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Lippe aktuell , 18.01.2006 :

Gustav Glitt legt Buch "Stadtrundgang - Geschichte der Juden in Lage" vor / Spuren der Opfer im Stadtbild sichtbar

Lage (lam). Auf dem ersten Blick hat das Leben der ehemaligen jüdischen Mitbürger in der Stadt Lage keine Spuren hinterlassen. Lediglich der jüdische Friedhof an der Flurstraße und eine Gedenktafel an der Friedrichstraße erinnern offensichtlich an das vergangene Zusammenleben. "Tatsächlich existieren jedoch in unserer Stadt noch mehr Zeugnisse jüdischen Lebens", betont Stadtarchivarin Christina Pohl in ihrem Vorwort zu dem Buch "Stadtrundgang - Geschichte der Juden in Lage", verfasst von Gustav Glitt, das dieser jetzt gemeinsam mit Weggefährten im Vereinhaus des Heimatbundes Lage vorstellte.

"Die Zeugnisse jüdischen Lebens erschließen sich dem Betrachter aber nicht von selbst", so die Stadtarchivarin. "Neue Geschäfte oder Bewohner sind im Laufe der Zeit hier eingezogen und haben die Erinnerung verblassen lassen. Mit diesem Rundgang kehren die Menschen, die hier einst lebten, hier aber nicht weiterleben konnten, in die Geschichte unserer Stadt zurück. Er nennt ihre Namen, zeigt ihre Häuser, Wohnungen oder Geschäfte, entreißt sie von der Anonymität, gibt ihnen ein Gesicht."

Pastor Martin Hankemeier, der 23 Jahre lang als Gemeindepfarrer in Lage wirkte und seit langem das Leben und Schicksal der Lagenser Juden erforscht und dokumentiert, habe den eigentlichen Anstoß zur Erstellung des Buches gegeben, erläuterte Glitt. Seine Arbeiten seien eine wichtige Grundlage gewesen. Glitt dankte aber auch seiner Ehefrau Lilo und der Tochter Susanne Tepper für ihr Verständnis, denn während des Schreibens sei das Familienleben oftmals zu kurz gekommen. "Der Leistung Gustav Glitts gilt unsere Hochachtung", sagte Manfred Sieker, Vorsitzender des Ortsvereins Lage des Lippischen Heimatbundes. "Da steckt sehr viel mehr Arbeit drin, als man auf den ersten Blick vermutet." Christina Pohl: "Mit der Konzeption und Erarbeitung dieses historischen Stadtrundganges ist es Gustav Glitt gelungen, einen optisch ansprechenden und höchst informativen Beitrag zur Stadtgeschichte zu leisten. Viele Stunden intensiver und manchmal auch mühevoller Recherche waren notwendig, um dieses Buch zusammenzustellen. Das Ergebnis überzeugt, und ich wünsche uns, dass noch weitere Rundgänge - zu anderen Themen - folgen werden."

Der "Stadtrundgang mit jüdischer Geschichte" befasst sich an 20 Stationen mit den noch vorhandenen Gebäuden. Fotos zeigen aber nicht nur Wohn- und Arbeitsstätten, sondern auch Menschen, die hier gelebt haben und noch nicht vergessen sind.

Erstmalig werden die jüdische Schule und die Synagoge an der Friedrichstraße 22 mit Fotomontagen so gezeigt, wie sie ursprünglich - ohne Zerstörungs- und Abrissspuren - ausgesehen haben.

Ein gefalteter Übersichtsplan, gleichzeitig als Markierungshilfe gedacht, erleichtert das Auffinden der Stationen und bietet die Möglichkeit Abkürzungen zu nutzen. Die etwas außerhalb liegenden Stationen können auch sehr gut mit dem Fahrrad aufgesucht werden.

Im Anhang des Buches wird auch auf jüdisches Leben in den Ortsteilen hingewiesen. Aus Waddenhausen und Kachtenhausen ist der Zugriff auf jüdische Menschen durch den Naziterror überliefert. Außerdem zeigt Glitt in seinem Buch allgemeine Fakten über die Verfolgung der Juden bis zum Holocaust auf. Martin Hankemeier und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit setzen sich dafür ein, dass an die 21 bisher bekannten KZ-Opfer aus Lage mit einer Gedenktafel erinnert wird. Angedacht ist an eine Stele im Friedenspark. Es gibt auch Überlegungen, den Stadtrundgang mit aufrecht stehenden "Granitbordsteinen" auszugestalten. Diese Steine könnten Hinweise für Vorübergehende geben und bei Stadtrundgängen Anlaufpunkte markieren. "Die finanziellen Aufwendungen dafür halten sich durchaus im Rahmen des derzeit Möglichen", ist Gustav Glitt überzeugt.

Das in einer Auflage von 500 Stück erschienene 108-seitige Buch, das neben den Texten 120 Fotos enthält, können Interssierte zum Preis von 5 Euro in der Geschäftsstelle des Lagenser Heimatbundes ("Altes Gefängniss") am Plass erhalten. Geöffnet ist das Vereinshaus freitags von11.00 bis 12.00 Uhr.


la.redaktion@lippe-aktuell.de

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