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Vlothoer Zeitung / Westfalen-Blatt , 14.01.2006 :

(Vlotho) Schulen und Vereine sollen mitmachen / "Stolpersteine": Vorbereitungskreis konstituiert sich am Mittwoch

Vlotho (VZ). Der Künstler Gunter Demnig wird am 10. März mit der Verlegung der "Stolpersteine" in Vlotho beginnen (die Vlothoer Zeitung berichtete). In die Wege geleitet und begleitet wird die Aktion von einem Vorbereitungskreis, der sich am 18. Januar erstmals trifft.

Seit mehr als 40 Jahren ist die Mendel-Grundmann-Gesellschaft bemüht, die Erinnerung an die Vlothoer Juden wachzuhalten. Dabei trägt sie auch neuen Formen des Gedenkens Rechnung.

So hat der Kölner Künstler Gunter Demnig vor einigen Jahren damit begonnen, Erinnerungssteine für Holocaustopfer, aber auch für andere politisch Verfolgte zu verlegen. Diese Steine sind aus Beton gegossen und tragen an der Oberseite eine 10 mal 10 Zentimeter große Messingtafel, auf der der Name und die Schicksalsdaten des Opfers eingestanzt sind. Die Steine werden eben zwischen die Pflastersteine verlegt. Der Künstler nennt sie "Stolpersteine".

Auch in Vlotho sollen nun diese Erinnerungssteine verlegt werden. Dabei gilt der Grundsatz, so Manfred Kluge, Pressesprecher der Mendel-Grundmann-Gesellschaft: "Für jedes Opfer verlegen wir einen Stein mit den jeweiligen Daten." In Vlotho sind 41 Steine zu verlegen. Die Steine sollen - soweit möglich - in unmittelbarer Nähe des Hauses bzw. der Wohnung des Opfers gesetzt werden.
Der Verein "Moral und Ethik" hat im mit der Stadt Vlotho einen so genannten "Gestattungsvertrag" geschlossen, der die Einbringung von Gedenksteinen dieser Art in öffentliche Gehwege genehmigt.

Die Mendel-Grundmann-Gesellschaft unterstützt das Projekt. Die Personen, die zuerst mit einem Stein bedacht werden sollen, werden vom Vorstand der Gesellschaft ausgesucht. Die Einweihung der Steine soll in feierlicher Form unter größtmöglicher Beteiligung der Öffentlichkeit geschehen. Bürgermeister Bernd Stute hat seine Teilnahme zugesagt.

Kluge: "Aber wir wollen auch Schulen und Vereine an der Aktion beteiligen. So können zum Beispiel Patenschaften für die Erinnerungssteine bestimmter Holocaustopfer übernommen werden."

Alle Steine sollen von privater Seite finanziert werden. Der Künstler berechnet für Herstellung und Verlegung eines Steins 95 Euro. Für die erste Aktion am 10. März werden die vorliegenden Stiftungen ausreichen, aber es sind ja 41 Steine zu setzen.

Um eine breite Beteiligung der Öffentlichkeit zu erreichen, lädt die Mendel-Grundmann-Gesellschaft zu einem Vorbereitungskreis "Stolpersteine" ein. Termin ist am Mittwoch, 18. Januar, 17 Uhr, im reformierte Gemeindehaus, Moltkestraße 2.

"Im Rahmen des Arbeitskreises wollen wir Ideen sammeln und Vorschläge entwickeln für eine würdige Übergabe der Steine an die Öffentlichkeit", so Kluge.

Ermutigt haben erste Reaktionen von der Seite der Betroffenen. So hat sich Betty Loeb, Witwe des Ehrenbürgers Stephen H. Loeb, sehr positiv geäußert. Inge Moss, Witwe des Papieringenieurs Herbert Moss (Mosheim), schreibt, sie sei sehr beeindruckt von dem Vorhaben. Vielleicht würden ihre Töchter bei der Verlegung der Mosheim-Steine anwesend sein.

Spenden für die "Stolpersteine" können auf das Moral und Ethik-Konto überwiesen werden: Sparkasse Herford (BLZ 494 501 20, Vereinskonto 2 50 61 48 23).

14./15.01.2006
redaktion@vlothoer-zeitung.de

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