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Neue Westfälische - Lübbecke (Altkreis) , 17.05.2017 :

Platz am Rathaus soll an Synagoge erinnern

Kulturausschuss: Politiker beraten über Antrag auf Umbenennung des Parkplatzes

Rahden (-sl-). Der Parkplatz neben dem Rathaus soll in Zukunft den Namen "Platz der Synagoge" tragen. Einen entsprechenden Antrag hat der Arbeitskreis "Jüdisches Leben in Rahden" bei der Stadtverwaltung eingereicht. Über diesen Antrag berät am kommenden Mittwoch, 24. Mai, der Ausschuss für Soziales, Kultur und Tourismus. In Lübbecke gibt es bereits seit vielen Jahren den "Platz der Synagoge".

Einen gleichlautenden Antrag wie nun durch den Arbeitskreis hatte Stadtheimatpfleger Claus-Dieter Brüning bereits im Jahr 2011 anlässlich des 160. Jahrestags der Grundsteinlegung der Rahdener Synagoge an der Langen Straße gestellt.

Seinerzeit wurde ein Arbeitskreis gebildet, der sich damit befasste, den Platz der 1938 von den Nazis niedergebrannten Synagoge optisch ansprechendere zu gestalten. Damals wurden bekanntlich Ecksteine in den Boden des Parkplatzes eingelassen, die die vier Ecken des jüdischen Gotteshauses kenntlich machen sollen.

Von der Namensgebung "Platz der Synagoge" war damals mit Hinweis auf die anstehende Umgestaltung von Rathaus und Außenanlagen abgesehen worden.

Durch die Stadtführungen, die am Gedenkstein für die Synagoge beginnen und enden, und durch Veranstaltungen des Arbeitskreises habe der Platz an Bedeutung gewonnen, heißt es in den Vorlagen für den Ausschuss. Die offizielle Benennung "Platz der Synagoge" würde den "offenen Umgang Rahdens mit seiner Geschichte weiter verdeutlichen", heißt es.

Dem Fachausschuss schlägt die Verwaltung vor, den Antrag zur Kenntnis zu nehmen. In den Fraktionen sollte dann beraten und im Rat am 13. Juli entschieden werden.

Diskutiert wird unter anderem während der Sitzung auch über einen neuen Flyer für die Rundwanderwege am Museumshof. Der neue Flyer war bereits im vorigen Ausschuss angekündigt worden. Nun soll über die Umsetzung entschieden werden.

Bildunterschrift: Seltene Ansicht: Diese Aufnahme an der Langen Straße entstand im späten 19. Jahrhundert. Eine Gruppe von Bürgern steht an einem Fachwerkhaus, das von der Amtsverwaltung genutzt wurde und Ende des 19. Jahrhunderts dem heutigen Rathaus wich. Im Hintergrund ist die 1852 gebaute Synagoge zu sehen, die im November 1938 von den Nazis niedergebrannt wurde.

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Stadt Rahden - Der Bürgermeister, 09.05.2017:

Mitteilungsvorlage - Drucksachen Nr.: 66/2017

Beratungsfolge:

Ausschuss für Soziales, Kultur und Tourismus: 24.05.2017

Rat: 13.07.2017

Betreff:

Antrag des Arbeitskreises "Jüdisches Leben in Rahden" auf Benennung des Parkplatzes neben dem Rathaus als "Platz der Synagoge"

Beschlussvorschlag:

Ohne

Sachdarstellung:

Der Arbeitskreis "Jüdisches Leben in Rahden" beantragt die Benennung des Parkplatzes neben dem Rathaus in "Platz der Synagoge". Bereits im Jahr 2011 wurde ein gleichlautender Antrag im Rahmen des 160. Jahrestages der Grundsteinlegung zum Bau der Synagoge vom Rahdener Ortsheimatpfleger Claus-Dieter Brüning gestellt. Seinerzeit wurde durch einen Beschluss des Ausschusses für Soziales, Sport, Kultur und Tourismus ein Arbeitskreis gegründet, der damit beauftragt wurde, den Platz direkt um den Gedenkstein optisch aufzuwerten und würdevoller zu gestalten. Die Grundrisse der einstigen Synagoge wurden durch Kopfsteine optisch sichtbar gemacht. Von einer Benennung als "Platz der Synagoge" wurde auf Grund der bevorstehenden Umbauarbeiten im Rathaus sowie der damit verbundenen Neugestaltung der Außenanlagen zunächst abgesehen.

