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Gütersloher Zeitung / Neue Westfälische ,
18.01.2006 :
(Rietberg/Kreis Gütersloh) Kreis wehrt sich gegen Vorwürfe / Arzt des Familienvaters hält Abschiebung für inhuman
Rietberg-Neuenkirchen (raho). Nach der dramatischen Abschiebung der fünfköpfigen Familie D. in ihre Heimat Georgien spitzt sich der Konflikt zwischen dem behandelnden Arzt des Familienoberhauptes und dem Kreis Gütersloh zu. Während Dr. Wolf Müller, Chefarzt der psychiatrischen Tageskliniken Bünde und Herford, den Ausländerbehörden gestern inhumanes Vorgehen vorwarf, kündigte der Kreis rechtliche Schritte gegen den Mediziner wegen falscher Behauptungen an.
Es gebe diesbezüglich bereits Kontakte zum Arbeitgeber des Arztes, dem Kreis Herford, sagte Carola Adenauer, Sprecherin des Kreises Gütersloh, der NW. Der Arzt sei in der Vergangenheit bei anderen Abschiebefällen schon mehrfach in ähnlicher Weise aufgefallen.
Unter Berufung auf Aussagen der Ehefrau, die sich gestern bei ihm telefonisch aus Tiflis gemeldet habe, sagte Müller, die 35-Jährige sei beim Zugriff eines Sonderkommandos der Polizei am frühen Samstagmorgen (vgl. NW von gestern) in der Asylbewerber-Unterkunft an der Blütenstraße in Neuenkirchen verletzt worden. Unter anderem habe sie Prellungen des Brustkorbes erlitten. Außerdem seien ihr und ihrem Ehemann gegen ihren Willen Medikamente in den Arm gespritzt worden, so der Arzt, der den Familienvater, der drei Suizidversuche hinter sich habe, seit Jahren wegen schwerer posttraumatischer Belastungsstörungen behandelt.
Die Familie befinde sich "irgendwo in Tiflis" und habe große Angst, ihre Wohnung zu verlassen. Denn vor ihrer Flucht Mitte der 90er Jahre hätten georgische Sicherheitskräfte den Ehemann gefoltert, um Geld zu erpressen. Müller meinte zudem, eine angemessene medizinische Versorgung der Familie sei in Georgien nicht gewährleistet.
Als "glatte Lüge" bezeichnete die Kreissprecherin die Anschuldigungen hinsichtlich der Aktion am Samstag. Niemand aus der Familie sei gegen seinen Willen medizinisch behandelt worden. Der aufgebrachten Frau seien lediglich Medikamente zur Beruhigung angeboten worden, die sie abgelehnt habe.
Carola Adenauer betonte überdies, dass vier Ärzte und der Flughafenseelsorger am Frankfurter Flughafen die Reisefähigkeit der Familie attestiert hätten. "Wir haben uns in dieser Hinsicht doppelt und dreifach abgesichert, nicht zuletzt um allen Vorwürfen von vornherein aus dem Weg zu gehen."
"Familie hat Behandlung abgelehnt"
Vor diesem Hintergrund seien vom Kreis auch zwei Ärzte aus Georgien für die Begleitung der Familie auf dem Rückflug und die anschließende Betreuung in Tiflis engagiert worden.
Insofern sei die medizinische Versorgung der Familie in ihrer Heimat sehr wohl gewährleistet gewesen, sagte Adenauer und fügte hinzu, dass dies den Kreis auch noch einmal Geld gekostet hätte. "Wir können aber nichts dafür, dass die Familie nach ihrer Ankunft in Georgien eine Behandlung durch die beiden Ärzte abgelehnt hat."
lok-red.guetersloh@neue-westfaelische.de
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