|
Lippische Landes-Zeitung ,
23.12.2005 :
(Horn-Bad Meinberg) Vier Monate im Kirchenasyl / Familie A. aus Aserbaidschan weiß noch immer nicht, wie es weitergeht
Horn-Bad Meinberg (upf). Seit August ist es wohnlicher geworden im Dachgeschoss des evangelischen Gemeindehauses in Horn. Sogar einen Weihnachtsbaum hat Familie A. aufgestellt - obwohl sie als orthodoxe Christen Weihnachten erst am Ende der Fastenzeit am 7. Januar feiern. So oder so: Es wird ein Weihnachten auf engem Raum sein - denn nach wie vor lebt Familie A. im Kirchenasyl.
Selbst wenn schon jetzt Festtagsstimmung aufkommen würde, könnte sie nicht darüber hinwegtäuschen, dass die fünfköpfige Familie aus Aserbaidschan, die seit Ende August in Horn Zuflucht gefunden hat, über ihre weitere Zukunft völlig im Ungewissen ist. Wie berichtet war der Asylantrag abgelehnt worden, die Familie mit ihren 16, 13 und vier Jahre alten Kindern sollte abgeschoben werden. Die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Horn gewährte ihr Kirchenasyl, das Ökumenische Forum Flüchtlinge in Lippe verhandelt seither mit dem Kreis Lippe.
Mittlerweile ist ein medizinisches Gutachten über Marina A. erstellt worden. Das Ergebnis: Die 35-Jährige leide aufgrund der Erlebnisse vor ihrer Flucht aus der Heimat unter posttraumatischen Belastungsstörungen - bei psychischer Belastung sei mit psychosomatischen Reaktionen schwerster Art zu rechnen. Das Gutachten sei auch vom Amtsarzt des Kreises Lippe bestätigt worden, erklärt Pfarrer Maik Fleck. "Wir sind uns einig, dass Frau A. schwer krank ist." Die Ansichten gingen jedoch auseinander, was die weitere Perspektive für die Familie angehe. Wie Fleck betont, sei für die Mutter eine fachgerechte psychologische Betreuung erforderlich - "eine Lebensperspektive hat sie nur außerhalb Aserbaidschans", so Fleck. Denn eine Ausreise in die USA habe sich als nicht möglich herausgestellt, auch Russland sei zurzeit keine realistische Variante, weil dort sehr restriktiv mit Menschen aus den Kaukasusrepubliken umgegangen werde.
Wie Fleck sagt, stehe jetzt die Prüfung im Raum, ob eine Ausreise nach Aserbaidschan und eine anschließende Betreuung erfolgen könne - dabei sei nach einer Formulierung des Auswärtigen Amtes "ein landesüblicher Standard" ausreichend. "Es bleibt aber unberücksichtigt, ob eine solche Betreuung für Frau A. überhaupt zugänglich und finanzierbar ist. Die Familie weist darauf hin, dass sie als Angehörige der armenischen Minderheit überhaupt nicht behandelt würde." Jetzt sollen mithilfe einer deutschen evangelischen Kirchengemeinde in Baku Informationen eingeholt werden. Aber nach wie vor, so Fleck, stehe der Versuch einer Einigung mit der Ausländerbehörde im Zentrum des Bestrebens: "Wir hoffen, dass sich beim Kreis Lippe so viel Gestaltungsspielraum ergibt, dass es zu einer Duldung kommt." Unterdessen wird die Finanzierung des Unterhalts für die Familie knapp. Ende des Monats sei die Spendensumme aufgebraucht, so Fleck. Es gebe zwar immer noch weitere Sach- und Lebensmittelspenden, aber das Geld für Einkäufe für die Familie reiche nur noch bis nach Weihnachten.
Detmold@lz-online.de
|