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Neue Westfälische ,
10.01.2006 :
(Augustdorf) Vergewaltigung in der Kaserne: Fünf Jahre Haft für Soldaten / 28-jähriger Stabsunteroffizier missbrauchte Frau in Kantine / Opfer erkannte Täter trotz Maskierung
Von Thorsten Engelhardt
Augustdorf/Detmold. Die Augustdorfer Bundeswehrkaserne ist einer der am stärksten bewachten Plätze der Region. Dennoch ist es dort zu einem Verbrechen gekommen. Der 28-jährige Stabsunteroffizier Jürgen H. (Name geändert) hat im Sommer 2005 dort eine in der Kantine arbeitende Frau vergewaltigt (wir berichteten). Gestern verurteilte ihn das Detmolder Landgericht zu fünf Jahren Haft. H. hatte in der Hauptverhandlung ein Geständnis abgelegt. Der aus Hamm stammende Mann gab zu, sich mit Messer, Sturmhaube und einer Kordel ausgerüstet zu haben und dann nach Augustdorf gefahren zu sein.
In der Kaserne war er sechs Jahre lang stationiert gewesen, in der Kantine war er Stammgast. Am frühen Morgen des 7. Juli kletterte er über den Zaun des Areals, drang in die Gaststätte ein und bedrohte die Frau. Die glaubte zunächst, er wolle Geld aus der Kasse, aber H. hatte es auf sie abgesehen. Er fesselte die 62-Jährige und vergewaltigte sie. Doch sein Opfer hatte ihn trotz Maskierung erkannt und einige Tage später wurde der Soldat, der sich kurz vor dem Ende seiner Dienstzeit in einer zivilen Ausbildung befand, festgenommen. Wechselseitige Faserspuren auf der Kleidung von Opfer und Täter bestärkten den Verdacht. Sein Geständnis ersparte der Gepeinigten eine allzu detaillierte Aussage, es sei deshalb auch der "goldrichtige Schritt" des Angeklagten gewesen, sagte Richter Michael Reineke. Wie es zu der Tat gekommen sei, bleibe aber schwer nachvollziehbar. Die Hypothek der Tat indes schleppe die Frau ihr Leben lang mit sich herum. Die Staatsanwältin hatte für den Angeklagten 6 Jahre und 9 Monate Haft gefordert, der Verteidiger mit Blick auf das Geständnis seines Mandanten 3 Jahre und 6 Monate.
AZ: 22Js761/05
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