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Die Glocke , 30.12.2005 :

(Ahlen) Mittelkürzung / Flüchtlingsberatungstelle schränkt Arbeit ein

Kreis Warendorf/Ahlen (gl). Ab dem 1. Januar wird die Flüchtlingsberatungsstelle im Bürgerzentrum Schuhfabrik in Ahlen nur noch einmal wöchentlich erreichbar sein. Seit Oktober 1996 betreibt das Bürgerzentrum Schuhfabrik die Flüchtlingsberatungsstelle mit einem jährlichen Pauschalzuschuss des Landes NRW. Dieser Landeszuschuss deckte von Beginn an nur teilweise die anfallenden Kosten. Ohne zusätzliche Vereinsmittel und Spenden wäre dieses Beratungsangebot nicht möglich gewesen.

Die aktuell drohende Kürzung des Landeszuschusses um weitere 20 Prozent, so heißt es in der Pressemitteilung, scheine nicht mehr abzuwenden zu sein. Viele Beratungsangebote und soziale Einrichtungen ständen vor massiven Schwierigkeiten. Dazu komme die unklare Entscheidungssituation, da mit einer Bewilligung und Verabschiedung des Landeshaushaltes nicht vor Juni 2006 gerechnet werde. Eine Fortsetzung der Arbeit ohne gesicherte Refinanzierung sei für einen Träger wie das Bürgerzentrum Schuhfabrik nicht möglich.

Der Verein hat sich in all diesen Jahren vehement für diesen Arbeitsschwerpunkt eingesetzt, weil er das Beratungsangebot für absolut notwendig erachtet. Schon seit einigen Jahren war der Landeszuschuss Jahr für Jahr gefährdet und somit unweigerlich die Existenz der kreisweit agierenden Beratungsstelle. Nun ist die Entscheidung gefallen nach neuneinhalb Jahren die Arbeit in der bisherigen Form einzustellen. Die Notwendigkeit für eine parteiliche Flüchtlingsarbeit bestehe aber nach wie vor, heißt es weiter. Nach wie vor lebten zahlreiche Menschen in Deutschland mit einem ungesicherten Aufenthaltsstatus. Wenn die Arbeit der Flüchtlingsberatungsstellen eingestellt werde, erhielten diese Menschen von offiziellen Stellen keinerlei Beratung und Unterstützung, heißt es in der Pressemitteilung des Bürgerzentrums.

Der Kreisflüchtlingsrat als Zusammenschluss der verschiedenen Unterstützungsgruppen für Flüchtlinge und Asylbewerber im Kreis Warendorf bedauere die Entscheidung der Schuhfabrik außerordentlich, denn sie wüssten aus ihrer Erfahrung vor Ort wie viele Menschen mit Fluchthintergrund auch im Kreis Warendorf auf professionelle Unterstützung und Beratung angewiesen seien. Leider seien zum einen die seit der Einführung des Zuwandergesetzes existierenden Migrationserstberatungsstellen rechtlich für diese Menschen nicht zuständig und zum anderen verfügten die Mitarbeiter dieser Einrichtungen häufig nicht über das spezielle Fachwissen. Um so mehr begrüßen die Mitglieder des Kreisflüchtlingsrates die Entscheidung der Schuhfabrik, eine Flüchtlingsberatung zumindest einmal in der Woche anzubieten.

Jeden Donnerstag von 16 bis 18 Uhr wird ab Januar Theodor Lohölter in den Büroräumen der bisherigen Flüchtlingsberatungsstelle anwesend sein. Theodor Lohölter arbeite seit vielen Jahren in diesem Arbeitsfeld und bringe eine hohe Kompetenz mit, heißt es in der Pressemitteilung. Der Trägerverein hofft die entstehenden Kosten für die Honorarkraft und die anfallenden Sachkosten durch Spenden und Benefizaktionen aufzubringen. Informationen für mögliche Unterstützer und Spender sind unter Tel. 02382 / 3005 erhältlich.


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