schriftsteller Felix Fechenbach. Im Kleinenberger Wald bei Scherfede wird dabei des Mannes gedacht, der dort vor 85 Jahren, am 7. August 1933, ermordet wurde. Täter waren SS-Angehörige, die den Auftrag hatten, ihn ins Konzentrationslager Dachau zu bringen. Nach einer Ansprache durch den Landtagsabgeordneten Dennis Maelzer wird zunächst der Detmolder Schüler Jean-Louis Pawellek sprechen. Dann hält das Gründungsmitglied der Fechenbach-Stiftung, Rainer Brinkmann, die Gedenkrede. Alle Interessierten sind hierbei willkommen.

_______________________________________________


Neue Westfälische - Herforder Kreisanzeiger, 10.08.2018:

Kundgebung für sichere Fluchtwege

Seenotrettung von Flüchtlingen: Mehrere Gruppen demonstrieren auf dem Alten Markt

Herford (nw). Die Friedens- und Flüchtlingsbegleitgruppe Herford, die Ärzte gegen den Atomkrieg (IPPNW) Herford und weitere Organisationen laden am Samstag, 11. August, um 11 Uhr zu einer Kundgebung für sichere Fluchtwege ein. Beginn auf dem Alten Markt in Herford ist um 11 Uhr.

Die "Seebrücke" ist eine internationale Bewegung, die sich mit allen Menschen auf der Flucht solidarisch erklärt und von der deutschen und europäischen Politik die Entkriminalisierung der Seenotrettung und eine menschenwürdige Aufnahme von Flüchtlingen fordert. Unter dem Motto: "Stoppt das Sterben, nicht die Retter" soll auch in Herford ein Zeichen gegen die aktuelle Abschottungspolitik gesetzt werden. "Die Kriminalisierung der Seenotretter ist der Gipfel der unmenschlichen Entwicklung in Europa", sagt Dr. Winfrid Eisenberg, ehemaliger Chefarzt der Kinderklinik Herford und Vorstandsmitglied der IPPNW, der Internationale der Ärzte gegen den Atomkrieg und in sozialer Verantwortung. "Wir brauchen wieder ein Klima der Offenheit und Menschlichkeit in unserem Land, darum demonstrieren wir dagegen, dass Geflüchtete daran gehindert werden, das Menschenrecht auf Asyl in Deutschland wahrzunehmen", sagt Berthold Keunecke, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Emmaus-Gemeinde und Mitglied in der Friedens- und Flüchtlingsbegleitgruppe.

Bisher sind Redebeiträge von Winfrid Eisenberg und Fabian Drosselmeier, Abteilungsleiter für Migration im Diakonischen Werk Herford, vorgesehen. Die Organisatoren laden ein, orangefarbene Kleidung wie Schutzwesten mitzubringen, um die Solidarität mit denen, die im Mittelmeer die Rettungswesten brauchen, auszudrücken.

_______________________________________________


Neue Westfälische - Bielefelder Tageblatt, 10.08.2018:

Vortrag über Abschiebepraxis

Engagement: Mitglieder des JZO sind an Organisation einer Demo in Detmold beteiligt

Oerlinghausen (guh). Im Jugend- und Kulturzentrum (JZO) wird am Samstag, 11. August, ab 19 Uhr ein Vortrag veranstaltet. Frank Gockel vom Verein "Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren" informiert über Abschiebehaft in Deutschland am Beispiel des Abschiebegefängnisses Büren.

Der Vortrag ist als Informations- und Mobilisierungsveranstaltung für die Demonstration "Büren-Demo - Gegen Abschiebehaft - Break Isolation, Stop Deportation" gedacht, die am 1. September in Detmold stattfinden wird. Mit der Demonstration, an deren Organisation das JZO beteiligt ist, soll auf Missstände bei der Unterbringung Geflüchteter in Einrichtungen wie der ZUE Oerlinghausen und dem Abschiebegefängnis Büren hingewiesen werden. Die Demonstration richtet sich explizit gegen das Konzept der Abschiebehaft und für eine bessere Unterbringung von Geflüchteten in Einrichtungen ohne Gefängnischarakter. Der Vortrag im JZO bietet Interessierten die Möglichkeit, sich über das Thema Abschiebehaft, sowie auch über die Demonstration zu informieren. Im Anschluss an den Vortrag besteht das Angebot zur Diskussion und die JZO-Cnaipe hat geöffnet. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht und werden für die Organisation der Demonstration in Detmold verwendet. Mehr Informationen:

www.buerendemo.blogsport.de

_______________________________________________


Westfalen-Blatt / Westfälisches Volksblatt, 10.08.2018:

Flashmob macht auf Flüchtlingsnot aufmerksam

In der Paderborner Innenstadt haben am Mittwochabend etwa 50 "Seebrücke"-Aktivisten mit einer Mahnwache und einem Flashmob auf die Situation der Flüchtlinge im und am Mittelmeer aufmerksam gemacht. Nach Angaben der Aktivisten seien allein in den ersten sieben Monaten dieses Jahres 1.525 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken. Nach Angaben des Aktionsbündnisses hätten durch private Spenden finanzierte Rettungsschiffe und deren Besatzungen seit 2016 etwa 29.300 Menschen vor dem Tod bewahrt und gerettet. Die Aktion Seebrücke, eine internationale Bewegung, die getragen wird von verschiedenen Bündnissen und Akteuren der Zivilgesellschaft, setzt sich eigenen Angaben zufolge für sichere Häfen ein.

_______________________________________________


Neue Westfälische - Paderborn Kreiszeitung, 10.08.2018:

Flashmob als Symbol für Ertrinkende im Meer

Paderborn (ag). So mancher Passant dürfte sich gewundert haben, als am Mittwochabend in der Westernstraße Menschen fünf Minuten lang reglos in der Westernstraße auf den Boden lagen (Foto). Mit dem Flashmob machten einige Teilnehmer unter dem Logo der internationalen Bewegung Seebrücke auf das Ertrinken von Flüchtlingen im Mittelmeer aufmerksam. Zuvor hatten sie sich dafür symbolisch mit Wasser übergossen. Einige hatten auch eine Kerze angezündet. Die Aktivisten sammelten zudem auch Unterschriften für eine Petition an den Paderborner Stadtrat und den Bürgermeister. Darin fordern sie die Aufnahme eines kleinen Kontingents von Bootsflüchtlingen. Die Idee für den Flashmob nach Münchener Vorbild hatte Studentin Nadine "NaDu" Dubberke und Seenotretter Martin Kolek. "Die Aktion kann zwar nicht die Welt verändern, aber sie ist ein kleiner Schritt vor der eigenen Tür", sagte Dubberke. Es könne nicht sein, dass Flüchtlinge seit 2014 in libysche Folterlage zurückgeführt würden. Martin Kolek schilderte seine jüngsten Erlebnisse auf dem am Auslaufen gehinderten Rettungsschiff Sea-Watch III auf Malta. "Wir sind eine Ansammlung von mündigen Bürgern, die nicht zusehen wollen, wie Menschen ertrinken", betonte Martin Kolek. Menschenrechte seien nicht verhandelbar. Seit 2016 werde die libysche Küstenwache "von unseren Steuergeldern finanziell unterstützt". Dabei sei mit den eingesetzten Militärschiffen eine Seenotrettung überhaupt nicht möglich. Kritik äußerte Kolek auch an Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Sie lobt die Arbeit der Nichtregierungsorganisationen, aber unterstützt sie seit Jahren nicht", so Martin Kolek.

_______________________________________________


zurück