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Herforder Kreisanzeiger / Neue Westfälische , 13.01.2006 :

(Vlotho) Übergabe folgt in feierlicher Form / Mendel-Grundmann-Gesellschaft plant offizielle Einweihung

Vlotho (BoDo). Seit mehr als 40 Jahren ist die Mendel-Grundmann-Gesellschaft bemüht, die Erinnerung an die Vlothoer Juden wach zu halten. Vor allem an diejenigen, die deportiert und in Konzentrationslagern ermordet wurden oder auf andere Weise durch die Judenverfolgung der Nazis zu Tode gekommen sind.

Daran erinnert jetzt Manfred Kluge vom Vorstand der Gesellschaft und regt einen "Vorbereitungskreis Stolpersteine" an. Damit soll auf neue Formen des Gedenkens aufmerksam gemacht werden. So hat der Kölner Künstler Gunter Demnig vor einigen Jahren begonnen, Erinnerungssteine für Holocaustopfer, aber auch für andere politisch Verfolgte, zu verlegen.

Im Herbst 2004 hatte der Verein Moral und Ethik (M&E) in der Jahreshauptversammlung beschlossen, Gunter Demnig auch für Vlotho zu verpflichten. Nachdem der M&E-Vorsitzende Dieter Ellerbrock auf einen entsprechenden Antrag an den Bauausschuss hin die Genehmigung in der Hand hielt, im heimischen Pflaster solche Stolpersteine verlegen zu lassen, erteilte der kleine Verein dem Kölner Gunter Demnig den Auftrag, in Vlotho tätig zu werden.

Zudem hat die Stadt Vlotho mit M&E im vorigen Jahr einen Gestattungsvertrag geschlossen, der Rechtsgrundlagen und Haftungsfragen klärt. Manfred Kluge betont, dass die Mendel-Grundmann-Gesellschaft dieses Projekt unterstützt. Bereits 1969 wurde von der Gesellschaft am jüdischen Friedhof ein Mahnmal errichtet, auf dem die Namen der Vlothoer Holocaust-Opfer verewigt sind. Am 10. November 1988 wurde der Gedenkstein für die zerstörte Synagoge in der unteren Langen Straße eingeweiht.

Auch in Vlotho sollen nun diese Erinnerungssteine verlegt werden. Dabei gilt der Grundsatz: Für jedes Opfer wird ein Stein mit den jeweiligen Daten verlegt. In Vlotho wären demnach 41 Steine zu verlegen. Die Steine sollen soweit möglich in unmittelbarer Nähe des Hauses oder der damaligen Wohnung der Opfer gesetzt werden.

Die Steine sind aus Beton gegossen und tragen an der Oberseite eine zehn mal zehn Zentimeter große Messingtafel mit den Namen und Schicksalsdaten des Opfers. Der Künstler nenne sie Stolpersteine - im übertragenen Sinne: man soll darauf stoßen, sich damit beschäftigen und vielleicht weiter fragen. Die erste Steinverlegung ist am 10. März geplant.

Der Verein hat die Idee nach Vlotho geholt, ist Auftraggeber von Demnig und Vertragspartner der Stadt und an ihn gehen die Rechnungen des Künstlers, betont der M&E-Vorsitzende Dieter Ellerbrock. Steuerlich absetzbare Spendenquittungen stellt M&E aus. Ein Stolperstein kostet 95 Euro.

Für den 11. März wird eine entsprechende Veranstaltung vorbereitet.


lok-red.herford@neue-westfaelische.de

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