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Paderborner Kreiszeitung / Neue Westfälische , 18.01.2006 :

(Altenbeken) Mit "Stolpersteinen" die Erinnerung wieder in unseren Alltag holen / Betrifft: Leserbrief "Der Opfer muss gedacht werden" in der NW-Ausgabe vom 12. Januar

Bereits in meinem am 27. Dezember 2005 veröffentlichten Leserbrief zum Bericht vom 21. Dezember 2005 "Erinnerung an den Holocaust – Gedenktafel soll an das Schicksal der Familie Ikenberg erinnern" hatte ich mich dafür eingesetzt, statt der angedachten Tafel mittels Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig der ermordeten Mitglieder der jüdischen Familie Ikenberg zu gedenken.

Ich erneuere insbesondere im Hinblick auf die am 19. Januar anstehende Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses der Gemeinde Altenbeken meine Anregung und begründe diese wie folgt:

Auf dem Stolperstein bekommt das Opfer seinen Namen wieder, jedes Opfer erhält einen eigenen Stein. Seine Identität und sein Schicksal sind ablesbar. Durch die persönliche Erinnerung an den Menschen, vor dem Haus, in dem er bis zur Deportation gewohnt hat, wird das Nichtvergessen konkret in unseren Alltag geholt.

Gunter Demnig hatte zu Beginn seines Projektes in den 1990er Jahren die Vorstellung, dass die Steine durch das Begehen immer wieder blank poliert werden und damit die Erinnerung jedes Mal neu aufgefrischt wird. Die Erfahrung zeigte jedoch, dass in kleineren Straßen die Leute nicht so häufig auf die Stolpersteine treten. Womöglich taucht dabei der ungewollte Gedanke an einen kleinen Grabstein auf, zumal es für die meisten Opfer keine Grabsteine gibt. Wenn der Stein nicht oft begangen wird, beginnt das Metall zu oxydieren und es bildet sich eine erst bräunliche, dann fast schwarze Schutzschicht. Allerdings bleibt die Schrift trotzdem gut lesbar.

Wir alle kennen Denkmäler und Gedenktafeln für bekannte Persönlichkeiten, aber es ist ungewöhnlich, kleine Gedenksteine auf dem Pflaster vorzufinden, zu unseren Füßen, und ihre Entdeckung löst Irritationen aus. Plötzlich fühlt man sich in eine andere, vergangene Zeit versetzt, wird mit ihr konfrontiert. Die meisten Menschen blicken eher auf den Boden als an einer Hauswand empor, an der eine Tafel angebracht ist. Die Steine geraten so in den Blick der Vorübergehenden. Dazu kommt der Aspekt des Begehens und des Lesens. Die Irritation des Ungewohnten wird noch verstärkt.

Das Argument der Gegner der Stolpersteine, man trete auf einen Menschen herum, hat der Zentralrat der Juden in Deutschland dadurch restlos entkräftet, dass er im letzten Jahr Gunter Demnig mit dem "German Jewish History Award" ehrte. Diese Auszeichnung wird von der amerikanischen "Obermayer Foundation" für Nichtjuden gestiftet und im Berliner Abgeordnetenhaus übergeben.

Wenngleich ich den Inhalt meines Leserbriefes vom 27. Dezember ausschließlich als Privatperson verfasst habe, so stimme ich uneingeschränkt unserem Gemeindeheimatpfleger Rudolf Koch hinsichtlich seiner Bitte an alle Vereine zu, das Vorhaben – egal ob Stolpersteine oder Gedenktafel – zu unterstützen. Sobald die Planung abgeschlossen und terminiert ist, werde ich als 1. Vorsitzender des Gemeindesportverbandes Altenbeken an die Vorstände der Mitglieds-Sportvereine im Ortsteil Altenbeken appellieren, mit möglichst vielen Sportlerinnen und Sportlern, insbesondere mit Jugendlichen, an der Zeremonie zur Erinnerung der jüdischen Familie Ikenberg teilzunehmen.

Berichtigen muss ich Rudolf Koch dahingehend, dass Mitglieder des Gemeindesportverbandes, der Vereinigung der Sportvereine in der Gemeinde Altenbeken, nicht Personen, sondern zehn Sportvereine in den Ortsteilen der Gemeinde Altenbeken sind.

Derzeit sind mehr als 3.000 Menschen, also fast ein Drittel der Bevölkerung der Gemeinde Altenbeken, in Sportvereinen, die dem Landessportbund Nordrhein-Westfalen angehören, organisiert.

Hans-Josef Schäfers
33184 Altenbeken


lok-red.paderborn@neue-westfaelische.de

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