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Zeitung für den Altkreis Lübbecke / Neue Westfälische ,
09.03.2010 :
Grausame Folgen für Opfer / Historiker spricht über NS-Gefangenenlager in OWL
Hüllhorst (nw). Über den "Strafvollzug im Nationalsozialismus" hat Dr. Jörg van Norden von der Universität Bielefeld jetzt im Heimatmuseum Hüllhorst berichtet. In Ostwestfalen nutzten die Nationalsozialisten das Gefangenenlager Oberems bei Gütersloh und seine elf Außenstellen.
Seine Ausführungen verdeutlichten die erschreckende Willkür der NS-Justiz und die grausamen Folgen für die Opfer. Schon weniger schwere Delikte wie kritische Äußerungen zum NS-Staat, Sabotage, Beihilfe zur Entfernung von der Truppe oder das Entwenden von Zigaretten aus einem Feldpostbrief konnten Menschen im Dritten Reich zum Verhängnis werden.
Bereits 1933 richteten die Nationalsozialisten Sondergerichte ein, die in Schnellverfahren ohne Widerspruchsmöglichkeit missliebige Personen und Regimekritiker zu Gefängnisstrafen unter zum Teil katastrophalen Bedingungen verurteilten. Die Verpflegung der Gefangenen entsprach den Verhältnissen in den Konzentrationslagern. Nach Kriegsbeginn explodierte die Zahl der Sondergerichte und der Häftlinge im Lager Oberems.
Die immer häufiger als Wachpersonal eingesetzten SS- und SA-Leuten schufen eine brutale Atmosphäre. Das Verprügeln von Häftlingen, die die SS auch als Arbeitskräfte an die Rüstungsindustrie vermittelte, war an der Tagesordnung.
Ein Inhaftierter war wegen Diebstahls von Zigaretten aus einem Feldpostbrief zu zwei Jahren Zuchthaus im Gefangenenlager Oberems verurteilt worden. Er meldete sich wegen der Haftbedingungen freiwillig für den Einsatz in einem Strafbataillon – und starb an der Front. Van Norden verwies zudem auf die fortdauernde Verharmlosung der NS-Verbrechen. Das in der Zeit des Nationalsozialismus verübte Unrecht solle offen aufgearbeitet werden.
lok-red.luebbecke@neue-westfaelische.de
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