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Die Glocke ,
12.01.2006 :
(Ahlen) Plätze in Übergangswohnheimen abgebaut / Zahl der Asylbewerber ist rückläufig
Von Kai von Stockum
Ahlen (at). Der Bundesinnenminister legte seinen Bericht Anfang der Woche vor: "Die Zahl der Asylbewerber erreichte in 2005 in Deutschland ihren niedrigsten Stand seit 1983", gab Wolfgang Schäuble bekannt. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, welche auch in der Stadt Ahlen deutliche Spuren hinterlässt.
Von einst 1.000 Betten in diversen Notunterkünften für Flüchtlinge, Asylbewerber und Aussiedler ist nur noch ein Bruchteil geblieben, belegt sind nicht einmal mehr 90 davon. Anfang der 1990-er Jahre erreichte der Flüchtlingsstrom auch in Ahlen seinen Höhepunkt - unter anderem, weil Tausende Spätaussiedler in die Bundesrepublik zurückkehrten. Die Stadt unterhielt zu dem Zeitpunkt eine ganze Reihe von Notunterkünften, von denen aktuell nur noch ein ehemaliger Bauernhof in Dolberg geblieben ist.
160 Plätze kann die Verwaltung für Asylbewerber und Migranten derzeit anbieten, einst betrug die Kapazität ein Vielfaches. Etliche Übergangsheime, ganz gleich ob in Form von Containern oder Einfamilienhäusern, sind veräußert worden, und auch die Einrichtung in Dolberg wurde deutlich verkleinert. Die Kapazitäten überschreiten das Maß der Zuweisungen Hilfe suchender Menschen um ein Vielfaches, die Unterhaltskosten sind schlichtweg zu hoch. Nicht zuletzt eine veränderte Zuwanderungspolitik sorgte dafür, dass die Asylbewerberzahlen drastisch zurückgingen.
Der fiel auch die Ahlener Flüchtlingsberatung in Trägerschaft des Bürgerzentrums zum Opfer. Die NRW-Landesregierung stellte vor dem Hintergrund knapper Kassen die Notwendigkeit der Initiative in Frage und kappte die Bezuschussung. Einzig zwei Beratungsstunden auf Honorarbasis sind von dem Konzept geblieben, das zu Hochzeiten sogar von der Stadt Ahlen mitfinanziert wurde - wenn auch nur geringfügig. "Dabei ist es ja nicht so, als hätten wir kein Klientel mehr", hat Bürgerzentrum-Geschäftsführerin Christiane Busmann kein Verständnis für die Entscheidung. Sie verweist auf die mitunter mehrere Jahre andauernden Genehmigungsverfahren. "Zwar kommen tatsächlich immer weniger 'Neue' hinzu, die 'Alten' aber bleiben uns oft noch lange erhalten."
Das weiß auch Heiko Frerichs, Sachbearbeiter beim Amt für Jugend und Soziales. Manche Flüchtlinge würden die Notunterkunft nur für wenige Wochen in Anspruch nehmen, dann sei bereits über den Antrag entschieden worden. Andere allerdings würden mitunter zehn Jahre darauf warten und alle drei Monate lediglich eine erneuerte Duldung in Empfang nehmen.
"Das ist alles sehr perspektivlos", macht Christiane Busmann ihrem Unmut Luft. Perspektivlos auch weil lange Wartezeiten kaum zu einem positiven Ergebnis beitragen.
2005 wurden in Deutschland 0,9 Prozent der Asylanträge genehmigt - in ganzen Zahlen macht das auf den Kopf genau 411 Personen, denen ein dauerhaftes Bleiberecht eingeräumt wurde. Die übrigen 28.600 Flüchtlinge waren aufgefordert, die Bundesrepublik wieder zu verlassen.
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