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27.10.1999,18.30 Uhr: Demonstration und Kundgebung ,
26.10.1999 :
Aufruf zur Protestveranstaltung / Gegen die faschistischen Umtriebe im Burschenschaftshaus an der Schloßhofstraße
Die Burschenschaft Normannia-Nibelungen zu Bielefeld ist eine
so genannte "schlagende Verbindung". Wer dazugehören will, muss seine "Wehrhaftigkeit" bei mindestens zwei Fechtpartien beweisen, männlich, trinkfest und "deutscher Volkszugehörigkeit" sein. Derlei Rituale des Männerbundes gehören nicht der Vergangenheit an, sondern werden von der selbsternannten Elite auch heute noch durchgeführt. Zum Beispiel im Haus der Normannia-Nibelungen in der Schloßhofstraße 96. Bedrohlicher als derlei Dummheiten ist
jedoch, dass sich das Burschenschaftshaus zu einem Knotenpunkt der rechtsextremen Szene in Bielefeld entwickelt. "Neue Rechte", "Republikaner" und militante Neonazis geben sich in der Schloßhofstraße die Klinke in die Hand.
Burschen, Nazis, "Neue Rechte"
Im Mai dieses Jahres veranstaltete die Burschenschaft eine
Vortragsveranstaltung mit Horst Mahler. Der ehemalige RAF-
Mitbegründer vertritt heute seine völkisch-nationalistischen
Thesen auf Parteitagen der NPD oder vor militanten Neonazis.
Mahlers Warnungen vor der "Überfremdung" lauschte ein Publikum von rund 80 Personen, neben den Burschenschaftlern auch Glatzköpfe mit Springerstiefeln. Den Büchertisch betrieb der stadtbekannte Neonazi Meinhard Otto Elbing. Neben einschlägigen Zeitschriften bot er auch die "Schwarze Fahne", das Organ der NPD-Jugend, an. Schon zur vorhergehenden Vortragsveranstaltung im April dieses Jahres hatte die Burschenschaft das ehemalige
Bundesvorstandmitglied der "Republikaner" Klaus Weinschenk
eingeladen. Wegweisender Titel des Referats: "Sind die Deutschen noch zu retten".
Die Vermutung, dass man bei der Normannia-Nibelungen vielleicht nicht gewusst habe, wen man eingeladen hat, ist gänzlich unbegründet, denn die Akteure kennen sich in der rechtsextremen Szene bestens aus. Der derzeitige Sprecher der aktiven Burschen, Marc Strothe, wurde als Mitglied der mittlerweile verbotenen "Nationalistischen Front" (NF) geführt. Zwischenzeitlich war er Chef der "Jungen Landsmannschaft Ostpreußen" (JLO) in Ostwestfalen. In den rassistischen und großdeutschen Vorstellungen dieser Gruppierung von Nachwuchsvertrieben sah auch der Verfassungsschutz "Anhaltspunkte" für verfassungsfeindliche
Bestrebungen. Auf den Veranstaltungen der JLO in den Räumen der "ostdeutschen Landsmannschaften" am Kesselbrink trafen ebenfalls eine Reihe bekannter Neonazis aus Bielefeld zusammen.
Großdeutsch und rassistisch
Zusammen mit dem ehemaligen Sprecher der Burschenschaft,
Christoph Amendt, und Björn Hauptfleisch, einem Autor in der
Wochenzeitung "Junge Freiheit", die dem "intellektuellen
Rechtsextremismus" zugeordnet wird, gehört Strothe zu den
Gründungsmitgliedern der "Initiative Hochschulrecht". Die kleine Gruppe rechter Studenten hat in Bielefeld eine Initiative des Hochschulverbandes der "Republikaner" aufgegriffen und versucht, durch Klagen die Arbeit des Allgemeinen Studentenausschusses der Universität zu behindern und ihren Einfluß einzuschränken.
Auch überregional hat sich die Normannia-Nibelungen eindeutig verortet. Sie ist Mitglied des Dachverbandes "Deutschen Burschenschaft", die von der rechtsextremen "Burschenschaftlichen Gemeinschaft" stark beeinflusst wird. 1996 kam es zum Austritt der
gemäßigten konservativen Verbände aus der "Deutschen
Burschenschaft". Zu den Gruppen, die in dem stark rechtsextrem beeinflußten Dachverband verblieben gehörte auch die "Normannia-Nibelungen". Sie vertritt u.a. die Vorstellung eines großdeutschen Reiches. Auf der Internetseite verbreiten die Bielefelder Burschen alle drei Strophen des Deutschlandliedes: "Von der Maas bis an die Memel/ Von der Etsch bis an den Belt".
Am 27. Oktober 1999 soll nun die nächste Vortragsveranstaltung im Burschenschaftshaus an der Schloßhofstraße stattfinden. Referent ist diesmal der Chefredakteur des rechtslastigen "Westfalen-Blattes", Rolf Dressler. Dresslers Kommentare über ausländische
Menschen erinnern an die Hetzschriften der Rechtsextremen.
Mehrfach mußte das "Westfalen-Blatt" Rügen des Presserates
einstecken. Demnach wurden in dem Blatt falsche Tatsachen
behauptet und ausländische Menschen diskriminiert. Nach einer Rüge wegen "pauschaler Verunglimpfung von Volksgruppen" 1993 war der Verleger Busse aus dem Presserat, einem Organ der freiwilligen Selbstkontrolle der Presse, ausgetreten. Berührungsängste zur rechtsextremen Szene bestehen beim Chefredakteur des "Westfalen-Blattes" scheinbar nicht. Schon nach dem Mahler Vortrag berichtete die Bielefelder Presse über das Burschenschattshaus. Erst vor wenigen Wochen, so ließ sich dem Organ von Alfred Mechtersheimers rechtsextremen "Deutschland-
Bewegung" entnehmen, trat Dressler zusammen mit Rechtsextremen in Bad Pyrmont auf. Für eine Veranstaltung zur Medienpolitik war er zusammen mit dem Chefredakteur der "Jungen Freiheit", Dieter Stein, und Reinhard Uhle-Wetter, einem rechtsgewendeten ehemaligen General, angekündigt.
Wir wollen nicht tatenlos zusehen, wie an der Schloßhofstraße ein neues Neonazizentrum entsteht. Akteure wie Meinhard Otto Elbing oder Marc Strothe haben in der Vergangenheit gezeigt, daß sie bereit sind, ihre rassistischen und nationalistischen Vorstellungen auch in gewalttätigen Organisationen durchzusetzen.
Demonstration am 27. Oktober 1999 - Beginn 18.30 Uhr auf dem Siegfriedplatz in Bielefeld - Protestveranstaltung vor dem Haus Schloßhofstraße 96 um 19.30 Uhr
(Nachtrag: Offenbar hat Dressler den Vortrag abgesagt. Die Demo findet aber trotzdem statt.)
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