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Neues Deutschland , 09.01.2006 :

Tummelplatz für Auschwitz-Leugner / Immobilienverkauf in Borna soll revidiert werden

Von Hendrik Lasch

Borna sucht den Verkauf eines Gebäudes rückgängig zu machen, in dem ein Verein aus dem Umfeld der Holocaust-Leugner mehr als eine Gedenkstätte für deutsche Kriegsopfer einrichten wollte.

Einen "Spottpreis" – so nennt Wieland Körner die Summe von 99.000 Euro, für die im März 2005 ein früheres Verwaltungsgebäude des bundeseigenen Braunkohlensanieres LMBV in Borna an den Düsseldorfer Architekten Ludwig Limmer verkauft wurde. Die Freude Körners war nicht ganz uneigennützig: Der Betreiber des bisher in Bremen ansässigen Roland-Versandes wollte samt Archiv selbst in das repräsentative Gebäude umziehen. 800 Quadratmeter, rund die Hälfte der Gesamtfläche, hoffte er nutzen zu können – zu "sehr günstigen Bedingungen".

Körners Umzugspläne sind eine weitere Bestätigung für die Befürchtung, in der sächsischen Kleinstadt könne ein Tummelplatz für die extreme Rechte entstehen. Spezialität des Verlages sind Reprints völkischer und antisemitischer Pamphlete. So wurde das "Handbuch der Judenfrage", ein Standardwerk der Nationalsozialisten, aufgelegt, aber auch Schriften des britischen Holocaust-Leugners David Irving. Der Verleger selbst schrieb eine "Denkschrift" namens "Die neue Sicht von Auschwitz", die ihm eine Klage wegen Volksverhetzung eintrug. Das Verfahren endete aber lediglich mit der Vernichtung der nicht verkauften Restauflage.

Damit bieten sich Anknüpfungspunkte zum Verein "Gedächtnisstätte", der in Borna einen Gedenkort für deutsche Kriegsopfer errichten will (ND berichtete). Hinter dem Verein steht etwa Ursula Haverbeck-Wetzel, die gemeinsam mit dem Anwalt Horst Mahler einen "Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocausts Verfolgten" führt. Die Gedenkstätte soll geschichtsrevisionistische Thesen von Hunderttausenden deutscher Bombenopfer und sechs Millionen verschwundener Vertriebener aufwärmen, wie aus Schreiben Haverbecks hervorgeht. Inschriften auf Steinen, die um ein zwölf Meter hohes Kreuz angeordnet werden, müssten "den Lebensatem des jeweiligen Gaues" verdeutlichen.

Die Behörden, die erst nach Presseberichten im November auf die Pläne aufmerksam wurden, suchen das Entstehen eines rechten Wallfahrtsortes jetzt zu unterbinden. Die Stadt will eine bereits erteilte Baugenehmigung widerrufen und dazu auch Neueigentümer Limmer anhören. Landkreis, Regierungspräsidium und LMBV mühen sich um eine Rückabwicklung des Kaufvertrages. Allerdings sind Beobachter skeptisch. LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber hatte unlängst auf ND-Anfrage erklärt, die Immobilie sei nach dem Scheitern umfangreicher eigener Verkaufsbemühungen zur Auktion freigegeben worden. Ein Einfluss der LMBV auf mögliche Käufer und deren Nutzungsabsichten, erklärt er, "bestand daher nicht mehr".

Allerdings bereitet das Haus nicht nur den Behörden Kopfzerbrechen, sondern womöglich auch dem Besitzer. Limmer konnte sich mit dem Bremer Verlag nicht über die Finanzen einigen, weshalb dieser jetzt nach Frankfurt (Oder) ziehen will. Beim Verein "Gedächtnisstätte", der selbst 200 Quadratmeter nutzen und darauf offenbar ein Dokumentationszentrum einrichten will, wird nun erwogen, einen Gutteil der Spenden und Beiträge an Limmer zu überweisen, um die "Körner-Lücke" zu stopfen.


politik@nd-online.de

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