Wie im Antrag des Arbeitskreises angegeben, hat der Platz durch die mittlerweile regelmäßig stattfindenden Stadtführungen, die an dem Gedenkstein beginnen und enden sowie weitere Veranstaltungen des Arbeitskreises immer weiter an Bedeutung gewonnen. Die offizielle Benennung als "Platz der Synagoge" würde den offenen Umgang Rahdens mit seiner Geschichte weiter verdeutlichen.

Der Ausschuss nimmt den Antrag zur Kenntnis. Nach Beratung in den Fraktionen sollte der Rat in seiner nächsten Sitzung über den Antrag abschließend entscheiden.

Anlage:

Antrag des Arbeitskreises "Jüdisches Leben in Rahden"

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Arbeitskreis "Jüdisches Leben in Rahden", 04.05.2017:

Herrn
Bürgermeister
Dr. Bert Honsel
Lange Straße 9
32369 Rahden

Antrag auf Benennung des Parkplatzes neben dem Rathaus als "Platz der Synagoge"

Sehr geehrter Herr Dr. Honsel,

der Arbeitskreis "Jüdisches Leben in Rahden" beantragt hiermit, dass der Parkplatz neben dem Rathaus (wo dort einstmals die Synagoge stand) offiziell als "Platz der Synagoge" benannt wird.

Vom 10. September 1852 bis zum 10. November 1938 stand die Rahdener Synagoge unmittelbar neben dem Rathaus.

Die Grundrisse der einstigen Synagoge werden jetzt herausgepflastert und geben diesem Platz neben dem Obelisken und der Infotafel eine ganz besondere Bedeutung. Die meisten Stadtführungen beginnen und enden in der Regel auf dem "Platz der Synagoge". Die bisherigen Veranstaltungen des Arbeitskreises "Jüdisches Leben in Rahden" fanden auch über die Stadtgrenzen hinaus größere Beachtung und belegen den offenen Umgang Rahdens mit seiner Geschichte.

An dieser Stelle bedanken wir uns bei Ihnen, dem Stadtrat und der Verwaltung für die bisherige Unterstützung unserer Arbeit und würden uns freuen, wenn Fachausschuss und Rat unserem Antrag entsprechen könnten.

Mit freundlichem Gruß

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Neue Westfälische 13 - Lübbecke (Altkreis), 05.10.2011:

Gedenkstein am Ort der Eingangstür aufstellen

Rahden (nw). Ortsheimatpfleger Claus-Dieter Brüning regt an, den Platz zwischen dem Rathaus und Rehmann "Platz der Synagoge" zu nennen. Hier stand einst die Rahdener Synagoge. Dazu nimmt ein Leser Stellung.

Es ist eine gute Idee, wenn der Ortsheimatpfleger, Herr Brüning, die Wiederkehr des Tages der Grundsteinlegung der Synagoge zum Anlass nimmt, an das Schicksal der Juden in Rahden zu erinnern. Bislang gilt nämlich wie berichtet: "1980 wurde am äußeren Rand des Parkplatzes ein Gedenkstein errichtet."

Diese Anordnung ist eine symbolische Aussage: "Diese Synagoge ist auch angesteckt worden, wir wollen wohl daran erinnert werden, aber bitte nur ganz am Rande."

Ich schlage deshalb vor, den Gedenkstein dort aufzustellen, wo einmal die Eingangstür der Synagoge war. Dann wird auch wahr, was auf dem Gedenkstein steht. "Hier stand von 1852 bis 1938 die Rahdener Synagoge."

Wilfried Focken
Rahden


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