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Zeitung für Gütersloh / Westfalen-Blatt ,
03.01.2006 :
Unabhängigkeit als Ziel / AWO hilft ausländischen Frauen bei der Integration
Rietberg (WB). Erstmalig organisiert der Migrationsfachdienst des AWO-Bezirksverbandes OWL in Kooperation mit der Diakonie-Flüchtlingsberatung in den Städten Rheda-Wiedenbrück und Rietberg gemeinsame Kurse zur Förderung der gesellschaftlichen Integration für ausländische Frauen.
Die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge finanzierten und von der AWO durchgeführten Angebote umfassen 20 Zeitstunden und finden an zehn Tagen statt. Ziele dieser Frauenkurse sind, die ausländischen Mädchen und Frauen zu ermuntern, ihre deutsche Sprachkompetenz zu verbessern, sie bei der Berufsorientierung zu unterstützen, ihnen berufliche Perspektiven zu eröffnen und die Stärkung des Integrationsprozesses bei der Aufnahme in die deutsche Gesellschaft durch gemeinsame Aktivitäten. Die Zielgruppen sind junge Mädchen, die in Deutschland geboren sind; junge Frauen, die schon länger in Deutschland leben, nachgereiste Ehefrauen, Frauen, die nach der Familienphase wieder eine Erwerbstätigkeit anstreben und alleinstehenden Frauen. Grundvoraussetzung für die Teilnahme ist jedoch ein auf Dauer angelegter Aufenthaltsstatus.
Durch den geringen Zeitaufwand und die wohnortnahen Angebote lässt sich der Besuch der Kurse auch für Mütter kleiner Kinder realisieren. Um auch bildungsungewohnte Frauen zu erreichen, finden Kurse in gut zu erreichenden Räumlichkeiten der Diakonie statt. Durch die Kurse sollen vor allem auch Frauen aus muslimisch geprägten Kulturen mit Einschränkungen in der eigenen Lebensgestaltung sowie oftmals eingeschränkten Bewegungsfreiheiten angesprochen und erreicht werden. Hierbei müssen die Rechte der Frauen in der Gesellschaft in Bezug auf einschränkende religiöse oder auch traditionelle Wertvorstellungen, wie sie in islamischen Ländern noch Geltung haben, aufgegriffen werden. So werden Fragen der Ehr- und Moralvorstellungen, der Zwangsehen, der Gewalt gegen Frauen teilnehmerorientiert behandelt.
Die Kursleiterinnen Hadia Destanovic (Rheda-Wiedenbrück) und Hülya Schneider (Rietberg) greifen die Kompetenzen und Ressourcen der teilnehmenden Frauen auf, machen sie sichtbar und entwickeln sie weiter. Sie unterstützen Mädchen und Frauen dabei, ihre Stärken zu sehen und verfolgen dabei auch die Absicht, Frauen selbstbewusster, unabhängiger werden zu lassen. Auch die Organisatorinnen Marica Trempetic (AWO-Migrationsfachkraft) und Marita Sieben (Diakonie-Flüchtlingsberatung) wissen durch ihre tägliche Arbeit mit Frauen, dass Fremdheit und Ängste, die durch Unkenntnis über die deutsche Gesellschaft hervorgerufen werden, zur Abschottung gegenüber der Aufnahmegesellschaft führen können.
guetersloh@westfalen-blatt.de
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