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Bielefelder Tageblatt (MW) / Neue Westfälische , 14.08.2006 :

Drei Demonstrationen, ein Thema / Die Menschen gingen auf die Straße: Für Israel, gegen Israel und für den Frieden

Bielefeld (Gün). Eigentlich war das Thema der Demonstrationen das gleiche: Der Krieg im Nahen Osten. Aber die Haltung dazu unterschied sich in den drei Gruppen wesentlich oder zumindest in Nuancen.

Um 11 Uhr trafen sich zehn bis zwölf junge Leute vor der Buchhandlung Boulevard in der Bahnhofstraße. Auf einem großen Spruchband stand ein Satz des ehemaligen Präsidenten des Zentralrates der Juden, Paul Spiegel: "Hinter dem Ruf nach Frieden verschanzen sich die Mörder." Andreas Niemann, Sprecher der Gruppe, die keinen Namen hat: "Legt die Hisbollah die Waffen weg, dann gibt es Frieden, legt Israel die Waffen weg, dann gibt es kein Israel mehr." Die Gruppe wandte sich gegen einen falschen Frieden, der Israel von der Landkarte tilgt.

Das Wort vom "falschen Kriegen" nahm Winfied Engl, Sprecher des Bielefelder Friedennetzwerks, auf der zweiten Demonstration um 14 Uhr am Bielefelder Hauptbahnhof auf. Engl: "Der Frieden hat keine Eigenschaftsworte. Es gibt keinen richtigen und keinen falschen Frieden. Es gibt nur Frieden und den fordern wir. Und zwar sofort." Die rund 30 Friedensnetzwerker bliesen Heliumballons auf. Motto: "Ballons statt Bomben. Wider die Logik von Rache und Vergeltung."

Die Demonstranten forderten einen sofortigen Waffenstillstand in Libanon, Israel und Palästina. Außerdem sollen alle Waffenlieferungen in Kriegsgebiete eingestellt werden und den Flüchtlingen eine humanitäre Hilfe geboten werden. Engl lobte die französische Seite, die die Amerikaner am Wochenende dazu gebracht hätten, die UNO-Resolution mit zu verabschieden. Man müsse sich jedoch darüber im Klaren sein, dass diese Resolution allein bei den Kriegshandlungen noch gar nichts bewirke.

Die dritte Demonstrationsgruppe vermischte sich um 15 Uhr vor dem Bahnhof mit der zweiten. Hier hatten die Muslimischen Gemeinden in Bielefeld zur Demonstration mit Kundgebung aufgerufen. Nach Polizeiangaben nahmen rund 1.000 Demonstranten an dem Aufzug durch die Innenstadt und der anschließenden Kundgebung teil. Die Polizei: "Völlig störungsfrei und friedlich."

Die Demonstranten forderten "Stoppt den Krieg im Libanon" und "Frieden für den Nahen Osten". Existenzrecht bedeute nicht Tötungs- und Vernichtungsrecht. Die deutsche Regierung unterstütze Israel mit Waffenexporten.


lok-red.bielefeld@neue-westfaelische.de

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