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Vlothoer Anzeiger ,
12.11.2005 :
Mahnende Wache auf dem Winterberg / 150 Personen wenden sich gegen zweite Jahrestagung der Holocaust-Leugner im Vlothoer Collegium Humanum
Vlotho (va). Vlotho zeigt Flagge. Das Bündnis gegen das Collegium Humanum will nicht akzeptieren, dass es eine rechte Bildungsstätte auf dem Winterberg gibt - und erst recht nicht, dass sich hier der Verein der Holocaust-Leugner trifft.
Von Oliver Plöger
Passend zu dessen zweiter Jahresversammlung hatte das Bündnis gestern zu einer Mahnwache aufgerufen. 150 waren gekommen, um Präsenz zu zeigen und um die Reden von Schülern des Weser-Gymnasiums, von Bernhard Wagner von der Antifa-West und dem Valdorfer Pfarrer Christoph Beyer zu hören. Unter ihnen viele Vlothoer, Vertreter der Politik, aber auch Anwohner vom Winterberg. Die Polizei hatte den direkten Zugang vor das Collegium Humanum mit Absperrband verhindert, etwa 15 Einsatzkräfte waren vor Ort.
Tatsächlich waren einige der Holocaust-Leugner ins Collegium Humanum gekommen, um hier diese öffentlich bekannt gemachte Veranstaltung zu besuchen, wie Albert Meier von der Kreispolizei bestätigte. Dass, wie aus der Antifa teils geäußert wurde, der bekannte Neonazi Ernst Zündel in Vlotho weilte, bestätigte Meier nicht. Zündel sei ohnehin im Gefängnis und warte auf seinen Prozess. Auch der rechte Ex-Anwalt Horst Mahler sei nicht gesehen worden.
"Wir möchten nicht stillschweigend zusehen, wie sich die Holocaust-Leugner in dieser dreisten Form der Öffentlichkeit präsentieren. Es kann nicht sein, dass der Name der Stadt Vlotho durch diese Aktivitäten in Verruf gebracht wird", machten Philipp Rösner und Lars Plaßmeier aus der Jahrgangsstufe 13 des Weser-Gymnasiums deutlich. Es sei ein Skandal, dass es in Deutschland möglich sei, einen solchen Verein zu gründen. Die beiden Schüler erinnerten an ihren Besuch in der KZ-Gedenkstätte Auschwitz. "Selbst aus diesem kleinen Vlotho wurden 41 Personen in Konzentrationslager gebracht. Ihre Schicksale sind dokumentiert", meinten Rösner und Plaßmeier.
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Dass die Leugnung, wie sie der "Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocausts Verfolgten" - so der "offizielle" Name - betreibe, nicht zu akzeptieren sei, stellte auch Bernhard Wagner aus Bielefeld seiner Rede voran. In einer Demokratie hielt er es auch für unnötig, dass eine solche Veranstaltung einen Polizeieinsatz in dieser Form zur Folge habe. "Das Treffen der Holocaust-Leugner gehört schlicht aufgelöst", so Wagners Forderung.
Auf die mahnenden Veranstaltungen in Vlotho verwies Pfarrer Christoph Beyer, darunter am Donnerstag die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Valdorf: "Nur wenn wir uns an die Menschen und ihre Schicksale erinnern, haben wir die Möglichkeit, zu einem ehrlichen Umgang mit der Vergangenheit unserer Stadt und auch unseres Landes zu kommen."
Beyer sprach bei den Holocaust-Leugnern vom "klein-lügen" der Vergangenheit, und: "Wenn es diesen Wahrheitsverdrehern gelingt, den Massenmord an den Juden so weit zu verharmlosen und klein zu reden, dass er sich mit anderen Verbrechen auf eine Stufe stellen lässt - dann haben sie ihr Ziel erreicht." Dann würden sie, so Beyer, sich wieder "erhobenen Hauptes" zum Nationalsozialismus bekennen.
Mit dem heutigen Erinnerungsgang, der um 11 Uhr an der ehemaligen Papierfabrik Mosheim beginnt, will das Bündnis weiter Flagge zeigen.
12./13.11.2005
redaktion@vlothoer-anzeiger.de
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