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Herforder Kreisanzeiger / Neue Westfälische ,
09.01.2006 :
Herforder berichtet aus der Nazi-Zeit / Erinnerungen von Klaus Gosmann im Film
Herford. Nachdem bereits im November im Zellentrakt im Rathaus vom Schrecken der Jahre nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 und das Leiden in den Konzentrationslagern in einem verfilmten Interview aus dem Jahre 1988 berichtet wurde, stehen in einem weiteren Film die Erinnerungen des Herforders Klaus Gosmann im Mittelpunkt.
Der etwa 40-minütige Film wird am heutigen Montag, 9. Januar, um 20 Uhr im Zellentrakt gezeigt. Der Eintritt ist frei.
Bereits als 12-jähriger "Pimpf" erlebte Gosmann, was das Führerprinzip für einen Heranwachsenden bedeutete.
Neben dem "Führer" als der großen Leitfigur waren viele Gleichaltrige bereits kleine Führer in den paramilitärischen Organisationen des dritten Reiches wie z.B. dem "Fähnlein".
Klaus Gosmann berichtet, dass er aber gar kein Führer sein wollte und dies auch öffentlich bekannte.
Damit machte er nicht nur sich selbst zum Außenseiter, auch auf den Vater fiel damit der Verdacht der politischen Unzuverlässigkeit.
Welche Auswirkungen dies auf das Familienleben und das engste Umfeld hatte, schildert der Protagonist während eines Rundganges durch seine Heimatstadt Herford, der er bis heute treu geblieben ist.
Vom Abhören so genannter "Feindsender", über Kontakte zu jüdischen Mitbürgern und prägende Bilder, wie etwa dem Anblick zweier ermordeter Zwangsarbeiter, werden in Klaus Gosmann Erinnerungen wach, an denen er den Betrachter umfassend teilhaben lässt.
Darüber hinaus geht Gosmann an einem konkreten Beispiel auf die Zeit nach dem Nationalsozialismus ein – auf die Zeit der Entnazifizierung, aber auch des einsetzenden Wiederaufbaus.
lok-red.herford@neue-westfaelische.de
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