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Gütersloher Zeitung / Neue Westfälische ,
19.01.2006 :
Fall bleibt hoffentlich eine Ausnahme / Flüchtlingsrat Gütersloh ist empört
Rietberg. Im Fall der dramatischen Abschiebung der fünfköpfigen Familie D. in ihre Heimat Georgien meldete sich gestern auch der Flüchtlingsrat Gütersloh zu Wort und verurteilte das Verhalten des Ausländeramtes des Kreises Gütersloh.
In dem Papier des Flüchtlingsrates heißt es: "Was für ein Aufwand wurde hier getrieben – man darf vermuten, dass man nicht angreifbar sein möchte angesichts der ungeheuerlichen Umstände: Diese Familie lebte hier seit mehr als zehn Jahren, die Kinder sind hier groß geworden, die Eltern durch die Erlebnisse in der früheren Heimat traumatisiert. Und da müssen natürlich auch die Kinder durch unsere Polizei traumatisiert werden, damit sie es auf gar keinen Fall besser haben als ihre yezidischen Eltern früher in Georgien.
Wir hatten so sehr darauf gehofft, dass Familien, die schon so lange hier leben, von der Innenministerkonferenz ein endgültiges Bleiberecht bekämen. Die Innenminister hatten im Dezember kein menschliches Einsehen, sondern wollen nochmal prüfen, was natürlich seine Zeit dauert und im Grunde feige ist. In der Zwischenzeit geschehen dann die grausamsten Dinge. Wer noch irgendein menschliches Gefühl hat, muss sich empören angesichts der Verhältnisse, die zu dieser Art von Rückführung geführt haben.
Im Einzelnen: Alle Familienangehörigen, auch die Kinder, befanden sich wegen schwerster Belastungsstörungen in psychiatrischer Behandlung. Es ist zu bezweifeln, dass es in Georgien für die Minderheit der Volksgruppe der Yeziden, adäquate medizinische Versorgung gibt, ganz zu schweigen von Psychotherapie für Kinder.
Der Familienvater drohte im Fall der Abschiebung mit erweitertem Suizid. Sollte die Sorge um die Gefährdung von Frau und Kindern seitens der Behörden ernst gemeint gewesen sein, so hätte der Familienvater in Abschiebehaft genommen werden können.
Den Kindern und ihrer Mutter wäre dann eine geregelte gemeinsame Ausreise zu ermöglichen gewesen. Sippenhaft gibt es in der BRD nicht – oder? Die Kinder werden Bilder von vermummten SEK-Beamten als Erinnerung an Deutschland behalten. Hoffen wir, dass ihnen eine Traumatisierung durch dieses einschneidende Erlebnis erspart bleibt.
Wir bedauern den Umgang der ZAB-Bielefeld, des Ausländeramtes des Kreises Gütersloh und des SEK-Bielefeld mit der betroffenen Familie. Wir erwarten eine angemessene menschliche Behandlung von abzuschiebenden Flüchtlingen, vor allem wenn Frauen und Kinder betroffen sind und hoffen, dass dieser Fall eine Ausnahme war, ist und bleiben wird."
lok-red.guetersloh@neue-westfaelische.de
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