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Westfalen-Blatt , 06.01.2006 :

(Bielefeld) Kommentar / Ariel Scharon / Israel ohne eine Symbolfigur

Die schwere Erkrankung des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon bringt das Koordinatensystem der israelischen Politik durcheinander. Sie wirft viele Fragen auf, nicht nur zur Entwicklung in Israel, sondern in der gesamten Krisenregion Nahost.

Sah es bis zum Mittwoch noch so aus, als würde Scharon mit seiner neuen Kadima-Partei bei den Parlamentswahlen im März einen klaren Sieg feiern, so muss man jetzt die Frage stellen, was diese Partei ohne ihre Symbolfigur noch wert ist. Ist ein Mann wie Ehud Olmert, der amtierende Regierungschef, in den Augen der Wähler der Mann, der überzeugend die Palästina-Politik Scharons weiterführen kann? Denn die Menschen haben diese Partei unterstützt, weil sie Scharon wollten, weil sie ihm zutrauten, einen Frieden mit den Palästinensern zu erreichen und den Bürgern Israels größtmögliche Sicherheit zu geben.

Werden Anhänger Scharons, die von der Likud- und der Arbeitspartei den Weg zu Kadima fanden, die Partei jetzt wieder verlassen? Daran schließt sich die Frage an, wie viele Wähler sich zur Arbeitspartei zurückorientieren werden, die auch für die Friedenspolitik steht, oder zur Likud-Partei, die einen harten Kurs gegenüber den Palästinensern fährt.

Bei den Wahl im März wird sich aller Voraussicht nach eine Mehrheit für die Fortsetzung der Friedenspolitik finden, aber Kadima ohne einen aktiven Ariel Scharon wird Stimmen einbüßen.

Friedhelm Peiter


bielefeld@westfalen-blatt.de

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