www.hiergeblieben.de

Lippische Landes-Zeitung , 10.08.2018 :

Kommentar / Der Geist dahinter

Von Cordula Gröne

Mit einem Lied auf den Lippen lässt sich’s gut wandern, heißt es. Wenn dann von Lippes grünen Fluren geschwärmt wird, kann daran doch nichts verkehrt sein, oder? Der Name des Komponisten August Weweler ruft allerdings bei einigen Menschen schlimme Erinnerungen wach.

Oberflächlich betrachtet können die beiden Strophen keinem weh tun. August Weweler hat mit dem Text keine Nazi-Tiraden verbreitet. Er hat jedoch auch das Marschlied "Auf, deutsche Brüder" für den Gau Westfalen-Lippe der NSDAP mit reichlich Germanentümelei geschrieben und sogar Hitler in einem Gedicht verherrlicht.

Sollten also seine Lieder heute noch gesungen werden? Auf keinen Fall, wenn sie nationalistisches Gedankengut beinhalten. Das Meinberg-Lied ist zwar harmlos, doch vertrat der Mensch Weweler öffentlich eine bestimmte Ideologie, die nicht akzeptabel ist. Die Idee, ein Werk von ihm abzudrucken, ohne auf seine Vergangenheit hinzuweisen, ist instinktlos.

cgroene@lz.de

_______________________________________________


Lippische Landes-Zeitung, 24.04.2001:

Plakatieren verboten / Stadt sieht Straftatbestand

Horn-Bad Meinberg (upf). "Ein Täter lebt in Horn" lautet die Überschrift des Plakats, mit dem die AG Fossoli für ihre Veranstaltung über Karl Friedrich Titho werben will. Nicht jedoch in Horn: Das Ordnungsamt der Stadt hat die Plakatierung untersagt. Wegen der Verwendung des Begriffs "Täter".

"Wir wollen nicht die Plakatierung untersagen, sondern nicht Beihilfe zu einer Straftat leisten", erklärte Bürgermeister Eberhard Block gegenüber der LZ, "es gibt keine exakte Verbindung zwischen dem Begriff "Täter" und Fossoli". Die jedoch wird nach Blocks Ansicht auf dem Plakat hergestellt - da Titho aber wegen seiner Tätigkeit als Lagerleiter in Italien weder angeklagt noch verurteilt sei, kann er nach Blocks Ansicht in diesem Zusammenhang nicht als Täter bezeichnet werden. Die Veranstaltung in der Burgscheune wird nach Worten des Bürgermeisters nicht tangiert: "Wir haben keinerlei Anhaltspunkte, dass es dort zu Straftaten kommen könnte."

Die AG Fossoli will sich mit dem Verbot nicht so ohne weiteres abfinden.

Rechtsanwalt Günter Meyners: "Ich wüsste nicht, unter welchen Gesichtspunkten es strafbar sein sollte, Herrn Titho als Täter zu bezeichnen. Er ist in Holland verurteilt worden und an den Vorfällen in Fossoli beteiligt gewesen."

Ob tatsächlich eine Vorstrafe Tithos in den Niederlanden wegen Misshandlung von Gefangenen und der Beteiligung an einer Gefangenenerschießung vorliegt, wird nach Informationen der LZ gerade von der Staatsanwaltschaft Detmold überprüft. Tithos Rechtsanwalt Arndt Kuhlmann erklärte auf Anfrage, ihm sei hiervon nichts bekannt. Titho selbst erklärte bereits vor einiger Zeit: "Ich habe nie einen Gefangenen getötet und nie jemanden befohlen, einen Gefangenen zu töten."

Dass Karl Friedrich Titho "ein Täter" ist, steht für die bündnisgrüne Bundestagsabgeordnete Annelie Buntenbach aus Bielefeld, die die AG Fossoli unterstützt, außer Frage: "Es ist zwar gerichtlich strittig, was er in Fossoli gemacht hat, aber der Begriff Täter zieht sich durch seine gesamte Biografie." Das Plakatierungsverbot nennt Buntenbach "juristische Trickserei" - die Stadt täte gut daran, sich in die Diskussion auf politisch-ethischer Ebene einzumischen. "So leistet die Stadt Beihilfe zur Fortsetzung des unwürdigen Umgangs mit der NS-Vergangenheit", meint Buntenbach.


zurück