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Leipziger Volkszeitung ,
21.12.2005 :
"Ich lasse Borna nicht braun werden"
Borna. "Ich werde mit meiner gesamten Polizei alles, wirklich alles tun dagegen." Bernd Merbitz umklammert sein Brillengestell mit beiden Fäusten. Dann löst er eine Hand und haut auf den Tisch. "Das ist die Stunde Null." Es ist still im Saal. Wenn man es einem zutraut, die Rechtsextremen aus Borna zurückzudrängen, dann ihm, dem Polizeipräsidenten von Westsachsen.
Vielleicht liegt es ja daran, dass Bernd Merbitz die Dinge deutlich wie kein anderer ausspricht. Als Oberbürgermeister Bernd Schröter noch immer ernsthaft erwog, das riesige Stahlkreuz aus seiner Firma an die Rechtsextremen auszuliefern und Landrätin Petra Köpping vor Vorverurteilungen warnte, hatte Merbitz schon genug gesehen. Der germanische Thingplatz in Ludwig Limmers Bauunterlagen für die Kriegsopfer-Gedenkstätte, das monumentale Kreuz, die Viertelmillion Spenden-Euro: "Glaubt jemand im Ernst, da kommen Russlanddeutsche rein?", poltert er. Er verteilt jedoch keine Schwarzen Peter an die Kommunalbehörden. Er will nur nicht, dass irgendjemand imSaal hofft, dass es vielleicht doch nicht so schlimm wird mit den paar alten Männern und Frauen, die ein bisschen im Dritten Reich schwelgen wollen. "Das Ding in der Röthaer Straße kann schon jetzt zum Wallfahrtsort werden", warnt er. "Ich lasse aber nicht zu, dass Borna zur national befreiten Zone wird." Merbitz hat die Polizeistreifen in der Stadt erhöht. Er verlegte den größten Teil des Einsatzzuges seiner Polizeidirektion hierher.
Er scheint es fast persönlich zu nehmen, dass hier womöglich Nazis in Nadelstreifen das gefunden haben, wonach sie seit zehn Jahren vergeblich suchen: ein riesiges Grunstück für eine zentrale Gedenkstätte. Sieben Jahre leitete Merbitz im Landeskriminalamt die Sonderkommission Rechtsextremismus. Er erzählt, wie Beamte bei stundenlangen Einsätzen gegen Skinheads verletzt wurden. Dass ihn Neonazis schon persönlich bedrohten. Der Polizeipräsident steht berufsbedingt knietief in der Soße drin, die nun in die Kreisstadt zu schwappen droht. Doch gerade das könnte nun Bornas Trumpf sein. "Ich lasse die Stadt nicht braun werden", sagt Merbitz. "Wir lösen das Problem." Man glaubt ihm.
Frank Döring
chefredaktion@lvz.de
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