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Lese- und Antifa-Café in der alten Pauline , 25.12.2005 :

Dokumentarfilm "Skinhead Attitude" und Informationen zur Neonazi-Szene in Horn-Bad Meinberg

Mittwoch, 11. Januar 2006 um 19 Uhr


Veranstaltungsort:

Autonomes Kultur-
und Kommunikationszentrum
alte Pauline
Bielefelder Straße 3
32756 Detmold

Telefon: (05231) 20 101

www.alte-pauline.de
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Ab 18.00 Uhr:
Café mit aktuellem Bücher- und Info-Tisch und "altes Paulinchen" – Nummer 6, dem politischen Info-Blatt des Lese- und Antifa-Cafés



18.30 bis 19.00 Uhr:
Vegetarisches Essen zum Selbstkostenpreis



19.00 bis 20.30 Uhr:
Dokumentarfilm "Skinhead Attitude" von Daniel Schweizer

"Skinhead Attitude" ist die erste Darstellung der über 40-jährigen Geschichte der Skinhead-Bewegung. Zeitzeuginnen und -zeugen geben Einblick in Entstehung und Geschichte dieser Gegenkultur, sie erzählen aber auch von der Vereinnahmung der Bewegung durch die extreme Rechte. Anhand von bisher weitgehend unveröffentlichtem Archivmaterial wird aufgezeigt, wie Neonazis diese Begegnung von ihren ursprünglichen Wurzeln entfremdet haben.



Um 20 Uhr 30:
Die Neonazi-Szene in Horn-Bad Meinberg

In der Nacht zum 21. August 2005 kam es nach 3 Uhr nachts im Hauptkurpark von Horn-Bad Meinberg zu einem neonazistischen Überfall auf eine Person im Beisein einer Zeugin. Hierbei handelte es sich um 6 Personen im Alter von etwa 20 bis 25 Jahren. Der Betroffene erhielt durch zwei Rechte mehrere Schläge ins Gesicht und auf den Hinterkopf. Einer der Täter verhöhnte den Betroffenen, er würde "nicht deutsch aussehen", und schrie: "Wir sind Deutsche!"

Anschließend riss einer der Rechten seinen Arm deutlich und unmissverständlich zum gestreckten Hitlergruß aus und brüllte die Worte: "Heil Deutschland!“.

Der Betroffene hatte die Verfolgung der Täter aufgenommen und die Polizei in Detmold benachrichtigt, so dass die Identität der Leute ermittelt werden konnte. Eine Strafanzeige erfolgte am 22. August 2005 bei der Kriminalpolizei in Detmold.

Zwei der Täter sind in Steinheim und Bad Meinberg wohnhaft. Vor dem Amtsgericht in Höxter findet nun gegen einen der Täter, das NPD-Mitglied Markus Sommer, am 3. Januar 2006 um 9 Uhr ein Prozess unter anderem wegen dem "Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen" (Paragraph § 86a) statt.

Staatsanwaltschaft verweist auf die Möglichkeit der "Privatklage"

Skandalöserweise hat die Staatsanwaltschaft Detmold das Ermittlungsverfahren gegen den Haupttäter dieses Angriffes (Markus Sommer) wegen des Verdachts der Körperverletzung mittlerweile eingestellt, da eine Anklage nicht im öffentlichen Interesse läge.

Zur Begründung wird nicht nur auf die Vorstrafenfreiheit des Täters verwiesen. Nein, das 'Hauptargument' lautet, dass den Schlägen eine Beleidigung des Betroffenen vorausgegangen sein soll - nämlich ausschließlich die Äußerung "fuck off".

Auch deshalb sei eine Strafverfolgung kein gegenwärtiges Anliegen der Allgemeinheit. Deshalb bleibe es dem Betroffenen überlassen, unter eigener Abschätzung der Erfolgsaussichten gegen den Täter im Wege der "Privatklage" beim zuständigen Amtsgericht vorzugehen.

Die Durchführung von "Sühneverhandlungen" verfolgen offiziell das "Ziel der gütlichen Schlichtung streitiger Rechtsangelegenheiten zur Vermeidung von Privatklageverfahren und Schlichtung kleiner bürgerlich-rechtlicher Streitigkeiten. Die Privatklage in Strafsachen kann erst betrieben werden, nachdem ein Sühneversuch vor dem Schiedsmann oder sonstige Vergleichsbehörden erfolglos geblieben ist und eine entsprechende Sühnebescheinigung mit der Einreichung der Privatklage dem Gericht vorgelegt wird."

Uns fällt dazu nur der Vorschlag des Staatsschutzes Bielefeld ein, der dem Vorstand der alten Pauline einmal ein Sühnegespräch mit dem ehemaligen Leiter des Durchgangslagers Fossoli nahe legte, da dieser erwiesenermaßen kein Mörder sei – Titel des Vorschlages: Täter-Opfer-Ausgleich ...

Auf der Veranstaltung werden wir über den aktuellen Stand und den Höxteraner Prozess berichten. Ausgehend von dem Prozess gegen Markus Sommer möchten wir die Neonnazi-Szene vor Ort näher beleuchten.


soli@alte-pauline.de

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