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Lippische Landes-Zeitung , 09.01.2006 :

(Barntrup) Polizei mit Texten befasst / Der Hintergrund: Rap-Band

Barntrup. Für mächtig Wirbel hatte die Rap-Band "Twin-Zitty" vor einigen Wochen gesorgt, der mit einer Veröffentlichung der LZ wieder Aufwind erhielt.

Von Cordula Gröne

Was war geschehen? Die Band hatte auf der Homepage ihrer Jahrgangsstufe am Städtischen Gymnasium Barntrup einen Link gesetzt, der auf ein Video der Gruppe verwies. Die Schüler hatten Lehrer gebeten, im Vorspann ein Grußwort zu sprechen, was einige auch arglos taten. Umso entsetzter war die Lehrerschaft - und im übrigen auch Schulkameraden - als sie die Texte der Songs hörten.

Neben sexistischen und herabwürdigenden Äußerungen, gab es auch äußerst schwer Verdauliches. Ein Beispiel: "Du bist schwul, gewissermaßen, drum werd ich dich vergasen." Das Deckblatt des Videos bildet einen der Jungs mit Gewehr ab.

Die Rapper, von denen einer nicht auf dem Gymnasium ist, mussten den Lehrern im Oberstufenkreis Rede und Antwort stehen sowie dem Schulleiter. Anschließend versprachen die Musiker, solche Formulierungen nicht mehr zu verwenden. Auf einer Internetseite entschuldigten sie sich dafür. "Twin-Zitty haben selbst zugegeben, dass Passagen des Textes für Nicht-Rapper gewaltverherlichend und menschenverachtend sind", erklärte Schulleiter Friedrich-Martin Dreier zur Sache.

Die Aussage von "Twin Zitty", dass das schulische Verfahren ausgegangen sei wie das "Hornberger Schießen" findet er befremdlich. "Dies kann ich nur so interpretieren, dass die getroffenen Aussagen bloße Lippenbekenntnisse sind und keine echten Einsichten", so Dreier. Die Schule wolle nun die Entscheidung überdenken, keinen Strafantrag zu stellen.

Auf Nachfrage erklärte der Manager der Gruppe: "Dass die Lehrer drin waren, war ein Gag und nicht bös gemeint." Zu den Texten: "Das war im ersten Moment Naivität, im Nachhinein wissen wir, dass das Schwachsinn war." Die eigene Internetseite der Band befinde sich derzeit noch im Aufbau, das Video werde nicht mehr vertrieben.

Doch ohne Folgen wird die Angelegenheit nicht bleiben: Ein Privatperson hat kürzlich bei der Staatsanwaltschaft Detmold Anzeige gegen drei Mitglieder der Band erstattet - erstmal wegen Beleidigung. Die Akten liegen derzeit bei der Polizei. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Beteiligten nun vernommen werden.


Blomberg@lz-online.de

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