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Schaumburger Zeitung , 11.11.2005 :

NS-Schmierereien - "eine neue Dimension" / Bauhof entdeckt Hakenkreuze und NS-Runen auf jüdischen Gräbern / Stammen Täter aus dem Auetal?

Auetal (crs). Im Morgengrauen hat ein Bauhof-Mitarbeiter gestern früh die Schmierereien entdeckt: Auf dem jüdischen Friedhof in Hattendorf sind Grabsteine mit NS-Symbolen geschändet worden. Unbekannte Täter haben mit schwarzer Farbe Hakenkreuze und NS-Runen auf die Steine der Gedenkstätte gesprüht. Als eine für das Auetal "neue Dimension" bewerten Staatsschutz-Experten diese Taten mit rechtsradikalem Hintergrund - und: Mit großer Wahrscheinlichkeit stammen die Täter aus dem Auetal.

Die NS-Symbole sind dem Bauhof nicht rein zufällig aufgefallen. Nachdem in den vergangenen Tagen im gesamten Auetal wiederholt Schmierereien mit rechtsradikalem Hintergrund entdeckt worden waren (wir berichteten), hat die Gemeindeverwaltung den Bauhof-Trupp auf Rundtour geschickt. "Wir wollten sichergehen, dass nichts unentdeckt bleiben", sagt Bürgermeisterin Ursula Sapia.

Die verunstalteten Gräber von Hattendorf sehen Staatsschutz-Experten der Polizei in einem Zusammenhang mit den bereits zuvor entdeckten NS-Schmierereien am russischen Gedenkfriedhof in Rehren und an Bushaltestellen und Hinweistafeln in Escher, Borstel und Rolfshagen. Von einer fürs Auetal untypischen "neuen Dimension" spricht Uwe Baum, Leiter der Staatsschutz-Abteilung der Polizei: "Rechtsextreme Straftaten in dieser Häufung hat es hier bislang nicht gegeben." Baums Einschätzung zufolge dürfte die Tatzeit mit Bedacht gewählt sein: Ein Zusammenhang mit der "Reichskristallnacht" am 9. November und dem in der rechten Szene als "Heldengedenktag" titulierten Volkstrauertag am Sonntag sei nicht von der Hand zu weisen.

Trotzdem vermutet Baum, dass sämtliche Taten bereits vor einigen Tagen begangen wurden. Zeugenaussagen lassen den Tatzeitpunkt für den russischen Friedhof in Rehren von Sonntag, 30. Oktober, bis Dienstag, 1. November, eingrenzen - "und alle Taten tragen die gleiche Handschrift", geht Baum von einer zusammenhängend verübten Straftat aus. Und das, obwohl die Schmierereien in Hattendorf erst gestern entdeckt wurden. "Der Ort liegt sehr abgeschieden", erläutert Baum, "es ist gut möglich, dass die Taten über mehrere Tage unbemerkt blieben." Eben wegen dieser Abgelegenheit der Stätten vermutet Baum die Urheber im Auetal: "Auf Grund der Ortskenntnis gehen wir von örtlichen Tätern aus."

Die Reaktionen im Auetal sind bestürzt. Bürgermeisterin Ursula Sapia zeigt sich sehr betroffen über die Schmierereien: "Fast flächendeckend im gesamten Auetal - da fühlt man sich unwohl, als Auetalerin schäme ich mich für diese Vorfälle." Sie teilt die Einschätzung des Staatsschutzes, dass die Urheber der Schmierereien mitgroßer Wahrscheinlichkeit aus dem Auetal stammen: "Das muss eigentlich jemand gewesen sein, der sich hier auskennt." Zur Ergreifung der Täter hat die Verwaltung eine Belohnung von 200 Euro ausgesetzt.

Die Spuren der Straftat werden schon bald getilgt sein. Nachdem Bauhof-Mitarbeiter Schwierigkeiten hatten, die hartnäckige Farbe ganz von den Grabsteinen zu entfernen, ist seit gestern eine Spezialfirma mit der Reinigung beauftragt.

Für den wahrscheinlichen Tatzeitraum von Sonntag, 30. Oktober, bis Dienstag, 1. November, erbittet die Polizei Hinweise an die Polizeistation in Rehren, (05752) 1290, oder direkt an den Staatsschutz in Nienburg, (05021) 9778-111.


sz@schaumburger-zeitung.de

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