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Blick nach Rechts , 17.10.2017 :

Unverbesserliche Holocaust-Leugnerin

Von Julian Feldmann

Zu sechs Monaten Haft ohne Bewährung hat das Amtsgericht Berlin-Tiergarten die Rechtsextremistin Ursula Haverbeck-Wetzel (Jg. 1928) wegen Volksverhetzung verurteilt.

In einer Verhandlungspause platzt es wieder aus ihr heraus: In Auschwitz hätten "keine Vergasungen stattgefunden", sagt Ursula Haverbeck-Wetzel einem Fernsehreporter, "Sie brauchen doch nur die Literatur zu lesen", schiebt sie hinterher. Kurz zuvor sagte die 88-Jährige noch im Gerichtssaal, dass sie den Holocaust gar nicht leugnen würde, sondern nur Fragen stelle.

Vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten ging es am Montag um einen Vortrag von Haverbeck-Wetzel bei einer Veranstaltung des "Hoffmann-von-Fallersleben-Kreises" in Berlin-Lichtenrade am 30. Januar 2016. Vor rund 80 Neonazis hatte die glühende Antisemitin Juden als "Antivolk" bezeichnet. Im Zentrum hatte jedoch ihr Lieblingsthema gestanden: Das Leugnen von nationalsozialistischen Verbrechen. Dass Auschwitz ein Vernichtungslager war, bestritt Haverbeck-Wetzel, es seien dort "keine Millionen und auch keine Hunderttausenden" umgebracht worden. An den Gaskammern sei "nichts echt", behauptete die greise Volksverhetzerin.

Als vermeintliche "Zeugen" für ihre den Holocaust leugnenden Aussagen führte Haverbeck-Wetzel dort vor allem jüdisch-stämmige Geschichtsrevisionisten an. So zitierte sie die in der rechtsextremen Szene als "Alibijuden" beliebten Holocaust-Leugner Gerard Menuhin und Gilad Atzmon. Aber auch den rechtsextremen Antisemiten Horst Mahler führte sie an. Die "einzig mögliche Schlussfolgerung" von Haverbeck-Wetzel sei: "Den Holocaust hat es nicht gegeben." Ein Video mit dieser Aussage hatte das ARD-Magazin "Panorama" veröffentlicht.

Sechs Urteile wegen Volksverhetzung seit November 2015

Polizei und Verfassungsschutz hatten von der Veranstaltung des "Hoffmann-von-Fallersleben-Kreises" in einer Gaststätte nichts mitbekommen. Dem Berliner Verfassungsschutz war der "Hoffmann-von-Fallersleben-Kreis", der regelmäßig Veranstaltungen organisieren soll, zudem gänzlich unbekannt. Bei dem "Kreis" handelt es sich offenbar um eine Nachfolgeorganisation des NPD-nahen "Hoffmann-von-Fallersleben-Bildungswerks".

Neben Haverbeck-Wetzel war der ehemalige Chef der NPD Oberbayern, Roland Wuttke, als Referent aufgetreten. Dirk Reinecke trat bei der Versammlung im Januar 2016 als Veranstalter auf. Als Mitorganisator wurde der NPD-Bundestagskandidat Richard Miosga genannt - der letzte Vorsitzende des inzwischen aufgelösten "Fallersleben-Bildungswerks".

Seit November 2015 kassierte Haverbeck-Wetzel sechs Urteile wegen Volksverhetzung - allesamt zu Freiheitsstrafen ohne Bewährung, die jedoch bislang nicht rechtskräftig sind. In den Jahren zuvor war sie bereits wegen Volksverhetzung und Beleidigung zu Geld- und einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Zuletzt hatte das Landgericht im niedersächsischen Verden der notorischen Volksverhetzerin im August eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auferlegt.

Gegen Haverbeck-Wetzel laufen derzeit noch weitere Verfahren. So hat die Staatsanwaltschaft München II Anklage gegen sie und weitere Rechtsextremisten wegen Volksverhetzung erhoben.

Bildunterschrift: Inzwischen sechs Urteile wegen Volksverhetzung kassiert: Ursula Haverbeck-Wetzel.


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