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Leipziger Volkszeitung ,
13.12.2005 :
(Borna) Köpping will Bürgermeister stoppen
Borna. Der Streit um die rechtsextreme Gedächtnisstätte in Borna geht weiter. Landrätin Petra Köpping (SPD) hält es nach derzeitigem Erkenntnisstand für "undenkbar", dass das Stahlkreuz dafür aus der Metallbaufirma des Bornaer Oberbürgermeisters Bernd Schröter (Wählervereinigung Bürger für Borna) kommt. Gegenüber dieser Zeitung erklärte sie gestern: "Ich habe Herrn Schröter mehrfach aufgefordert, dieses Kreuz nicht auszuliefern."
Laut Schröter war der Auftrag an seine Firma kurz nach der städtischen Zustimmung für den Bauantrag eingegangen. Rechtlich sei dagegen nichts einzuwenden, dass der Rathauschef Gesellschafter in der Neukirchener Firma ist, so Köpping. "Das haben wir überprüft. "Er darf nur nicht als Geschäftsführer arbeiten, so lange er die Amtsgeschäfte im Rathaus ausübt." Doch die Geschäftsführung hatte Schröter mit der Amtsübernahme an seine Frau Vera übergeben. Auch wenn sie bei Anfragen im Zusammenhang mit dem Gedenkkreuz schon mal an "den Chef, meinen Mann", verweist.
Gewisses Verständnis zeigte Köpping dafür, dass der Bauantrag zur Errichtung des etwa zwölf Meter hohen Kreuzes ohne Gegenstimme den Bornaer Bauausschuss passierte. "Das kann jeder Stadt und Gemeinde passieren", meinte sie. Und das obwohl sie in Dienstberatungen mit Bürgermeistern gewarnt habe, dass rechte Kreise in der Region Grundstücke erwerben. Anlass zur Vorsicht sei gegeben gewesen, nachdem der Gründer der verbotenen Wehrsportgruppe Hoffmann 2004 das Rittergut in Kohren-Sahlis gekauft hatte.
Die Größe des Bornaer Kreuzes und vor allem der Umstand, dass jemand 250.000 Euro für die Gedächtnisstätte auszugeben bereit ist, hätten bei ihr Bedenken ausgelöst. Als sie am 15. November informiert wurde, dass die Gedenkstätte womöglich von rechtsextremen Kreisen vorangetrieben werden könnte, habe sie Polizei und Rathaus in Kenntnis gesetzt. Doch die Baugenehmigung für das Kreuz war laut Köpping bereits am 7. November erteilt worden.
Oberbürgermeister Schröter kündigte gestern an, das Kreuz erst auszuliefern, "wenn die Sachlage geklärt ist". Weder er noch die Stadträte hätten mit dem großen Echo gerechnet, das die Errichtung einer Kriegsopfer-Gedächtnisstätte ausgelöst habe.
Frank Döring/Nikos Natsidis
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