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Herforder Kreisblatt / Westfalen-Blatt , 13.01.2006 :

Herford unter dem Hakenkreuz / Filmabend in der Gedenkstätte: Klaus Gosmanns Jugend-Erinnerungen

Herford (wst). "Wie jemand behaupten kann, er habe von der Grausamkeit der Nationalsozialisten nichts mitbekommen, kann ich nicht verstehen. Als Junge von 13 oder 14 Jahren habe ich viel davon mitbekommen", erinnerte sich Klaus Gosmann, der seine Kindheit und frühe Jugend im nationalsozialistischen Herford verlebte. Am Montagabend stand er im Mittelpunkt eines Filmes, den das Kuratorium Erinnern, Forschen und Gedenken im Zellentrakt des Rathauses zeigte.

1988 hatte der 1930 geborene Herforder das Ehepaar Jutta und Jürgen Heckmanns zu verschiedenen Stationen seiner Kindheit in der Werrestadt geführt und ihnen vor der Kamera seine Erinnerungen mitgeteilt.

Als Gosmann im Alter von elf Jahren eine Beförderung in der Hitler-Jugend ablehnte, erfuhr er, dass sich auch sein Vater in den Augen der Nazis "seltsam benahm". Er, den die Nationalsozialistischen als "politisch unzuverlässig" abgestempelt hatten, lebte in der ständigen Angst, dass sein Sohn ihn aus Versehen verraten würde. Gosmann senior hörte regelmäßig die Sender der Alliierten und hatte schon frühzeitig den Krieg für verloren erklärt. Auch Klaus Gosmann begann in den letzten Kriegsjahren, die Radiosendungen der Alliierten zu verfolgen. Doch mit seinem Vater sprach er nie über das, was er dort hörte. Auch an Begegnungen mit Juden und Fremdarbeitern erinnerte sich der Zeitzeuge im Gespräch mit Jutta Heckmanns.

So traf er in einem Haus, als er für den Winterhilfsdienst sammelte, zwei alte Damen an, die sich ihm als Juden vorstellten. Er machte die Erfahrung, dass "diese auch Menschen wie wir sind". 1944 erlebte er dann, mit welcher Menschenverachtung Herforder Bürger mit den Leichnamen zweier geflohener Fremdarbeiter umgingen, die die Polizei in der Stadt erschossen hatte. Auch in der Volksschule lernte er unter der Lehrerschaft viele überzeugte Nationalsozialisten kennen. Besonders verachtete Gosmann die Opportunisten, die sich nach dem Krieg auf einmal als überzeugte Demokraten herausstellten und weiterhin Karriere im Schuldienst machen wollen. "Aber ich habe auch Nazis gekannt, die bereut haben und zur Sühne nach dem Krieg Holzarbeiter wurden." Es habe aber auch andere Lehrer gegeben, die versucht hatten, die nationalsozialistische Ideologie aus dem Unterricht herauszuhalten.

In der anschließenden Diskussion erinnerten sich die Teilnehmer, die der selben Generation angehörten, an ihre Erlebnisse in der Zeit des Nationalsozialismus und ihren Umgang damit.


herford@westfalen-blatt.de

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