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Höxtersche Kreiszeitung / Neue Westfälische , 23.12.2005 :

Weihnachten im Friedenseinsatz / Über 100 Soldaten aus Höxter leisten über den Jahreswechsel Dienst im Kosovo

Aus dem Kosovo berichtet Stefan Boscher

Prizren/Kreis Höxter. Der Flammenschein von vier Kerzen auf einem Adventskranz in der Nähe von Prizren im Kosovo spendet Licht, wo die Sonne schon hinter hohen Bergen verschwunden ist. Die Frauen und Männer, die sich um ihn versammelt haben, tragen Flecktarn-Uniformen, immer dabei ein Gewehr oder eine Pistole. Es sind Soldaten des Höxteraner ABC-Abwehrbataillons und Pioniere aus Holzminden. Sie sind im KFOR-Friedenseinsatz - und das auch über Weihnachten und Neujahr.

Alle genießen den Augenblick und verbinden mit dem Kerzenschein wahrscheinlich unterschiedlichste private Momente. Manchen stehen Tränen in den Augen: "Seit Monaten ist uns klar, dass wir an Weihnachten nicht zu Hause sind. Aber aus der Theorie werden jetzt praktische Erfahrungen", sagt Daniel H. (aus Sicherheitsgründen dürfen die Namen der Soldaten nicht genannt werden). Zusammen mit Männern und Frauen aus 13 Ländern ist er in Prizren stationiert. Was bedeutet Weihnachten? Daniel H. überlegt kurz: "Es bedeutet Familie." Weihnachten 2005 wird er nicht in Höxter verbringen, nicht mit Frau und seinen Kindern. Kein Weihnachtsbaum, kein gemeinsames Essen, kein Besuch der heimischen Kirche.

Statt dessen wird am Heiligen Abend, an Silvester und Neujahr Dienst wie immer geleistet. "Wir sind für die Menschen da und können nicht einfach abschließen und sagen: ,Kommen Sie in ein paar Tagen wieder.’ Das Leben hier geht weiter und wir werden auch an Weihnachten der Bevölkerung helfen." Intern wird bereits an den Tagen vor dem 24. Dezember gefeiert. In der "heimischen" Atmosphäre der Soldaten, die sich seit langem kennen. Auch im Kosovo, mehr als 1.500 Kilometer von der Heimat entfernt, werden Lieder gesungen und Gottesdienste gefeiert.

Auf vielen Zimmern stehen in diesen Tagen Adventskränze mit kleinen Kerzen oder ein beleuchteter Tannenbaum hängt im Fenster, ähnlich dem großen Modell, dass auf einem Platz im "Legoland" steht. In einem Teil des deutschen Feldlagers, dass aus unzähligen Containern zusammengesetzt ist, nach dem Lego-Baustein-Prinzip. Hier wohnen, vielmehr schlafen, rund 300 Soldaten aus mehreren Ländern.

Und auch wenn sie weit von zu Hause entfernt sind, sie versuchen alles, um eine weihnachtliche Atmosphäre zu schaffen. Darum der große Adventskranz und der Tannenbaum. Direkt daneben haben Soldaten der Pionierkompanie aus Holzminden einen kleinen Weihnachtsmarkt aufgebaut. Es gibt Glühwein, nach Dienstschluss auch mit einem kleinen Schuss Rum, Gebäck - selbst Weihnachtsdekoration kann man hier kaufen. "Wir können die Familie nicht ersetzen, aber wir können dazu beitragen, dass sich die Männer und Frauen auch hier im Kosovo im Kreis ihrer Kameraden wie eine kleine Familie fühlen können", sagt Oberleutnant Henrik L.

Dennoch: Wie wichtig der Kontakt nach Hause ist, zeigen die gewaltigen Postberge, die in den Wochen vor dem Fest bearbeitet werden müssen. Alle Pakete, die bis zum 7. Dezember abgeschickt wurden, kommen garantiert rechtzeitig zum Heiligabend an - entweder in einem Haus irgendwo in Höxter oder in anderen Gegenden in ganz Deutschland - oder auf umgekehrtem Weg hier im "Legoland", im Feldlager der Bundeswehr im Kosovo.


lok-red.hoexter@neue-westfaelische.de

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