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Bielefelder Tageblatt (MW) / Neue Westfälische , 30.12.2005 :

(Bielefeld) Experimentelles im Offbeat / "Rotterdam Ska Jazz Foundation" und "USCB-Allstars" im AJZ

Von Rainer Schmidt

Bielefeld. Wer hat in diesen dunklen Tagen nach zehrendem Fest noch überschüssige Energie? Die Freunde des Ska auf jeden Fall. Dennoch gibt es aus dem AJZ nichts über extreme Raumtemperaturen und wildeste Tanzaktivitäten zu berichten. Bei sehr guter Besucherauslastung geht es bei der "Skanking 'round the X-mas-Tree"-Veranstaltung fast gemütlich zu.

Natürlich bringt die Musik der "Rotterdam Ska Jazz Foundation" einige in Bewegung, doch ist der rein instrumentale Sound, den die sechs Niederländer zaubern, genauso gut zum still vergnügten Hören geeignet. Viel Raum für ausgiebige Soli haben sich die Instrumentalisten geschaffen in Coverversionen von "Skatalites"-Klassikern, in eigenen, groovebetonten Stücken und in ausgefeilten Interpretationen von Standards der verschiedenen Jazzepochen.

Dabei ist die "Rotterdam Ska Jazz Foundation" alles andere als eine Retro-Band, Herr Bijleveld, der Posaunist, der sich in der Stadt mit ähnlichem Namen sichtlich wohl fühlt, kündigt als "Experimental-Style" an, was einem in Stücken wie Lee Morgans "Sidewinder" oder dem alten Heuler "St. James Infirmary" in deftig stampfendem Offbeat entgegen schreitet.

Im "Manhattan an der Maas" versteht man sich auch auf Grenzüberschreitungen, mit denen die New Yorker Jazzer für Aufsehen und Verwirrung gesorgt haben. Die Balkanmelodien, die sich bei mehreren Stücken aus Sybren Bijlevelds – Sopransaxophon winden, sind rhythmisch begradigt doch äußerst gewöhnungsbedürftig. Auf traditionellem Ska-Terrain zündet die knackige Melange jedenfalls gut. Hoffentlich stoßen die Rotterdamer bei ihrem Auftritt demnächst in der New Yorker Knitting Factory auf ein ähnlich offenes Publikum wie mittlerweile in Deutschland.

Einstimmen konnte man sich mit einer Großformation aus dem schwedischen Göteborg. Die "USCB-Allstars" sind eine bunte Truppe und dennoch nicht dem Party-Ska verpflichtet. Sehr entspannt groovt die Band im alten, jamaikanischen Stil, kann sich dabei auf einen hervorragenden Schlagwerker verlassen, der die knochentrockenen Rimshots und diffizilen Beckenbreaks liefert, über denen sich erstaunlich transparente Arrangements entfalten. Wenn dann noch die drei Bläser in punktgenauem Einsatz lospfeffern und zwei Sänger für Stimmung sorgen, ist das eine runde Sache – und ein gelungener Einstand für die Gruppe, die in Skandinavien schon seit zehn Jahren für Glücksgefühle bei Ska-Liebhabern sorgt.


lok-red.bielefeld@neue-westfaelische.de

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