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Gütersloher Zeitung / Neue Westfälische , 17.01.2006 :

Einsatzkommando sichert Abschiebung / Georgische Familie aus Rietberg nach Tiflis ausgeflogen

Von Rainer Holzkamp

Rietberg-Neuenkirchen. Unter dramatischen Umständen ist am vorigen Samstag eine fünfköpfige Familie aus Georgien in ihre Heimat abgeschoben worden. Um 7 Uhr morgens drangen vermummte Beamte eines Bielefelder Spezialeinsatzkommandos (SEK) in die Unterkunft am Blütenweg in Neuenkirchen ein und überwältigten das Ehepaar und die Kinder. Am Abend wurde die Familie nach Tiflis ausgeflogen.

Es handelt sich um streng gläubige Yeziden, die nach Angaben ihres Anwalts wegen der Zugehörige zu der kurdischen Minderheit in dem früheren Sowjetstaat verfolgt wurden. Die Familie war 1995 nach Deutschland gekommen. Ihre Asylanträge scheiterten. Das letzte Verfahren endete im Jahr 2000. Unlängst wurde ihnen auch die beantragte Aufenthaltsgenehmigung verwehrt. Ein Widerspruch gegen die Ablehnung läuft noch.

Mehreren Aufforderungen zur Ausreise sei die Familie nicht nachgekommen, sagte Kreissprecherin Carola Adenauer. Da der Vater für den Fall der Abschiebung mit "einem erweiterten Suizid" gedroht habe, sei "zum Schutz der Familie" das SEK eingeschaltet worden und der Zugriff ohne Vorwarnung erfolgt.

Vor allem die Ehefrau habe sich verbal massiv zur Wehr gesetzt, sagte Adenauer. Zugleich widersprach sie vehement Darstellungen, die 35-Jährige sei von den Polizeibeamten verletzt worden. Auch an der Behauptung, es sei versucht worden, der Frau gewaltsam Medikamente einzuflößen, sei nichts dran.

Laut Kreisverwaltung ist die Familie zunächst zur Zentralen Ausländerbehörde (ZAB) nach Bielefeld gebracht und dort medizinisch auf ihre Reisefähigkeit hin untersucht worden. Tags zuvor hatte der Kreis bereits zwei Ärzte aus Georgien einfliegen lassen, die die Familie gemeinsam mit drei ZAB-Mitarbeitern auf dem Rückflug von Frankfurt aus begleiteten und sie auch in Georgien weiter betreuen sollen.

Nach Angaben ihres Bielefelder Anwaltes Werner Robbers befinden sich alle Familienangehörigen, auch die Kinder im Alter zwischen 9 und 15 Jahren – seit Jahren wegen schwerster Belastungsstörungen in psychiatrischer Behandlung. Ursache seien teilweise die früheren Traumatisierungen in ihrer Heimat gewesen, außerdem die Angst vor der Abschiebung aus Deutschland. In Georgien könnten sie nicht adäquat behandelt werden.

Wie der Kreis mitteilte, wurde die Familie in Tiflis von Angehörigen der Frau in Empfang genommen. Alle fünf sollen bei der Familie der Schwester der Ehefrau untergekommen sein. Noch gestern war ein Mitarbeiter der ZAB vor Ort, um sich einen Überblick über die künftigen Lebensumstände der Familie und etwaige Bedrohungen zu verschaffen.


lok-red.guetersloh@neue-westfaelische.de

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