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Höxtersche Kreiszeitung / Neue Westfälische ,
04.01.2006 :
(Horn-Bad Meinberg) Verprügelt, weil er nicht deutsch aussieht / Bewährung für einschlägig vorbestraften Neonazi aus Steinheim
Von Burkhard Battran
Bad Meinberg/Höxter. Das geflügelte Wort "Wehret den Anfängen" fiel zwar nicht, doch hat das Höxteraner Jugendschöffengericht mit seinem gestrigen Urteil gegen einen 20-jährigen Steinheimer gelernten Tischler deutlich gemacht, dass es entschlossen gegen nationalsozialistische Umtriebe vorgeht.
"Wie kann man nur so dumm sein, das zu verherrlichen, was den Mord an Millionen von Menschen zu verantworten hat", hatte Staatsanwalt Hans-Peter Dietzmann den Angeklagten eindringlich gefragt, ohne eine Antwort zu erhalten.
Zu einer Gesamtstrafe von neun Monaten auf Bewährung hat Amtsgerichtsdirektor Dr. Andreas Hohendorf gestern den Steinheimer wegen Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen in Tateinheit mit Sachbeschädigung und Körperverletzung verurteilt. Nach einer umfangreichen Beweisaufnahme mit insgesamt acht Zeugen hatte das Gericht keinen Zweifel mehr, dass alle Anklagepunkte erfüllt waren. Auch war der Angeklagte teilweise geständig.
Er gab zu den Hitlergruß gemacht zu haben und räumte auch ein, einen Passanten geschlagen zu haben.
Der Steinheimer Marcus Sommer, der bereits im Jahr 2004 wegen Zeigens des Hitlergrußes vom Amtsgericht Brakel zu einer Geldstrafe verurteilt worden war und schon wegen Diebstahl, Unterschlagung, Hausfriedensbruch und Trunkenheit am Steuer vorbestraft ist, soll schon "den ganzen Abend Stress gemacht haben", wie Zeugen übereinstimmend aussagten. Der Steinheimer, der früher selbst in Bad Meinberg gelebt hatte und dort zur Hauptschule gegangen war, war in der Nacht auf Sonntag, 21. August , zuerst mit sechs weiteren überwiegend Jugendlichen und Heranwachsenden Bad Meinbergern in einer Internetkneipe gewesen. Als die zumachte, beschloss man, noch eine andere Lokalität auf der anderen Seite des Kurparks aufzusuchen. Beim Durchqueren des Kurparks soll Marcus Sommer dann randaliert haben und mehrfach Nazi-Parolen gegrölt haben. Zwei Blumenschalen habe Sommer vom Sockel gestoßen, 50 Begonien zerstört und insgesamt einen Sachschaden von 208 Euro angerichtet.
Gegen 2.30 Uhr traf die Gruppe am Brunnentempel des Kurparks dann auf Otto V. (52, Name geändert) und dessen 46-jährige Schwägerin, die gemeinsam eine Pension in Bad Meinberg betreiben und nach einer Familienfeier zu einem kleinen Nachtspaziergang in den nahe gelegenen Kurpark gegangen waren. Eine Begegnung mit der Gruppe war unvermeidlich. Ein wahrscheinlich wenig ehrlich gemeintes "Guten Abend" aus der Gruppe erwiderte der 52-jährige Spaziergänge mit einem verhängnisvollen "Fuck off". Dafür bekam er von dem "Grüßer", einem 25-jährigen arbeitslosen Dachdecker aus Bad Meinberg gleich einen Schlag ins Gesicht. Das Verfahren gegen den Täter hatte die Detmolder Staatsanwalt allerdings zuvor eingestellt.
Obwohl gar nicht beteiligt, musste sich jetzt Marcus Sommer einmischen. Er schlug den Spaziergänger mehrfach und zwar mit der Begründung, dass der "nicht wie ein Deutscher aussehe". Nachdem die Gruppe schlichtend eingegriffen hatte, ließ Sommer von dem Spaziergänger ab. Auf dem weiteren Weg soll Sommer, der sich gegenüber der Polizei als NPD-Mitglied ausgegeben hat, noch weitere Nazi-Parolen gegrölt haben.
Die Strafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, außerdem muss der Verurteilte 160 Sozialstunden ableisten.
lok-red.hoexter@neue-westfaelische.de
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